Überblick
Nach dem Einstieg in die doppelte Buchführung folgt mit diesem Kurs der nächste konsequente Schritt: Buchführung II vertieft die Abschlussarbeiten und führt systematisch in die Bilanzierung ein. Die Teilnehmenden erlernen, wie aus dem laufenden Buchungsgeschäft ein vollständiger Jahresabschluss entsteht — mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und den dazugehörigen Abschluss- und Bewertungsbuchungen. Der Kurs richtet sich an Personen, die bereits grundlegende Buchführungskenntnisse besitzen und diese konsequent in Richtung selbstständige Abschlussarbeiten ausbauen wollen.
Kursinhalte & Lernziele
Der Kurs gliedert sich in aufeinander aufbauende Themenblöcke, die vom buchhalterischen Apparat über die laufenden Buchungen bis zu den eigentlichen Abschlussarbeiten führen. Bücher der Buchhaltung und Belegwesen: Dieser einführende Block stellt sicher, dass alle Teilnehmenden das organisatorische Gerüst der Buchführung verstehen: Wie hängen Grundbuch, Hauptbuch und Nebenbücher zusammen? Welche Anforderungen stellt die GoBD an Belege, und wie müssen Originalbelege im digitalen Umfeld aufbewahrt werden? Da Abschlussarbeiten auf korrekten Vorarbeiten beruhen, ist diese Systematik Grundvoraussetzung für alle folgenden Module.
- Grundbuch, Hauptbuch, Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung als Nebenbücher
- Kassenbuch und Bankbuch: Führung und Abstimmung
- GoBD-konforme Belegorganisation: Pflichtangaben, Aufbewahrungsfristen
- Digitale Belegerfassung und revisionssichere Archivierung
- Abstimmungsarbeiten zwischen Haupt- und Nebenbüchern
- Fehlerquellen im Belegwesen und deren Behebung
Bestandsveränderungen und komplexe Buchungsvorgänge: Unternehmen, die Waren kaufen, herstellen oder lagern, müssen Bestandsveränderungen in der Buchführung exakt abbilden. Dieser Block behandelt die buchungstechnische Erfassung von Vorratsveränderungen, Anzahlungen und besondere Buchungskonstellationen, die im Kurs „Buchführung I" noch nicht vertieft wurden.
- Bestandsveränderungen bei RHB-Stoffen: Zugänge, Abgänge, Inventurdifferenzen
- Halb- und Fertigerzeugnisse: Erfassung und Bewertung
- Anzahlungen geleistet und erhalten: Buchung und Abgrenzung
- Boni, Skonti, Rabatte und ihre Auswirkung auf Warenkonten
- Buchungen von Privatvorgängen: Entnahmen, Einlagen, Eigenverbrauch
- Privatanteil PKW: anteilige Erfassung nach Fahrtenbuch oder Pauschalregelung
Umsatzsteuer im Abschlusskontext: Umsatzsteuer und Vorsteuer sind im laufenden Geschäft permanent präsent — und spielen beim Jahresabschluss eine eigene Rolle: Die Steuerkonten müssen gesaldet, offene Umsatzsteuerverbindlichkeiten und Vorsteuerforderungen müssen korrekt in der Schlussbilanz ausgewiesen werden. Auch die Behandlung von Voranmeldungsdifferenzen wird besprochen.
- Jahresabstimmung Umsatzsteuer: Voranmeldungen vs. Jahreserklärung
- Verbuchung von Nachzahlungen und Erstattungen
- Umsatzsteuer-Verbindlichkeiten und Vorsteuer-Forderungen im Jahresabschluss
- Steuerfreie Umsätze und Vorsteuerausschluss: buchhalterische Auswirkungen
- Innergemeinschaftliche Erwerbe und Reverse Charge: Überblick und Buchung
- Fehler in der Umsatzsteuerverbuchung: Erkennung und Korrektur
Jahresabschluss und Bilanzierung: Das Herzstück des Kurses. Von der Inventur über Abschlussbuchungen bis zur fertigen Bilanz und GuV werden alle Schritte systematisch durchgearbeitet. Bewertungsfragen — Rückstellungen, Rechnungsabgrenzungen, Abschreibungen — werden sowohl konzeptionell als auch anhand von Buchungssätzen behandelt.
- Inventur: körperliche Bestandsaufnahme, Stichtaginventur, Inventar
- Bewertung von Vermögensgegenständen nach HGB (Anschaffungskosten, Niederstwertprinzip)
- Abschreibungen: linear, degressiv, außerplanmäßig — Berechnung und Verbuchung
- Aktive Rechnungsabgrenzungsposten (ARAP) und passive Rechnungsabgrenzungsposten (PRAP)
- Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten: Bildung, Nutzung, Auflösung
- Sonstige Verbindlichkeiten und sonstige Forderungen im Abschluss
- Abschluss der Erfolgskonten, Gewinn- oder Verlustübertrag
- Aufstellung der Schlussbilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung
- Verbindung zwischen GuV-Ergebnis und Eigenkapitalveränderung
- Grundlegende Bilanzkennzahlen: Eigenkapitalquote, Anlagendeckung
- Praxisfall: Vollständiger Jahresabschluss eines Handelsunternehmens
- Prüfungsaufgaben und Selbstkontrolle
Der Praxisteil dieses Kurses geht über einzelne Buchungsübungen hinaus: Die Teilnehmenden bearbeiten einen zusammenhängenden Fall, der einen vollständigen Buchführungskreislauf — von der Eröffnungsbilanz bis zur Schlussbilanz — abbildet. Dabei treten unweigerlich Fehler und Unklarheiten auf, deren Behebung ein eigenständiges Lernelement ist. Am Ende des Kurses steht kein abstraktes Wissen über Bilanzierung, sondern eine praktisch erprobte Handlungskompetenz: Die Teilnehmenden wissen, welche Abschlussbuchungen wann zu tätigen sind, wie Bewertungsentscheidungen dokumentiert werden und wie sie die fertige Bilanz auf Plausibilität prüfen.
Lernziele:
Nach Abschluss dieser Weiterbildung beherrschen die Teilnehmenden folgende Kompetenzen.
- die Bücher der Buchhaltung (Grundbuch, Hauptbuch, Nebenbücher) benennen und deren Zusammenwirken erklären
- Belegorganisation und Belegpflicht im Jahresabschlusskontext korrekt handhaben
- Bestandsveränderungen bei Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie fertigen und unfertigen Erzeugnissen identifizieren und buchen
- komplexe Buchungssätze für besondere Geschäftsvorfälle sicher formulieren
- Umsatzsteuer und Vorsteuer im Rahmen der Abschlussarbeiten abgrenzen und verbuchen
- Privatentnahmen und Privateinlagen im Jahresabschluss korrekt behandeln
- Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung aufstellen
- Abschreibungen auf Anlagevermögen berechnen und als Abschlussposition verbuchen
- aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten im Jahresabschluss bilden und auflösen
- Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten sachgerecht ansetzen
- den vollständigen Abschlussablauf von der Inventur bis zur Schlussbilanz selbstständig durchführen
- typische Bilanzkennzahlen interpretieren und daraus erste Schlüsse zur Finanzlage eines Unternehmens ziehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Aufbaukurs setzt Grundkenntnisse der Buchführung voraus und richtet sich an alle, die den nächsten Schritt in Richtung Abschlussarbeiten und Bilanzierung gehen wollen.
- Buchhalterinnen und Buchhalter, die bisher hauptsächlich laufende Buchungstätigkeiten übernommen haben
- Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter im Finanzbereich, die mit Jahresabschlussarbeiten betraut werden sollen
- Arbeitssuchende mit Buchführungsgrundlagen, die sich für Stellen in der Finanzbuchhaltung qualifizieren
- Steuerfachangestellte im Ausbildungsverhältnis oder in der Fortbildung
- Personen, die den Weg zum Bilanzbuchhalter anstreben und den Stoff fundiert vorbereiten möchten
Vorausgesetzt werden sichere Kenntnisse der doppelten Buchführung auf Grundlagenniveau — insbesondere das Arbeiten mit Kontenrahmen, die Bildung von Buchungssätzen und der Umgang mit Bestands- und Erfolgskonten. Grundlegende mathematische Kenntnisse (Prozent- und Zinsrechnung) sind erforderlich. Ebenfalls erwartet wird ein sicherer PC-Umgang: Dateioperationen, Windowsumgebung und Excel-Grundlagen sollten vertraut sein. Ein gutes Sprachniveau (mindestens B2 Deutsch) wird für die Arbeit mit Buchführungsvorschriften und Fachliteratur vorausgesetzt. Wer den Grundlagenkurs Buchführung I absolviert hat, bringt in der Regel die notwendigen Vorkenntnisse mit.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs nutzt ein Combined-Learning-Konzept, das angeleitetes Präsenz- oder Online-Lernen mit eigenverantwortlichen Übungsphasen kombiniert. Die Abschlussthemen werden zunächst schrittweise am Beispiel erläutert; anschließend bearbeiten die Teilnehmenden selbstständige Aufgaben, deren Ergebnisse im Kurs besprochen werden. Die Lehrkräfte geben Feedback zu den Buchungsarbeiten und erläutern, warum bestimmte Buchungsansätze zulässig oder nicht zulässig sind. Dieser dialogische Austausch ist besonders für Bilanzierungs- und Bewertungsfragen wichtig, da dort häufig Ermessensspielräume bestehen, die erklärt werden müssen.
Die Weiterbildung dauert überwiegend mehr als drei Tage bis zu einer Woche, bei manchen Anbietern auch länger — bis zu einem Monat, wenn der Stoff intensiver und mit mehr Übungsanteilen vertieft wird. Die kürzere Variante eignet sich für Personen, die bereits solide Grundlagen haben und gezielt die Abschlussthemen auffrischen wollen; die längere ist für diejenigen geeignet, die den gesamten Buchführungs-II-Stoff von Grund auf erarbeiten. Vollzeit- und Teilzeitformate werden angeboten.
Nach dem Kurs erhalten die Teilnehmenden eine trägereigene Teilnahmebescheinigung, teils unter dem Namen des jeweiligen Bildungsträgers (z. B. bfz-Zertifikat, FAW-Zertifikat). Diese Bescheinigung dokumentiert die behandelten Themen, den Stundenumfang und die vermittelten Kompetenzen. Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes Abschlusszeugnis; die Bescheinigung wird jedoch von Arbeitgebern und Vermittlungsstellen anerkannt. Wer eine weitergehende formale Qualifikation anstrebt, kann aufbauend den Lehrgang zum geprüften Buchhalter oder Bilanzbuchhalter belegen.
Nutzen & Perspektiven
Jahresabschlüsse gehören zu den anspruchsvollsten Aufgaben im kaufmännischen Betrieb. Wer sie versteht und selbstständig begleiten kann, wird in Buchhaltungs- und Finanzteams als deutlich vielseitiger eingeschätzt als jemand, der nur laufende Buchungen beherrscht. Das Wissen aus diesem Kurs befähigt die Teilnehmenden, aktiv an Monats- und Jahresabschlüssen mitzuwirken und nicht nur Einzelbuchungen abzuarbeiten. Für die berufliche Entwicklung öffnet dieser Kurs den Weg in Richtung Finanzbuchhalter oder Bilanzbuchhalter. Wer künftig eine Stelle in der Jahresabschlusserstellung, der Steuerabteilung oder in einem Steuerbüro anstrebt, braucht genau diese Abschlusskenntnisse. Da viele Stellen im Bereich Rechnungswesen ausdrücklich Kenntnisse in Bilanzierung und Jahresabschluss voraussetzen, stärkt dieser Kurs die Bewerbungsposition erheblich. Darüber hinaus schärft das Verständnis der Bilanzierung den Blick für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge: Wer weiß, wie Rückstellungen gebildet werden und welchen Einfluss Abschreibungen auf das Jahresergebnis haben, kann finanzielle Entwicklungen im Unternehmen besser deuten und interpretieren. Das macht qualifizierte Buchhalter zu wertvollen Gesprächspartnern nicht nur für die Steuererklärung, sondern für das gesamte betriebliche Finanzmanagement.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Sie sollten die Grundlagen der doppelten Buchführung sicher beherrschen: Kontenrahmen lesen, einfache Buchungssätze bilden, mit Bestands- und Erfolgskonten umgehen. Wer Buchführung I absolviert hat, bringt die notwendige Basis in der Regel vollständig mit.
Was ist der Unterschied zwischen Buchführung I und Buchführung II?
Buchführung I vermittelt die Grundsystematik der doppelten Buchführung: Konten, Buchungssätze, laufende Geschäftsvorfälle. Buchführung II setzt dort an und behandelt die Abschlussarbeiten: Inventur, Bewertung, Rückstellungen, Rechnungsabgrenzung und die vollständige Aufstellung von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung.
Für welche Berufe qualifiziert dieser Kurs?
Der Kurs bereitet auf Tätigkeiten in der Finanzbuchhaltung vor, bei denen Abschlussarbeiten zum Aufgabengebiet gehören: Buchhalter, Finanzbuchhalter, Sachbearbeitung Rechnungswesen. Er ist außerdem ein sinnvoller Schritt auf dem Weg zur Bilanzbuchhalterqualifikation.
Erhalte ich ein anerkanntes Abschlusszeugnis?
Nach dem Kurs wird eine Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers ausgestellt, ggf. unter dem Namen des Trägers (bfz-Zertifikat, FAW-Zertifikat o. ä.). Ein staatlich anerkanntes Zeugnis ist das nicht, aber die Bescheinigung wird von Arbeitgebern und der Arbeitsvermittlung als Nachweis der Qualifizierung akzeptiert.
Kann ich den Kurs auch in Teilzeit absolvieren?
Ja, viele Anbieter führen diesen Kurs sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit durch. Die Vollzeit-Variante dauert in der Regel wenige Tage bis eine Woche, die Teilzeit-Variante kann sich über mehrere Wochen erstrecken. Informieren Sie sich beim jeweiligen Anbieter über die konkrete Terminplanung.
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