Überblick
High Velocity IT bezeichnet die Fähigkeit einer IT-Organisation, Dienstleistungen in sehr hoher Geschwindigkeit und Qualität zu erbringen – typischerweise mithilfe moderner Arbeitsweisen wie Lean, Agile und Continuous Delivery. Der ITIL-4-Specialist-Kurs High Velocity IT zeigt, wie IT-Teams genau diese Betriebsgeschwindigkeit erreichen, ohne dabei Stabilität und Compliance zu opfern. Ergänzt wird der Kurs durch ein MS-Teams-Modul, das die praktische Kollaboration in schnell taktenden Teams unterstützt.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Grundlagen von High Velocity IT High Velocity IT ist kein Selbstzweck, sondern eine Antwort auf die wachsende Erwartung von Organisationen, dass IT-Services in kurzen Innovationszyklen ausgeliefert, angepasst und verbessert werden. Das Modul beleuchtet, warum traditionelle IT-Betriebsmodelle an ihre Grenzen stoßen und welche Denkweisen eine hohe Liefergeschwindigkeit ermöglichen.
- Die fünf Ziele von High Velocity IT nach ITIL 4
- Digitale Transformation als Treiber neuer IT-Betriebsmodelle
- Abgrenzung High Velocity IT zu klassischem IT-Betrieb
- Rolle des ITIL-4-Service-Value-Systems in hochgetakteten Umgebungen
- Überblick über die relevanten Frameworks: DevOps, Agile, Lean, SRE
- Sicherheits- und Compliance-Anforderungen in High-Velocity-Szenarien
Modul 2 – Lean und Agile als Arbeitsweise Lean entstammt der japanischen Fertigungsindustrie und wurde für den Wissensbereich adaptiert; Agile bezeichnet eine Familie iterativer Entwicklungsansätze. Zusammen bilden sie das methodische Rückgrat moderner IT-Delivery-Teams. Der Kurs zeigt, wie beide Denkweisen im ITIL-4-Kontext angewendet werden.
- Lean-Prinzipien: Wertidentifikation, Wertstrom, Fluss, Pull, Perfektion
- Agile-Manifesto-Werte und ihre Bedeutung für IT-Services
- Iterative Planung und Delivery in kurzen Zyklen
- Waste-Typen in IT-Prozessen und Methoden zur Elimination
- Definition of Done und Definition of Ready als Qualitätsanker
- Retrospektiven als Werkzeug der kontinuierlichen Verbesserung
Modul 3 – Automation, Kata und Kanban Automation ist ein Schlüsselhebel, um hohe Liefergeschwindigkeit ohne proportionalen Personalaufwand zu erreichen. Kata beschreibt systematische Übungspraktiken zur Verinnerlichung von Verbesserungsmustern in Teams. Kanban visualisiert den Arbeitsfluss und macht Engpässe sichtbar.
- Automatisches Testen: Unit-, Integrations- und Akzeptanztests in CI/CD
- Continuous Integration und Continuous Delivery als Automatisierungsinfrastruktur
- Toyota Kata: Verbesserungs-Kata und Coaching-Kata im IT-Kontext
- Kanban-Boards zur Steuerung von Arbeitsflüssen in Operations-Teams
- Work-in-Progress-Limits als Maßnahme zur Flussoptimierung
- Metriken in High-Velocity-Umgebungen: Throughput, Cycle Time, Lead Time
Modul 4 – Microsoft Teams Im Kontext von High Velocity IT ist schnelle, kontextreiche Kommunikation zwischen Entwicklung, Betrieb und Business ein entscheidender Erfolgsfaktor. Microsoft Teams bietet dafür Kanäle, persistente Chats, Besprechungsräume und integrierte Dateifreigabe in einem Werkzeug.
- Kanalstrukturen für IT-Teams: Incident-Kanal, Release-Kanal, Retro-Board
- Integration von DevOps-Tools in Teams (GitHub Actions, Azure Pipelines Notifications)
- Besprechungsformate: Daily Stand-up, Sprint Review, Incident-Eskalation
- Asynchrone Kommunikation mit @Mentions und gespeicherten Nachrichten
- Dateifreigabe und gemeinsames Bearbeiten in SharePoint-Integration
- Sicherheits- und Compliance-Einstellungen für technische Teams
Praxisblock – High Velocity IT in der Anwendung
- Analyse eines IT-Wertstroms mit Lean-Methoden (Value-Stream-Mapping)
- Identifikation von Waste-Typen in einem fiktiven Release-Prozess
- Design eines einfachen Kanban-Boards für ein Operations-Team
- Anwendung von WIP-Limits zur Simulation von Flussverbesserungen
- Kata-Übung: Formulierung eines Improvement-Targets und Coaching-Fragen
- Einrichten eines Automation-Test-Szenarios (konzeptionell, ohne Codierung)
- Diskussion von Sicherheitsanforderungen in kontinuierlichen Delivery-Pipelines
- Fallstudie: Übergang eines klassischen IT-Teams zu agilen Arbeitsweisen
- Analyse von Metriken (Cycle Time, Lead Time) in einem Beispiel-Kanban-System
- Gestaltung eines Teams-Workspace für eine typische DevOps-Teamstruktur
- Reflexion: Welche ITIL-4-Practices unterstützen High Velocity IT am stärksten?
- Erarbeitung eines konkreten Verbesserungsvorschlags für einen Betriebsprozess
Die Praxiseinheiten verbinden alle vier Lernmodule und trainieren die Übertragung in reale Betriebskontexte. Teilnehmende verlassen den Kurs mit konkreten Werkzeugen, die sie in der nächsten Sprint-Iteration oder im nächsten Change-Prozess direkt anwenden können.
Lernziele:
- Die fünf Ziele von High Velocity IT definieren und im eigenen Organisationskontext verorten
- Den Zusammenhang zwischen digitaler Transformation und hoher IT-Servicegeschwindigkeit erläutern
- Lean-Prinzipien auf IT-Serviceprozesse anwenden, um Verschwendung zu reduzieren und Fluss zu optimieren
- Agile-Methoden als Arbeitsweise für IT-Teams beschreiben und von klassischen Ansätzen abgrenzen
- Automation und automatisches Testen als Hebel zur Qualitätssicherung in schnellen Lieferzyklen einsetzen
- Das Kata-Konzept als Methode zur kontinuierlichen Verbesserung von Teams und Prozessen erklären
- Kanban zur Visualisierung und Steuerung von Arbeitsflüssen in High-Velocity-Umgebungen nutzen
- Schnittstellen zwischen ITIL 4 und anderen Frameworks (DevOps, SAFe, SRE) herstellen
- Das ITIL-4-Service-Value-System als Rahmen für High-Velocity-IT-Aktivitäten interpretieren
- Microsoft Teams für die schnelle, asynchrone und synchrone Kommunikation in IT-Teams konfigurieren und nutzen
- Typische Anti-Patterns in hochgetakteten IT-Betrieben erkennen und Gegenmaßnahmen ableiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
High Velocity IT spricht IT-Professionals an, die in schnell taktenden Umgebungen – DevOps-Teams, SRE-Gruppen oder agilen IT-Betrieben – arbeiten oder solche Umgebungen aufbauen wollen.
- IT-Service-Manager und Operations-Leads mit ITIL-4-Foundation-Hintergrund
- DevOps-Engineers und Plattform-Teams, die ITIL-Kontext einarbeiten möchten
- Agile Coaches und Scrum Master in IT-Organisationen
- IT-Consultants, die Kunden bei der digitalen Transformation begleiten
- Führungskräfte, die High-Velocity-IT-Prinzipien in ihre IT-Strategie integrieren wollen
Das ITIL-4-Foundation-Zertifikat ist Voraussetzung für diesen Kurs. Kenntnisse agiler Arbeitsweisen oder erste Berufserfahrung in DevOps- oder Betriebsumgebungen sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Grundlegendes Verständnis des ITIL-4-Service-Value-Systems und der vier Dimensionen des Service Managements sollte vorhanden sein. Technische Grundkenntnisse in IT-Betrieb und -Entwicklung erleichtern die Einordnung der Praxisbeispiele.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung kombiniert instruktionsgeleitete Online-Einheiten mit Selbststudium und Gruppenübungen in einem Combined-Learning-Format. Fallstudien aus dem IT-Betrieb und interaktive Workshops bilden das didaktische Herzstück. Die Unterrichtssprache ist Deutsch; ITIL-Fachbegriffe werden auf Englisch eingeführt, da die Prüfung englischsprachig ist. Virtuelle Klassenzimmer ermöglichen Diskussionen und direktes Feedback. Der Kurs findet überwiegend im Vollzeitformat statt, mit Möglichkeit zur Teilzeitdurchführung.
Die Kursdauer bewegt sich abhängig vom Startformat zwischen einigen Wochen (Vollzeit) und mehreren Monaten (Teilzeit). Combined Learning erlaubt, Lernphasen individuell zu takten. Die Gesamtlernzeit umfasst angeleitete Module, Selbststudium und Praxisübungen in etwa ausgewogenem Verhältnis.
Der Kurs bereitet auf die ITIL-4-Specialist-High-Velocity-IT-Prüfung vor, die von PeopleCert/AXELOS abgenommen wird. Bei Bestehen erhalten Teilnehmende das international anerkannte ITIL-4-Specialist-HVIT-Zertifikat. Ergänzend stellt der Kursträger eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung aus.
Nutzen & Perspektiven
Organisationen, die klassisches ITIL kennen, aber an der Schnittstelle zu DevOps und agilen Methoden unsicher sind, finden in diesem Kurs eine klare Orientierung. High Velocity IT übersetzt abstrakte Geschwindigkeitsziele in konkrete Praktiken – von Lean-Value-Streams über Automatisierungspipelines bis zu Kata-Übungen für Teams. Die Verbindung zwischen ITIL-4-Compliance und moderner Delivery-Geschwindigkeit ist gerade für IT-Organisationen relevant, die beides gleichzeitig brauchen. Das Specialist-Zertifikat High Velocity IT zählt in Richtung ITIL Managing Professional – dem umfassenden Experten-Abschluss für IT-Service-Management. Wer die vier Specialist- und Strategist-Module absolviert, erreicht diesen Status. Dieser Kurs ist damit nicht nur ein Spezialisierungsschritt, sondern eine Investition in ein klar definiertes Laufbahnziel. In der Praxis wirkt sich HVIT-Wissen direkt auf die Qualität von IT-Prozessen aus: Lean-geschulte Teams reduzieren Wartezeiten und Übergabe-Verluste, Automation-affine Operations-Teams erhöhen ihre Reliabilität, und Kata-praktizierende Gruppen verbessern sich messbar schneller. Das MS-Teams-Modul sorgt dafür, dass diese Methoden nicht nur bekannt, sondern auch digital handhabbar sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist unter „High Velocity IT" zu verstehen?
High Velocity IT bezeichnet die Fähigkeit von IT-Organisationen, Dienste in sehr hoher Geschwindigkeit und Qualität bereitzustellen. Das erfordert Lean- und Agile-Denkweisen, Automatisierung und kontinuierliche Verbesserungspraktiken wie die Toyota Kata.
Welche Frameworks werden im Kurs behandelt?
Der Kurs beleuchtet Lean, Agile, Kanban, Kata und Automatisierungs-/CI-CD-Konzepte aus dem ITIL-4-Blickwinkel. Verbindungen zu DevOps, SAFe und SRE werden diskutiert, ohne diese Frameworks vollständig zu zertifizieren.
Ist das ITIL-4-Foundation-Zertifikat wirklich Pflicht?
Ja. Der Specialist-Kurs baut auf Foundation-Konzepten wie dem Service Value System und den vier Dimensionen auf. Ohne diesen Hintergrund sind zentrale Inhalte nicht nachvollziehbar.
Zählt das HVIT-Zertifikat in Richtung ITIL Managing Professional?
Ja. ITIL 4 Specialist High Velocity IT ist eines der vier Module, die für den Managing-Professional-Status erforderlich sind, zusammen mit CDS, DSV und dem Strategist-Modul DPI.
Warum enthält der Kurs ein MS-Teams-Modul?
In hochgetakteten IT-Teams ist schnelle digitale Kommunikation entscheidend. Das MS-Teams-Modul zeigt, wie die Plattform für Stand-ups, Incident-Eskalationen und asynchrone Teamarbeit optimal eingerichtet wird.
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