Überblick
Die Weiterbildung zum Compliance- und Regulatory Affairs Manager:in bereitet Fachkräfte auf eine zentrale Funktion in der Unternehmensführung vor: die Sicherstellung der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, internen Richtlinien und branchenspezifischer Regulierungen. Der Kurs behandelt den Aufbau und Betrieb von Compliance-Managementsystemen (CMS) nach ISO 37301, die nationalen und internationalen Rechtsgrundlagen im Compliance-Kontext, Risikoanalyse und -management, Datenschutz und IT-Compliance, Anti-Korruption und Whistleblowing sowie Grundlagen des Regulatory Affairs. Ergänzend werden Audit- und Projektmanagementmethoden vermittelt, die für die Umsetzung von Compliance-Programmen in der Praxis unerlässlich sind. Der Kurs richtet sich an Fachkräfte mit Berufs- oder Studienerfahrung und wird als Vollzeitmaßnahme im Combined Learning-Format über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten durchgeführt.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul legt die rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen des Compliance-Managements. Es führt in das Grundverständnis von Compliance ein und stellt die zentralen Rechtsquellen vor, auf denen Compliance-Anforderungen basieren.
- Grundverständnis Compliance: Begriff, Bedeutung und Verantwortung im Unternehmen
- Nationale Rechtsgrundlagen: OWiG, StGB (Unternehmensstrafrecht), BGB, DSGVO, BDSG
- Internationale Rechtsgrundlagen: US FCPA, UK Bribery Act, EU-Richtlinien
- Aufbau und Elemente eines Compliance-Managementsystems (CMS)
- ISO 37301 Compliance-Managementsysteme: Anforderungen und Zertifizierungslogik
- Compliance-Kultur: ethische Unternehmensführung und Verhaltenskodex
Das zweite Modul behandelt Risikoanalyse und Risikomanagement im Compliance-Kontext. Risiken systematisch zu erfassen, zu bewerten und durch geeignete Kontrollen zu mindern ist die Kernaufgabe des Compliance-Managements.
- Methoden der Compliance-Risikoanalyse: Schwachstellenanalyse und Prozessreview
- Risikobewertungsmatrizen und Wesentlichkeitsgrenzen
- Aufbau eines Compliance-Kontrollsystems (Internal Controls)
- Überwachungs- und Testverfahren für Kontrollen
- Dokumentation und Reporting von Compliance-Risiken
- Reaktionsplanung bei Compliance-Verstößen: Meldepflichten, Investigation, Remediation
Das dritte Modul widmet sich Datenschutz und IT-Compliance. Angesichts der wachsenden Bedeutung der DSGVO und der zunehmenden Digitalisierung ist IT-Compliance ein unverzichtbares Element jedes modernen Compliance-Programms.
- DSGVO und BDSG: Grundsätze, Rechtsgrundlagen und Betroffenenrechte
- Auftragsverarbeitung und Datenschutzverträge
- Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs) nach Art. 32 DSGVO
- Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) nach Art. 35 DSGVO
- IT-Sicherheitsanforderungen und Cybersecurity-Compliance
- Datenschutzkoordination und Zusammenarbeit mit dem betrieblichen Datenschutzbeauftragten
Das vierte Modul behandelt Anti-Korruption, Whistleblowing und Regulatory Affairs. Es vermittelt Kenntnisse zu Korruptionsprävention, dem Schutz von Hinweisgebern und den spezifischen regulatorischen Anforderungen in regulierten Branchen.
- Anti-Korruptionsprogramme: Risikofelder, Präventionsmaßnahmen, Schulungen
- Whistleblowing-Systeme: gesetzliche Anforderungen nach dem HinSchG, technische Umsetzung
- Regulatory Affairs: Zulassungsprozesse, Marktüberwachung und Post-Market-Compliance
- Branchenspezifische Regulierung: Pharma, Finanzwesen, Medizintechnik
- Compliance im öffentlichen Vergabewesen: Korruptionsprävention bei Ausschreibungen
- Projektmanagement für Compliance-Implementierungsprojekte
Praxisblock Im Praxisblock wenden Teilnehmende die Lerninhalte auf realistische Unternehmensszenarien an. Ziel ist es, alle Phasen eines Compliance-Programms — von der Konzeption bis zur Auditierung — eigenständig zu durchlaufen.
- Erstellung einer Compliance-Risikoanalyse für ein fiktives Unternehmen
- Entwicklung eines Compliance-Kodex (Code of Conduct) nach ISO 37301
- Aufbau eines Kontrollrahmens für einen ausgewählten Risikoprozess
- Planung und Simulation eines internen Compliance-Audits
- Konzeption einer Compliance-Schulung für Mitarbeitende (Inhalt und Didaktik)
- Erstellung eines Datenschutzkonzepts nach DSGVO inkl. Verarbeitungsverzeichnis
- Einrichtung eines Whistleblowing-Kanals: rechtliche und technische Anforderungen
- Analyse eines internationalen Compliance-Verstoßfalls und Ableitung von Maßnahmen
- Erstellung eines Compliance-Berichts für die Geschäftsleitung
- Überprüfung eines bestehenden CMS anhand der ISO 37301-Checkliste
- Entwicklung eines Anti-Korruptions-Trainings für Vertriebsmitarbeitende
- Begleitung eines Regulatory-Affairs-Zulassungsverfahrens anhand eines Fallbeispiels
Alle Praxisaufgaben orientieren sich an realen Compliance-Herausforderungen aus Industrie, Pharma, Finanzwesen und öffentlicher Verwaltung und fördern die direkte Übertragbarkeit auf den Berufsalltag.
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung sind Teilnehmende in der Lage, ein Compliance-Managementsystem nach ISO 37301 zu konzipieren, zu implementieren und zu überwachen
- relevante nationale Rechtsgrundlagen (OWiG, StGB, BGB, DSGVO, BDSG) im Unternehmenskontext anzuwenden
- internationale Compliance-Anforderungen zu recherchieren und zu beurteilen
- Risikoanalysen und Risikobewertungen im Compliance-Kontext durchzuführen
- Datenschutz- und IT-Compliance-Anforderungen gemäß DSGVO und BDSG umzusetzen
- Anti-Korruptionsprogramme und Whistleblowing-Systeme zu entwickeln und zu betreiben
- interne Compliance-Schulungen zu konzipieren und durchzuführen
- Audit-Verfahren zu planen, zu leiten und die Ergebnisse zu dokumentieren
- Compliance-Verstöße frühzeitig zu erkennen, zu melden und zu beheben
- Compliance-Projekte mit Methoden des Projektmanagements zu steuern
- regulatorische Vorgaben (Regulatory Affairs) zu analysieren und Zulassungsverfahren zu begleiten
- Compliance-Berichte für Geschäftsleitung und externe Stakeholder zu erstellen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die eine verantwortungsvolle Compliance-Funktion übernehmen oder ihre bestehenden Kenntnisse systematisch ausbauen möchten.
- Fachkräfte aus Qualitätsmanagement, Recht und Verwaltung, die in die Compliance-Funktion wechseln wollen
- Mitarbeitende aus der Pharma-, Medizintechnik- oder Finanzbranche mit regulatorischen Anforderungen
- Juristen und Betriebswirte, die eine Compliance-Leitungsfunktion anstreben
- Berufseinsteiger mit Studienabschluss und starker Motivation zur Spezialisierung
- Bestehende Compliance-Beauftragte, die ihre Kenntnisse formal nachweisen möchten
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Berufsausbildung mit relevanter Berufserfahrung oder ein abgeschlossenes Studium. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind zwingend erforderlich. Soziale Kompetenzen — insbesondere die Fähigkeit zur abteilungsübergreifenden Kommunikation — sind ein wesentlicher Bestandteil der Rolle und werden in den Übungen trainiert. IT-Kompetenz im Umgang mit gängigen Bürosoftware-Tools wird vorausgesetzt. Vor Kursbeginn findet ein persönliches Beratungsgespräch statt, um individuelle Voraussetzungen und Erwartungen abzugleichen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined Learning-Format durchgeführt und verbindet synchrone Online-Unterrichtseinheiten mit asynchronen Lernphasen und umfangreichem Praxismaterial. Fallbasiertes Lernen steht im Mittelpunkt: Compliance-Verstöße werden analysiert, Risikoanalysen werden eigenständig erstellt und Audit-Simulationen durchgeführt. Gastbeiträge von Compliance-Praktikern und Juristen ergänzen den theoretischen Unterricht. Die Vollzeiteinteilung über mehrere Monate ermöglicht eine gründliche und nachhaltige Kompetenzentwicklung.
Die Weiterbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten bis zu sechs Monaten und wird als Vollzeitmaßnahme absolviert. Diese Dauer spiegelt die Breite und Tiefe des Compliance-Managements wider, das rechtliche Grundlagen, Risikomanagement, Datenschutz und branchenspezifische Regulierung umfasst. Die Intensität der Ausbildung gewährleistet, dass Absolventen alle wesentlichen Aufgaben einer Compliance-Funktion eigenverantwortlich übernehmen können.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägereigenes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Dieses Dokument belegt die systematisch erworbenen Kenntnisse in Compliance-Recht, Risikomanagement, Datenschutz und Regulatory Affairs. Das Zertifikat ist kein staatlich reguliertes Examen, gilt aber in der Compliance-Praxis als anerkannter Qualifikationsnachweis und wird von Unternehmen bei der Besetzung von Compliance-Funktionen berücksichtigt.
Nutzen & Perspektiven
Compliance ist kein optionales Thema mehr: Regulierungsdichte, Haftungsrisiken und öffentliche Erwartungen an regelkonformes Unternehmensverhalten nehmen in Deutschland und Europa kontinuierlich zu. Compliance-Manager sind in nahezu allen Branchen — von der Pharmaindustrie über den Finanzsektor bis zum Mittelstand — gesucht und erzielen überdurchschnittliche Gehälter. Diese Weiterbildung verschafft Teilnehmenden die Fähigkeit, Compliance-Programme eigenverantwortlich aufzubauen und zu betreiben. Besonders wertvoll ist die breite Methodenkompetenz: Wer sowohl rechtliche Grundlagen als auch ISO-konforme Systeme, Datenschutz und Regulatory Affairs beherrscht, ist für Unternehmen eine vielseitig einsetzbare Fachkraft. Die Verbindung von juristischem Wissen und operativem Managementverständnis ist in der Praxis selten und daher hochwertig. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Maßnahme in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Je nach individueller Situation kommen außerdem das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen zur beruflichen Rehabilitation, die Berufsförderung der Bundeswehr oder Förderprogramme der Deutschen Rentenversicherung in Betracht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was macht ein Compliance Manager bzw. eine Compliance Managerin im Berufsalltag?
Compliance Manager entwickeln und betreiben Compliance-Programme, überwachen die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, führen interne Audits durch, schulen Mitarbeitende und berichten an die Geschäftsleitung. Sie sind Ansprechpersonen für alle Fragen zu Regelkonformität, Datenschutz und Anti-Korruption und arbeiten eng mit Rechts-, IT- und Personalabteilungen zusammen.
Was ist der Unterschied zwischen Compliance und Regulatory Affairs?
Compliance befasst sich mit der unternehmensinternen Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien. Regulatory Affairs bezeichnet die Schnittstelle zwischen Unternehmen und staatlichen Behörden, insbesondere bei Zulassungsverfahren für Produkte (z. B. Arzneimittel, Medizinprodukte). Beide Bereiche werden im Kurs behandelt und sind in regulierten Branchen eng miteinander verknüpft.
Ist der Kurs für Einsteiger ohne Compliance-Erfahrung geeignet?
Der Kurs setzt eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium und grundlegende Berufserfahrung voraus. Spezifische Compliance-Vorerfahrung ist nicht zwingend erforderlich; Kenntnisse aus Recht, Qualitätsmanagement oder Verwaltung bilden eine gute Grundlage. Vor Beginn findet ein persönliches Beratungsgespräch statt, um die individuelle Eignung zu prüfen.
Wie lange dauert der Kurs und wie ist er strukturiert?
Der Kurs dauert mehr als drei Monate bis zu sechs Monaten und wird in Vollzeit im Combined Learning-Format absolviert. Online-Unterrichtseinheiten wechseln mit selbstgesteuerten Lernphasen und praxisorientierten Projektarbeiten ab.
Kann ich die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Ja. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Maßnahme in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Alternativ greifen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation oder Förderprogramme der Deutschen Rentenversicherung.
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