Überblick
Wer in der Elektrotechnik über die Grundlagen hinausgehen will, muss die Prinzipien beherrschen, die moderne Maschinen und Anlagen antreiben: Wie funktioniert ein Drehstromasynchronmotor unter Last? Wie werden Antriebe geregelt? Welche Störungen entstehen durch elektromagnetische Felder, und wie schützt man Anlagen vor ihnen? Dieser Advanced-Kurs richtet sich an Personen aus dem Bereich Metall-, Maschinen- und Anlagenbau oder der Instandhaltung, die sich zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten qualifizieren wollen. Er baut auf einer abgeschlossenen technischen Berufsausbildung oder einschlägiger Berufspraxis auf und vertieft die Bereiche, die im betrieblichen Alltag zählen: Leistungselektronik, Antriebstechnik, elektromagnetische Verträglichkeit und regelungstechnische Grundkonzepte. Die Qualifikation als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten erlaubt es, definierte elektrotechnische Arbeiten eigenverantwortlich durchzuführen — ein Status, der für Instandhaltungspersonal in Betrieben mit elektrischen Anlagen unmittelbar beruflich relevant ist.
Kursinhalte & Lernziele
Leistungselektronik und Antriebstechnik bilden das erste thematische Kerngebiet. Moderne Industrieanlagen nutzen leistungselektronische Bauelemente und -schaltungen für die Energieumwandlung und Drehzahlregelung. Wer in Instandhaltung oder Anlagenbetrieb tätig ist, kommt an diesen Grundlagen nicht vorbei.
- Grundlegende leistungselektronische Bauelemente: Dioden, Thyristoren, Transistoren (IGBT, MOSFET) und ihre Kennlinien
- Gleichrichter- und Wechselrichterschaltungen: ungesteuert, halbgesteuert, vollgesteuert
- Frequenzumrichter: Aufbau, Puls-Weiten-Modulation, Grundparametrierung und typische Alarmanzeigen
- Motorschutzschaltungen: thermischer Motorschutz, Überstromschutz und Integration in Steuerschaltungen
- Wirkungsgrad und Verlustleistung in Antriebssystemen berechnen und bewerten
Drehstromasynchronmotoren sind das meistverbreitete Antriebsmittel in der Industrie. Ein tiefes Verständnis ihres Betriebs, ihrer Kennlinie und ihres Anlaufverhaltens ist Grundvoraussetzung für Elektrofachkräfte in Produktions- und Instandhaltungsumgebungen.
- Aufbau und Wirkprinzip: Stator, Rotor, Drehfeld und Schlupfcharakteristik
- Motorkenndaten lesen: Typenschilder, Nennstrom, Nennleistung, Polzahl und Nennschlupf
- Anlaufverhalten und Anlaufströme: Direkt-, Stern-Dreieck- und Sanftanlauf im Vergleich
- Drehzahlregelung mit Frequenzumrichter: Motoransteuerung, Rampenzeiten und Motorkennlinie am Umrichterausgang
- Diagnose von Motorfehlern: Wicklungsschlüsse, Lagergeräusche, thermische Überlastung, Messung im Stand und unter Last
Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) und Steuerkreistechnik deckt zwei Bereiche ab, die im Anlagenbetrieb eng zusammenhängen. EMV-Probleme sind häufig die unsichtbare Ursache von Steuerungsausfällen — wer sie erkennt, kann gezielt eingreifen.
- EMV-Grundbegriffe: Störquelle, Kopplungspfad, Senke — das Dreipol-Modell
- Leitungsgebundene und gestrahlte Störungen in industriellen Umgebungen
- Entstörmaßnahmen: Schirmung, Filterung, räumliche Trennung und Erdungskonzepte
- Elektrisch gesteuerte Fluidschaltungen: Grundprinzip elektropneumatischer und elektrohydraulischer Steuerungen
- Steuerkreise nach Schaltplan aufbauen und dokumentieren
- Fehlersuche in Steuerkreisen: strukturierte Vorgehensweise mit Signalverfolgung und Messtechnik
Regelungstechnik und Normenkenntnisse runden die Advanced-Qualifizierung ab. Regelungstechnik ist das theoretische Rückgrat vieler Automatisierungsaufgaben; Normenkenntnisse sind die Voraussetzung für rechtssichere Arbeit als Elektrofachkraft.
- Steuern und Regeln: grundlegender Unterschied und typische Anwendungsfälle in der Industrieautomation
- Reglertypendifferenzierung: Zweipunkt-, P-, PI- und PID-Regler in der Praxis
- Regelkreis analysieren: Streckenverhalten, Führungs- und Störgrößen identifizieren
- DGUV V3 (BGV A3): Prüfpflichten für elektrische Anlagen und Betriebsmittel, Prüfintervalle und Dokumentation
- Schutzklassen und Schutzmaßnahmen nach DIN VDE: Schutzisolierung, Schutzerdung, Potentialausgleich
Praxisblock: Elektrotechnische Diagnose und Instandhaltungsaufgaben
- Schaltplan eines Antriebsstrangs vollständig lesen und Funktionsblöcke identifizieren
- Motorkenndaten eines Drehstromasynchronmotors vom Typenschild aufnehmen und Anlaufstrom berechnen
- Frequenzumrichter parametrieren: Grundparameter einstellen, Rampenzeiten konfigurieren
- Steuerkreis nach Schaltplan verdrahten und auf Funktion prüfen
- Simulierten Fehler in einem Steuerkreis methodisch eingrenzen und lokalisieren
- EMV-Problematik an einer Beispielanlage identifizieren und Entstörungsmaßnahme vorschlagen
- Zweipunkt-Regelkreis analysieren: Hysterese messen und Auswirkung auf Regelgüte bewerten
- PID-Regler: Bedeutung der drei Reglerparameter anhand einer Beispielstrecke erläutern
- Prüfprotokoll nach DGUV V3 für ein elektrisches Betriebsmittel erstellen
- Motordiagnose: Wicklungswiderstand messen, Ergebnis bewerten und Maßnahmen ableiten
- Isolationswiderstandsmessung an einer elektrischen Anlage durchführen und dokumentieren
- Fehlerbaumanalyse für einen simulierten Motorausfall erstellen und systematisch auflösen
Lernziele:
- Leistungselektronische Schaltungen beschreiben und ihre Funktion in industriellen Steuer- und Antriebssystemen erklären
- Drehstromasynchronmotoren in ihrem Aufbau, ihrer Betriebscharakteristik und ihrem Anlaufverhalten analysieren
- Motorkenndaten auslesen und für die Auslegung von Antriebssystemen nutzen
- Frequenzumrichter in Antriebssystemen einsetzen: Grundprinzip, Parametrierung und typische Fehlerbilder
- Elektrisch gesteuerte Fluidschaltungen verstehen und ihren Einsatz in industriellen Steuerkreisen einordnen
- Steuerkreise systematisch nach Schaltplan aufbauen und auf Funktion prüfen
- Fehlersuche in Steuerkreisen methodisch durchführen: Signalverfolgung, Messpunktauswahl, Fehlereingrenzung
- Grundprinzipien der Regelungstechnik anwenden: Zweipunkt-, P-, PI- und PID-Regler unterscheiden und bewerten
- EMV-Grundbegriffe kennen: Störquellen, Kopplungsmechanismen und Entstörmaßnahmen in der Praxis
- DGUV V3 Schutzmaßnahmen kennen und auf elektrische Anlagen und Betriebsmittel korrekt anwenden
- Elektrische Anlagen und Betriebsmittel nach geltenden Normen und Vorschriften prüfen und dokumentieren
- Schaltpläne lesen und für elektrotechnische Diagnoseaufgaben nutzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an technische Fachkräfte aus Metall, Maschinen- und Anlagenbau oder der Instandhaltung, die sich zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten qualifizieren möchten und bereits über eine technische Grundlage verfügen.
- Instandhaltungsfachkräfte in Produktionsbetrieben mit wachsenden Elektrotechnik-Anteilen in ihrer Tätigkeit
- Maschinenbedienerinnen und Maschinenbediener, die für einfache elektrotechnische Arbeiten eigenverantwortlich qualifiziert sein müssen
- Personen aus dem Metallbereich, die ihre berufliche Qualifikation um Elektrotechnik-Kompetenzen erweitern wollen
- Anlagenmechaniker, die in ihrer täglichen Arbeit mit elektrisch gesteuerten Fluidschaltungen umgehen
- Elektroanlagenmonteure mit Grundausbildung, die ihr Wissen in Leistungselektronik und EMV systematisch vertiefen möchten
Eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder einschlägige Berufspraxis im technischen Bereich ist Zugangsvoraussetzung. Grundkenntnisse in Elektrotechnik auf Ausbildungsniveau — Gleichstrom, Wechselstrom, Grundschaltungen — werden vorausgesetzt, da der Advanced-Kurs auf diesen aufbaut. Gute PC-Kenntnisse sind notwendig, da Unterlagen digital bereitgestellt werden und Simulationstools eingesetzt werden.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet Fachtheorie mit handlungsorientierten Übungen. Antriebstechnik und Leistungselektronik werden an Praxisbeispielen aus der Industrieumgebung vermittelt; Schaltpläne werden analysiert und am System nachvollzogen. Fehlersuche-Szenarien bilden reale Instandhaltungssituationen nach — mit gezielter Anleitung zur methodischen Vorgehensweise statt zum intuitiven Suchen. EMV-Problematiken werden an Beispielanlagen diskutiert und mit konkreten Entstörungsmaßnahmen verknüpft. Der Kurs findet in einem Format aus Präsenzphasen und begleiteten Online-Einheiten statt.
Die Laufzeit des Kurses hängt vom Anbieter und Format ab. Da mehrere komplexe Fachbereiche — Leistungselektronik, Antriebstechnik, EMV, Regelungstechnik — abgedeckt werden, ist eine substantielle Kurszeit einzuplanen. Vollzeit und Teilzeit sind möglich.
Teilnehmende erhalten eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die die erworbene Qualifikation als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten dokumentiert. Diese Bescheinigung ist die Grundlage dafür, dass Arbeitgeber die Teilnehmenden für elektrotechnische Tätigkeiten im definierten Aufgabenbereich einsetzen können.
Nutzen & Perspektiven
Die Qualifikation als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten ist in vielen Industriebetrieben eine konkrete Voraussetzung für bestimmte Tätigkeiten — keine abstrakte Weiterbildung, sondern eine rechtlich relevante Befähigung. Instandhaltungspersonal, das diese Qualifizierung vorweist, kann Aufgaben übernehmen, für die sonst externe Elektrofachkräfte hinzugezogen werden müssten. Das ist ein direkter betrieblicher Mehrwert. Die Verbindung von Leistungselektronik, Antriebstechnik und EMV in einem Kurs spiegelt die betriebliche Realität: Diese Bereiche treten in der Praxis nie isoliert auf. Wer einen Drehstromasynchronmotor mit Frequenzumrichter in Betrieb nimmt, muss gleichzeitig die Antriebsauslegung, die EMV-Problematik am Frequenzumrichter und die Schutzmaßnahmen nach DGUV V3 im Blick haben. Der Advanced-Kurs gibt genau diese integrierte Sichtweise. Für Personen, die bisher im Metall- oder Maschinenbaubereich tätig waren und elektrotechnische Aufgaben zunehmend als Teil ihres Arbeitsalltags erleben, ist dieser Kurs der gezielte Schritt zur formalen Qualifizierung. Die Antriebstechnik- und Regelungstechnik-Inhalte eröffnen zudem Perspektiven in der Automatisierungstechnik — einem Bereich, in dem der Fachkräftebedarf strukturell hoch ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist eine Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten?
Eine Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten ist eine Person, die durch gezielte Unterweisung und nachgewiesene Qualifizierung bestimmte elektrotechnische Arbeiten eigenverantwortlich ausführen darf — auch ohne eine vollständige Ausbildung als Elektrikerin oder Elektriker. Diese Qualifikation ist im Sinne von DGUV V3 und DIN VDE 0105 definiert und für Betriebe relevant, die Instandhaltungspersonal mit elektrotechnischen Aufgaben betrauen.
Warum ist EMV ein Thema in einem Elektrotechnik-Advanced-Kurs?
Elektromagnetische Verträglichkeit ist in der modernen Industrieautomation ein allgegenwärtiges Praxisthema: Frequenzumrichter, Schaltnetzteile und Servoregler sind potenzielle Störquellen, die ohne geeignete Entstörungsmaßnahmen Steuerungssysteme beeinflussen können. Wer Advanced-Kenntnisse in Antriebstechnik aufbaut, muss verstehen, wie Störungen entstehen und wie man sie bei der Verdrahtung und Anlagenplanung vermeidet.
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder technische Berufserfahrung ist Voraussetzung. Elektrotechnische Grundkenntnisse auf Ausbildungsniveau — Ohmsches Gesetz, Wechselstromgrundlagen, einfache Schaltungen — sind notwendig, da dieser Advanced-Kurs auf diesen Grundlagen aufbaut und nicht bei Null beginnt. Wer noch keine elektrotechnischen Grundlagen hat, sollte zunächst einen Grundlagenkurs absolvieren.
Was deckt der Regelungstechnik-Teil des Kurses ab?
Der Regelungstechnik-Block vermittelt die Grundkonzepte, die in der industriellen Automatisierung relevant sind: Unterschied zwischen Steuern und Regeln, Aufbau eines Regelkreises, und die vier gebräuchlichsten Reglertypen — Zweipunkt, P, PI und PID — mit ihren typischen Einsatzgebieten. Ziel ist das Verständnis und die Diagnose von Regelstrecken, keine tiefgehende Mathematik.
Für welche Branchen ist dieser Kurs besonders relevant?
Der Kurs ist besonders relevant für Instandhaltungspersonal in der Metallverarbeitung, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Lebensmittelproduktion und in der chemischen Industrie — überall dort, wo elektrisch gesteuerte Anlagen und Antriebe täglich in Betrieb sind. Die DGUV-V3-Kenntnisse sind branchenübergreifend für alle Betriebe mit elektrotechnischen Anlagen relevant.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Konstruktion, CAD und industrielle Fertigung sind durchgehend gefragt — die Transformation Richtung E-Mobilität, Energietechnik und Industrie 4.0 schafft zusätzliche Spezialisten-Rollen. CAD-/Simulation-Software-Kenntnisse sind Türöffner.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Elektrotechnik (grundständig)858 Stellen
- Elektroniker/Elektronikerin - Prüffeld96 Stellen
- Staatlich geprüfter Techniker/Staatlich geprüfte Technikerin Fachrichtung Elektrotechnik (ohne Schwerpunkt)/Bachelor Professional in Technik50 Stellen