Überblick
Kanban ist weit mehr als ein buntes Board mit Klebezetteln. Als eigenständige Methode zur Steuerung von Wissensarbeit baut Kanban auf Lean-Prinzipien auf und liefert ein vollständiges Werkzeugset: Visualisierung, Pull-System, WIP-Limits, Flussmetriken und kontinuierliche Verbesserung (Kaizen). Dieser Kurs führt von der EXIN-Kanban-Foundation-Zertifizierung bis zur Expert-Stufe durch und verbindet praktische Übungsszenarien mit einem Modul zur digitalen Teamkollaboration in Microsoft Teams.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Kanban Foundation Das Foundation-Modul legt das konzeptionelle Fundament: Warum wurde Kanban entwickelt? Was unterscheidet es von anderen agilen Methoden? Und wie übersetzt man Lean-Ideen aus der Fertigung in die Steuerung von Wissensarbeit? Teilnehmende lernen die Kernelemente eines funktionierenden Kanban-Systems kennen und aufzubauen.
- Agile Grundlagen und Werte des agilen Manifests
- Herkunft von Kanban: Toyota-Produktionssystem und Lean-Management
- Aufbau eines Kanban-Boards: Spalten, Karten, Swimlanes, Puffer
- Pull-Prinzip versus Push-Prinzip im Workflow-Management
- Work in Progress (WIP) und seine Auswirkungen auf Durchlaufzeiten
- Erste Metriken: Durchsatz, Cycle Time, Lead Time im Überblick
Modul 2 – Kanban Expert Das Expert-Modul vertieft die Arbeit mit fortgeschrittenen Kanban-Konzepten. Im Mittelpunkt stehen die Steuerung von Systemen mit hoher Komplexität, die Anwendung der Theory of Constraints zur Engpassanalyse und die Integration von Kaizen als dauerhaftem Verbesserungsmechanismus.
- Theory of Constraints (TOC): Engpässe identifizieren, heben, sichern
- WIP-Limits als Systemhebel: Wirkung auf Fluss, Qualität und Teamdynamik
- Scrumban: Kombination von Scrum-Zeremonien und Kanban-Prinzipien
- Kaizen in Kanban-Teams: tägliche und systematische Verbesserungszyklen
- Cumulative Flow Diagram (CFD): Aufbau, Interpretation, Prognosen
- Kanban-Simulation als Lerninstrument: Erleben von Pull und Flow am Modell
Modul 3 – Metriken und kontinuierliche Verbesserung Fortgeschrittene Kanban-Anwender steuern nicht nach Gefühl, sondern nach Daten. Dieses Modul baut auf den Foundation-Metriken auf und vermittelt, wie Teams ihre Prozessleistung systematisch messen, visualisieren und verbessern.
- Unterschied zwischen Output- und Outcome-Metriken
- Flow-Metriken im Detail: Work Item Age, Throughput, CFD-Abweichungen
- Monte-Carlo-Simulationen für Lieferprognosen (konzeptionell)
- Metriken in Retrospektiven einbetten: Daten statt Meinungen
- Service-Level-Agreements auf Kanban-Basis formulieren
- Fehler bei der CFD-Interpretation und wie man sie vermeidet
Modul 4 – Microsoft Teams Im Kanban-Kontext ermöglicht Microsoft Teams die digitale Erweiterung des physischen Boards: Karten werden zu Aufgaben in Planner, Statusupdates laufen über Kanäle, Retrospektiven finden im virtuellen Raum statt. Das Modul zeigt, wie Teams die Plattform als Kollaborationszentrale für Kanban-gesteuerte Arbeit einrichten.
- Grundfunktionen von Microsoft Teams: Kanäle, Chats, Besprechungen
- Integration mit Microsoft Planner als digitales Kanban-Board
- Benachrichtigungsmanagement für Pull-basierte Teams
- Besprechungsformate für Kanban-Teams: Daily, Replenishment Meeting, Retrospektive
- Dateiablage und Dokumentenarbeit im Teams-Workspace
- Sicherheitseinstellungen und Zugriffsrechte für Teams
Praxisblock – Kanban in der Anwendung
- Aufbau eines vollständigen Kanban-Systems für ein fiktives Entwicklungsteam
- Simulation eines Push-to-Pull-Übergangs mit Diskussion der Effekte
- Identifikation von Engpässen in einem Beispiel-Workflow mit TOC-Methoden
- Ableitung von WIP-Limit-Empfehlungen aus Durchsatz- und CFD-Daten
- Lesen und Interpretieren eines CFDs aus realen Teamdaten
- Kaizen-Workshop: Identifikation und Priorisierung von Verbesserungsmaßnahmen
- Scrumban-Board entwerfen: Welche Scrum-Zeremonien bleiben, was fällt weg?
- Metriken-Dashboard für ein Kanban-Team aufbauen
- Fallstudie: Teamkrise durch hohe WIP-Zahlen – Diagnose und Lösung
- Einrichtung eines Kanban-Boards in Microsoft Planner innerhalb Teams
- Simulation eines Replenishment Meetings mit klaren Commitmentregeln
- Abschlussübung: vollständige Kanban-System-Analyse und Verbesserungsempfehlung
Die Praxiseinheiten verlaufen bewusst simulativ: Teilnehmende erleben am Modell, was Theorie-Erklärungen beschreiben – Engpasswirkungen, Flussverluste durch hohe WIP und die messbaren Effekte von Kaizen-Maßnahmen.
Lernziele:
- Die Herkunft von Kanban aus dem Toyota-Produktionssystem und der Lean-Philosophie erklären
- Ein Kanban-Board konzeptionell und strukturell korrekt aufbauen und für Teams visualisieren
- Den Unterschied zwischen Push- und Pull-Systemen in der Wissensarbeit erläutern
- Work in Progress (WIP) definieren, begrenzen und die Wirkung von WIP-Limits auf den Fluss demonstrieren
- Die Theory of Constraints (TOC) auf Kanban-Systeme anwenden, um Flaschenhälse zu identifizieren
- Scrumban als hybrides Modell aus Scrum und Kanban beschreiben und sinnvoll einsetzen
- Kaizen als strukturierten Verbesserungsansatz in Kanban-Teams verankern
- Das Cumulative Flow Diagram (CFD) interpretieren und für Fluss- und Prognoseaussagen nutzen
- Kanban-Simulationen zur Erfahrung von Pull- und WIP-Effekten durchführen
- Agile Grundprinzipien mit dem Kanban-Ansatz verknüpfen
- Microsoft Teams für die Steuerung und Kommunikation in Kanban-Teams nutzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Kanban eignet sich für alle, die Wissensarbeit systematisch steuern wollen – unabhängig von Branche oder Teamgröße.
- IT-Projektmanager und Product Owner, die ihre Backlog-Steuerung verbessern wollen
- Scrum Master, die Kanban als Ergänzung oder Alternative zu Scrum einführen möchten
- Agile Coaches und Prozessberater mit Fokus auf Flussoptimierung
- Operations-Teams und Service-Desk-Leads, die Anfragevolumen visualisieren wollen
- Teamleiter aus nicht-IT-Bereichen, die Kanban auf Marketings, HR oder Support anwenden
Grundkenntnisse im Projektmanagement oder in agilen Methoden sind hilfreich, aber keine formale Voraussetzung. Der Kurs startet mit agilen Grundlagen und der Herkunft von Kanban, sodass auch Einsteiger folgen können. Wer bereits Scrum-Erfahrung mitbringt, wird viele Anknüpfungspunkte finden. Für das Expert-Modul ist der Foundation-Abschluss vorausgesetzt, der im selben Kurspaket enthalten ist.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs nutzt Combined Learning: instruktionsgeleitete Online-Einheiten wechseln sich mit Simulationsübungen, Gruppenarbeiten und Selbststudium ab. Besonderes Gewicht liegt auf der Kanban-Simulation, in der Teams Pull-Effekte und WIP-Phänomene am Modell erleben – ein Ansatz, der das Verständnis der Methode erheblich beschleunigt. Vollzeitformat mit Teilzeitmöglichkeit; Kursdauer in der Regel mehr als eine Woche bis einen Monat.
Der Kurs umfasst Foundation- und Expert-Zertifizierung in einem Paket, ergänzt um das MS-Teams-Modul. Die Gesamtdauer übersteigt eine Woche und kann bis zu einem Monat im Vollzeitformat betragen. Selbststudiumsphasen zwischen den Modulen vertiefen die Konzepte.
Der Kurs bereitet auf die EXIN-Kanban-Foundation- und EXIN-Kanban-Expert-Prüfungen vor. EXIN ist ein international anerkannter Zertifizierungsanbieter für IT- und Methoden-Qualifikationen. Bei bestandener Prüfung erhalten Teilnehmende die entsprechenden EXIN-Zertifikate. Ergänzend stellt der Kursträger eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung aus.
Nutzen & Perspektiven
Kanban löst ein häufiges Problem in Teams: Alle arbeiten, aber nichts kommt voran. Zu viele parallele Aufgaben, unklare Prioritäten und unsichtbare Engpässe sind die typischen Symptome. Wer Kanban versteht und anwendet, macht genau diese Probleme sichtbar und messbar – und kann sie systematisch beheben. Der Sprung von Foundation zu Expert schärft die Fähigkeit, nicht nur ein Board aufzubauen, sondern ein ganzes Kanban-System zu steuern. EXIN-Kanban-Zertifikate sind in der agilen Community anerkannt und ergänzen Scrum-Zertifizierungen sinnvoll. Während Scrum auf Produktentwicklung in festen Sprints ausgerichtet ist, eignet sich Kanban besonders für kontinuierliche Serviceprozesse, Operations-Teams und Bereiche, die nicht sprint-kompatibel arbeiten. Die Kombination beider Ansätze – im Kurs als Scrumban behandelt – erschließt ein breites Methodenrepertoire. Das MS-Teams-Modul macht die erlernten Kanban-Konzepte sofort praxistauglich: Ein digitales Board in Planner aufzubauen, WIP-Limits sichtbar zu machen und Retrospektiven im virtuellen Raum durchzuführen, ist für remote und hybrid arbeitende Teams heute kein Nice-to-have, sondern Grundvoraussetzung für effektive Selbstorganisation.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Kanban Foundation und Kanban Expert?
Foundation vermittelt die Grundprinzipien: Visualisierung, Pull-System, WIP-Limits und erste Metriken. Expert vertieft die Theory of Constraints, das Cumulative Flow Diagram, Scrumban und Kaizen als systematischen Verbesserungsansatz.
Für welche Teams eignet sich Kanban besonders?
Kanban ist besonders für Operations-Teams, Service-Desks und kontinuierliche Serviceprozesse geeignet – also überall dort, wo Arbeitsflüsse stetig laufen und nicht sprint-kompatibel sind. Aber auch Entwicklungsteams nutzen Kanban oder Scrumban als ergänzende Steuerungsmethode.
Was ist ein Cumulative Flow Diagram (CFD)?
Das CFD zeigt über Zeit, wie viele Arbeitselemente sich in welchem Prozessschritt befinden. Es macht Engpässe, steigende WIP und instabile Flüsse sichtbar – und erlaubt grobe Lieferprognosen auf Basis historischer Daten.
Kann ich diesen Kurs ohne Vorkenntnisse besuchen?
Ja. Der Kurs startet mit agilen Grundlagen und der Herkunft von Kanban, sodass auch Einsteiger folgen können. Wer bereits Scrum-Erfahrung hat, wird viele Anknüpfungspunkte finden und kann das Expert-Modul schneller erschließen.
Warum ist MS Teams Teil dieses Kanban-Kurses?
Microsoft Teams lässt sich über Planner direkt als digitales Kanban-Board nutzen. Das Modul zeigt, wie Teams ihre erlernten Kanban-Konzepte sofort in der Praxis umsetzen – inklusive Board-Aufbau, WIP-Visualisierung und digitaler Retrospektive.
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