Überblick
In technischen Betrieben, der Instandhaltung und im Maschinen- und Anlagenbau werden Fachkräfte gesucht, die elektrische Anlangen sicher installieren, beschalten und überprüfen können — ohne zwingend eine vollständige Elektrikerausbildung absolviert zu haben. Genau hier setzt diese Weiterbildung an: Sie qualifiziert Fachleute mit technischem Hintergrund zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten. Dieser anerkannte Status erlaubt es, definierte elektrische Arbeiten eigenverantwortlich und normgerecht durchzuführen. Inhalte sind unter anderem das Installieren und Verdrahten elektrischer Anlagen, das Aufbauen von Schützschaltungen und SPS-gesteuerten Steuerkreisen sowie das Prüfen und Messen nach einschlägigen Normen.
Kursinhalte & Lernziele
Die Weiterbildung ist in praxisnahe Lernbereiche gegliedert, die von den elektrischen Grundlagen über die Schaltungstechnik bis zur normenkonformen Prüfung reichen. Elektrische Grundlagen und Sicherheitsvorschriften Zu Beginn werden die physikalischen und normativen Grundlagen gelegt, die für alle weiteren Tätigkeiten als Elektrofachkraft unerlässlich sind. Teilnehmende lernen, elektrische Größen zu berechnen, relevante Schutzmaßnahmen zu verstehen und die wichtigsten VDE-Normen und DGUV-Vorschriften im Arbeitsalltag anzuwenden. Sicherheit hat dabei höchste Priorität — der normgerechte Umgang mit Strom beginnt mit dem Verständnis der Gefährdungen.
- Grundgrößen der Elektrotechnik: Spannung, Strom, Widerstand, Leistung
- Wechsel- und Drehstromtechnik: Grundprinzipien und Praxisrelevanz
- VDE 0100 und einschlägige DGUV-Vorschriften im Überblick
- Schutzmaßnahmen: Schutzklassen, Schutzleiter, Fehlerstromschutz (FI/RCD)
- Unfallverhütung und Erste Hilfe bei Elektrounfällen
Schützschaltungen in der elektrischen Antriebstechnik Schütze sind das Herzstück vieler industrieller Steuerungen: Sie schalten Lasten, sichern Motoren gegen Überströme und ermöglichen verschiedene Anlaufverfahren. In diesem Modul bauen Teilnehmende reale Schaltungen auf Montageracks auf — von der einfachen Direkteinschaltung über den Stern-Dreieck-Anlauf bis zu Verriegelungen für Vor- und Rücklauf.
- Aufbau und Funktion von Leistungs- und Steuerschützen
- Direkteinschaltung von Drehstrommotoren: Schaltplan, Verdrahtung, Inbetriebnahme
- Stern-Dreieck-Anlauf: Schaltungsprinzip, zeitgesteuerte Umschaltung, Verdrahtung
- Verriegelungsschaltungen für Vor- und Rücklauf: mechanische und elektrische Verriegelung
- Motorschutzschalter und Überlastrelais einstellen und testen
SPS-gestützte Steuerungen und Antriebe Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) sind in modernen Maschinen und Anlagen allgegenwärtig. Teilnehmende lernen, wie SPS-Systeme in elektrische Anlagen integriert werden, wie einfache Programme für Motorsteuerungen erstellt werden und wie die Schnittstelle zwischen SPS-Ausgängen und Leistungsschützen funktioniert.
- Grundaufbau einer SPS: Eingänge, Ausgänge, CPU und Bussysteme
- Einfache SPS-Programme für Ein/Aus-Steuerungen und zeitgesteuerte Abläufe
- Verdrahtung von SPS-Ausgängen mit Schützen und Aktoren
- Verriegelungen und Sicherheitslogiken in der SPS realisieren
- Fehlersuche in SPS-gesteuerten Anlagen: Diagnose und systematisches Vorgehen
Prüfen elektrischer Anlagen nach Norm Die normgerechte Prüfung elektrischer Anlagen ist eine Kernkompetenz der Elektrofachkraft. Dieses Modul vermittelt, wie Erst- und Wiederholungsprüfungen nach DGUV V3 durchgeführt werden, welche Messgeräte eingesetzt werden und wie die Ergebnisse dokumentiert werden müssen. Praktische Messungen — Isolationswiderstand, Schutzleiterwiderstand, Auslösestrom des FI-Schutzschalters — sind integraler Bestandteil.
- Erstprüfung und Wiederholungsprüfung nach DGUV V3 und VDE 0701/0702
- Messgeräte und Messmethoden: Isolationsmessung, Schutzleitermessung, FI-Test
- Prüfprotokoll erstellen: Anforderungen, Messwerteintrag und Dokumentation
- Bewertungskriterien: zulässige Grenzwerte und Ursachen für Nichtkonformität
- Abnahme und Übergabe einer geprüften Anlage
Praxistransfer und Laborübungen Alle theoretischen Inhalte werden direkt an realen Schaltungsaufbauten auf Montageracks vertieft.
- Schützschaltung für Direkteinschaltung eines Drehstrommotors vollständig verdrahten
- Stern-Dreieck-Anlauf aufbauen, in Betrieb nehmen und Umschaltverhalten beobachten
- Verriegelungsschaltung Vor-/Rücklauf beschalten und auf Funktion testen
- SPS-Programm für eine einfache Motorsteuerung schreiben und laden
- Schaltung zwischen SPS-Ausgängen und Schützen verdrahten und testen
- Isolationswiderstand einer Anlage messen und Ergebnis protokollieren
- Schutzleiterwiderstand messen und beurteilen
- FI-Schutzschalter auf Auslösestrom prüfen
- Fehler in einer vorbereiteten Schaltung systematisch suchen und dokumentieren
- Vollständiges Prüfprotokoll für eine Anlage erstellen
- Bauteil- und Verdrahtungsanordnung nach Schaltplan normgerecht realisieren
- Abschlussprojekt: selbstständige Installation, Beschaltung und Prüfung einer Teilanlage
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung können die Teilnehmenden folgende Tätigkeiten selbstständig und normgerecht ausführen.
- Elektrische Anlagen auf einem Montagerack fachgerecht verdrahten und in Betrieb nehmen
- Schützschaltungen für direkte Motorstarts und Stern-Dreieck-Anlauf aufbauen und prüfen
- Verriegelungsschaltungen mit Schützen und Sicherheitselementen korrekt beschalten
- SPS-gesteuerte Steuerungen für Drehstrommotoren programmieren und testen
- Elektrische Antriebe (Drehstrommotoren) mit verschiedenen Anlaufmethoden ansteuern
- Bauteil- und Verdrahtungsanordnungen normgerecht auf Montageträgern realisieren
- Spezielle Schütz- und Verriegelungsschaltungen nach Schaltplan analysieren und aufbauen
- Elektrische Betriebsmittel und Anlagen nach VDE 0100 und DGUV V3 prüfen
- Mess- und Prüfprotokolle erstellen und Ergebnisse fachkundig beurteilen
- Fehler in elektrischen Schaltungen systematisch suchen und beheben
- Sicherheitsvorschriften und Schutzmaßnahmen bei elektrischen Arbeiten konsequent einhalten
- Den Status der Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten rechtssicher ausüben
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich ausdrücklich an Personen mit technischem Berufs- oder Erfahrungshintergrund, die elektrische Tätigkeiten in einem definierten Arbeitsumfeld eigenverantwortlich ausführen möchten.
- Fachkräfte aus Metalltechnik, Maschinen- und Anlagenbau mit regelmäßigem Kontakt zu elektrischen Anlagen
- Instandhaltungs- und Wartungspersonal, das elektrische Arbeiten bisher nur unter Aufsicht ausführen durfte
- Betriebstechniker und Anlagenmechaniker, die ihren Aufgabenbereich um elektrische Tätigkeiten erweitern wollen
- Technische Fachkräfte in der Produktion, die Steuerungen und Antriebe besser verstehen und beeinflussen möchten
- Personen, die sich auf den Status der Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten vorbereiten
Vorausgesetzt wird eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder vergleichbare nachgewiesene Berufspraxis im technischen Bereich. Grundlegende PC-Kenntnisse sind für die begleitenden Dokumentations- und Programmierübungen hilfreich. Spezielle Vorkenntnisse in der Elektrotechnik sind nicht zwingend notwendig — der Kurs baut auf einem technischen Grundverständnis auf, das in einschlägigen technischen Berufen i. d. R. vorhanden ist.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung ist stark praxisorientiert: Der Unterricht wechselt zwischen theoretischen Grundlageneinheiten und unmittelbar anschließenden Laborübungen, in denen die gelernten Schaltungen real aufgebaut, in Betrieb genommen und geprüft werden. Kleine Gruppengrößen ermöglichen intensive Betreuung an den Montageracks. Schaltpläne werden selbstständig interpretiert und umgesetzt; Messergebnisse werden unter Anleitung dokumentiert und bewertet. Diese Verbindung von Theorie und Handwerk prägt das gesamte Lernformat.
Die genaue Kursdauer variiert je nach Anbieter und Format. Als Vollzeitkurs sind typischerweise mehrere Wochen eingeplant; Teilzeitvarianten sind je nach Anbieter ebenfalls möglich. Die Kombination aus Theorieunterricht und Laborphasen erfordert eine Mindestpräsenz, die dem Kursformat entspricht. Detaillierte Informationen sind beim jeweiligen Anbieter erhältlich.
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die die erlernten Kompetenzen und den Umfang des Kurses dokumentiert. Diese Bescheinigung ist Grundlage für die betriebliche Beauftragung als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten gemäß DGUV-Vorschrift. Die formelle Beauftragung erfolgt durch den jeweiligen Arbeitgeber auf Basis dieser Qualifikation.
Nutzen & Perspektiven
Der Status der Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten ist in technischen Betrieben ein konkreter Mehrwert — sowohl für die Fachkraft selbst als auch für den Arbeitgeber. Wer bisher elektrische Tätigkeiten nur unter Aufsicht ausführen durfte, kann nach dieser Weiterbildung einen klar definierten Aufgabenbereich eigenverantwortlich übernehmen. Das erhöht die Einsatzflexibilität und macht die Fachkraft für Instandhaltungs- und Produktionsaufgaben wertvoller. Für Unternehmen bedeutet es, dass Produktions- und Wartungsprozesse reibungsloser laufen, weil nicht bei jeder Kleinarbeit eine ausgebildete Elektrofachkraft hinzugezogen werden muss. Die Fähigkeit, Anlagen normgerecht zu prüfen und zu dokumentieren, schließt zudem eine häufige Lücke in der betrieblichen Prüfpflicht nach DGUV V3 — ein Aspekt, der bei Betriebsprüfungen und Versicherungen direkt relevant ist. Langfristig legt die Weiterbildung eine solide Basis für weitere elektrotechnische Qualifizierungen. Wer diese Grundkompetenzen beherrscht und im Betrieb bewährt, hat gute Voraussetzungen für eine vollständige Elektrikerausbildung, eine Spezialisierung in der SPS-Programmierung oder den Aufstieg in technische Führungspositionen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet "Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten"?
Die Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten ist eine gesetzlich definierte Qualifikation, die es technischen Fachkräften erlaubt, einen klar abgegrenzten Bereich elektrischer Arbeiten eigenverantwortlich und normgerecht auszuführen — ohne eine vollständige Elektrikerausbildung zu besitzen. Die Beauftragung erfolgt formal durch den Arbeitgeber auf Basis der Kursqualifikation.
Muss ich Elektrotechnik-Vorkenntnisse mitbringen?
Spezielle Elektrotechnik-Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich. Vorausgesetzt wird jedoch eine technische Berufsausbildung oder vergleichbare praktische Erfahrung im technischen Bereich, die ein grundlegendes technisches Verständnis belegt.
Was ist eine Schützschaltung und warum ist sie wichtig?
Ein Schütz ist ein elektrisch betätigter Schalter, der Lasten wie Motoren schalten und vor Überlast schützen kann. Schützschaltungen sind in industriellen Maschinen und Anlagen allgegenwärtig — wer sie aufbauen und prüfen kann, ist in der Instandhaltung und im Betrieb unverzichtbar.
Werden auch SPS-Themen behandelt?
Ja, ein eigenes Modul führt in SPS-gestützte Steuerungen ein. Teilnehmende lernen, einfache SPS-Programme zu erstellen, Ausgänge mit Schützen zu verdrahten und Fehler in SPS-gesteuerten Anlagen zu diagnostizieren — praxisnah am realen Equipment.
Welchen Nachweis erhalte ich nach der Weiterbildung?
Nach erfolgreichem Abschluss wird eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung ausgestellt. Diese bildet die Grundlage für die formelle Beauftragung als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten durch den Arbeitgeber und dokumentiert die erlernten Kompetenzen gegenüber Behörden und Prüfinstanzen.
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