Überblick
Wer in der Buchhaltung anspruchsvolle Aufgaben übernehmen möchte, stößt früher oder später an die Grenzen rein buchungstechnischer Kenntnisse. Steuerrecht durchdringt nahezu jeden Buchungsvorgang: die Bewertung von Anlagen, die Verbuchung von Rückstellungen, die korrekte Behandlung der Umsatzsteuer, die Unterschiede zwischen Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer. Diese Weiterbildung verbindet deshalb die operative Buchhaltungspraxis mit dem zugehörigen Rechtsrahmen zu einem geschlossenen Qualifizierungsprogramm. Vier aufeinander aufbauende Module führen von den Grundlagen der externen Buchhaltung über die DATEV-gestützte Lohn- und Finanzbuchhaltung bis zu den steuerrechtlichen Besonderheiten, die in der Praxis täglich relevant sind.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Externe Buchhaltung: Grundlagen der doppelten Buchführung Der erste Block legt das Fundament für alle weiteren Module. Teilnehmende erarbeiten das System der Buchführung von der Inventur bis zur Gewinn- und Verlustrechnung und verstehen, wie Bestands- und Erfolgskonten zusammenwirken. Besonderes Gewicht liegt auf der Logik des Kontierens und auf dem Verständnis dafür, was ein Buchungsvorgang im Rechenwerk auslöst.
- Inventur und Inventar: Aufnahmeverfahren, Inventurarten, Bewertungsansätze
- Bestandskonten: Aktiv- und Passivkonten, Eröffnungs- und Schlussbilanzkonto
- Erfolgskonten: Aufwands- und Ertragskonten, Kontenrahmen und Kontenplan
- Gewinn- und Verlustrechnung: Gesamtkosten- und Umsatzkostenverfahren
- Erfolgsermittlung: Eigenkapitalveränderung, Einlagen und Entnahmen, betriebswirtschaftliche Interpretation
- Privateinlagen und -entnahmen bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften
Modul 2 — Anlagenbuchhaltung und Jahresabschlüsse mit DATEV Im zweiten Block steht das Anlagevermögen im Mittelpunkt — ein Bereich, in dem buchhalterische Entscheidungen direkten Einfluss auf Bilanz und Steuerlast haben. Teilnehmende lernen, wie Zugänge aktiviert, planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen gebucht und der Anlagenspiegel fortgeführt werden. Ergänzend werden alle Schritte der Jahresabschlusserstellung — von der Vorkontierung bis zur IT-gestützten Auswertung mit DATEV — durchgearbeitet.
- Bewertung von Vermögensgegenständen und Schulden nach HGB: Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Niederstwertprinzip
- Anlagebuchhaltung: Zugänge, Abgänge, lineare und degressive Abschreibung, GWG-Regelungen
- Anlagenspiegel: Aufbau, Fortschreibung, Prüfung der Vollständigkeit
- Rückstellungen, Rücklagen und Rechnungsabgrenzungsposten: Ansatz und Bewertung
- Jahresabschlussarten nach Rechtsform: Einzel- vs. Konzernabschluss, HGB vs. IFRS-Grundlagen
- IT-gestützte Abschlussarbeiten: Jahresabschluss-Assistent in DATEV, Fehlerprüfung und Ausgabe
Modul 3 — Lohn- und Finanzbuchhaltung mit DATEV Dieser Abschnitt führt in die DATEV-Produktwelt ein und zeigt, wie Finanzbuchhaltung und Lohnabrechnung in der Praxis digitalisiert abgewickelt werden. Teilnehmende richten Mandantenstammdaten ein, lernen die Logik von Steuercodes und Buchungsschlüsseln kennen und erstellen vollständige Lohn- und Gehaltsabrechnungen unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben zur Sozialversicherung und Lohnsteuer.
- Einrichtung und Verwaltung von Mandantenstammdaten in DATEV Lohn und Gehalt
- Grundlagen und Abläufe der Finanzbuchhaltung: Belege, Buchungskreise, Automatikkonten
- Anwendung von Steuercodes und Steuerschlüsseln: USt, VSt, Reverse Charge, innergemeinschaftliche Lieferungen
- Erstellung von Lohn- und Gehaltsabrechnungen: Brutto-Netto-Rechnung, Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer
- Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben: Mindestlohn, Entgeltfortzahlung, Kurzarbeit
- Pflege abrechnungsrelevanter Mitarbeiterdaten: Steuerklassen, SV-Daten, Arbeitszeitkonten
Modul 4 — Steuerrecht: Allgemeines und besonderes Steuerrecht Der abschließende Block befasst sich mit dem rechtlichen Rahmen, der die Buchführungspraxis unterlegt. Ausgehend von der Abgabenordnung als Grundgesetz des Steuerrechts werden die wichtigsten Einzelsteuergesetze systematisch erarbeitet. Besonderes Gewicht liegt auf den ertragsteuerlichen Unterschieden zwischen Einkommensteuer (Einzelunternehmen, Personengesellschaften) und Körperschaftsteuer (Kapitalgesellschaften) sowie auf den Besonderheiten der Umsatzsteuer.
- Steuerrecht — Rahmenbedingungen: Steuerhoheit, Steuerarten, Steuersubjekte und -objekte
- Allgemeines Steuerrecht: Abgabenordnung (Besteuerungsverfahren, Steuerpflichten, Mitwirkungspflichten) und Bewertungsgesetz
- Einkommensteuer: Einkunftsarten, Gewinnermittlungsarten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen
- Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer: Steuerpflichtige, Bemessungsgrundlagen, Hinzurechnungen, Kürzungen
- Umsatzsteuerrechtliche Bestimmungen: Steuerbarkeit, Steuerpflicht, Vorsteuerabzug, innergemeinschaftlicher Handel
- Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie Grunderwerbsteuer: Grundzüge, Freibeträge, Steuerschuldner
Praxisblock — Buchhaltung und Steuerrecht in konkreten Geschäftsvorfällen Die theoretischen Inhalte der vier Module werden durchgehend an praxisnahen Buchungsfällen geübt. Teilnehmende bearbeiten realistische Buchungssätze, wenden Steuercodes korrekt an und simulieren den Jahresabschluss eines fiktiven Unternehmens von der Eröffnungsbilanz bis zur GuV-Auswertung. Typische Praxisaufgaben sind
- Vollständige Buchungssequenz für Warenein- und -ausgänge inklusive Umsatzsteuer
- Aktivierung und Abschreibung einer Maschine über ihre Nutzungsdauer mit DATEV
- Erstellung einer Lohn- und Gehaltsabrechnung für verschiedene Beschäftigungsmodelle
- Buchung einer Rückstellung für drohende Verluste aus einem schwebenden Geschäft
- Verbuchung eines innergemeinschaftlichen Erwerbs und Überprüfung der Vorsteuerabzugsberechtigung
- Ermittlung der Körperschaftsteuer und des Solidaritätszuschlags für eine GmbH
- Berechnung der Gewerbesteuer und Prüfung der Hinzurechnungs- und Kürzungsbeträge
- Umsatzsteuervoranmeldung: Pflichtangaben, Fristen, Korrektur bei Fehler
- Jahresabschluss-Checkliste: Reihenfolge der Abschlussarbeiten, Abstimmung offener Posten
- Analyse einer Bilanz mit DATEV auf Liquiditätskennzahlen und Eigenkapitalquote
- Buchung einer Schenkung im Rahmen einer Betriebsübertragung
- Auswertung einer GuV auf Kosten- und Ertragsstruktur
Im Verlauf der Praxisaufgaben entwickeln Teilnehmende ein Gespür dafür, wie steuerliche Entscheidungen auf buchhalterische Vorgänge durchschlagen und umgekehrt — eine Kompetenz, die im Berufsalltag täglich gefragt ist und die sich nicht aus Lehrbüchern allein erwerben lässt.
Lernziele:
- Grundbegriffe der doppelten Buchführung sicher anwenden und Buchungssätze fehlerfrei erstellen
- Inventur, Inventar und Bestandskonten korrekt führen und abgrenzen
- Anlagevermögen nach HGB bewerten, abschreiben und im Anlagenspiegel dokumentieren
- Jahresabschlüsse (Bilanz und GuV) rechtsformgerecht erstellen und auswerten
- DATEV-Software für Finanzbuchhaltung und Lohnabrechnung produktiv einsetzen
- Mandantenstammdaten einrichten, Steuercodes zuordnen und Buchungskreise konfigurieren
- Lohn- und Gehaltsabrechnungen unter Berücksichtigung sozialversicherungsrechtlicher Vorgaben erstellen
- Allgemeines Steuerrecht (Abgabenordnung und Bewertungsgesetz) in der Buchungspraxis anwenden
- Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer gegeneinander abgrenzen und steuerliche Belastungen berechnen
- Umsatzsteuerrechtliche Bestimmungen — Steuerpflicht, Vorsteuerabzug, Reverse Charge — korrekt buchen
- Erbschaft-, Schenkung- und Grunderwerbsteuer in ihren Grundzügen kennen und einordnen
- Rückstellungen, Rechnungsabgrenzungsposten und latente Steuern nach HGB sachgerecht behandeln
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die im kaufmännischen Bereich tätig sind oder tätig werden möchten und ihre Kenntnisse systematisch in Richtung Steuerrecht vertiefen wollen.
- Kaufmännische Fachkräfte ohne spezifische Buchhaltungsausbildung, die einen strukturierten Einstieg suchen
- Mitarbeitende aus Verwaltung, Controlling oder Finanzbuchhaltung, die den Steuerrechtsschwerpunkt ausbauen möchten
- Quer- und Wiedereinsteiger in buchhalterische Tätigkeiten
- Personen, die eine Tätigkeit in einer Steuerkanzlei oder im Rechnungswesen eines Unternehmens anstreben
- Fachkräfte, die mit DATEV arbeiten und ihre steuerrechtliche Grundlage festigen möchten
Für die Teilnahme werden keine spezifischen buchhalterischen Vorkenntnisse vorausgesetzt; der erste Modulblock beginnt mit den Grundlagen. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind erforderlich, da Gesetzestexte und Fachbegriffe in deutscher Sprache erarbeitet werden. Grundlegende Computerkenntnisse erleichtern den Umgang mit DATEV.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Combined-Learning-Format statt, das direkte Vermittlung durch erfahrene Fachdozentinnen und -dozenten mit begleitenden Übungsaufgaben kombiniert. Buchhalterische Themen lassen sich nicht allein durch Zuschauen erlernen — deshalb steht die eigenständige Bearbeitung von Buchungsfällen und Steuerberechnungen im Mittelpunkt. DATEV wird praktisch eingesetzt, sodass Teilnehmende die Software in realitätsnahen Szenarien anwenden lernen, nicht nur theoretisch kennenlernen. Der Kurs wird in Vollzeit durchgeführt.
Der Lehrgang erstreckt sich über vier aufeinander aufbauende Themenblöcke, jeder mit einer Dauer von rund vier Wochen, was eine Gesamtlaufzeit von etwa 16 Wochen ergibt. Der genaue Ablauf richtet sich nach dem gewählten Starttermin; die Vollzeitstruktur ermöglicht einen zügigen Abschluss ohne lange Wartezeiten zwischen den Modulen.
Nach Abschluss aller vier Module erwerben Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat mit dem Titel „Buchhalter Schwerpunkt Steuerrecht". Dieses Zertifikat dokumentiert die erworbenen Kompetenzen und wird von Arbeitgebern in Rechnungswesen, Steuerkanzleien und kaufmännischen Abteilungen als Qualifikationsnachweis anerkannt.
Nutzen & Perspektiven
Buchhalterische Fachkräfte mit soliden Steuerrechtskenntnissen sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt gefragt und vergleichsweise selten. Wer nicht nur Konten buchen, sondern auch einschätzen kann, welche steuerlichen Konsequenzen ein Buchungsvorgang hat, entlastet Steuerberatungskanzleien, erhöht die Qualität des Rechnungswesens und eröffnet sich intern Aufstiegschancen in anspruchsvollere Positionen. Die Verbindung von DATEV-Praxiskenntnissen mit steuerrechtlichem Fachwissen ist besonders wertvoll für mittelständische Unternehmen, die keine eigene Steuerabteilung unterhalten und auf Mitarbeitende angewiesen sind, die eigenverantwortlich komplexere Buchungsfragen klären. Wer nach diesem Lehrgang in einer Steuerkanzlei oder im Rechnungswesen arbeitet, bringt das Wissen mit, das üblicherweise erst in einer formalisierten Ausbildung zum Steuerfachangestellten erworben wird. Der Abschluss schafft außerdem eine solide Grundlage für weiterführende Qualifizierungen im Bereich Bilanzbuchhaltung oder für die Vorbereitung auf die IHK-Prüfung zur geprüften Bilanzbuchhalterin oder zum geprüften Bilanzbuchhalter — ein natürlicher nächster Schritt für alle, die in der Buchhaltung langfristig Karriere machen möchten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Vorkenntnisse in der Buchhaltung für diesen Kurs notwendig?
Nein, der Kurs beginnt mit den Grundlagen der externen Buchhaltung und setzt keine spezifische buchhalterische Vorqualifikation voraus. Grundlegende Computerkenntnisse und sehr gute Deutschkenntnisse sind jedoch erforderlich, da Gesetzestexte auf Deutsch erarbeitet werden.
Welches Zertifikat erhalte ich nach Abschluss des Lehrgangs?
Nach dem erfolgreichen Abschluss aller vier Modulblöcke erwerben Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat mit dem Titel „Buchhalter Schwerpunkt Steuerrecht". Dieses Zertifikat wird im deutschen Rechnungswesen und in Steuerkanzleien als Qualifikationsnachweis anerkannt.
Welche Steuerarten werden in diesem Kurs behandelt?
Der Kurs deckt das gesamte Spektrum des besonderen Steuerrechts ab: Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer sowie Grundzüge der Erbschaft-, Schenkung- und Grunderwerbsteuer. Ergänzend werden das allgemeine Steuerrecht (Abgabenordnung) und das Bewertungsgesetz behandelt.
Welche Rolle spielt DATEV in diesem Lehrgang?
DATEV ist fester Bestandteil zweier Module: Im Modul zur Anlagenbuchhaltung und zu Jahresabschlüssen wird der DATEV Jahresabschluss-Assistent praktisch eingesetzt; im Modul zur Lohn- und Finanzbuchhaltung arbeiten Teilnehmende mit DATEV Lohn und Gehalt. Die Software wird in praxisnahen Szenarien angewendet, nicht nur theoretisch vorgestellt.
Welche Berufe kann ich nach dieser Weiterbildung anstreben?
Der Abschluss qualifiziert für Positionen als Buchhalter/in, Finanzbuchhalter/in, Lohnbuchhalter/in oder Sachbearbeiter/in im Rechnungswesen. Er schafft außerdem eine solide Grundlage für weiterführende Qualifizierungen wie den geprüften Bilanzbuchhalter (IHK).
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