Überblick
Das ITIL 4 Specialist-Modul Drive Stakeholder Value (DSV) befasst sich mit einer der zentralen Fragen des modernen IT-Service-Managements: Wie können Organisationen sicherstellen, dass alle Beteiligten — Kunden, Nutzer, Partner, interne Teams — dauerhaft einen echten Mehrwert aus IT-Services ziehen? DSV ist kein allgemeines Stakeholder-Training, sondern ein präzise auf das ITIL 4 Service Value System (SVS) ausgerichtetes Modul, das Customer Journeys, Beziehungsmanagement, Engagement-Modelle und Ergebnisorientierung systematisch behandelt. Diese Weiterbildung verbindet DSV-Theorie mit dem praktischen Einsatz von Jira als Beziehungs- und Anforderungsmanagement-Werkzeug — eine Kombination, die Teilnehmende in die Lage versetzt, nicht nur DSV-Konzepte zu verstehen, sondern sie direkt in ihrem Arbeitsalltag zu operationalisieren. Das ITIL 4 Service Value System stellt das übergeordnete Rahmenwerk bereit, innerhalb dessen DSV operiert. Die 7 Leitprinzipien von ITIL 4 — darunter „Auf Wert fokussieren", „Direkt beobachten" und „Ganzheitlich denken" — durchziehen den gesamten DSV-Ansatz und bestimmen, wie Stakeholder-Beziehungen gestaltet, Anforderungen priorisiert und Wertversprechen formuliert werden. Jira fungiert in diesem Kontext als Kollaborationsplattform, auf der Stakeholder-Anforderungen, Service-Requests und Rückmeldeschleifen strukturiert abgebildet und verfolgt werden können.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: ITIL 4 Service Value System und die Rolle von DSV Das ITIL 4 Service Value System bildet das konzeptionelle Dach, unter dem Drive Stakeholder Value operiert. Dieser Einstiegsblock stellt die Architektur des SVS vor — Service Value Chain, Praktiken, Leitprinzipien, Governance und kontinuierliche Verbesserung — und zeigt, wie DSV als Specialist-Modul in diesem Gefüge positioniert ist. Besonderes Gewicht liegt auf den 7 Leitprinzipien, die keine abstrakten Managementweisheiten, sondern operationale Handlungsanleitungen für konkrete Stakeholder-Situationen sind.
- Aufbau des ITIL 4 Service Value Systems: SVS-Komponenten im Überblick
- Die Service Value Chain und ihre Aktivitäten (Plan, Improve, Engage, Design & Transition, Obtain/Build, Deliver & Support)
- Die 7 Leitprinzipien von ITIL 4 und ihre Anwendung im Stakeholder-Kontext
- Positionierung des DSV-Moduls gegenüber CDS (Create, Deliver and Support) und DPI (Direct, Plan and Improve)
- Vier Dimensionen von ITIL 4: Organisationen/Menschen, Information/Technologie, Partner/Lieferanten, Wertströme/Prozesse
- Einführung in den ITIL 4 Practice Guide für Relationship Management
Modul 2: Customer Journeys, Stakeholder-Engagement und Wertversprechen Der Kern des DSV-Moduls: Wie erlebt ein Stakeholder den Kontakt mit einer IT-Organisation — von der ersten Wahrnehmung eines Services über die aktive Nutzung bis zur langfristigen Beziehung? Dieser Block arbeitet die DSV-Konzepte zur Customer Journey, zu Engagement-Strategien und zur gemeinsamen Wertschöpfung (Value Cocreation) systematisch durch. Ergebnisorientierung statt Output-Denken ist das Grundmotiv: Was zählt, ist der tatsächlich erzielte Nutzen für Kunden und Nutzer, nicht die schlichte Lieferung von Services.
- Customer Journey Mapping: Touchpoints, Erlebnisse und Verbesserungsfelder identifizieren
- Stakeholder-Typen: Kunden, Nutzer, Sponsoren, regulatorische Akteure, interne Partner
- Value Cocreation: gemeinsame Wertschöpfung mit und für Stakeholder
- Relationship Management als ITIL 4-Praxis: Ziele, Aktivitäten, Erfolgskennzahlen
- Service Level Management: Vereinbarungen, Erwartungen und Outcome-Orientierung
- Feedback-Schleifen: Erhebungsmethoden, Analyse und Rückkoppelung an Service-Teams
Modul 3: Jira als Werkzeug im Stakeholder- und Service-Management Jira ist in vielen IT-Organisationen das primäre Arbeitswerkzeug für Anforderungen, Service-Requests und Projektsteuerung. Dieser Modulblock zeigt, wie Jira gezielt für DSV-relevante Aufgaben genutzt werden kann: Stakeholder-Anforderungen strukturiert erfassen, Kommunikationsverläufe nachvollziehbar dokumentieren, Service-Requests priorisieren und den Status gegenüber verschiedenen Stakeholder-Gruppen transparent machen. Die Verbindung von ITIL 4-Konzepten und Jira-Workflows steht im Vordergrund, nicht die technische Jira-Administration.
- Jira-Grundlagen für Service-Management: Issue-Typen, Felder, Workflows
- Konfiguration von Boards für Stakeholder-Anforderungen und Service-Requests
- Nutzung von Jira für Customer Journey-Tracking und Feedback-Management
- Dashboards und Filter für unterschiedliche Stakeholder-Gruppen erstellen
- Integration von Jira mit Kommunikationswerkzeugen für Stakeholder-Transparenz
- Reporting: SLA-Tracking und Stakeholder-Engagement-Metriken in Jira abbilden
Modul 4: Angewandte Stakeholder-Kommunikation und DSV-Prüfungsvorbereitung Der abschließende Block verknüpft die Inhalte: Wie werden DSV-Konzepte auf reale Organisationssituationen angewandt? Wie kommuniziert man Wertversprechen gegenüber anspruchsvollen Stakeholder-Gruppen? Und wie bereitet man sich gezielt auf die DSV-Modul-Zertifizierungsprüfung vor? Anhand von Fallszenarien werden typische Stakeholder-Konflikte, Priorisierungsdilemmas und Kommunikationssituationen durchgearbeitet, die in der ITIL 4 DSV-Prüfung ebenso wie in der täglichen IT-Service-Praxis auftreten.
- Stakeholder-Konflikte analysieren und konstruktiv moderieren
- Wertversprechen gegenüber Geschäftsführung, Fachbereichen und IT-Teams formulieren
- ITIL 4 DSV-Prüfungsstruktur: Module, Fragetypen und inhaltliche Gewichtungen
- Fallstudien zur Customer Journey-Analyse und Engagement-Strategie
- Szenarien zur Service Level-Verhandlung und Outcome-Messung
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung können Teilnehmende folgende Kompetenzen anwenden —
- das ITIL 4 Specialist-Modul DSV im Rahmen des Service Value Systems einordnen und von anderen ITIL 4-Modulen abgrenzen
- Customer Journeys im Sinne von DSV analysieren, gestalten und verbessern
- Stakeholder-Typen identifizieren und geeignete Engagement-Strategien ableiten
- das Konzept des Service Value Cocreation auf konkrete Organisationsbeispiele übertragen
- Anforderungen und Erwartungen von Stakeholdern strukturiert erheben und dokumentieren
- Feedback-Mechanismen und Kommunikationskanäle im Service-Management-Kontext einrichten
- Jira-Boards und Workflows für Stakeholder-bezogene Anforderungen und Service-Requests konfigurieren
- Metriken für Kundenzufriedenheit und Stakeholder-Engagement in Jira nachvollziehbar abbilden
- die 7 ITIL 4-Leitprinzipien gezielt auf Stakeholder-Situationen anwenden
- Service-Level-Vereinbarungen und Outcome-Orientierung in der Praxis umsetzen
- ITIL 4 DSV-Prüfungsanforderungen inhaltlich erfüllen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an IT-Professionals, die sowohl ITIL 4-Fachkenntnisse als auch praktische Tool-Kompetenz aufbauen und den Fokus auf Stakeholder-Beziehungen und Kundenwert legen. Typische Teilnehmende sind —
- IT-Service-Manager und Service-Desk-Leads, die Stakeholder-Beziehungen professionalisieren möchten
- Business-Relationship-Manager im IT-Umfeld
- ITIL 4 Foundation-Absolventen, die ihr erstes Specialist-Modul absolvieren
- Jira-Anwender, die ihre Tool-Nutzung mit einem fundierten Service-Management-Framework verbinden
- Projektmanager und Agile Coaches, die im IT-Service-Umfeld tätig sind
Grundkenntnisse in IT-Service-Management und idealerweise eine ITIL 4 Foundation-Zertifizierung oder vergleichbare Erfahrung im IT-Service-Umfeld sind empfehlenswert. Praktische Erfahrung mit Jira erleichtert den Einstieg in die Tool-Teile, ist aber keine formale Pflicht. Allgemeine IT-Affinität und Berufserfahrung in einer IT-Organisation bilden eine solide Basis.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung verbindet Theorie-Input zu DSV-Konzepten mit praxisorientierten Jira-Übungen. Demonstrationen direkt in der Jira-Oberfläche zeigen, wie Service-Management-Konzepte in reale Workflows übersetzt werden. Fallstudien aus dem IT-Service-Umfeld ermöglichen es, erarbeitete Konzepte auf typische Stakeholder-Situationen anzuwenden. Das Format erlaubt direkten Austausch zwischen Teilnehmenden, die oft ähnliche Herausforderungen im eigenen Umfeld kennen.
Das Programm ist für einen Zeitraum von mehreren Wochen angelegt und wird in Teilzeit oder Vollzeit durchgeführt, je nach Angebotsvariante. Teilzeitvarianten ermöglichen eine Verbindung mit dem laufenden Berufsalltag. Die DSV-Zertifizierungsprüfung wird separat abgelegt.
Kursabsolventen erhalten eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Anbieters. Die ITIL 4 Specialist: Drive Stakeholder Value-Zertifizierung wird durch eine externe Prüfung bei einem akkreditierten Axelos-Testcenter erworben. Das DSV-Modul ist eines von vier Specialist-Modulen, die auf dem Weg zur ITIL 4 Managing Professional (MP)-Bezeichnung absolviert werden müssen.
Nutzen & Perspektiven
IT-Organisationen, die nach dem ITIL 4-Framework arbeiten, stehen vor der Herausforderung, dass technische Qualität allein keine Kundenzufriedenheit erzeugt. Stakeholder haben unterschiedliche Erwartungen, unterschiedliche Kommunikationspräferenzen und unterschiedliche Definitionen von Wert. DSV liefert das Framework, um diese Vielfalt systematisch zu adressieren — und Jira liefert das Werkzeug, um die daraus resultierenden Aufgaben strukturiert zu verfolgen. Für IT-Professionals bedeutet diese Kombination: Sie können nach der Weiterbildung nicht nur in Vorstellungsgesprächen eine ITIL 4-Specialist-Qualifikation nennen, sondern auch konkret beschreiben, wie sie Stakeholder-Anforderungen in Jira-Workflows abbilden, Customer Journeys analysieren und Wertversprechen gegenüber verschiedenen Stakeholder-Gruppen kommunizieren. Das ist ein spürbarer Unterschied zu rein zertifikatsorientierten Lernpfaden. Die DSV-Qualifikation ergänzt den ITIL 4 Foundation-Abschluss strategisch: Während Foundation das Gesamtsystem erklärt, zeigt DSV, wie eine der kritischsten Aktivitäten — die Gestaltung von Stakeholder-Beziehungen und die Sicherstellung von Kundenwert — in der Praxis ausgeübt wird. Wer beide Qualifikationen kombiniert, verfügt über ein rundes Bild des ITIL 4-Universums und ist auf dem Weg zur Managing Professional-Bezeichnung bereits einen entscheidenden Schritt vorangekommen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen ITIL 4 DSV und ITIL 4 Foundation?
ITIL 4 Foundation vermittelt das Gesamtbild des Service Value Systems, die Leitprinzipien und grundlegende Konzepte. DSV (Drive Stakeholder Value) ist ein Specialist-Modul, das einen spezifischen Bereich vertieft: die Gestaltung von Stakeholder-Beziehungen, Customer Journeys und die Sicherstellung von Kundenwert. Foundation ist in der Regel Voraussetzung für die DSV-Zertifizierungsprüfung.
Ist die DSV-Zertifizierung im Kursbeitrag enthalten?
Der Kurs bereitet auf die ITIL 4 Specialist: Drive Stakeholder Value-Prüfung vor. Die externe Prüfung findet bei einem akkreditierten Axelos-Testcenter statt und wird separat angemeldet. Prüfungsgebühren sind nicht im Kurs enthalten.
Welche Bedeutung hat DSV für die ITIL 4 Managing Professional-Bezeichnung?
ITIL 4 Managing Professional (MP) erfordert vier Specialist-Module: CDS (Create, Deliver and Support), DSV (Drive Stakeholder Value), HighVelocity IT (HVIT) und DPI (Direct, Plan and Improve). DSV ist eines dieser vier Pflichtmodule auf dem Weg zur MP-Bezeichnung.
Kann ich Jira ohne ITIL-Vorkenntnisse für diesen Kurs nutzen?
Jira-Grundkenntnisse sind hilfreich und werden im Kurs ausgebaut. Für die ITIL 4-Inhalte sind Grundkenntnisse im IT-Service-Management empfehlenswert; wer ITIL 4 Foundation abgeschlossen hat, ist optimal vorbereitet. Grundlegende IT-Berufserfahrung reicht für den Einstieg aus.
Was unterscheidet DSV von anderen ITIL 4 Specialist-Modulen?
DSV konzentriert sich explizit auf die externe Perspektive: Stakeholder-Beziehungen, Kundenwert, Customer Journeys und Engagement-Strategien. CDS hingegen fokussiert auf die operative Service-Erbringung und Support-Strukturen; DPI auf strategische Steuerung und kontinuierliche Verbesserung. Jedes Modul hat einen klar abgegrenzten Wirkungsbereich im ITIL 4-Framework.
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