Überblick
Betreuungskräfte nach §43b und §53b SGB XI sind in stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten tätig und begleiten pflegebedürftige Menschen — insbesondere Menschen mit demenziellen Erkrankungen — bei ihrer Alltagsgestaltung und sozialen Teilhabe. Das Sozialgesetzbuch schreibt für diese Betreuungskräfte eine jährliche Fortbildungspflicht vor, um die Qualität der Betreuungsarbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Beschäftigungsangebote in der Praxis kennenzulernen. Diese Fortbildung hat den Schwerpunkt Yoga als Beschäftigungsangebot in der stationären und ambulanten Pflege. Yoga kann, richtig angepasst, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder demenziellen Veränderungen sanfte Bewegungserfahrungen, Entspannung und soziale Interaktion ermöglichen. Im Kurs wird gezeigt, wie Yogaübungen für die Zielgruppe adaptiert und sicher angeboten werden können.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul gibt einen einführenden Überblick über Yoga als Bewegungs- und Entspannungspraxis und deren Eignung für die Betreuungsarbeit mit pflegebedürftigen Menschen. Teilnehmende lernen die historischen Wurzeln und philosophischen Grundlagen von Yoga kennen — jedoch immer mit dem praktischen Fokus auf die Übertragbarkeit in die Pflegesituation.
- Geschichte und Ursprünge des Yoga
- Grundlegende Yogakonzepte: Körper, Atem, Geist
- Yoga im westlichen Kontext: Fitness versus therapeutischer Ansatz
- Potenziale von Yoga für ältere und pflegebedürftige Menschen
- Forschungsstand zur Wirksamkeit von Yoga bei Demenz und Mobilitätseinschränkungen
- Abgrenzung von anderen Entspannungs- und Bewegungsangeboten (Qi Gong, Progressive Muskelentspannung)
Das zweite Modul behandelt die Grundbegriffe und Konzepte aus dem Yoga, die für die praktische Arbeit in der Pflege relevant sind. Dabei werden Fachbegriffe verständlich erklärt und unmittelbar auf die Zielgruppe bezogen.
- Asanas (Körperstellungen): Übersicht über für die Zielgruppe geeignete Haltungen
- Pranayama (Atemübungen): Atemkontrolle und Entspannungsatmung
- Meditation und Achtsamkeit im pflegerischen Kontext
- Savasana (Endentspannung): Bedeutung und Anwendung
- Mudras und einfache Handhaltungen für Senioren
- Grundprinzipien für die Anpassung von Yogaübungen
Das dritte Modul widmet sich der Sicherheit und den Kontraindikationen. Bei der Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen ist es unerlässlich, Grenzen zu kennen und Übungen sorgfältig auszuwählen. Betreuungskräfte müssen wissen, welche Übungen bei welchen Erkrankungen oder körperlichen Einschränkungen nicht durchgeführt werden sollten.
- Kontraindikationen im Überblick: Erkrankungen und Einschränkungen beachten
- Besonderheiten bei Demenz: kognitive Einschränkungen berücksichtigen
- Sicherheitsregeln für das Durchführen von Yogaangeboten
- Umgang mit unerwarteten Reaktionen und Grenzsituationen
- Abstimmung mit Pflegepersonal und Ärzten
- Dokumentation und Beobachtung bei Beschäftigungsangeboten
Das vierte Modul zeigt, wie eine Yogastunde für die Betreuungsarbeit aufgebaut und strukturiert wird. Planung, Materialvorbereitung und methodische Gestaltung werden praxisnah vermittelt.
- Aufbau einer Yogastunde: Einstieg, Hauptteil, Ausklang
- Hilfsmittel sinnvoll einsetzen (Stühle, Decken, Bälle, Gummibänder)
- Stundenplanung und Themenfindung
- Sprache und Kommunikation mit pflegebedürftigen Menschen beim Yoga
- Gruppengrößen und Raumgestaltung
- Reflexion und Weiterentwicklung des Angebots
Praxis-Block: Yogaangebote in der Betreuungsarbeit umsetzen
- Stuhl-Yoga: Übungen im Sitzen für mobilitätseingeschränkte Personen
- Sanfte Dehnübungen für Schultern, Nacken und Arme
- Atemübungen zur Beruhigung und Entspannung
- Einfache Gleichgewichtsübungen mit Hilfsmitteln
- Klangübungen und Mantra-Singen als niedrigschwelliges Angebot
- Guided Relaxation: geleitete Entspannungsreise auf Deutsch
- Übungen zur Körperwahrnehmung und Selbstmassage
- Anpassung von Standard-Asanas für Rollstuhlnutzer
- Einbindung von Musik in das Yogaangebot
- Gruppe führen und auf individuelle Bedürfnisse eingehen
- Austausch und Reflexion in der Gruppe
- Aktuelle Neuerungen im Berufsfeld der Betreuungskräfte kennenlernen
Im Praxis-Block erleben Teilnehmende Yogaübungen selbst und erproben deren Einsatz in der Pflegesituation. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch ist fester Bestandteil des Kurses und ermöglicht das Voneinanderlernen aus verschiedenen Einrichtungen und Pflegekontexten.
Lernziele:
- die gesetzlichen Grundlagen der Fortbildungspflicht nach §43b und §53b SGB XI benennen
- Yoga als Beschäftigungsangebot in der Betreuungsarbeit konzeptionell einordnen
- grundlegende Begrifflichkeiten aus dem Yoga (Asanas, Pranayama, Meditation) erläutern
- Kontraindikationen für Yogaübungen bei pflegebedürftigen Menschen kennen und berücksichtigen
- eine altersgerechte und bedarfsorientierte Yogastunde aufbauen und durchführen
- Yogaübungen an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Teilnehmenden anpassen
- geeignete Hilfsmittel für die Durchführung von Yogaangeboten einsetzen
- Erfahrungen aus der eigenen Betreuungspraxis reflektieren und kollegial austauschen
- aktuelle Neuerungen und Entwicklungen im Berufsfeld der Betreuungskräfte einordnen
- die eigene professionelle Rolle als Betreuungskraft weiterentwickeln
- Beschäftigungsangebote methodisch strukturieren und dokumentieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich ausschließlich an Fachkräfte aus dem Pflegebereich, die die gesetzliche Fortbildungspflicht nach §43b und §53b SGB XI erfüllen müssen. Die Fortbildung ist für folgende Berufsgruppen konzipiert.
- Betreuungskräfte nach §43b SGB XI in stationären Pflegeeinrichtungen
- Betreuungskräfte nach §53b SGB XI in ambulanten Diensten
- Examinierte Altenpfleger und Altenpflegerinnen mit Betreuungsaufgaben
- Examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger mit Beschäftigungsangeboten
- Interessierte aus dem medizinischen und pflegerischen Bereich
Vorausgesetzt wird eine abgeschlossene Weiterbildung als Betreuungskraft nach den Richtlinien des §53b SGB XI. Die Fortbildung ist explizit als jährliche Pflichtfortbildung für diese Berufsgruppe konzipiert und setzt Berufserfahrung in der Betreuungsarbeit voraus. Yogavorkenntnisse sind nicht erforderlich — der Kurs führt methodisch und verständlich in das Thema ein.
Ablauf & Abschluss
Die Fortbildung wird im Combined Learning Format angeboten. Sie verbindet Wissensvermittlung, praktische Übungen und kollegialen Erfahrungsaustausch. Teilnehmende erleben Yogaübungen selbst, bevor sie diese für die Arbeit mit Pflegebedürftigen adaptieren. Reflexionsphasen und offene Diskussionen ermöglichen das Besprechen von Erfahrungen aus der Praxis und den Austausch über aktuelle Neuerungen im Berufsfeld. Die Fortbildung schließt mit einer gemeinsamen Reflexion ab.
Die Fortbildung dauert bis zu drei Tage und wird in Vollzeit durchgeführt. Diese kompakte Form entspricht den Anforderungen an die jährliche Pflichtfortbildung nach §43b und §53b SGB XI.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende eine Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Diese Bescheinigung dient als Nachweis für die gesetzlich vorgeschriebene jährliche Fortbildung nach §43b und §53b SGB XI und muss für die weitere Tätigkeit als Betreuungskraft vorgelegt werden können.
Nutzen & Perspektiven
Die jährliche Fortbildungspflicht dient nicht nur der rechtlichen Absicherung, sondern vor allem der Qualitätsentwicklung in der Betreuungsarbeit. Wer neue Beschäftigungsangebote wie Yoga kennenlernt und diese sicher und bedarfsorientiert in der Praxis einsetzen kann, bereichert den Alltag pflegebedürftiger Menschen und stärkt gleichzeitig die eigene professionelle Identität. Yoga als Beschäftigungsangebot in der Pflege ist kreativ, niedrigschwellig und nachweislich wirksam bei der Förderung von Wohlbefinden, Körperwahrnehmung und sozialer Teilhabe. Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist diese Fortbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Leistungen der Deutschen Rentenversicherung sowie Leistungen zur beruflichen Rehabilitation als Fördergrundlage in Betracht. Die Teilnahme an dieser Fortbildung ermöglicht Betreuungskräften, ihren methodischen Werkzeugkasten zu erweitern und Beschäftigungsangebote abwechslungsreicher und professioneller zu gestalten. Der Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Einrichtungen ist dabei ein wertvoller Nebeneffekt — Impulse aus der Praxis anderer bereichern die eigene Arbeit und fördern die kollegiale Vernetzung im Berufsfeld.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich Yoga-Vorkenntnisse mitbringen?
Nein. Der Kurs setzt keine eigene Yoga-Erfahrung voraus. Alle relevanten Grundlagen, Begriffe und Übungen werden im Kurs schrittweise eingeführt und auf die Betreuungsarbeit übertragen.
Erfüllt dieser Kurs die Fortbildungspflicht nach §43b und §53b SGB XI?
Ja. Diese Fortbildung ist speziell als jährliche Pflichtfortbildung für Betreuungskräfte nach §43b und §53b SGB XI konzipiert. Die Teilnahmebescheinigung dient als offizieller Nachweis für die gesetzlich vorgeschriebene Weiterbildung.
Kann ich die Fortbildung über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist die Fortbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz, die Deutsche Rentenversicherung und die Berufsförderung der Bundeswehr kommen als Fördergrundlage in Betracht.
Dürfen auch Altenpfleger ohne §43b-Qualifizierung teilnehmen?
Der Kurs richtet sich primär an Betreuungskräfte nach §43b und §53b SGB XI sowie an examinierte Altenpfleger und Gesundheits- und Krankenpfleger mit Betreuungsaufgaben. Interessierte aus dem pflegerischen und medizinischen Bereich können ebenfalls teilnehmen.
Wie lange dauert die Fortbildung?
Die Fortbildung dauert bis zu drei Tage und wird in Vollzeit durchgeführt. Die kompakte Form ermöglicht eine effiziente Erfüllung der jährlichen Fortbildungspflicht.
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