Überblick
Externe Qualitätsauditorinnen und -auditoren prüfen Qualitätsmanagementsysteme unabhängig und aus der Perspektive einer dritten Partei. Dieser Kurs qualifiziert für genau diese Rolle: Er vermittelt, wie Audits nach den methodischen Vorgaben der ISO 19011 geplant, durchgeführt, dokumentiert und nachverfolgt werden. Neben der normativen Grundlage stehen die Kommunikation im Auditgespräch, der Umgang mit schwierigen Situationen und die professionelle Berichterstellung im Vordergrund. Ziel ist eine eigenständige Tätigkeit als externer Auditor – sei es als freiberufliche Prüfperson, in einem Zertifizierungsunternehmen oder als interner Spezialist mit Drittpartei-Mandat.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Normative Grundlagen: ISO 9001:2015 und ISO 19011 Externe Auditoren müssen die zu prüfende Norm und die Prüfmethodik gleichermaßen souverän beherrschen. Der erste Abschnitt vertieft beide Dimensionen: ISO 9001:2015 aus der Perspektive des Prüfenden sowie ISO 19011 als methodisches Rüstzeug für die Auditgestaltung. Dabei geht es weniger um theoretisches Normwissen als um die praktische Übersetzung von Anforderungen in Auditfragen und Bewertungskriterien.
- Struktur und Logik der ISO 9001:2015: High-Level-Struktur, Prozessansatz, Risikoorientierung
- Kontext der Organisation (Kapitel 4) als Ausgangspunkt der Auditplanung
- Führung, Planung und Unterstützung (Kapitel 5–7) im Auditfokus
- Betrieb und Leistungsbewertung (Kapitel 8–9) als Auditschwerpunkte
- Verbesserung und Nichtkonformität (Kapitel 10) – Abweichungsmanagement aus Auditorensicht
- ISO 19011: Auditprinzipien, Auditprogramm-Management und Kompetenzen von Auditoren
Modul 2 – Auditplanung und Vorbereitung Gute Audits entstehen nicht im Auditgespräch, sondern in der Vorbereitung. Dieses Modul zeigt, wie ein strukturiertes Auditprogramm aufgebaut wird, welche Unterlagen vorab zu analysieren sind und wie eine effektive Auditcheckliste entsteht.
- Auditprogramm: Jahresplanung, Priorisierung nach Risiko und Kritikalität
- Dokumentenprüfung vor dem Audit: QM-Handbuch, Prozessdokumentationen, Voraudit-Berichte
- Erstellung von Auditplänen und Auditchecklisten auf Basis der Normanforderungen
- Abgrenzung von Auditumfang, Auditzielen und Auditkriterien
- Stichprobenlogik im Audit: Wie viel ist genug?
- Kommunikation mit der auditierten Organisation vor dem Termin
Modul 3 – Auditdurchführung und Kommunikation Das Auditgespräch ist das Kernhandwerk externer Auditoren. Dieses Modul vermittelt Fragetechniken, Interviewführung, Beobachtungsmethoden und den professionellen Umgang mit schwierigen Situationen im Audit.
- Eröffnungsbesprechung: Struktur, Ton und Zieldefinition
- Fragetechniken im Audit: offene, geschlossene und klärende Fragen
- Objektive Beweise sammeln: Dokumentenprüfung, Beobachtung und Befragung im Verbund
- Umgang mit defensiven oder ausweichenden Antworten
- Deeskalation bei Widerstand und emotionalen Reaktionen
- Schlussbesprechung: Feststellungen kommunizieren, Fragen beantworten, nächste Schritte vereinbaren
Modul 4 – Auditbericht und Maßnahmenverfolgung Was im Auditgespräch gefunden wird, muss im Bericht klar und verwertbar dokumentiert sein. Dieses Modul behandelt die formale Auditberichterstattung sowie die systematische Nachverfolgung von Korrekturmaßnahmen.
- Struktur und Sprache eines Auditberichts
- Klassifikation von Feststellungen: Hauptabweichung, Nebenabweichung, Beobachtung, positiver Befund
- Formulierung von Abweichungen: normreferenziert, objektiv und nachvollziehbar
- Maßnahmenplan: Ursachenanalyse, Korrekturmaßnahmen und Wirksamkeitsprüfung
- Lieferantenaudit-spezifische Anforderungen und Reporting-Formate
- Digitale Tools für Auditmanagement und Maßnahmenverfolgung
Die Praxiseinheiten simulieren reale Audit-Situationen und trainieren alle Phasen – von der Vorbereitung bis zum Abschlussbericht – an konkreten Szenarien.
- Auditcheckliste für ein fiktives Unternehmen nach ISO 9001:2015 entwickeln
- Dokumentenprüfung durchführen: QM-Dokumentation analysieren und Lücken identifizieren
- Auditgespräch in Rollenspielen üben: Auditor- und Auditierte-Perspektive einnehmen
- Fragetechniken gezielt anwenden und Antworten dokumentieren
- Objektive Nachweise bewerten und Feststellungen klassifizieren
- Abweichungsbeschreibung formulieren: normreferenziert und präzise
- Schlussbesprechung moderieren: Ergebnisse kommunizieren, Diskussionen führen
- Vollständigen Auditbericht für ein Fallbeispiel erstellen
- Maßnahmenplan für identifizierte Hauptabweichungen entwickeln und Wirksamkeitsprüfung konzipieren
- Lieferantenaudit planen und Fragekatalog für spezifische Lieferketten-Risiken entwickeln
- Konfliktsituation im Audit deeskalieren: Fallbeispiel analysieren und Lösungsstrategie ableiten
- Abschlussprojekt: vollständiger Auditablauf von der Planung bis zum fertigen Bericht für ein branchenspezifisches Szenario
Die Praxisblöcke sind so gestaltet, dass Teilnehmende typische Audit-Situationen in sicherem Übungsumfeld durchlaufen, bevor sie reale Aufträge übernehmen.
Lernziele:
- Teilnehmende kennen die Anforderungen der ISO 9001:2015 aus der Auditorenperspektive und können diese bei der Auditplanung operationalisieren.
- Sie wenden die Methodik der ISO 19011 auf die Planung, Durchführung und Nachbereitung von Audits an.
- Sie führen Auditgespräche strukturiert und kommunikationssicher durch und können mit Widerstand oder Ausweichverhalten professionell umgehen.
- Sie erstellen normkonforme Auditberichte, die Abweichungen, Beobachtungen und Verbesserungspotenziale klar und nachvollziehbar dokumentieren.
- Sie verfolgen Maßnahmen aus Auditfeststellungen systematisch nach und überprüfen deren Wirksamkeit.
- Sie kennen die Grundlagen der Lieferantenauditierung und können Drittpartei-Audits im Lieferkettenkontext durchführen.
- Sie unterscheiden interne, externe und Zertifizierungsaudits und kennen die jeweiligen Anforderungen und Rollen.
- Sie gehen mit Konfliktsituationen im Audit deeskalierend und lösungsorientiert um.
- Sie kennen die Zulassungsvoraussetzungen und den Prüfungsablauf der DEKRA-Zertifizierung zur Qualitätsauditorin/zum Qualitätsauditor.
- Sie kennen aktuelle Entwicklungen im Qualitätsmanagement (Risikoorientierung, Prozessansatz, Kontextanalyse) und integrieren diese in die Auditpraxis.
- Sie verstehen die ethischen Anforderungen an externe Auditoren (Unabhängigkeit, Vertraulichkeit, Integrität) und handeln entsprechend.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte mit QM-Erfahrung, die externe Auditierungstätigkeiten aufnehmen oder ausbauen möchten. Angesprochen sind insbesondere diese Berufsprofile
- Qualitätsmanager und QM-Beauftrage, die zur externen Auditfunktion wechseln wollen
- Interne Auditoren, die ihre Tätigkeit auf externe und Drittpartei-Audits ausweiten möchten
- Fachkräfte, die eine DEKRA-Zertifizierung als Qualitätsauditorin/-auditor anstreben
- Mitarbeitende aus Einkauf und Supply Chain, die Lieferantenaudits eigenverantwortlich durchführen sollen
- Berater und Freelancer im QM-Umfeld, die externe Auditierungsmandate übernehmen möchten
Für die Kursteilnahme wird ein abgeschlossenes Studium oder eine Berufsausbildung mit mehrjähriger Berufspraxis vorausgesetzt. Solide Kenntnisse der ISO 9001:2015 sind unabdingbar; der Kurs setzt voraus, dass die Norminhalte bekannt sind und vertieft, nicht neu eingeführt werden müssen. Für die Zulassung zur DEKRA-Prüfung als Qualitätsauditorin/-auditor ist zusätzlich das DEKRA-Zertifikat als Qualitätsmanagerin/-manager (oder ein gleichwertiger anerkannter Nachweis) erforderlich. Deutschkenntnisse in Wort und Schrift auf mindestens C1-Niveau sowie ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten sind Voraussetzung, da Auditgespräche sprachliche Präzision und situatives Kommunikationsgeschick erfordern.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet die normative Wissensvermittlung eng mit praxisnaher Fallarbeit. Rollenspiele und simulierte Auditgespräche nehmen einen wesentlichen Teil der Kurszeit ein, da die Kommunikation im Audit nur durch Übung sicher wird. Teilnehmende bringen unterschiedliche Branchen- und QM-Erfahrungen mit; dieser Erfahrungsreichtum wird durch den gemeinsamen Austausch über Fallbeispiele und Audit-Herausforderungen produktiv genutzt. Kursunterlagen, Checklisten und Berichtsvorlagen stehen als Arbeitsmittel für die spätere Auditpraxis zur Verfügung.
Das Angebot wird von zwei spezialisierten Anbietern mit rund 96 verfügbaren Terminen bereitgestellt. Dauer und Stundenumfang variieren je nach Format; Details zur zeitlichen Taktung sind bei den Anbietern direkt zu erfragen.
Nach dem Kursabschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat der jeweiligen Bildungseinrichtung. Der Kurs bereitet zudem auf die DEKRA-Prüfung zur Qualitätsauditorin/zum Qualitätsauditor vor; die externe DEKRA-Prüfung ist ein eigenständiger Prozess mit eigenen Zulassungsvoraussetzungen (DEKRA-Zertifikat als Qualitätsmanagerin/-manager oder gleichwertiger Nachweis). Das DEKRA-Zertifikat als externer Auditor ist ein anerkanntes Qualifikationsmerkmal in Zertifizierungsunternehmen und bei Großunternehmen mit aktiven Lieferantenauditprogrammen.
Nutzen & Perspektiven
Externe Auditoren sind gefragt – in Zertifizierungsgesellschaften, Unternehmensberatungen und bei Unternehmen, die ihre Lieferketten qualitätsseitig absichern müssen. Wer diese Funktion eigenverantwortlich und kompetent ausfüllen kann, öffnet sich einen Tätigkeitsbereich, der sich deutlich vom klassischen internen QM-Alltag unterscheidet: mehr Abwechslung, klarer Auftrag, direktes Feedback. Die methodische Fundierung nach ISO 19011 ist dabei der entscheidende Unterschied zwischen gelegentlichem Prüfen und professionellem Auditieren. Wer die Norm kennt, strukturiert vorbereitet und souverän kommuniziert, liefert Ergebnisse, die für auditierte Unternehmen tatsächlich wertvoll sind – und die zu anhaltenden Verbesserungen führen, statt zu reinen Compliance-Bestätigungen. Die Kombination aus normativem Wissen, Kommunikationstraining und praxisnaher Fallarbeit stellt sicher, dass Absolventinnen und Absolventen nicht nur die Prüfungsanforderungen erfüllen, sondern im realen Auditeinsatz auch unter schwierigen Bedingungen professionell handeln können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einem internen und einem externen Auditor?
Interne Auditoren prüfen das eigene Unternehmen im Auftrag des Managements. Externe Auditoren – auch Drittpartei-Auditoren genannt – prüfen fremde Unternehmen, etwa im Rahmen von Zertifizierungen oder Lieferantenqualifizierungen. Sie handeln unabhängig und müssen besonders hohe Anforderungen an Objektivität, Vertraulichkeit und kommunikative Kompetenz erfüllen.
Welche Voraussetzungen brauche ich für die DEKRA-Prüfung als Qualitätsauditor?
Die DEKRA-Zulassungsvoraussetzung zur Prüfung als Qualitätsauditorin/-auditor ist das DEKRA-Zertifikat als Qualitätsmanagerin/-manager oder ein gleichwertiger anerkannter Nachweis. Zusätzlich werden Berufspraxis und ein abgeschlossener Bildungsabschluss vorausgesetzt. Der Kurs bereitet gezielt auf diese Prüfung vor, nimmt sie aber nicht vorweg – sie findet beim DEKRA separat statt.
Was ist ISO 19011 und warum ist sie für externe Auditoren relevant?
ISO 19011 ist die internationale Norm für die Auditierung von Managementsystemen. Sie legt Prinzipien, Verfahren und Kompetenzanforderungen für Auditoren fest und ist die methodische Grundlage für professionelle Audit-Tätigkeit. Externe Auditoren ohne Kenntnis dieser Norm arbeiten ohne anerkannten methodischen Rahmen und können in Zertifizierungskontexten nicht bestehen.
Kann ich nach dem Kurs sofort externe Audits durchführen?
Der Kurs qualifiziert methodisch und normativ für externe Auditierungstätigkeiten. Für kommerzielle Audits im Zertifizierungsumfeld ist in der Regel zusätzlich die DEKRA-Prüfung oder eine vergleichbare formale Qualifikation erforderlich. Lieferantenaudits können je nach Auftraggeber auch auf Basis des trägerinternen Zertifikats und nachweisbarer QM-Erfahrung übernommen werden.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs von einer allgemeinen QM-Weiterbildung?
Allgemeine QM-Weiterbildungen vermitteln Normeninhalte und Managementsystem-Grundlagen. Dieser Kurs fokussiert ausschließlich auf die externe Auditorenrolle: Auditplanung nach ISO 19011, Gesprächsführung in Auditsituationen, Berichterstellung und Maßnahmennachverfolgung aus der Prüfperspektive. Er setzt QM-Grundwissen voraus und baut darauf auf.
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