Überblick
Digitale Organisationen arbeiten in immer kürzeren Zyklen. Software wird täglich released, Infrastruktur wird as Code verwaltet, und IT-Teams müssen auf Änderungen und Vorfälle in Minuten reagieren statt in Tagen. ITIL 4 Specialist: High Velocity IT ist das Vertiefungsmodul für Fach- und Führungskräfte, die genau diese Geschwindigkeit organisatorisch verankern wollen. Der Kurs vermittelt, wie Lean-Prinzipien, DevOps-Praktiken und Continuous-Delivery-Konzepte innerhalb des ITIL-4-Rahmens angewendet werden – ohne dabei die Stabilität und Governance des Service-Managements zu opfern.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Konzept und Kontext: Was ist High Velocity IT? Zu Beginn wird geklärt, was High Velocity IT im ITIL-4-Kontext bedeutet, welche Anforderungen digitale Organisationen an das Service Management stellen und warum klassische ITSM-Ansätze in beschleunigten Umgebungen an Grenzen stoßen. Dieses Modul schafft das konzeptuelle Fundament für alle weiteren Inhalte.
- Definition und Abgrenzung von High Velocity IT
- Merkmale digitaler Organisationen und ihrer IT-Umgebungen
- Herausforderungen schneller IT-Servicelieferung: Skalierung, Stabilität, Governance
- ITIL 4 Service Value System als übergeordneter Rahmen
- Vier Dimensionen des Service Managements im Hochgeschwindigkeitskontext
Modul 2 – Lean und Wertstromanalyse Lean-Prinzipien stammen ursprünglich aus der Fertigungsindustrie, haben sich aber als leistungsfähiges Werkzeug für IT-Serviceorganisationen erwiesen. Dieser Block zeigt, wie Verschwendung in IT-Prozessen erkannt, Wertströme visualisiert und Engpässe beseitigt werden.
- Lean-Kernprinzipien: Wert, Wertstrom, Fluss, Pull, Perfektion
- Wertstromkartierung für IT-Service-Szenarien
- Verschwendungsarten in IT-Prozessen erkennen und eliminieren
- Flussmetriken messen: Durchlaufzeit, Wartezeiten, Engpässe
- Lean-Praktiken in ITIL-4-Kontext einordnen
Modul 3 – DevOps im ITIL-4-Rahmen DevOps und ITIL 4 schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich. Dieser Block zeigt, wie DevOps-Praktiken im Service-Management-Kontext verankert werden und welche organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.
- DevOps: Kultur, Automatisierung, Messung, Teilen (CAMS-Modell)
- Integration von DevOps-Praktiken in den ITIL-4-Rahmen
- Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Betrieb strukturell verankern
- Automatisierung als Hebel für Geschwindigkeit und Qualität
- Kulturelle Voraussetzungen für erfolgreiche DevOps-Transformation
Modul 4 – Continuous Delivery und CI/CD Continuous Integration, Continuous Delivery und Continuous Deployment sind die technischen Grundlagen für schnelle Releasezyklen. Dieser Block erklärt die Konzepte und zeigt, wie sie in die Service-Management-Perspektive übersetzt werden.
- CI/CD-Pipeline: Grundprinzipien, Bestandteile, Ablauf
- Continuous Testing und automatisierte Qualitätssicherung
- Deployment-Strategien: Blue-Green, Canary, Feature Flags
- Change-Enablement und Risikominimierung bei häufigen Releases
- Verbindung von CI/CD mit ITIL-4-Change-Praktiken
Modul 5 – DORA-Metriken und Leistungsmessung Wie misst man, ob eine Organisation wirklich High Velocity erreicht? Die DORA-Forschung hat vier Schlüsselmetriken identifiziert, die zwischen leistungsstarken und schwachen IT-Organisationen unterscheiden. Dieser Block vermittelt, wie diese Metriken erhoben, interpretiert und zur Steuerung genutzt werden.
- Deployment Frequency: Häufigkeit erfolgreicher Produktiv-Deployments
- Lead Time for Changes: Zeit vom Code-Commit bis zur Produktivschaltung
- Change Failure Rate: Anteil fehlerhafter Changes
- Mean Time to Recover: Wiederherstellungszeit nach Vorfällen
- Metriken im Kontext von ITIL-4-Praktiken auswerten und nutzen
Praxisblock – Szenarien, Analyse und Transfer Dieser Block vertieft die Inhalte aller Module durch konkrete Anwendungsszenarien aus dem Arbeitsalltag moderner IT-Organisationen.
- Wertstromkarte für einen typischen IT-Serviceprozess erstellen
- DORA-Metriken einer fiktiven Organisation auswerten und Verbesserungsmaßnahmen ableiten
- CI/CD-Pipeline für einen Standard-Release-Prozess skizzieren
- DevOps-Reifegrad einer IT-Organisation einschätzen
- Lean-Analyse eines Change-Management-Prozesses durchführen
- Safety-Culture-Maßnahmen für ein Team entwickeln
- Engpässe in einem Wertstrom identifizieren und priorisieren
- Widerstandsquellen gegen Hochgeschwindigkeits-Delivery analysieren
- Governance-Anforderungen mit hoher Release-Frequenz vereinbaren
- ITIL-4-Praktiken auf ein Continuous-Delivery-Szenario anwenden
- KPIs für ein High-Velocity-IT-Team definieren und begründen
- Vorbereitungsaufgaben für die ITIL 4 HVIT-Zertifizierungsprüfung bearbeiten
Modul 6 – Safety Culture und lernende Organisation Schnelle IT-Organisationen brauchen eine Fehlerkultur, die Lernen ermöglicht ohne Stabilität zu gefährden. Safety Culture und lernende Organisationsprinzipien sind die menschliche Seite von High Velocity IT.
- Safety Culture: psychologische Sicherheit, Fehlertoleranz, offene Kommunikation
- Lernende Organisationen nach Senge: Systemdenken, mentale Modelle, gemeinsame Vision
- Retrospektiven und Post-Mortems als Lernmechanismen
- Kontinuierliche Verbesserung in Hochgeschwindigkeitsumgebungen gestalten
- Balance zwischen Geschwindigkeit, Qualität und organisationalem Lernen
Lernziele:
- Das Konzept „High Velocity IT" im ITIL-4-Kontext einordnen und von klassischen ITSM-Ansätzen abgrenzen
- Lean-Prinzipien und Wertstromanalyse auf IT-Serviceorganisationen anwenden
- DevOps-Kernpraktiken im ITIL-4-Rahmen verankern und mit bestehenden Service-Management-Prozessen verbinden
- Continuous Delivery und CI/CD als Mechanismen für schnellere und stabilere Releases verstehen
- DORA-Metriken (Deployment Frequency, Lead Time, Change Failure Rate, Mean Time to Recover) messen und interpretieren
- Safety Culture als Organisationsprinzip für schnelle IT-Teams etablieren
- Lernende Organisationen aufbauen und kontinuierliche Verbesserung in High-Velocity-Kontexten gestalten
- Wertstromkarten für typische IT-Service-Szenarien erstellen und Engpässe identifizieren
- Das ITIL-4-Service-Value-System auf Hochgeschwindigkeits-IT-Umgebungen anwenden
- Die vier Dimensionen des Service Managements im High-Velocity-Kontext berücksichtigen
- Organisatorische Widerstände gegen schnelle Delivery-Zyklen erkennen und adressieren
- ITIL 4 Specialist HVIT-Zertifizierungsinhalte vollständig abdecken
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an IT-Professionals mit ITIL-4-Grundlagenkenntnissen, die ihre Kompetenzen im Bereich schneller und agiler IT-Servicelieferung vertiefen wollen.
- IT Service Manager und Process Manager in agilen Umgebungen
- DevOps Engineers und Coaches, die ITIL-4-Kontext benötigen
- IT-Leads und IT-Manager in der digitalen Transformation
- ITIL-4-Zertifizierte, die auf die HVIT-Spezialisierung aufbauen wollen
- IT-Consultants, die Kunden bei der Einführung agiler Service-Management-Ansätze beraten
Die ITIL 4 Foundation-Zertifizierung ist formale Voraussetzung für die ITIL 4 Specialist HVIT-Prüfung. Kenntnisse in DevOps-Praktiken oder agilen Methoden (Scrum, Kanban) sind für den optimalen Nutzen aus diesem Kurs hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Praktische Erfahrung im IT-Service-Management erleichtert den Transfer der Inhalte in die eigene Arbeitsumgebung erheblich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird instruktorgeführt durchgeführt und verbindet strukturierte Wissensvermittlung mit praxisorientierten Anwendungsaufgaben. Wertstromkartierungsübungen, Fallstudien zu realen Hochgeschwindigkeits-IT-Szenarien und DORA-Metrik-Auswertungen machen die Inhalte greifbar. Der Kurs ist auf die Anforderungen der ITIL 4 HVIT-Prüfung ausgerichtet und bereitet die Teilnehmenden gezielt auf die Prüfungsinhalte vor.
Der Kurs ist als Kompaktkurs konzipiert; genaue Tagesanzahl und Zeitplan können beim Anbieter erfragt werden. Er wird sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit angeboten. Individuelle Starttermine sind möglich.
Die Weiterbildung bereitet auf die externe ITIL 4 Specialist: High Velocity IT-Zertifizierungsprüfung vor, die von Axelos abgenommen wird. Diese Prüfung ist Bestandteil der ITIL 4 Managing Professional-Designation. Nach Abschluss des Lehrgangs wird zusätzlich ein Lehrgangszertifikat ausgestellt.
Nutzen & Perspektiven
High Velocity IT ist kein Buzzword, sondern eine messbare Eigenschaft von IT-Organisationen. Unternehmen, die häufiger deployen, schneller auf Fehler reagieren und niedrigere Change-Failure-Rates aufweisen, sind nachweislich wettbewerbsstärker. Die DORA-Forschung hat gezeigt: Top-Performer deployen tausendmal häufiger als Low Performer. Wer diesen Kurs absolviert hat, versteht, welche organisatorischen und technischen Hebel hinter dieser Differenz stecken. ITIL 4 bietet den Rahmen, der verhindert, dass Geschwindigkeit auf Kosten von Governance und Stabilität geht. Die Kombination aus Lean, DevOps und ITIL gibt Service-Management-Professionals die Sprache und die Methodik, um in ihren Organisationen für schnellere Delivery-Zyklen einzutreten – argumentativ überzeugend und methodisch fundiert. Das unterscheidet diesen Kurs von reinen DevOps- oder Agile-Schulungen ohne ITSM-Verankerung. Die ITIL 4 HVIT-Zertifizierung ist Teil der Managing-Professional-Designation und damit ein anerkanntes Signal für Vertiefungskompetenz. Für IT-Professionals, die aus dem klassischen ITSM kommen und in modernere Delivery-Strukturen eingebunden werden, ist dieser Abschluss ein klarer Nachweis der Wandlungsfähigkeit – gegenüber Arbeitgebern ebenso wie gegenüber Kunden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen ITIL 4 Foundation und ITIL 4 Specialist HVIT?
ITIL 4 Foundation vermittelt das Grundverständnis des Service Value System und der ITIL-4-Praktiken. HVIT ist eine Spezialisierung, die auf diesem Fundament aufbaut und sich gezielt auf hochgeschwindigkeits-IT-Umgebungen mit Lean, DevOps und Continuous Delivery konzentriert. Die Foundation-Zertifizierung ist Voraussetzung für die HVIT-Prüfung.
Welche DORA-Metriken werden im Kurs behandelt?
Der Kurs behandelt alle vier DORA-Schlüsselmetriken: Deployment Frequency, Lead Time for Changes, Change Failure Rate und Mean Time to Recover. Die Teilnehmenden lernen, diese Metriken zu messen, zu interpretieren und als Steuerungsinstrument einzusetzen.
Muss ich bereits mit DevOps vertraut sein?
DevOps-Vorkenntnisse sind hilfreich, aber nicht vorausgesetzt. Der Kurs führt in die relevanten DevOps-Konzepte im ITIL-4-Kontext ein. Praktische Erfahrung im IT-Service-Management erleichtert den Transfer der Inhalte erheblich.
Für welche Prüfung bereitet dieser Kurs vor?
Der Kurs bereitet auf die ITIL 4 Specialist: High Velocity IT-Prüfung vor, die von Axelos als Zertifizierungsgeber abgenommen wird. Diese Prüfung ist Bestandteil der ITIL 4 Managing Professional-Designation.
Ist der Kurs in Teilzeit möglich?
Ja. Der Kurs wird sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit angeboten. Individuelle Starttermine können mit dem Anbieter vereinbart werden.
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