Überblick
Die Logistikbranche gehört zu den tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft — und leidet unter einem erheblichen Fachkräftemangel. Viele Arbeitgeber berichten, dass die Besetzung offener Stellen im Lager- und Logistikbereich immer schwerer fällt. Gleichzeitig sind Menschen mit Migrationshintergrund auf qualifizierten Arbeitsplätzen in Deutschland noch deutlich unterrepräsentiert. Diese Weiterbildung verbindet gezielten Berufsspracherwerb Deutsch mit einer fundierten Basisqualifikation in der Lagerlogistik und schafft so eine doppelte Brücke: in die deutsche Sprache und in einen zukunftssicheren Beruf. Das Kurskonzept entspricht dem Job-Turbo-Ansatz und zielt darauf ab, Teilnehmende schnell und praxisnah in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul umfasst den sprachlichen Grundbaustein — Berufsdeutsch für die Lagerlogistik. Da der Kurs Teilnehmende ab A2-Niveau adressiert, beginnt die Sprachförderung direkt im beruflichen Kontext. Grammatik, Wortschatz und mündlicher Ausdruck werden nicht abstrakt geübt, sondern immer an konkreten Arbeitssituationen aus dem Lageralltag verankert.
- Deutsche Grammatik: Zeitformen, Kasus, Präpositionen im Arbeitskontext
- Wortschatz-Aufbau: Logistik, Lager, Versand, Sicherheit
- Mündliche Kommunikation: Anweisungen verstehen, Rückfragen stellen, Ergebnisse melden
- Schriftliche Kommunikation: Lieferscheine lesen, Formulare ausfüllen
- Präzisierung der Aussprache und Intonation
- Hör- und Leseverständnis für berufliche Texte und Anweisungen
Das zweite Modul deckt Güterannahme und Wareneingangsprozesse ab. Teilnehmende lernen, Güter zu empfangen, auf Vollständigkeit und Unversehrtheit zu prüfen, zu dokumentieren und korrekt einzulagern. Dabei werden typische Begleitdokumente (Lieferschein, Frachtbrief, Packzettel) behandelt und die korrekte Handhabung verschiedener Güterarten geübt.
- Wareneingangsprozesse verstehen und dokumentieren
- Güter auf Beschädigungen und Vollständigkeit prüfen
- Identifikation von Artikeln: Barcode, RFID, Artikelnummer
- Einlagerung nach Lagersystem (Festplatzsystem, chaotisches Lager)
- Lagerkennzeichnung und Bestandsführung im Grundverfahren
- Sicherheitsvorschriften beim Wareneingang
Das dritte Modul behandelt Kommissionierung, Verpackung und Güterbearbeitung. Diese Tätigkeiten gehören zum Kern des Lageralltags und erfordern Genauigkeit, Übersicht und Kenntnis der Verpackungsregeln. Teilnehmende lernen verschiedene Kommissionierverfahren und die Anforderungen an transportgerechte Verpackung kennen.
- Kommissionierverfahren: Pick-by-Paper, Pick-by-Light, mobile Scanner
- Verpackungsarten und ihre Anwendungsbereiche
- Sicheres Palettieren und Stapeln
- Kennzeichnungspflichten für Versandpakete und Paletten
- Retourenbearbeitung und fehlerhafte Kommissionierungen korrigieren
- Hygiene- und Sicherheitsvorschriften bei der Güterbearbeitung
Das vierte Modul umfasst Transport, Versand, Tourenplanung und logistische Prozessoptimierung. Hier lernen Teilnehmende, wie Güter für den Versand vorbereitet werden, welche Dokumente zu erstellen sind und wie Tourenplanung im Grundsatz funktioniert. Ergänzend werden Grundlagen der Beschaffung und der Wirtschafts- und Sozialkunde behandelt.
- Güterverladung und Ladesicherung
- Versanddokumente: Frachtbrief, Zollpapiere, Lieferschein
- Grundlagen der Tourenplanung
- Güter beschaffen: Bestellwesen im Überblick
- Logistische Prozesse optimieren: Fehler erkennen, Verbesserungsvorschläge einbringen
- Wirtschafts- und Sozialkunde: Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Arbeitnehmerrechte in Deutschland
Der Praxis-Block vertieft alle Module durch handlungsorientierte Übungen.
- Wareneingang einer Beispiellieferung vollständig abarbeiten
- Kommissionierliste abarbeiten und Ergebnis dokumentieren
- Palette fachgerecht packen und kennzeichnen
- Versanddokument für eine Paketsendung ausfüllen
- Tourenplan für eine Beispielroute lesen und kommentieren
- Berufsdeutsch-Übung: Telefonat mit Spediteur simulieren
- Fehlersuche in einem Kommissionierauftrag
- Lagerbestand in einem Übungsplan nachführen
- Sicherheitsunterweisung lesen und Fragen beantworten
- Retoure bearbeiten und Reklamationsformular ausfüllen
- Präsentation eines Logistikprozesses auf Deutsch
- Wirtschaftskundetest zu Arbeitnehmerrechten und Sozialversicherung
Der Kurs endet mit einer Abschlussphase, in der alle Lerninhalte konsolidiert und auf den Berufsalltag übertragen werden. Teilnehmende führen simulierte Arbeitssituationen vollständig auf Deutsch durch und erhalten Rückmeldung zu sprachlichen und fachlichen Kompetenzen. Im Anschluss an den Kurs besteht die Möglichkeit, das Modul Gabelstaplerfahrausweis ohne Vorkenntnisse zu buchen, um das Qualifikationsprofil weiter zu stärken.
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung können die Teilnehmenden grundlegende Aufgaben in der Lagerlogistik selbstständig und korrekt ausführen. Sie haben ihre Deutschkenntnisse auf ein berufsbezogenes Niveau weiterentwickelt, das eine sichere Kommunikation im Lager- und Logistikalltag erlaubt. Die folgenden Kompetenzen werden im Einzelnen aufgebaut.
- Wareneingangsprozesse verstehen und dokumentieren
- Güter nach vorgegebenen Standards lagern, kommissionieren und verpacken
- Güter für den Transport vorbereiten und verladen
- Tourenplanung und Güterversand im Grundverfahren nachvollziehen und mitwirken
- Berufssprachliche Kommunikation auf Deutsch in typischen Arbeitssituationen führen
- Deutsche Grammatikstrukturen auf B1-Niveau anwenden
- Fachvokabular der Lagerlogistik korrekt verwenden
- Schriftliche Dokumente im Lager (Lieferschein, Kommissionierliste, Versandpapiere) lesen und ausfüllen
- Logistische Prozesse nach Qualitäts- und Sicherheitsstandards ausführen
- Wirtschafts- und sozialkundliche Grundlagen des Arbeitsverhältnisses in Deutschland kennen
- Grundlegende Kenntnisse der betrieblichen Organisation und des Warenannahme-Verfahrens
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich ausdrücklich an Migrant:innen und Geflüchtete, die im Bereich Lager und Logistik arbeiten möchten und gleichzeitig ihre Deutschkenntnisse für den Beruf weiterentwickeln wollen. Typische Teilnehmende kommen aus folgenden Gruppen.
- Menschen mit Migrationshintergrund mit Deutschkenntnissen ab A2 GER
- Geflüchtete, die schnell in den Arbeitsmarkt einsteigen möchten
- Personen ohne deutschen Berufsabschluss, die im Lagerbereich tätig werden wollen
- Teilnehmende des Job-Turbos, die eine strukturierte Einstiegsqualifikation suchen
- Menschen, die in der Logistikbranche arbeiten und ihre Sprachkenntnisse formalisieren möchten
Für die Kursteilnahme werden Deutschkenntnisse auf dem Niveau A2 gemäß dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) oder anderweitig nachgewiesene grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache vorausgesetzt. Es werden keine beruflichen Vorkenntnisse in der Lagerlogistik verlangt. Der Kurs baut Fach- und Sprachkenntnisse parallel und in Verbindung miteinander auf. Im Anschluss kann das Modul Gabelstaplerfahrausweis ohne weitere Vorkenntnisse gebucht werden, um die Beschäftigungschancen weiter zu erhöhen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird als Combined Learning in Vollzeit angeboten. Präsenz- und Live-Online-Einheiten werden mit Selbstlernphasen kombiniert, um sowohl sprachliches als auch fachliches Lernen zu fördern. Die Verbindung von Berufssprachkurs und Fachkurs in einem Konzept stellt sicher, dass neue Fachbegriffe immer im direkten Verwendungskontext geübt werden. Handlungsorientiertes Lernen — also das Bearbeiten von realitätsnahen Aufgaben — steht im Mittelpunkt. Gruppenarbeit und Partnerübungen trainieren kommunikative Kompetenzen und fördern die Integration in eine deutschsprachige Arbeitsumgebung.
Die Weiterbildung dauert mehr als sechs Monate bis zu einem Jahr und wird in Vollzeit absolviert. Dieser längere Zeitrahmen spiegelt den doppelten Qualifizierungsansatz wider: Sowohl die berufliche Basisqualifikation als auch die Berufssprachförderung erfordern ausreichend Zeit, um nachhaltig verankert zu werden. Kürzere Kursdauern, die nur einen der beiden Bereiche abdecken, wären nicht in der Lage, die kombinierte Zielsetzung zu erfüllen.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Es handelt sich dabei nicht um einen staatlich anerkannten Berufsabschluss, wohl aber um eine relevante Qualifikationsgrundlage für die Aufnahme einer Beschäftigung in der Lagerlogistik. Das Zertifikat dokumentiert sowohl die fachlichen Kenntnisse als auch die berufssprachlichen Kompetenzen und kann Arbeitgebern bei der Bewerbung vorgelegt werden.
Nutzen & Perspektiven
Der Fachkräftemangel in der Logistikbranche ist real und langfristig: Viele Arbeitgeber suchen aktiv nach Lösungen, wie sie offene Stellen besetzen können. Qualifizierte Migrant:innen mit nachgewiesenen Berufskenntnissen und berufssprachlichen Kompetenzen sind auf diesem Markt gefragt — und dieser Kurs schafft genau dieses Profil. Teilnehmende erwerben nicht nur die fachlichen Grundlagen für einen Einstieg im Lager und in der Logistik, sondern auch die sprachliche Sicherheit, die für eine erfolgreiche und nachhaltige Beschäftigung notwendig ist. Der kombinierte Ansatz aus Berufsdeutsch und Fachqualifikation ist ein entscheidender Vorteil gegenüber reinen Sprachkursen oder rein fachlichen Weiterbildungen: Beide Lernbereiche verstärken sich gegenseitig, weil neues Vokabular und neue Grammatikstrukturen immer im fachlichen Kontext erworben und geübt werden. Das sorgt für eine nachhaltige Verankerung und eine schnellere Einsatzfähigkeit im Beruf. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr sowie Leistungen der Deutschen Rentenversicherung kommen je nach persönlicher Situation in Betracht. Für Geflüchtete und Personen im Job-Turbo-Programm bestehen oft besondere Zugangswege — eine Beratung bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ist der erste Schritt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welches Deutschniveau brauche ich für diesen Kurs?
Mindestens A2 gemäß dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) oder vergleichbare Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Der Kurs baut auf diesem Niveau auf und entwickelt die berufssprachlichen Kenntnisse im Verlauf der Weiterbildung systematisch weiter.
Brauche ich Vorkenntnisse in der Lagerlogistik?
Nein, Vorkenntnisse in der Lagerlogistik sind nicht erforderlich. Der Kurs ist als Basisqualifikation konzipiert und vermittelt alle notwendigen fachlichen Grundlagen von Anfang an. Berufserfahrung in der Branche kann hilfreich sein, ist aber keine Voraussetzung.
Was bedeutet Job-Turbo und bin ich berechtigt daran teilzunehmen?
Der Job-Turbo ist ein Programm der Bundesregierung, das darauf abzielt, Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund schnell und zielgerichtet in den Arbeitsmarkt zu bringen. Ob Sie für dieses Programm infrage kommen, klärt die zuständige Agentur für Arbeit oder das Jobcenter im Beratungsgespräch. Dieser Kurs ist strukturell auf die Anforderungen des Job-Turbos abgestimmt.
Was kann ich nach dem Kurs als nächstes buchen?
Im direkten Anschluss an diesen Kurs kann das Modul Gabelstaplerfahrausweis ohne weitere Vorkenntnisse gebucht werden. Ein Gabelstaplerführerschein erhöht die Beschäftigungschancen in der Logistikbranche erheblich, da viele Arbeitgeber diesen Nachweis voraussetzen.
Kann ich den Kurs über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Förderung über Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters in der Regel möglich. Für Geflüchtete und Job-Turbo-Teilnehmende bestehen oft besondere Förderoptionen. Eine Beratung bei der zuständigen Behörde ist der empfohlene erste Schritt.
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