Überblick
Die Gefährdungsbeurteilung ist eine der zentralen Pflichten des Arbeitsschutzgesetzes und Grundlage jeder systematischen Prävention im Betrieb. Dieser Kurs qualifiziert dazu, Gefährdungsbeurteilungen eigenständig zu erstellen, zu dokumentieren und regelmäßig zu aktualisieren. Teilnehmende lernen die rechtlichen Grundlagen des Arbeitsschutzes in Deutschland und Europa kennen, verstehen die Verantwortlichkeiten der beteiligten betrieblichen Akteure und erarbeiten Schritt für Schritt den methodischen Aufbau einer Gefährdungsbeurteilung – von der Gefährdungsermittlung über die Bewertung bis zur Ableitung geeigneter Vorkehrungen. Dabei werden verschiedene Arten von Gefährdungsbeurteilungen behandelt, sodass der Kurs sowohl für den allgemeinen Arbeitsplatz als auch für spezifische betriebliche Situationen anwendbares Wissen vermittelt.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Modulblock legt die rechtlichen Grundlagen des Arbeitsschutzes und schafft das Verständnis dafür, warum Gefährdungsbeurteilungen gesetzlich vorgeschrieben sind.
- Rechtliche Grundlagen des Arbeitsschutzes in Deutschland und Europa
- Aufbau und zentrale Regelungen des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG)
- Zusammenspiel von Arbeitsschutzgesetz, Betriebssicherheitsverordnung und weiteren Vorschriften
- Analyse von Arbeitsunfällen und deren rechtlichen Konsequenzen
- Rolle der Berufsgenossenschaften und Aufsichtsbehörden im Arbeitsschutz
Der zweite Modulblock behandelt die Verantwortlichkeiten und den organisatorischen Rahmen der Gefährdungsbeurteilung im Betrieb.
- Verantwortlichkeiten der Unternehmensleitung im Arbeitsschutz
- Aufgaben von Führungskräften bei der Umsetzung von Gefährdungsbeurteilungen
- Rolle von Sicherheitsbeauftragten und Betriebsräten im Prozess
- Einbindung der Beschäftigten bei der Ermittlung von Gefährdungen
- Organisation der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten betrieblichen Akteuren
Der dritte Modulblock widmet sich dem methodischen Aufbau und den unterschiedlichen Arten von Gefährdungsbeurteilungen.
- Struktureller Aufbau einer Gefährdungsbeurteilung Schritt für Schritt
- Arten von Gefährdungsbeurteilungen: arbeitsplatz-, tätigkeits- und personenbezogen
- Gefährdungsfaktoren: mechanisch, elektrisch, chemisch, biologisch, physikalisch, psychisch
- Methoden zur systematischen Gefährdungsermittlung
- Bewertung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß
Der vierte Modulblock behandelt die Ableitung von Vorkehrungen sowie Dokumentation und Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung.
- Ableitung geeigneter Vorkehrungen nach dem TOP-Prinzip (Technisch, Organisatorisch, Personenbezogen)
- Priorisierung von Vorkehrungen nach Wirksamkeit und Dringlichkeit
- Rechtssichere Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung
- Überprüfung der Wirksamkeit umgesetzter Vorkehrungen
- Anlässe und Rhythmus für die regelmäßige Aktualisierung
Im begleitenden Praxisteil wird das erlernte Wissen anhand konkreter betrieblicher Beispiele angewendet und vertieft.
- Erstellung einer vollständigen Gefährdungsbeurteilung für einen Beispielarbeitsplatz
- Analyse eines fiktiven Arbeitsunfalls und Ableitung präventiver Vorkehrungen
- Bearbeitung einer Gefährdungsbeurteilung für eine Tätigkeit mit besonderen Anforderungen
- Erstellung einer psychischen Gefährdungsbeurteilung anhand eines Fallbeispiels
- Vergleich unterschiedlicher Dokumentationsvorlagen für Gefährdungsbeurteilungen
- Diskussion typischer Fehler bei der praktischen Umsetzung im Betrieb
- Erarbeitung eines Vorkehrungsplans nach dem TOP-Prinzip für ein Beispielunternehmen
- Simulation eines Beteiligungsgesprächs mit Beschäftigten zur Gefährdungsermittlung
- Bewertung eines Beispielrisikos anhand einer Risikomatrix
- Erstellung eines Aktualisierungsplans für bestehende Gefährdungsbeurteilungen
- Bearbeitung eines Fallbeispiels zur Rolle des Betriebsrats im Beurteilungsprozess
- Zusammenführung aller Kursinhalte in einer abschließenden Fallstudie
Der Kurs legt durchgängig Wert darauf, dass Gefährdungsbeurteilungen kein einmaliger Verwaltungsakt sind, sondern ein fortlaufender Prozess, der bei Veränderungen im Betrieb, nach Unfällen oder in festen Zeitabständen wiederholt und angepasst werden muss. Diese prozesshafte Sichtweise zieht sich durch alle vier Modulblöcke. Besonderer Wert wird auf die praktische Anwendbarkeit gelegt: Die Teilnehmenden erstellen im Kursverlauf mehrere vollständige Gefährdungsbeurteilungen zu unterschiedlichen betrieblichen Situationen, sodass sie die erlernte Methodik direkt auf die Gegebenheiten ihres eigenen Arbeitsumfelds übertragen können.
Lernziele:
Nach erfolgreichem Abschluss dieses Kurses beherrschen die Teilnehmenden folgende Kompetenzen.
- die rechtlichen Grundlagen des Arbeitsschutzes in Deutschland und Europa benennen
- die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung aus dem Arbeitsschutzgesetz ableiten
- die Verantwortlichkeiten von Unternehmensleitung, Führungskräften und Sicherheitsbeauftragten einordnen
- Arbeitsunfälle und deren typische Ursachen systematisch analysieren
- den strukturellen Aufbau einer Gefährdungsbeurteilung nachvollziehen und anwenden
- unterschiedliche Arten von Gefährdungsbeurteilungen situationsgerecht auswählen
- Gefährdungen an einem Arbeitsplatz systematisch ermitteln und kategorisieren
- Risiken hinsichtlich Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß bewerten
- geeignete Vorkehrungen zur Beseitigung oder Minderung von Gefährdungen ableiten
- die Wirksamkeit umgesetzter Vorkehrungen überprüfen und dokumentieren
- eine Gefährdungsbeurteilung rechtssicher und nachvollziehbar dokumentieren
- die regelmäßige Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen im betrieblichen Alltag organisieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an alle Personen, die im Betrieb Verantwortung für Arbeitsschutz und Gefährdungsbeurteilungen tragen oder übernehmen möchten. Er eignet sich sowohl für Personen mit disziplinarischer Verantwortung als auch für Interessenvertretungen im Betrieb.
- Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihrer gesetzlichen Arbeitsschutzpflicht eigenständig nachkommen möchten
- Führungskräfte, die Gefährdungsbeurteilungen für ihren Verantwortungsbereich erstellen oder begleiten
- Betriebsrätinnen und Betriebsräte, die den Beurteilungsprozess fachlich mitgestalten wollen
- Sicherheitsbeauftragte, die ihre Kenntnisse zur Gefährdungsbeurteilung vertiefen möchten
- Mitarbeitende mit Interesse am Thema Arbeitsschutz, die sich fachlich weiterqualifizieren wollen
Der Kurs setzt kein spezifisches Vorwissen im Arbeitsschutz voraus und ist auch für Personen ohne bisherige Sicherheitsfunktion geeignet. Hilfreich sind ein grundlegendes Verständnis betrieblicher Abläufe sowie Interesse an rechtlichen und organisatorischen Zusammenhängen. Da praxisnahe Fallbeispiele einen wesentlichen Teil des Kurses ausmachen, profitieren Teilnehmende mit eigener Berufserfahrung besonders von der unmittelbaren Übertragbarkeit auf ihr eigenes Arbeitsumfeld.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet die Vermittlung rechtlicher Grundlagen mit der schrittweisen, praktischen Erarbeitung eigener Gefährdungsbeurteilungen anhand von Fallbeispielen. Theorieeinheiten zu Gesetzestexten und Verantwortlichkeiten wechseln sich mit angeleiteten Übungen ab, in denen Teilnehmende Gefährdungen ermitteln, bewerten und Vorkehrungen ableiten. Durch die wiederholte Bearbeitung unterschiedlicher betrieblicher Szenarien festigt sich die Methodik über den gesamten Kursverlauf.
Der Kurs behandelt das Thema Gefährdungsbeurteilung in kompakter, aufeinander aufbauender Form – von den rechtlichen Grundlagen über die Methodik bis zur praktischen Anwendung. Der konkrete zeitliche Umfang richtet sich nach dem jeweiligen Anbieter und wird zu Kursbeginn mitgeteilt.
Der Kurs schließt mit einer Teilnahmebestätigung der zuständige Prüforganisation ab, die die erfolgreiche Teilnahme an der Qualifizierung zum Erstellen von Gefährdungsbeurteilungen dokumentiert. Ein staatlich anerkannter Abschluss ist damit nicht verbunden; die Bescheinigung belegt die erworbene fachliche Qualifikation gegenüber Arbeitgebern und Aufsichtsbehörden.
Nutzen & Perspektiven
Die Fähigkeit, Gefährdungsbeurteilungen selbstständig und methodisch fundiert zu erstellen, ist eine gesetzlich verankerte betriebliche Kernaufgabe – und zugleich eine Kompetenz, die in kaum einem Unternehmen in ausreichendem Maß vorhanden ist. Wer diesen Kurs abschließt, kann diese Aufgabe eigenständig übernehmen, statt sie an externe Dienstleister auszulagern oder sie unvollständig zu bearbeiten. Für Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Führungskräfte bedeutet das direkte Rechtssicherheit: Eine korrekt erstellte und dokumentierte Gefährdungsbeurteilung schützt im Schadensfall vor Haftungsrisiken und erfüllt die Nachweispflicht gegenüber Aufsichtsbehörden. Für Betriebsräte und Sicherheitsbeauftragte eröffnet der Kurs die Möglichkeit, den Beurteilungsprozess fachlich fundiert mitzugestalten und auf Schwachstellen hinzuweisen. Da der Kurs verschiedene Arten von Gefährdungsbeurteilungen behandelt – von klassischen physischen Gefährdungen bis hin zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz – erwerben Teilnehmende ein Methodenrepertoire, das sich auf ganz unterschiedliche betriebliche Situationen anwenden lässt und weit über eine einmalige, punktuelle Schulung hinausgeht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen eignet sich diese Qualifizierung?
Für Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte, Betriebsräte, Sicherheitsbeauftragte und alle Mitarbeitenden, die Gefährdungsbeurteilungen im Betrieb erstellen oder fachlich begleiten möchten.
Brauche ich Vorkenntnisse im Arbeitsschutz?
Nein. Der Kurs setzt kein spezifisches Vorwissen voraus und baut die rechtlichen und methodischen Grundlagen der Gefährdungsbeurteilung von Anfang an auf.
Welche Arten von Gefährdungsbeurteilungen werden behandelt?
Der Kurs behandelt arbeitsplatz-, tätigkeits- und personenbezogene Gefährdungsbeurteilungen sowie unterschiedliche Gefährdungsfaktoren, darunter auch psychische Belastungen am Arbeitsplatz.
Lerne ich, wie man eine Gefährdungsbeurteilung dokumentiert?
Ja. Ein eigener Modulblock behandelt die rechtssichere Dokumentation sowie die Überprüfung und regelmäßige Aktualisierung bestehender Gefährdungsbeurteilungen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Der Kurs schließt mit einer Teilnahmebestätigung der DEKRA Akademie ab, die die erfolgreiche Teilnahme an der Qualifizierung dokumentiert.
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