Überblick
Das ATLAS-System, das Automatisierte Tarif- und Lokale Zoll-Abwicklungs-System der deutschen Zollverwaltung, ist die zentrale Plattform für elektronische Zollmeldungen in Deutschland. Wer im Außenhandel arbeitet, Import- und Exportvorgänge abwickelt oder Zollanmeldungen erstellt, muss ATLAS kennen und bedienen können. Dieser Kurs vermittelt die rechtlichen Grundlagen des Außenhandels, die operative Handhabung des ATLAS-Systems und die praktischen Kenntnisse für eine korrekte Zollabwicklung, von der Einfuhr über Versand- und Lagerverfahren bis zur Veredlung.
Kursinhalte & Lernziele
Überblick Außenhandel und Zollverwaltung Bevor die technische Arbeit mit ATLAS beginnt, steht das Verständnis des regulatorischen Rahmens. Dieser Block führt in die grundlegende Logik des Zollrechts ein und erklärt, welche Behörden und Institutionen welche Rollen übernehmen.
- Grundlagen des deutschen und europäischen Zollrechts
- Organisation der deutschen Zollverwaltung und Zollbehörden
- EU-Zollunion und Gemeinschaftszollkodex (UZK)
- Arten von Zollverfahren im Überblick
- Warenursprung und Präferenzzollrecht
- Wirtschaftliche und regulatorische Bedeutung korrekte Zollanmeldungen
ATLAS-Einfuhr und Zollanmeldeverfahren Das Herzstück des Kurses ist die praktische Arbeit mit ATLAS. Teilnehmende lernen, wie Einfuhrmeldungen aufgebaut sind, welche Datenfelder befüllt werden müssen und wie der elektronische Datenaustausch mit der Zollbehörde abläuft.
- Funktionsweise und Aufbau des ATLAS-Systems
- Erstellen von Einfuhrzollanmeldungen: Felder, Codes, Fristen
- ATLAS-Einfuhr(-abgaben): Abgabenerhebung und Zahlungsverfahren
- Vorübergehende Verwahrung: Anmeldung, Fristen, Beendigung
- Nachträgliche Änderungen und Berichtigungen von Zollanmeldungen
- Häufige Fehlerquellen bei der elektronischen Anmeldung
Versand- und Zolllagerverfahren Waren bewegen sich nicht nur über Grenzen, sie durchlaufen Transitzonen, Freizonenlager und Zollläger. Dieser Block erklärt, wie diese besonderen Zollverfahren funktionieren und wie sie über das NCTS-Versandverfahren abgewickelt werden.
- Versandverfahren NCTS: Aufbau, Nachrichten, Entlastung
- Zollläger: Genehmigung, Bestandsverwaltung, Entnahme
- Freizonenlager und besondere Zollverfahren
- Abgabe und Entlastung von Versandanmeldungen
- Kontrollen und Prüfungsrechte der Zollverwaltung
- Binnendurchfuhr und externe Versandanmeldungen
Elektronischer Zolltarif (EZT) und TARIC-Recherche Die richtige Warentarifnummer ist Grundlage jeder korrekten Zollanmeldung. Dieser Block zeigt, wie die europäische Warenklassifikation funktioniert und wie EZT und TARIC für die tägliche Arbeit genutzt werden.
- Aufbau der Kombinierten Nomenklatur (KN) und des HS-Codes
- Nutzung des EZT-online-Portals der Zollverwaltung
- TARIC-Datenbank der Europäischen Kommission
- Warenrechtliche Maßnahmen: Einfuhrverbote, Kontingente, Antidumping
- Zollwertberechnung nach WTO-Methoden
- Veredlungsverfahren: aktive und passive Veredelung, Umwandlungsverfahren
- Praktische Klassifizierungsübungen anhand gängiger Warengruppen
- Verbindliche Zolltarifauskünfte (vZTA) beantragen
- Zusammenspiel von Zolltarifnummer und Einfuhrabgaben
- Exportkontrolle: Dual-Use und Ausfuhrgenehmigungen
- Dokumentationspflichten bei besonderen Zollverfahren
- Praktische Fallbeispiele aus Import und Export
- Ursprungsnachweise: Lieferantenerklärungen, EUR.1, REX
- Umsatzsteuerliche Behandlung von Einfuhr- und Ausfuhrumsätzen
Das Kursprogramm integriert durchgehend Praxisübungen mit dem ATLAS-System und realistischen Warenkonstellationen. Teilnehmende erstellen Zollanmeldungen anhand konkreter Warenbewegungen und lernen dabei, welche Dateneingaben kritisch sind und welche Fallstricke in der Praxis regelmäßig zu Fehlern führen.
Lernziele:
- Die Struktur des deutschen und europäischen Zollrechts überblicken
- Im ATLAS-System Zollanmeldungen für Einfuhr und Ausfuhr erstellen und übermitteln
- Den Elektronischen Zolltarif (EZT) und TARIC für die Warennummernrecherche nutzen
- Versand- und Zolllagerverfahren korrekt einleiten und abschließen
- Vorübergehende Verwahrung von Waren rechtlich und operativ einordnen
- Veredlungsverfahren, aktive und passive Veredelung, verstehen und anwenden
- Zollwertberechnung nach den WTO-Zollwertmethoden durchführen
- Außenhandelsdokumente korrekt erstellen und prüfen
- Typische Fehler bei der Zollanmeldung erkennen und vermeiden
- Die Zusammenarbeit mit Speditionen, Behörden und Zollstellen organisieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die im Außenhandel, in der Logistik oder in der kaufmännischen Sachbearbeitung tätig sind oder den Einstieg in diese Bereiche suchen.
- Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter in Import- und Exportabteilungen
- Speditionskaufleute, die ihre Zollkenntnisse vertiefen möchten
- Logistikfachleute mit Grenzverkehr und internationalem Warenumschlag
- Quereinsteiger mit kaufmännischer Grundausbildung und Interesse am Zollrecht
- Personen, die sich für Tätigkeiten als Zollsachbearbeiter qualifizieren wollen
Eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung oder ein einschlägiges Studium ist die übliche Voraussetzung; alternativ können ausreichende Berufserfahrung in einem relevanten Bereich oder ein abgebrochenes Hochschulstudium anerkannt werden. Deutsch in Wort und Schrift ist zwingend erforderlich, da Zolldokumente und das ATLAS-System auf Deutsch bedient werden. Grundlegende PC-Kenntnisse werden vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als Combined Learning in Teilzeitformat konzipiert. Theoretische Rechtsgrundlagen werden mit praktischen ATLAS-Übungen verknüpft. Anhand realistischer Import- und Exportfälle erarbeiten Teilnehmende Zollanmeldungen Schritt für Schritt. Lehrmaterialien und Übungsblätter ergänzen die direkten System-Demos. Das Teilzeitformat ermöglicht es Berufstätigen, den Kurs neben dem Arbeitsalltag zu absolvieren. Kursbegleitende Unterlagen erläutern die rechtlichen Grundlagen und dienen nach Abschluss als Nachschlagewerk.
Der Kurs läuft in Teilzeit über mehrere Wochen. Die genaue Dauer und die Stundenverteilung pro Woche sind beim jeweiligen Anbieter zu erfragen. Da es sich um ein Teilzeitangebot handelt, können Berufstätige die Inhalte direkt auf ihre aktuelle Tätigkeit beziehen und Alltagsfragen in den Kurs einbringen.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat. Dieses dokumentiert die erworbenen Kenntnisse im Bereich Außenhandel und Zollabwicklung mit ATLAS und kann als Qualifikationsnachweis im Bewerbungskontext eingesetzt werden. Das Zertifikat weist die abgedeckten Themengebiete aus und bescheinigt praktische Kompetenz im Umgang mit dem ATLAS-System sowie Kenntnisse im europäischen Zollrecht.
Nutzen & Perspektiven
Zollkenntnisse sind eine spezialisierte und gleichzeitig dauerhaft gefragte Qualifikation im Außenhandel. Wer das ATLAS-System souverän bedienen kann, Zollanmeldungen korrekt erstellt und die einschlägigen Zollverfahren kennt, ist in Logistik, Spedition, Import-/Exportabteilungen und Zollberatung unmittelbar einsetzbar. Zollfehler verursachen in Unternehmen erhebliche Kosten, von Verzögerungen an der Grenze über Nacherhebungen bis hin zu Bußgeldern und Compliance-Risiken. Fachkundiges Personal ist daher kein Nice-to-have, sondern eine operative Voraussetzung für reibungslose internationale Warenflüsse. Für Quereinsteiger bietet dieser Kurs einen strukturierten Weg in ein Berufsfeld, das stabile Beschäftigung bietet und konjunkturell vergleichsweise unempfindlich ist. Zollfachleute werden gebraucht, solange Waren die europäische Grenze überqueren, unabhängig von Digitalisierungstrends oder wirtschaftlichen Zyklen. Das Zusammenspiel aus Rechtswissen, Systemkompetenz im ATLAS und dem Verständnis für internationale Handelslogistik, das dieser Kurs aufbaut, deckt genau das Anforderungsprofil ab, das Unternehmen von Bewerberinnen und Bewerbern in diesem Bereich erwarten. Darüber hinaus profitieren Berufserfahrene, die ihre Kenntnisse formalisieren und strukturieren möchten. Viele Zollpraktiker eignen sich ihr Wissen über Jahre im Alltag an, ohne es systematisch in einen rechtlichen und technischen Rahmen eingebettet zu haben. Dieser Kurs füllt Wissenslücken, bringt Ordnung in vorhandenes Praxiswissen und schafft die Grundlage für eine fundierte, belegbare Qualifikation im Bereich Außenhandel und Zollabwicklung. Wer den Schritt von der informellen Praxiserfahrung zur dokumentierten Fachkompetenz macht, stärkt seine Position bei internen Beförderungen und externen Bewerbungen gleichermaßen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ATLAS und warum ist die Systemkenntnis wichtig?
ATLAS (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System) ist das offizielle System der deutschen Zollverwaltung für elektronische Zollanmeldungen. Wer im Import oder Export arbeitet, benötigt Kenntnisse in ATLAS, um Waren korrekt und fristgerecht anzumelden und Verzögerungen oder Bußgelder zu vermeiden.
Muss ich bereits Erfahrung im Außenhandel mitbringen?
Eine kaufmännische Ausbildung oder relevante Berufserfahrung wird vorausgesetzt. Der Kurs richtet sich sowohl an Berufserfahrene, die ihre Kenntnisse vertiefen möchten, als auch an Quereinsteiger mit kaufmännischem Hintergrund, die in den Zollbereich einsteigen wollen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat. Es handelt sich um keinen staatlich anerkannten Berufsabschluss, sondern um einen anerkannten Qualifikationsnachweis für den Außenhandels- und Zollbereich.
Ist der Kurs berufsbegleitend durchführbar?
Der Kurs wird im Teilzeitformat angeboten, was eine Kombination mit einer Erwerbstätigkeit grundsätzlich ermöglicht. Die genaue Wochenstundenzahl und die Lage der Unterrichtszeiten sind beim jeweiligen Anbieter zu erfragen.
Werden auch Ausfuhr und Exportkontrolle behandelt?
Ja, der Kurs deckt neben der Einfuhr auch Versandverfahren und thematisiert Exportkontrolle, Dual-Use-Waren und Ausfuhrgenehmigungen. Der Schwerpunkt liegt auf der Zollabwicklung mit ATLAS, schließt den Exportbereich aber ein.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Sprach-Trainings (DaZ/DaF, Business-Englisch) sind nahezu konstant nachgefragt. Sprachkompetenz ist meist Türöffner für andere Berufe — als eigenes Karriereziel taugt es eher in der Erwachsenenbildung oder im Übersetzungsbereich.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Betriebswirt/Betriebswirtin (doppelt qualifizierende Ausbildung) für Außenhandel14.560 Stellen
- Betriebswirt/Betriebswirtin (doppelt qualifizierende Ausbildung) für allgemeine Betriebswirtschaft1.511 Stellen
- Übersetzer/Übersetzerin (Weiterbildung)59 Stellen
- Managementassistent / Managementassistentin (doppelt qualifizierende Ausbildung)30 Stellen