Überblick
Die Weiterbildung zur Notariatsassistenz vermittelt praxisnahes Fachwissen für die Tätigkeit in einem Notariatsbüro. Im Mittelpunkt stehen das Notarrecht nach der Bundesnotarordnung (BNotO), das Beurkundungsgesetz, das notarielle Kostenrecht nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) sowie die Grundlagen des Grundbuchrechts. Die Ausbildung richtet sich sowohl an Personen mit kaufmännischer Vorbildung als auch an Quereinsteiger aus dem Büro- und Verwaltungsbereich, die sich gezielt für die Arbeit im Notariat qualifizieren möchten. Das Lernformat Combined Learning verbindet Online-Unterricht mit selbstgesteuertem Lernen und erlaubt eine flexible Teilnahme bei Vollzeiteinteilung.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul behandelt das Notarrecht und die Amtstätigkeit. Es führt systematisch in die rechtlichen Grundlagen der notariellen Berufsausübung ein und erläutert die Befugnisse, Pflichten und Amtsgrenzen des Notars auf Basis der Bundesnotarordnung. Dabei werden die zentralen Paragraphen 20 bis 24 BNotO ausführlich besprochen.
- Funktion und Stellung des Notars im deutschen Rechtssystem
- §§ 20 bis 24 BNotO: Amtstätigkeit, Amtspflichten und Amtsgrenzen
- Richtlinien für die Amtspflichten der Notare
- Beurkundungsgesetz: Anforderungen, Form und Ablauf
- DONot und NotaktVV als Praxisgrundlage der Notariatsverwaltung
- Allgemeine Amtstätigkeiten und typische Vorgänge im Notariatsbüro
Das zweite Modul widmet sich dem Grundbuchrecht und den notariellen Grundstücksgeschäften. Hier lernen Teilnehmende, Grundbucherklärungen sachgerecht zu bearbeiten und grundpfandrechtliche Vorgänge zu verstehen.
- Grundbuchordnung: Aufbau, Eintragungsverfahren und Einsichtnahme
- Einzelne Grundbucherklärungen und deren Bedeutung im Rechtsverkehr
- Löschungsbewilligungen, Löschungsanträge und Rangänderungen
- Abtretung von Grundpfandrechten und formelle Anforderungen
- Grundschulden und schuldrechtliche Zusammenhänge
- Zusammenspiel von Notarurkunde und Grundbucheintragung
Das dritte Modul befasst sich mit dem notariellen Kostenrecht. Das GNotKG bildet die Rechtsgrundlage für die Abrechnung notarieller Leistungen, die korrekte Berechnung von Geschäftswerten und die Erhebung von Auslagen und Dokumentenpauschalen.
- Überblick über das Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG)
- Praxis der Kostenberechnung: Gebührentabellen, Geschäftswerte, Auslagen
- Sicherstellung der Kosten und Haftungsfragen
- Gerichtliches Verfahren in Notarkostensachen
- Übungsaufgaben zur selbstständigen Gebührenberechnung
- Häufige Fehlerquellen und deren Vermeidung in der Kostenrechnung
Das vierte Modul behandelt Vorsorgedokumente und Betreuungsrecht. Es vermittelt, wie Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und Betreuungsverfügungen im Notariat bearbeitet, beraten und beurkundet werden.
- Vorsorgevollmacht: Inhalt, Umfang und notarielle Beurkundung
- Patientenverfügung: rechtliche Anforderungen und inhaltliche Gestaltung
- Betreuungsverfügung: Abgrenzung zur Vorsorgevollmacht
- Beratung von Mandanten zu Vorsorgethemen im Notariatsbüro
- Registrierung und Verwaltung von Vorsorgedokumenten
- Aufbewahrungspflichten und Verwahrungsverzeichnisse
Praxisblock In praxisorientierten Übungen werden die theoretischen Inhalte anhand realitätsnaher Fallbeispiele vertieft. Typische Vorgänge aus dem Notariatsbüro werden simuliert, sodass Teilnehmende Routinen für den Berufsstart entwickeln.
- Vorbereitung notarieller Termine und Erstellen von Terminprotokollen
- Entwurf und Prüfung von Vollmachtsformularen
- Anlage und Pflege von Mandantenakten und Verwahrungsverzeichnissen
- Simulation einer Grundbucheintragung anhand eines Musterfalls
- Erstellen einer Kostenrechnung nach GNotKG anhand konkreter Geschäftswerte
- Bearbeitung von Löschungsbewilligungen und Abtretungserklärungen
- Vorbereitung von Beurkundungsunterlagen für einen Grundstückskaufvertrag
- Kommunikation mit Behörden: Amtsgericht, Grundbuchamt, Finanzamt
- Umgang mit Fristen und Wiedervorlagen in der Notariatssoftware
- Datenschutzkonforme Ablage und Archivierung von Notariatsakten
- Bearbeitung eines Treuhandauftrags vom Eingang bis zur Abwicklung
- Erstellen eines Schreibens an Mandanten nach vollzogener Beurkundung
Die kombinierten Lernmethoden aus Videoeinheiten, interaktiven Aufgaben und Live-Unterricht ermöglichen es, praxisrelevante Fertigkeiten systematisch aufzubauen. Abschließend werden Kenntnisse in der digitalen Büroorganisation und im Umgang mit Notariatssoftware gefestigt, sodass Absolventen direkt einsatzbereit sind.
Lernziele:
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung sind Teilnehmende in der Lage, die Amtstätigkeiten des Notars nach §§ 20 bis 24 BNotO zu beschreiben und einzuordnen
- die Grundstruktur und Anforderungen des Beurkundungsgesetzes anzuwenden
- notarielle Urkunden vorzubereiten und Beurkundungsverfahren administrativ zu unterstützen
- die Dienstordnung für Notarinnen und Notare (DONot) sowie die NotaktVV in der Büropraxis umzusetzen
- Grundbucherklärungen, Löschungsbewilligungen und Rangänderungen korrekt zu bearbeiten
- Abtretungen von Grundpfandrechten zu dokumentieren und nachzuverfolgen
- Kostenrechnungen auf Basis des GNotKG selbstständig zu erstellen und zu prüfen
- gerichtliche Verfahren in Notarkostensachen inhaltlich einzuordnen
- Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und Betreuungsverfügungen fachlich vorzubereiten
- Verwahrungsverzeichnisse und Treuhandaufträge zu führen und zu verwalten
- Mandanten in notariellen Angelegenheiten sachgerecht zu informieren und zu begleiten
- Büroprozesse im Notariat effizient zu organisieren und datenschutzkonform zu dokumentieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen mit kaufmännischem Hintergrund, die sich für das Berufsfeld der Notariatsassistenz qualifizieren möchten, sowie an Quereinsteiger aus dem Büro- und Verwaltungsbereich.
- Kaufleute für Büromanagement, Industriekaufleute und vergleichbare Berufe mit Interesse am Rechtsbereich
- Berufsrückkehrende nach Eltern- oder Pflegezeit, die einen Neustart im Rechtswesen anstreben
- Personen mit Vorerfahrungen im Sekretariat oder in der Verwaltung
- IT- und Datenschutzfachkräfte, die in einem Anwalts- oder Notariatsbüro tätig werden möchten
- Quereinsteiger ohne juristische Vorbildung, die systematisch Fachkenntnisse aufbauen möchten
Die Teilnahme setzt eine kaufmännische Berufsausbildung oder ein auch nur teilweise absolviertes Studium im juristischen Bereich voraus. Alternativ werden vergleichbare Kenntnisse durch einschlägige Berufserfahrung anerkannt. Deutschkenntnisse auf mindestens B2-Niveau sind zwingend erforderlich, da juristische Texte, Gesetze und Verfahrensvorschriften sicher verstanden werden müssen. Grundkenntnisse im PC-Umgang und in Microsoft 365 sind notwendig, um am Online-Unterricht teilnehmen und digitale Unterlagen bearbeiten zu können. Besondere rechtliche Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt; die Weiterbildung ist so konzipiert, dass auch Einsteiger in das Notariatsrecht schrittweise an die Themen herangeführt werden.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Format Combined Learning durchgeführt, das Online-Unterricht mit selbstorganisierten Lernphasen verbindet. Synchrone Einheiten mit qualifizierten Fachlehrkräften werden durch asynchrone Lernmodule, Übungsaufgaben und digitale Lernmaterialien ergänzt. Die Vollzeitstruktur ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit den Lerninhalten über einen konzentrierten Zeitraum. Praxisnahe Fallbeispiele, Musterurkunden und simulierte Bürovorgänge machen die theoretischen Rechtsgrundlagen direkt anwendbar. Die digitale Lernumgebung gewährleistet, dass Teilnehmende flexibel von unterschiedlichen Standorten aus teilnehmen können.
Die Weiterbildung hat eine Laufzeit von mehr als einer Woche bis zu einem Monat und ist als Vollzeitmaßnahme angelegt. In diesem kompakten Zeitrahmen werden alle Kernbereiche des Notariatsrechts, des Grundbuchrechts und des notariellen Kostenrechts systematisch vermittelt. Die Stundenanzahl ist auf eine intensive Nutzung der Unterrichtszeit ausgelegt, sodass Absolventen nach Abschluss direkt in Notariaten, Anwaltskanzleien oder verwandten Rechtsbüros einsetzbar sind.
Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten Absolventen ein trägereigenes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Dieses Zertifikat dokumentiert die erworbenen Fachkenntnisse in Notariatsrecht, Beurkundungsverfahren und notariellem Kostenrecht. Es ist kein staatlich anerkanntes Examen und stellt keinen berufsqualifizierenden Abschluss nach dem Berufsbildungsgesetz dar, wird aber von Notariaten und Anwaltskanzleien als Nachweis strukturierter Fachqualifikation anerkannt. Für eine dauerhafte Tätigkeit als Notariatsfachangestellte bzw. Notariatsfachangestellter kann die Weiterbildung als Einstiegsqualifikation dienen, die durch praktische Berufserfahrung weiter ausgebaut wird.
Nutzen & Perspektiven
Die Notariatsassistenz ist ein stabiles und krisensicheres Berufsfeld im Rechts- und Verwaltungswesen. Notariate in Deutschland sind gesetzlich verpflichtend für zahlreiche Rechtsvorgänge — von Grundstückskäufen über Erbschaftsregelungen bis zu Gesellschaftsgründungen — und benötigen gut ausgebildete Fachkräfte für die Assistenz. Diese Weiterbildung verschafft Teilnehmenden einen strukturierten und fachlich fundierten Zugang zu diesem Berufssegment, auch ohne vorherige juristische Ausbildung. Besonders wertvoll ist das Zertifikat für Quereinsteiger, die ihre Büro- und Verwaltungserfahrung in ein spezialisiertes Rechtsumfeld einbringen möchten. Die kombinierten Kenntnisse in Beurkundungsrecht, Grundbuchrecht und notariellem Kostenrecht ermöglichen ein breites Einsatzspektrum — von der klassischen Notariatsassistenz bis hin zur Sachbearbeitung in Anwaltskanzleien mit Notarabteilung oder in Immobilienabteilungen von Banken und Sparkassen. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Maßnahme in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit bzw. des Jobcenters förderbar. Je nach individueller Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen zur beruflichen Rehabilitation, die Berufsförderung der Bundeswehr oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Eine persönliche Beratung durch den zuständigen Vermittler klärt den optimalen Förderweg.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich eine juristische Vorbildung für die Weiterbildung?
Nein. Vorausgesetzt wird eine kaufmännische Ausbildung oder ein begonnenes Jurastudium, jedoch keine abgeschlossene juristische Ausbildung. Quereinsteiger aus dem Büro- und Verwaltungsbereich sind ausdrücklich willkommen. Deutschkenntnisse auf B2-Niveau und PC-Grundkenntnisse reichen als technische Voraussetzung aus.
Welche Tätigkeiten übernehme ich nach der Weiterbildung in einem Notariat?
Absolventen übernehmen die Vorbereitung und Verwaltung notarieller Urkunden, die Erstellung von Kostenrechnungen nach GNotKG, die Bearbeitung von Grundbuchvorgängen sowie die Kommunikation mit Mandanten und Behörden. Auch die Führung von Verwahrungsverzeichnissen und Treuhandakten gehört zum Aufgabenspektrum.
Ist die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein förderbar?
Ja. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Maßnahme in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Je nach Situation kommen außerdem das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation oder Förderprogramme der Deutschen Rentenversicherung in Betracht.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dem Kurs?
Nach der Teilnahme erhalten Sie ein trägereigenes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Dabei handelt es sich nicht um einen staatlich anerkannten Abschluss, sondern um einen Nachweis der erworbenen Fachqualifikation, der in Notariaten und Kanzleien als Eignungsnachweis anerkannt wird.
Kann ich die Weiterbildung von zu Hause aus absolvieren?
Ja. Der Kurs wird im Format Combined Learning angeboten und umfasst Online-Unterrichtseinheiten sowie selbstgesteuerte Lernphasen. Die Teilnahme ist von einem beliebigen Standort aus möglich, sofern ein stabiler Internetzugang und Microsoft 365 vorhanden sind.
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