Überblick
In der Spedition laufen operative Logistik, Transportrecht und kaufmännische Abwicklung zusammen. Wer als Speditionssachbearbeiter/in professionell arbeiten möchte, braucht solide Kenntnisse im Frachtrecht (CMR, HGB), in der ADSp-Haftung und in der Transportdisposition — ebenso wie Handwerkszeug für die digitale Lagerverwaltung mit SAP EWM. Diese Weiterbildung verbindet die speditionsspezifischen Kern-Kompetenzen mit den allgemeinen Grundlagen der Beschaffungs- und Distributionslogistik sowie mit Lager- und Transportprozessen und schließt mit dem SAP-EWM-Anwenderbaustein ab. Der Fokus liegt auf den typischen Aufgaben im Speditionsalltag: Sendungsvorbereitung, Frachtdokumente, Disposition, Schadensfallbearbeitung und Kommunikation mit Kunden und Subunternehmern.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Speditionssachbearbeitung: Frachtrecht, CMR und ADSp (speditionsspezifischer Kern) Der speditionelle Kern dieser Weiterbildung liegt im nationalen und internationalen Transportrecht. Teilnehmende erwerben hier das rechtliche Rüstzeug für den täglichen Umgang mit Frachtbriefen, Haftungsfragen und Kundenkommunikation.
- Frachtrecht nach HGB §§ 407 ff.: Frachtvertrag, Beförderungspflicht, Ablieferungshindernisse
- CMR-Übereinkommen: Anwendungsbereich, Pflichtinhalte des Frachtbriefs, Schadenshaftung und Haftungsgrenzen
- ADSp (Allgemeine Deutsche Spediteurbedingungen): Haftungsklauseln, Lagerhalter- und Frachtführerhaftung
- Frachtbriefbearbeitung in der Praxis: Ausstellung, Prüfung, Reklamationsbearbeitung
- Transportdisposition: Fahrzeugeinsatz planen, Aufträge vergeben, Subunternehmer beauftragen
- Kundenkorrespondenz im Schadensfall: Protokoll, Schadensmeldung, Regulierungsablauf
Modul 2 — Spezielle Beschaffungs- und Distributionsprozesse (ca. 4 Wochen) Auch in der Spedition ist das Verständnis für vor- und nachgelagerte Lieferketten unerlässlich. Dieser Abschnitt vermittelt die kaufmännischen Prozesse rund um Beschaffung, Einkauf und Distribution, die in modernen Speditionsunternehmen direkt mit der Transportabwicklung verknüpft sind.
- Beschaffungslogistik und Produktionslogistik: Bedarfsermittlung, Bestellprozesse, Wiederbeschaffungszeiten
- Sourcing-Strategien: Dienstleister-Auswahl, Carrier-Verhandlungen, Rahmenverträge
- E-Procurement und EDI-Schnittstellen im Speditionskontext
- Distributionslogistik: Versandstrategien, Last-Mile-Delivery, Hub-and-Spoke-Konzepte
- Qualitätsmanagement im Speditionsbetrieb: Kennzahlen, Reklamationsquote, Prozessaudits
- Lieferkettentransparenz und Tracking-Systeme für Transportkunden
Modul 3 — Spezielle Lager- und Transportprozesse (ca. 4 Wochen) Speditionsunternehmen betreiben häufig eigene Lagerflächen oder koordinieren Lagerdienstleister. Dieser Abschnitt verbindet Lagermanagement-Methoden mit den Haftungs- und Transportrechtsfragen, die im Speditionsalltag ständig auftauchen.
- Lagerarten und Lagersysteme: Blocklager, Regallager, Freilager und ihre speditionelle Nutzung
- Bestandsmanagement: ABC-Analyse nach Wert und XYZ-Analyse nach Verbrauchsregelmäßigkeit
- Ladungssicherung: gesetzliche Vorschriften, CTU-Packrichtlinie, Haftung des Absenders
- Gefahrgutrecht im Überblick: ADR-Klassen, Kennzeichnungspflichten, Fahrerbescheinigung
- Lager- und Transportversicherung: Versicherungsarten, Anzeigepflichten, Schadensfallbearbeitung
- Maßnahmen bei Transportschäden: Protokoll, Schadensdokumentation, Haftungsklärung mit Subunternehmer
Modul 4 — SAP EWM Anwender Lagerverwaltung mit S/4HANA (ca. 4 Wochen) Viele Speditions- und Logistikunternehmen steuern ihre Lagerstandorte mit SAP EWM als Teil der S/4HANA-Plattform. Dieser Abschnitt vermittelt die Systemkompetenz, die für die Arbeit als Sachbearbeiter/in mit SAP-gestützten Lagerprozessen benötigt wird — mit eigenem inhaltlichem Zugang, der die speditionelle Sichtweise aufgreift.
- SAP S/4HANA und SAP EWM im Speditions- und Lagerkontext: Mandant, Buchungskreis, Lagereinheit
- Lieferantenlieferungen und Kundensendungen in SAP EWM entgegennehmen und buchen
- Lagerplatzstrategie konfigurieren: feste und freie Platzsuche, Andockverwaltung
- Kommissionierstrategien in SAP EWM: Pick-and-Pack, Mehrschrittkommissionierung
- Warenausgang und Versanddokumente aus SAP EWM erzeugen
- Supply Chain Execution in SAP EWM: Ausnahmeüberwachung und Eskalationsmanagement
Praxisworkflow — Speditionsauftrag von der Auftragsannahme bis zur Abrechnung Die speditionellen Praxisübungen simulieren den vollständigen Auftragszyklus in einem Speditionsbetrieb — von der Auftragsannahme bis zur Rechnungsstellung.
- Speditionsauftrag annehmen und CMR-Frachtbrief korrekt ausfüllen
- Subunternehmer beauftragen und ADSp-Klauseln im Vertrag prüfen
- Routenplanung und Fahrzeugeinsatz disponieren
- Lageraufnahme in SAP EWM: Eingang einer Speditionsware erfassen und einlagern
- Schadensfall bearbeiten: Protokoll nach CMR aufnehmen, Schadensmeldung erstellen
- Kommissionierauftrag in SAP EWM für einen Teilausgang abarbeiten
- Gefahrguttransport vorbereiten: ADR-Klasse bestimmen, Begleitpapiere ausstellen
- ABC-Auswertung im Lager durchführen und Platzierungsstrategie anpassen
- Warenausgang in SAP EWM buchen und Versanddokumente erzeugen
- Frachtabrechnung vorbereiten: Sendungsdaten und Belege zusammenstellen
- Tracking-Status für den Kunden aufbereiten und kommunizieren
- Jahresreklamationsquote aus Monitoring-Berichten auswerten
Die durchgängigen Szenarien schaffen ein realistisches Bild des Speditionsalltags und machen deutlich, wie Rechtswissen, Disposition und Systemarbeit in SAP EWM ineinandergreifen.
Lernziele:
- Speditionsrechtliche Grundlagen nach HGB §§ 407 ff. und CMR-Übereinkommen kennen und anwenden
- CMR-Frachtbriefe korrekt ausfüllen, prüfen und als rechtliches Instrument im Schadensfall einsetzen
- ADSp (Allgemeine Deutsche Spediteurbedingungen) verstehen und haftungsrelevante Klauseln interpretieren
- Nationale und internationale Transporte disponieren: Fahrzeugauswahl, Routenplanung, Subunternehmer-Beauftragung
- Beschaffungslogistik strukturieren: Sourcing-Strategien und E-Procurement im Speditionskontext anwenden
- Qualitätsmanagementsysteme in der Logistik kennen und zur Prozessoptimierung nutzen
- Lagerwirtschaft analysieren: ABC- und XYZ-Analysen zur Bestandssteuerung einsetzen
- Lager- und Transportprozesse rechtlich einwandfrei dokumentieren und Haftungsfragen klären
- Systemarchitektur von SAP S/4HANA und SAP EWM verstehen und navigieren
- Lagerstammdaten und Lagerstruktur in SAP EWM anlegen und konfigurieren
- Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung und Warenausgang in SAP EWM systemgestützt abwickeln
- Monitoring-Funktionen und Auswertungsberichte in SAP EWM für den Lagerbetrieb nutzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die eine Tätigkeit in der kaufmännischen Sachbearbeitung eines Speditions- oder Transportunternehmens anstreben.
- Quereinsteiger/innen aus Handel, Verwaltung oder Industrie mit kaufmännischem Grundverständnis
- Fahrer/innen oder Lagerarbeiter/innen, die in die Bürosachbearbeitung wechseln möchten
- Beschäftigte im Versand oder in der Auftragsbearbeitung, die Speditionsrecht vertiefen wollen
- Personen mit internationalem Hintergrund, die im Logistiksektor auf Sachbearbeiterebene tätig sein möchten
Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind notwendig, da speditionelle Dokumente und Rechtsbegriffe auf Deutsch erarbeitet werden. Grundlegende PC-Kenntnisse werden vorausgesetzt. Vorkenntnisse in Logistik oder SAP sind nicht erforderlich — alle Inhalte werden im Kurs systematisch aufgebaut.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Vollzeit-Combined-Learning-Modus statt. Rechtliche Grundlagen (CMR, ADSp, HGB) werden anhand von Musterdokumenten und Fallszenarien erarbeitet; die Dispositions- und Systemkompetenz in SAP EWM wird durch geführte Systemübungen mit realistischen Sendungsdaten vermittelt. Praxisszenarien verbinden die Fachgebiete zu einem durchgehenden Lernbogen.
Vier Module à ca. vier Wochen ergeben eine Gesamtlaufzeit von rund 16 Wochen im Vollzeitformat. Die exakte Terminplanung variiert je nach Anbieter und Durchführungsort.
Bei Abschluss aller Module erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat als Speditionssachbearbeiter/in sowie — nach bestandener SAP-Prüfung — das SAP-EWM-Anwender-Zertifikat, das von SAP als Herstellerzertifikat vergeben wird.
Nutzen & Perspektiven
Speditionsunternehmen, Logistikdienstleister und Handelsunternehmen mit eigenem Transport suchen kontinuierlich nach kaufmännischen Sachbearbeiter/innen, die Transportrecht, Disposition und digitale Lagerverwaltung beherrschen. Gerade die Kombination aus CMR-Frachtbriefkenntnissen, ADSp-Haftungswissen und SAP-EWM-Praxis ist auf dem Markt gefragt und schwer anderweitig zu erwerben. Der speditionsspezifische Schwerpunkt dieser Weiterbildung — mit dem Fokus auf internationale Frachturkunden und Haftungsrecht — unterscheidet sie klar vom allgemeinen Logistik-Sachbearbeiter-Kurs und macht sie ideal für Personen, die gezielt in einem Speditionsbetrieb arbeiten möchten. Arbeitgeber können Absolventen dieser Weiterbildung direkt in der Disposition, der Schadenssachbearbeitung oder im Kundenkontakt einsetzen. Das SAP-EWM-Zertifikat als zusätzlicher Baustein öffnet darüber hinaus Türen in SAP-gesteuerte Lager- und Logistikumgebungen und verleiht dem Abschluss eine technologische Komponente, die in einer zunehmend digitalisierten Branche zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diesen Kurs vom Logistik-Sachbearbeiter-Kurs?
Der Speditionssachbearbeiter-Kurs konzentriert sich auf die typischen Aufgaben im Speditionsbetrieb: CMR-Frachtbriefe, ADSp-Haftungsrecht, Transportdisposition und Kundenkorrespondenz im Schadensfall. Der Logistik-Sachbearbeiter-Kurs deckt dagegen breite Lager- und Transportprozesse mit einem eigenen Zollmodul (ATLAS) ab — er ist weniger auf den Speditionsalltag zugeschnitten und stärker auf Außenhandel und Zollabwicklung ausgerichtet.
Was sind CMR und ADSp?
CMR ist das Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr — es regelt Frachtbriefe, Haftungsgrenzen und Reklamationsrechte bei grenzüberschreitenden Transporten. ADSp (Allgemeine Deutsche Spediteurbedingungen) sind branchenübliche Vertragsbedingungen für Speditionsverträge in Deutschland und regeln Haftung, Aufbewahrung und Schadensfälle.
Kann ich nach dieser Weiterbildung direkt in einer Spedition arbeiten?
Ja — die Weiterbildung ist auf den direkten Berufseinstieg ausgerichtet. Die Kombination aus Speditionsrecht, Dispositionspraxis und SAP-EWM-Zertifikat qualifiziert für Einstiegspositionen in der Sachbearbeitung, Disposition oder im Kundendienst eines Speditionsunternehmens.
Welches SAP-Zertifikat ist im Kurs enthalten?
Der Kurs bereitet auf die SAP-EWM-Anwender-Zertifizierung vor, die von SAP als Herstellerzertifikat ausgestellt wird. Das Zertifikat bescheinigt die produktive Nutzung von SAP Extended Warehouse Management auf der S/4HANA-Plattform.
Wie unterscheidet sich der SAP-EWM-Abschnitt dieses Kurses von dem im Logistik-Sachbearbeiter-Kurs?
Beide Kurse umfassen SAP EWM mit S/4HANA als abschließendes Modul. Im Speditionssachbearbeiter-Kurs werden SAP-EWM-Prozesse speditionell kontextualisiert — also aus der Sichtweise von Sendungen, Frachtaufträgen und Kundenlieferungen betrachtet. Der Logistik-Sachbearbeiter-Kurs nähert sich SAP EWM aus der allgemeinen Lagerlogistik-Perspektive, ergänzt durch das ATLAS-Zollmodul.
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