Überblick
Elektrokonstruktion ist das Handwerk, das elektrische Anlagen und Systeme auf dem Papier – oder heute meist am Bildschirm – zur Realität macht. Dieser Kurs legt die fachlichen Grundlagen für alle, die in der Planung, Konstruktion und Dokumentation elektrischer Anlagen tätig werden wollen. Von der sicheren Auswahl von Kabeln und Leitungen über elektrische Maschinen und deren Anlaufverfahren bis hin zu den maßgeblichen Normen und Schutzmaßnahmen werden alle wesentlichen Themenfelder der Elektrokonstruktion praxisnah erarbeitet. Am Ende des Kurses können die Teilnehmenden einfache elektrotechnische Konstruktionen normgerecht planen und dokumentieren.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Grundlagen der Elektrotechnik für Konstrukteure Bevor man konstruiert, muss man verstehen, was man konstruiert. Dieses einführende Modul stellt sicher, dass alle Teilnehmenden über die nötige elektrotechnische Grundlage verfügen, um die Inhalte der folgenden Module zu verstehen und anzuwenden. Schwerpunkte sind die für die Konstruktionsarbeit relevanten Gesetzmäßigkeiten und Grundbegriffe, nicht die Vertiefung der theoretischen Elektrotechnik.
- Ohm'sches Gesetz, Kirchhoffsche Gesetze und deren Anwendung in Schaltkreisen
- Gleichstrom und Wechselstrom: Grundbegriffe und Unterschiede im Konstruktionskontext
- Elektrische Leistung, Energie und Wirkungsgrad
- Begriffe: Bemessungsstrom, Nennspannung, Betriebsmittelkennzeichnung
- Aufbau von Niederspannungsanlagen und deren Bestandteile
- Überblick über relevante Normen: VDE 0100, DIN EN 60617 (Schaltzeichen)
Modul 2 – Kabel, Leitungen und Betriebsmittel Die richtige Auswahl von Kabeln, Leitungen und elektrischen Betriebsmitteln ist eine der zentralen Aufgaben der Elektrokonstruktion. Fehldimensionierungen führen zu Übererwärmung, Ausfällen oder Sicherheitsrisiken. Dieses Modul trainiert die systematische Auswahl und Dokumentation dieser Komponenten.
- Arten von Kabeln und Leitungen: NYM, NYY, NFNX, flexible Leitungen
- Leitungsquerschnitt und Strombelastbarkeit: Auswahlkriterien und Korrekturfaktoren
- Leitungsschutzschalter, Schmelzsicherungen und Leitungsschutz in Schaltungsplanungen
- Schaltschütze, Motorschutzrelais und deren Einsatz in Steuerstromkreisen
- Klemmen, Reihenklemmen und deren normgerechte Bezeichnung
- Dokumentation und Stücklisten für Betriebsmittel in der Konstruktion
Modul 3 – Elektrische Maschinen, Anlauf- und Bremsverfahren Elektromotoren sind das Herzstück der meisten industriellen Anlagen. In der Elektrokonstruktion kommt es darauf an, nicht nur den richtigen Motor zu wählen, sondern auch die passenden Anlauf- und Bremsverfahren zu planen und in Schaltungen abzubilden. Dieses Modul vermittelt das dafür notwendige Wissen systematisch.
- Drehstrommotoren: Asynchronmotor, Synchronmotor, Funktionsprinzip und Kennlinien
- Direktanlauf, Stern-Dreieck-Anlauf und Sanftanlauf: Schaltungen und Einsatzbereiche
- Frequenzumrichter als moderne Alternative zu klassischen Anlaufverfahren
- Bremsverfahren: Gegenstrombremsung, Gleichstrombremsung und mechanische Bremse
- Motordimensionierung: Leistung, Drehmoment, Betriebsart
- Dokumentation von Motorschaltungen in Schaltplanprogrammen
Praxisphase – Normgerechtes Konstruieren und Dokumentieren Die Praxisphase bündelt alle gelernten Inhalte in praxisnahen Konstruktionsaufgaben. Die Teilnehmenden erstellen eigene Schaltpläne, dimensionieren Betriebsmittel und erarbeiten normkonforme Konstruktionsdokumentationen. Dabei steht die korrekte Anwendung von Normen und Schutzmaßnahmen im Mittelpunkt.
- Erstellung einfacher Stromlaufpläne nach DIN EN 60617
- Dimensionierung und Auswahl von Kabeln und Leitungsschutzschaltern für typische Anlagentypen
- Planung von Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag (Schutzklassen, Fehlerstromschutzschalter)
- Erstellung von Schaltschrank-Layouts und Klemmenplänen
- Stern-Dreieck-Anlauf vollständig ausplanen und dokumentieren
- Überprüfung eigener Konstruktionen auf Normkonformität und Vollständigkeit
- Einarbeitung in Elektrokonstruktionssoftware (je nach Anbieter z. B. EPLAN, WSCAD oder vergleichbar)
- Erstellen von Stücklisten und Betriebsmittelkennzeichnungen
- Fehleranalyse an fehlerhaften Schaltplänen
- Auswertung und Korrektur eigener Konstruktionen im Feedback-Gespräch
- Normrecherche für spezifische Konstruktionsanforderungen
- Abschlussaufgabe: vollständige Konstruktion und Dokumentation einer kleinen Anlage
Nach der Praxisphase haben die Teilnehmenden nicht nur Wissen aufgebaut, sondern auch nachweisbare Konstruktionserfahrung gesammelt – eine wichtige Voraussetzung für den beruflichen Einstieg in die Elektrokonstruktion.
Lernziele:
- Grundlegende Fachbegriffe und Konzepte der Elektrokonstruktion sicher anwenden
- Schaltpläne lesen, verstehen und nach geltenden Normen erstellen
- Kabel und Leitungen nach elektrischen und mechanischen Anforderungen auswählen und dimensionieren
- Die wichtigsten elektrischen Maschinen (Motoren, Generatoren, Transformatoren) in Funktion und Aufbau erklären
- Anlauf- und Bremsverfahren für Elektromotoren verstehen und in Schaltungen abbilden
- Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag planen und nach VDE-Vorschriften umsetzen
- Sicherheitsgerechte Konstruktionsprinzipien für elektrische Anlagen anwenden
- Relevante DIN- und VDE-Normen kennen und bei der Konstruktionsarbeit berücksichtigen
- Steuerstromkreise von Hauptstromkreisen unterscheiden und deren Zusammenspiel verstehen
- Grundlegende Betriebsmittel (Schaltschütze, Sicherungen, Klemmen, Schutzrelais) einordnen und dimensionieren
- Erste Erfahrungen mit Elektrokonstruktionssoftware sammeln
- Konstruktionsdokumentationen normgerecht aufbauen und strukturieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit Interesse an der Elektrokonstruktion, insbesondere an technische Fachkräfte, die ihre Kenntnisse in der Konstruktion elektrischer Anlagen aufbauen oder systematisieren möchten. Quereinsteiger aus verwandten technischen Berufen sind ausdrücklich willkommen.
- Elektriker und Elektroniker, die in die Konstruktion wechseln möchten
- Technische Zeichner mit Schwerpunkt Elektrotechnik
- Ingenieure und Techniker, die Elektrokonstruktion als Querschnittsqualifikation benötigen
- Quereinsteiger aus Maschinenbau oder Mechatronik mit Interesse am Schaltplanbereich
- Fachkräfte in industriellen Unternehmen, die Konstruktionsaufgaben übernehmen sollen
Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sowie solide PC-Kenntnisse werden für diesen Kurs vorausgesetzt. Grundkenntnisse in Elektrotechnik erleichtern den Einstieg und beschleunigen das Verständnis – je nach Anbieter werden sie explizit empfohlen. Räumliches Vorstellungsvermögen und technisches Verständnis sind für die Konstruktionsarbeit besonders hilfreich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet kompakte Theorieblöcke mit intensiver Konstruktionspraxis. Schaltpläne werden selbst erstellt, Betriebsmittel werden ausgewählt und Normen werden aktiv angewendet – nicht nur gelesen. Je nach Anbieter werden gängige Elektrokonstruktionsprogramme in der Praxisphase eingesetzt. Übungsaufgaben bauen systematisch aufeinander auf und führen die Teilnehmenden von einfachen Grundschaltungen bis zur vollständigen Anlagendokumentation.
Der Kurs wird von mehreren Anbietern angeboten. Die genaue Kursdauer variiert und ist auf den jeweiligen Angebotsseiten auf Kursweg einsehbar. Aufgrund der praktischen Konstruktionsarbeit ist eine regelmäßige Teilnahme über den gesamten Kurszeitraum wichtig.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung oder ein trägerinternes Zertifikat des Bildungsanbieters. Das Zertifikat bestätigt die erworbenen Grundlagenkenntnisse in der Elektrokonstruktion und kann bei Bewerbungen im technischen Bereich genutzt werden.
Nutzen & Perspektiven
Normgerechte Elektrokonstruktion ist in vielen Branchen unverzichtbar – von der Maschinenentwicklung über den Anlagenbau bis hin zur Gebäudetechnik. Fachkräfte, die Schaltpläne lesen, erstellen und beurteilen können, sind in technischen Unternehmen gefragt. Dieser Kurs schafft eine Grundlage, auf der sich Berufspraxis und Spezialisierung aufbauen lassen. Besonders wertvoll ist die Verbindung aus normativen Grundlagen und direkter Anwendung: Teilnehmende lernen nicht nur, was die Vorschriften sagen, sondern wie man sie in konkrete Konstruktionsdokumente umsetzt. Dieses Handwerk ist in der Praxis oft wichtiger als rein theoretisches Wissen. Für Quereinsteiger aus Elektrohandwerk oder Maschinenbau eröffnet der Kurs den Weg in einen Tätigkeitsbereich, der weniger körperlich belastend, aber fachlich anspruchsvoller ist – und der in vielen Unternehmen händeringend nach qualifizierten Kräften sucht. Wer nach dem Kurs erste Konstruktionserfahrung vorweisen kann, steht in Bewerbungsgesprächen deutlich besser da als ohne diesen Nachweis.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich bereits Elektrotechnik-Grundwissen mitbringen?
Grundkenntnisse in Elektrotechnik sind hilfreich und beschleunigen das Verständnis der Kursinhalte, werden aber je nach Anbieter nicht zwingend vorausgesetzt. Gute Deutschkenntnisse und PC-Kenntnisse sind hingegen erforderlich. Technisches Interesse und räumliches Vorstellungsvermögen helfen beim Einstieg in die Konstruktionsarbeit.
Welche Software wird im Kurs verwendet?
Das hängt vom jeweiligen Anbieter ab. In der Elektrokonstruktion verbreitet sind Programme wie EPLAN Electric P8, WSCAD oder ähnliche CAE-Systeme. Auf den Angebotsseiten auf Kursweg ist vermerkt, welche Software der jeweilige Anbieter einsetzt. Die Grundlagen der Schaltplanerstellung lassen sich auf alle gängigen Programme übertragen.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Teilnehmende erhalten eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung oder ein trägerinternes Zertifikat des jeweiligen Bildungsanbieters. Staatliche oder kammerbezogene Abschlüsse (z. B. IHK) sind nicht Bestandteil dieses Kurses, jedoch bildet der Kurs eine gute Grundlage für weiterführende Qualifikationen.
Welche Berufe kann ich nach dem Kurs anstreben?
Der Kurs bereitet auf Einstiegspositionen als Elektrokonstrukteur, CAE-Zeichner oder technischer Dokumentar in industriellen Unternehmen vor. Mit entsprechender Berufserfahrung und Weiterbildung können Positionen als Projektingenieur oder Konstruktionsleiter im Elektrobereich angestrebt werden.
Was unterscheidet Elektrokonstruktion von Elektroinstallation?
Elektroinstallation bezieht sich auf die handwerkliche Ausführung elektrischer Anlagen – also das physische Verlegen von Kabeln und Montieren von Betriebsmitteln. Elektrokonstruktion ist die planerische und dokumentarische Vorarbeit: das Erstellen von Schaltplänen, die Dimensionierung von Komponenten und die normgerechte Dokumentation, auf deren Basis installiert wird.
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