Überblick
Der ITIL 4 Practice Manager: Plan, Implement & Control (PIC) ist ein Zertifizierungsmodul für erfahrene IT-Service-Management-Fachkräfte. Es vertieft fünf eng miteinander verwobene ITIL 4-Practices, die alle darauf ausgerichtet sind, Änderungen in IT-Umgebungen planvoll, kontrolliert und rückverfolgbar durchzuführen: Change Enablement, IT Asset Management, Release Management, Deployment Management und Service Configuration Management. Das PIC-Modul ist Teil der ITIL 4 Managing Professional-Laufbahn und setzt ein gültiges ITIL 4 Foundation-Zertifikat voraus.
Kursinhalte & Lernziele
Change Enablement — Änderungen genehmigen, steuern und kontrollieren Change Enablement ist die Kernpractice des PIC-Bündels. Sie legt fest, wie Änderungen in einer IT-Organisation von der Einreichung bis zur Genehmigung und Umsetzung gesteuert werden. Das Modul behandelt alle Changetypen, die Rolle des Change Advisory Board, Risikobewertung und die Verbindung zu Release und Deployment.
- Changetypen nach ITIL 4: Standard Change, Normal Change, Emergency Change
- Change-Workflow: Einreichung, Bewertung, Genehmigung, Umsetzung, Bewertung
- Change Advisory Board (CAB): Zusammensetzung, Sitzungsformat, Entscheidungslogik
- Risk Assessment und Change-Priorisierung nach Impact und Dringlichkeit
- Verbindung zu Incident Management: wie ungeplante Changes Incidents auslösen
- Change Modelle und Workflows in ITSM-Tools abbilden (ServiceNow, Jira Service Management)
IT Asset Management — Assets über den gesamten Lebenszyklus verwalten IT Asset Management erfasst alle Hardware-, Software- und Cloud-Assets einer Organisation und verwaltet sie über ihren gesamten Lebenszyklus: von der Beschaffung über den Betrieb bis zur Ausmusterung. Das Modul klärt, wie ITAM mit der CMDB verzahnt ist und welche finanziellen und lizenzrechtlichen Risiken bei mangelhafter Assetverwaltung entstehen.
- ITAM-Scope: Hardware, Software, SaaS-Abonnements, Cloud-Ressourcen
- Asset-Lifecycle: Beschaffung, Deployment, Betrieb, Lizenzmanagement, Entsorgung
- Software Asset Management (SAM): Lizenz-Compliance, Audit-Risiken, Optimierung
- Verknüpfung ITAM mit CMDB: was ist ein Asset, was ein Configuration Item?
- Finanzielle Aspekte: Total Cost of Ownership, Abschreibungen, Kostenallokation
- ITAM-Governance: Rollen, Verantwortlichkeiten, Policy-Grundlagen
Release Management — gebündelte Änderungen koordiniert ausliefern Release Management organisiert die Bündelung, Planung und Koordination von Änderungen zu einem kohärenten Release-Paket. Das Modul zeigt, wie Release-Pläne erstellt werden, wie Tests integriert werden und wie die Übergabe an Deployment Management funktioniert.
- Release-Typen: Major Release, Minor Release, Emergency Release
- Release-Planung: Scope-Definition, Terminierung, Kommunikation an Stakeholder
- Testing-Integration: Unit-Tests, Integration-Tests, User Acceptance Testing im Release-Kontext
- Release-Kommunikation: Stakeholder informieren, Rückfall-Szenarien (Rollback) dokumentieren
- Verbindung Change Enablement — Release Management — Deployment Management
- Release Notes und Post-Implementation Reviews
Deployment Management — technische Ausrollung sicher durchführen Deployment Management ist die Praxis, die freigegebene Releases technisch in Produktions- und andere Zielumgebungen ausrollt. Sie trennt die Entscheidungsebene (was wird freigegeben?) von der Ausführungsebene (wie und wann wird ausgerollt?). Moderne Deployment-Mechanismen wie automatisiertes Deployment und Canary Releases werden eingeordnet.
- Deployment-Strategien: Big Bang, Phased, Canary, Blue-Green-Deployment
- Deployment-Planung: Umgebungen, Termine, Abhängigkeiten, Kommunikation
- Automatisiertes Deployment: CI/CD-Pipelines im ITIL-4-Kontext einordnen
- Rollback-Verfahren: technische und organisatorische Aspekte eines Rückfalls
- Deployment-Protokollierung und Nachverfolgung in der CMDB
- Post-Deployment-Monitoring: Stabilisierungsphase, Incident-Erkennung, Sign-off
Service Configuration Management und CMDB Service Configuration Management definiert, wie Configuration Items (CIs) — also alle wesentlichen Bausteine eines IT-Services — erfasst, gepflegt und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die CMDB ist das zentrale Werkzeug dieser Practice. Das Modul klärt Design-Entscheidungen bei der CMDB-Einführung und typische Integrationspunkte.
- Configuration Item (CI): Definition, Granularität, Klassifikation
- CMDB-Design: Scope, Datenmodell, Attribute, Relationen
- Automatisierte Discovery-Tools und ihre Integration in die CMDB
- Verbindung CMDB mit Incident, Problem, Change und Release
- CI-Lifecycle: Erfassung, Pflege, Ausmusterung
- Typische CMDB-Schwachstellen: veraltete Daten, fehlende Ownership, mangelnde Governance
Praxismodul — Integrierte Szenarien und Prüfungsvorbereitung
- Fallstudie: Emergency Change nach ITIL 4-Logik vollständig abarbeiten
- Übung: Release-Paket für eine kritische Anwendungsmigration planen
- Aufgabe: CMDB-Datenmodell für eine fiktive IT-Organisation entwerfen
- Diskussion: Wann wird ein Change zu einem Incident? Grenzfälle analysieren
- Fallbeispiel: Software-Lizenz-Audit — wie ITAM Compliance-Risiken minimiert
- Rollenspiel: CAB-Sitzung moderieren — Impact Assessment, Abstimmung, Entscheidung
- Übung: Deployment-Plan mit Rollback-Strategie für ein ERP-Update erstellen
- Analyse: Wie Organizational Change Management die Akzeptanz von IT-Changes erhöht
- Prüfungsaufgaben auf Practice Manager-Niveau bearbeiten und gemeinsam auswerten
- Abschlussfallstudie: ganzheitliches PIC-Szenario mit allen fünf Practices lösen
Lernziele:
- Die fünf PIC-Practices vollständig und in ihren Wechselwirkungen beschreiben
- Change-Typen unterscheiden und den Change-Genehmigungsprozess sicher anwenden
- Ein Change Advisory Board (CAB) organisieren und moderieren
- IT-Assets über ihren vollständigen Lebenszyklus hinweg verwalten und dokumentieren
- Release-Pakete planen, koordinieren und genehmigen
- Deployments technisch und organisatorisch vorbereiten und nachverfolgen
- Eine CMDB konzipieren, befüllen und in tägliche ITSM-Abläufe integrieren
- Configuration Items (CIs) definieren, klassifizieren und mit Services verknüpfen
- Organizational Change Management als unterstützende Practice einsetzen
- Risiken bei Changes und Deployments systematisch identifizieren und mitigieren
- Die Wechselwirkungen zwischen PIC-Practices und anderen ITIL 4-Practices (Incident, Problem, Service Desk) analysieren
- Praktische Szenarien auf Prüfungsniveau methodisch lösen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Modul richtet sich an erfahrene IT-Fachkräfte, die bereits in ITSM-Umgebungen tätig sind und ihre Expertise in Change-, Asset- oder Release-Management-Prozessen auf ein formal anerkanntes Zertifizierungsniveau heben wollen.
- Change Manager, die ihre Prozesse auf ITIL 4-Standard ausrichten wollen
- Release Manager mit Interesse an strukturiertem Deployment-Management
- IT-Asset-Manager, die ihr Profil um Normwissen erweitern wollen
- ITSM-Spezialisten auf dem Weg zur ITIL 4 Managing Professional-Qualifikation
- IT-Service-Manager, die für alle fünf PIC-Practices operative Verantwortung tragen
Ein gültiges ITIL 4 Foundation-Zertifikat ist formale Voraussetzung für die ITIL 4 Practice Manager-Zertifizierungsprüfung. Darüber hinaus wird mehrjährige praktische Erfahrung in IT-Servicemanagement-Rollen erwartet. Fundierte Kenntnisse der Service Value Chain, des Service Value Systems und der Leitprinzipien von ITIL 4 sind Grundlage für den Kursinhalt und werden nicht wiederholt eingeführt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet strukturierte Wissensvermittlung mit intensiver Fallstudienarbeit. Jede der fünf PIC-Practices wird zunächst konzeptionell erschlossen und dann anhand praxistypischer Szenarien vertieft. Besonderes Gewicht liegt auf den Wechselwirkungen zwischen den Practices — ein Verständnis, das für die Prüfung und für die tägliche Arbeit gleichermaßen entscheidend ist. Prüfungsnahe Aufgabenstellungen werden in Gruppen bearbeitet und ausgewertet.
Der Kurs umfasst mehrere Lernwochen mit intensivem Inhalt. Die genaue Dauer variiert je nach Anbieter und Format. Angeboten wird er über New Horizons und ähnliche Anbieter. Termine und Formate (Vollzeit oder Teilzeit) sind individuell verfügbar.
Nach bestandener Prüfung erhalten die Teilnehmenden das ITIL 4 Practice Manager-Zertifikat für das PIC-Modulbündel. Es wird von akkreditierten Prüfungsorganisationen (z. B. PeopleCert) vergeben und ist international anerkannt. Das PIC-Modul ist eines von vier Modulen auf dem Weg zur ITIL 4 Managing Professional-Designation. Ergänzend stellt der Kursanbieter eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung aus.
Nutzen & Perspektiven
In jeder IT-Organisation, die Dienste im laufenden Betrieb und gleichzeitig kontinuierliche Weiterentwicklung managen muss, sind die fünf PIC-Practices täglich im Einsatz — oft ohne dass sie formell benannt werden. Wer Change Enablement, Release, Deployment, ITAM und Service Configuration Management als zusammenhängendes System versteht, kann Prozesse deutlich robuster gestalten, Fehler bei Änderungen reduzieren und die Auswirkungen von Incidents durch eine gut gepflegte CMDB schneller einordnen. Das PIC-Modul ist strategisch positioniert: Es adressiert genau jene Practices, die in vielen IT-Organisationen am meisten Reibung erzeugen — unkontrollierte Changes, unvollständige CIs, schlechtes Release-Timing, fehlende Asset-Transparenz. Wer diese Practices beherrscht, bringt messbaren Mehrwert in sein Team und seine Organisation, weil Betriebsunterbrechungen durch ungeplante Änderungen reduziert und Compliance-Risiken aktiv gesteuert werden. Das Zertifikat selbst positioniert die Fachkraft klar auf dem ITIL-4-Karriereweg: Zusammen mit den anderen drei Modulen (Create, Deliver & Support; Direct, Plan & Improve; High Velocity IT) und dem Foundation-Zertifikat führt PIC zum ITIL 4 Managing Professional — einer der anerkanntesten Senior-ITSM-Qualifikationen weltweit. Für Fachkräfte, die langfristig Service-Management-Verantwortung übernehmen wollen, ist PIC daher kein isolierter Kurs, sondern ein strategischer Baustein.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet „Plan, Implement & Control" im PIC-Modul?
PIC fasst fünf ITIL 4-Practices zusammen, die sich mit der geplanten und kontrollierten Durchführung von Änderungen in IT-Umgebungen befassen: Change Enablement, IT Asset Management, Release Management, Deployment Management und Service Configuration Management. Alle fünf Practices teilen das Grundprinzip: Änderungen werden geplant, kontrolliert umgesetzt und nachverfolgt.
Welche Voraussetzungen brauche ich für die Teilnahme?
Ein gültiges ITIL 4 Foundation-Zertifikat ist formale Zugangsvoraussetzung für die ITIL 4 Practice Manager-Zertifizierungsprüfung. Darüber hinaus wird mehrjährige Praxiserfahrung in ITSM-Rollen erwartet. Der Kurs baut direkt auf ITIL-4-Grundwissen auf und wiederholt Basiskonzepte nicht ausführlich.
Wie unterscheidet sich Change Enablement von Release Management in ITIL 4?
Change Enablement steuert den Genehmigungsprozess für Änderungen: Welche Änderungen werden zugelassen, wer entscheidet, und wie werden Risiken bewertet? Release Management organisiert die gebündelte Auslieferung mehrerer Änderungen als kohärentes Release-Paket. Deployment Management schließlich führt die technische Ausrollung auf Produktivsysteme durch. Alle drei greifen ineinander.
Was ist die Rolle der CMDB im Service Configuration Management?
Die Configuration Management Database (CMDB) ist das zentrale Datengefäß für alle Configuration Items (CIs) einer IT-Organisation. Service Configuration Management nach ITIL 4 definiert, wie CIs erfasst, gepflegt und mit Services, Incidents und Changes verknüpft werden. Eine gepflegte CMDB ist Grundlage für schnelle Fehleranalyse und präzises Impact Assessment.
Welchen Abschluss erhalte ich und wie positioniert er sich in der ITIL-4-Zertifizierungsstruktur?
Nach bestandener Prüfung erhalten die Teilnehmenden das ITIL 4 Practice Manager-Zertifikat für das PIC-Modulbündel. Es ist Teil der ITIL 4 Managing Professional-Laufbahn, für die insgesamt vier Modulprüfungen abzulegen sind. Wer alle vier Module und die ITIL 4 Foundation besteht, erhält den Titel ITIL 4 Managing Professional.
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