Überblick
Gebäude müssen sicher, effizient und kostenoptimiert betrieben werden — das ist die Kernaufgabe des Facility Managements. Ob es um die Instandhaltungsplanung einer Industrieanlage geht, um das Energiemanagement eines Bürogebäudes oder um die Steuerung externer Dienstleister im technischen Gebäudebetrieb: Facility Manager sind in allen diesen Situationen gefragt. Diese Weiterbildung vermittelt die kaufmännischen, technischen und organisatorischen Grundlagen, die für eine professionelle Tätigkeit im Facility Management notwendig sind — vom strategischen Planungsrahmen bis zur operativen Steuerung.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Grundlagen und Systemarchitektur des Facility Managements Facility Management ist mehr als Hausmeisterdienst. Dieses Einstiegsmodul legt das konzeptionelle Fundament: Was umfasst FM als strategische Managementdisziplin, und wie ist es in die Unternehmensorganisation eingebettet?
- Definition und Verständnis von Facility Management nach GEFMA und ISO 41001
- Strategisches, taktisches und operatives FM: die drei Ebenen im Überblick
- Technisches Gebäudemanagement (TGM): Instandhaltung, Betrieb, Wartung
- Kaufmännisches Gebäudemanagement (KGM): Kostenrechnung, Vertrags- und Versicherungsmanagement
- Infrastrukturelles Gebäudemanagement (IGM): Reinigungs-, Sicherheits- und Catering-Dienstleistungen
- Facility Management in der Organisation: Eigenbetrieb vs. Outsourcing
Modul 2: CAFM-Systeme und digitale Werkzeuge im Gebäudebetrieb Moderne Facility-Management-Arbeit ist ohne digitale Unterstützung kaum vorstellbar. Dieses Modul gibt einen strukturierten Einblick in die relevanten Systeme und ihre Einsatzmöglichkeiten.
- CAFM-Systeme: Funktionsumfang, Systemauswahl und typische Anwendungsszenarien
- Gebäudedokumentation: Grundrisse, CAD-Daten, digitaler Gebäudepass
- Building Information Modeling (BIM) im Kontext des Facility Managements
- Wartungsmanagement in CAFM: Wartungspläne erstellen, Aufgaben verwalten, Berichte auswerten
- Flächenmanagement in CAFM: Raumkataster, Belegungspläne, Umzugsmanagement
- Schnittstellen zu ERP-Systemen und IoT-Sensorik im Smart Building
Modul 3: Betreiberverantwortung, Recht und Sicherheit im Gebäudebetrieb Gebäudebetreiber tragen eine erhebliche rechtliche Verantwortung. Dieses Modul behandelt die wichtigsten Rechtsgrundlagen, Prüfpflichten und Sicherheitsanforderungen, die Facility Manager kennen müssen.
- Betreiberverantwortung im deutschen Recht: Haftung, Verkehrssicherungspflicht, Übertragung
- DGUV-Vorschriften und Arbeitsstättenverordnung im Gebäudebetrieb
- Brandschutz: vorbeugender, abwehrender und anlagentechnischer Brandschutz
- Prüfpflichten für technische Anlagen: DGUV V3, Aufzüge, Druckgeräte, Sprinkleranlagen
- Energierechtliche Anforderungen: GEG, Energieausweis, Energiemanagementsystem
- Notfallplanung und Krisenmanagement im Gebäudebetrieb
Modul 4: Kosten, Verträge und strategische Steuerung Facility Management ist eine betriebswirtschaftliche Disziplin. Dieses Modul zeigt, wie Gebäudekosten strukturiert, transparent gemacht und optimiert werden — und wie Dienstleister professionell gesteuert werden.
- Lebenszykluskosten von Gebäuden: Investition, Betrieb, Instandhaltung, Rückbau
- Kostentransparenz: Kostenstellenrechnung und FM-Benchmarking
- Servicelevel-Agreements (SLAs): Entwicklung, Verhandlung und Controlling
- Outsourcing-Entscheidungen: Total-FM, Einzelleistungsvergabe, Inhouse vs. extern
- Energiemanagement und Nachhaltigkeitskennzahlen: ESG im Gebäudebetrieb
- Real Estate Management: Werterhalt, Portfoliosteuerung und die Schnittstelle zu FM
Praxisblock: Gebäudemanagement-Aufgaben aus der Praxis Alle Themenfelder werden in anwendungsorientierten Übungseinheiten vertieft.
- Erstellung eines einfachen Instandhaltungsplans für ein fiktives Bestandsgebäude
- Aufbau eines Flächenkatasters und Belegungsplans in einer CAFM-Demo-Umgebung
- Analyse eines Energieverbrauchsprofils und Ableitung von Einsparmöglichkeiten
- Kalkulation der Betriebskosten einer Gewerbeimmobilie nach Kostenpositionen
- Entwicklung einer SLA-Struktur für einen Reinigungsdienstleister
- Risikoanalyse: Betreiberverantwortungs-Assessment für ein Gebäude
- Vergleich zweier Instandhaltungsstrategien (reaktiv vs. präventiv) anhand einer Fallstudie
- Brandschutz-Checkliste: Begehung und Dokumentation eines Gebäudeabschnitts
- Konzeptskizze: FM-Organisationsmodell für ein mittelgroßes Unternehmen
- CAFM-Auswertungsübung: Wartungsberichte und Mängelmanagement interpretieren
- Outsourcing-Kalkulation: Eigenerbringung vs. Fremdbezug im Vergleich
- Abschlusspräsentation: FM-Konzept für eine definierte Liegenschaft
Dieser Praxisblock macht deutlich, dass Facility Management immer einen spezifischen Kontext hat — kein Gebäude ist wie das andere, keine Betreiberorganisation wie die nächste. Die Übungen stärken das situative Urteilsvermögen und den Umgang mit realen Abwägungen zwischen Kosten, Sicherheit und Komfort.
Lernziele:
Die Weiterbildung befähigt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu folgenden Kompetenzen.
- den Aufgabenbereich und die Systemlogik des Facility Managements strukturiert zu beschreiben
- technisches, kaufmännisches und infrastrukturelles Gebäudemanagement zu unterscheiden und zu koordinieren
- CAFM-Systeme (Computer Aided Facility Management) in ihren Grundfunktionen zu nutzen
- Instandhaltungsstrategien zu verstehen und auf konkrete Gebäudesituationen anzuwenden
- Energiemanagement und Nachhaltigkeitsziele im Gebäudebetrieb umzusetzen
- Dienstleisterverträge (Servicelevel-Agreements) zu strukturieren und zu steuern
- rechtliche Anforderungen an den Gebäudebetrieb (Betreiberverantwortung, DGUV, Brandschutz) zu kennen
- Flächenmanagement und Raumplanung systematisch zu unterstützen
- Kosten im Gebäudebetrieb transparent zu machen und Optimierungspotenziale zu identifizieren
- Grundlagen des Real Estate Managements im Kontext Facility Management einzuordnen
- ein Facility-Management-Konzept für eine definierte Liegenschaft zu entwickeln
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen mit technischem, kaufmännischem oder handwerklichem Hintergrund, die in Gebäudebewirtschaftung, Immobilienverwaltung oder Betriebsorganisation Verantwortung übernehmen oder eine entsprechende Fachkarriere aufbauen wollen.
- Technische Mitarbeitende in Unternehmen mit eigener Gebäudeinfrastruktur
- Immobilienkaufleute, die operative FM-Kompetenz aufbauen wollen
- Betriebsleiter und Haustechnik-Verantwortliche ohne formales FM-Studium
- Quereinsteiger aus technischen Handwerksberufen oder Verwaltungsfunktionen
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Ausbildung, ein Studium oder nachgewiesene Berufserfahrung in einem relevanten Berufsfeld (technisch, kaufmännisch oder verwaltend). Grundlegende PC-Kenntnisse sind erforderlich. Solide Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind notwendig, da Vertragswerke, Rechtsgrundlagen und technische Dokumentationen auf Deutsch erarbeitet werden.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung kombiniert strukturierte Fachvorträge und Lehrgespräche mit fallbasierten Übungsaufgaben. Gebäudemanagement-Themen leben von der Komplexität echter Liegenschaften — deshalb werden Lerneinheiten so oft wie möglich mit konkreten Szenarien verknüpft: Bestandsgebäude, fiktive Unternehmensgebäude, reale Kostenpositionen. Systemdemonstrationen von CAFM-Umgebungen vermitteln ein konkretes Bild moderner FM-Software, ohne Lizenzanforderungen zu stellen. Der Kurs kann in Vollzeit oder berufsbegleitend angeboten werden, je nach Anbieterformat.
Der Umfang der Weiterbildung entspricht dem Themenspektrum — von Betreiberrecht über CAFM bis zu Kosten- und Vertragsmanagement ist das ein weites, inhaltlich dicht besetztes Feld. Im Markt finden sich unterschiedliche Kursformate unterschiedlicher Dauer. Für konkrete Informationen zu Unterrichtseinheiten und Terminen wenden Sie sich an die anbietenden Einrichtungen.
Wer die Weiterbildung erfolgreich abschließt, erhält ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine Teilnahmebescheinigung im Bereich Facility Management. Das Dokument belegt die erworbenen Kompetenzen in technischem, kaufmännischem und infrastrukturellem Gebäudemanagement und ist als Weiterbildungsnachweis für Tätigkeiten in Facility-Management-Funktionen geeignet. Es handelt sich nicht um eine staatliche oder verbandliche Prüfung.
Nutzen & Perspektiven
Der professionelle Betrieb von Gebäuden ist eine der komplexesten betriebswirtschaftlichen Aufgaben, die Unternehmen regelmäßig unterschätzen. Immobilien binden Kapital, verursachen laufende Kosten und tragen rechtliche Risiken — wer sie souverän managt, schafft einen messbaren wirtschaftlichen Mehrwert. Facility Manager mit solidem Fachwissen werden in Unternehmen aller Größen und Branchen gesucht, denn jedes Unternehmen mit eigener Infrastruktur braucht jemanden, der diese Infrastruktur verantwortlich betreibt. Der Arbeitsmarkt für FM-Fachkräfte ist stabil und wenig konjunkturempfindlich — Gebäude müssen immer betrieben werden, unabhängig von wirtschaftlichen Schwankungen. Wer darüber hinaus Digitalisierungskompetenz (CAFM, Smart Building) und Nachhaltigkeitswissen (ESG, Energiemanagement) mitbringt, ist besonders gefragt, da beide Felder aktuell stark an Bedeutung gewinnen. Diese Weiterbildung legt in beiden Bereichen solide Grundlagen. Für Techniker aus Handwerk oder Haustechnik bietet die Weiterbildung den Sprung in eine strategisch-koordinierende Rolle: weg vom operativen Einsatz, hin zur Planung, Steuerung und Optimierung. Für kaufmännische Fachkräfte öffnet sie den Einstieg in ein technisch informiertes Management, das Kostenverantwortung und Betreiberrecht zusammendenkt. Beides sind Karrierepfade, die in der Praxis stark nachgefragt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Facility Management — und was ist es nicht?
Facility Management umfasst die strategische, taktische und operative Bewirtschaftung von Gebäuden und Anlagen über ihren gesamten Lebenszyklus. Es umfasst technischen Gebäudebetrieb (Instandhaltung, Wartung), kaufmännisches Management (Kosten, Verträge) und infrastrukturelle Dienste (Reinigung, Sicherheit). Es geht weit über reine Hausmeistertätigkeiten hinaus und hat erhebliche wirtschaftliche und rechtliche Bedeutung.
Was ist ein CAFM-System und wozu brauche ich es?
CAFM steht für Computer Aided Facility Management. Diese Softwaresysteme unterstützen Facility Manager bei Wartungsplanung, Flächenmanagement, Dokumentation und Reporting. Sie ermöglichen es, große Gebäudedatenbestände strukturiert zu verwalten und FM-Prozesse effizienter zu steuern. Der Kurs gibt einen praxisnahen Einblick in typische Systeme und ihre Funktionen.
Welche rechtlichen Pflichten hat ein Gebäudebetreiber?
Gebäudebetreiber tragen die Verkehrssicherungspflicht für ihr Gebäude — das bedeutet, sie müssen Gefahrenquellen erkennen, beseitigen oder absichern. Hinzu kommen spezifische Prüfpflichten für technische Anlagen (Aufzüge, Elektrik, Sprinkler), Brandschutzanforderungen und arbeitsschutzrechtliche Vorgaben. Der Kurs behandelt diese Betreiberverantwortung systematisch.
Ist Facility Management ein wachsendes Berufsfeld?
Ja. Steigende Anforderungen an Gebäudewirtschaft, Energieeffizienz, ESG-Berichterstattung und digitale Gebäudebewirtschaftung sorgen für wachsenden Bedarf an qualifizierten FM-Fachkräften. Der Markt ist konjunkturresistent, da Gebäude permanent bewirtschaftet werden müssen, unabhängig von wirtschaftlichen Zyklen.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dieser Weiterbildung?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung im Bereich Facility Management. Es handelt sich nicht um eine staatliche oder kammerbezogene Prüfung, aber das Zertifikat ist als Weiterbildungsnachweis in FM-Stellenbewerbungen anerkannt.
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