Überblick
Ortsfeste elektrische Anlagen müssen nach gesetzlicher Vorschrift in regelmäßigen Abständen geprüft werden, um Personen- und Sachschäden durch elektrische Fehler zu verhindern. Wer diese Prüfungen durchführt oder daran mitwirkt, benötigt eine nachweisbare fachliche Qualifikation nach den einschlägigen Regelwerken — insbesondere nach DGUV Vorschrift 3 und TRBS 1203. Dieser Qualifizierungskurs richtet sich an Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen, die wiederkehrende Prüfungen an ortsfesten Anlagen und Betriebsmitteln durchführen oder zukünftig durchführen sollen. Der Kurs vermittelt das vollständige Methoden- und Normenwissen, das für eine rechtssichere Prüftätigkeit erforderlich ist.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Block behandelt die rechtlichen und normativen Grundlagen wiederkehrender Prüfungen. Teilnehmende erhalten eine strukturierte Einführung in die einschlägigen Regelwerke und lernen, die relevanten Vorschriften in ihrer täglichen Prüftätigkeit korrekt anzuwenden. Besonderes Gewicht liegt auf der Unterscheidung zwischen Elektrofachkraft und elektrotechnisch unterwiesener Person.
- Gesetzliche Prüfpflichten: ArbSchG, BetrSichV, DGUV Vorschrift 3
- DIN VDE 0100-600 als zentrale Prüfnorm für ortsfeste Anlagen
- TRBS 1203: Anforderungen an die Qualifikation der prüfenden Personen
- Haftung und Verantwortung bei der Prüfung elektrischer Anlagen
- Unterschiede zwischen Elektrofachkraft und elektrotechnisch unterwiesener Person
- Fristen und Intervalle wiederkehrender Prüfungen festlegen
Der zweite Block umfasst Prüfplanung und Prüfdurchführung. Wer wiederkehrende Prüfungen rechtssicher durchführt, braucht eine systematische Vorgehensweise — von der Sichtprüfung über die Messung bis zur Protokollierung. Dieser Abschnitt vermittelt das methodische Handwerkszeug für die tägliche Prüfpraxis.
- Sichtprüfung: was zu prüfen ist und wie Auffälligkeiten dokumentiert werden
- Messverfahren: Isolationswiderstand, Schutzleiterwiderstand, RCD-Auslösestrom
- Messgeräte auswählen, kalibrieren und korrekt einsetzen
- Prüfsequenz nach DIN VDE 0100-600 Schritt für Schritt abarbeiten
- Beurteilung der Messergebnisse und Grenzwerte aus der Norm
- Übergabe- und Abnahmeprüfung vs. wiederkehrende Prüfung: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Der dritte Block behandelt Prüfprotokollierung, Mängelmanagement und Sicherheitsvorkehrungen. Korrekte Dokumentation ist rechtlicher Schutz für die prüfende Fachkraft und die Betreiberverantwortlichen. Dieser Abschnitt zeigt, wie Prüfprotokolle aufgebaut sein müssen und welche Schritte zur Mängelbeseitigung einzuleiten sind.
- Prüfprotokoll-Aufbau nach DGUV und VDE: Pflichtinhalte und Mindestangaben
- Klassifizierung von Mängeln: sofortiger Handlungsbedarf vs. Überwachungsbedarf
- Schritte zur Mängelbeseitigung dokumentieren und nachverfolgen
- Weiterbetriebsfreigabe erteilen oder verweigern: fachliche und rechtliche Grundlage
- Archivierung von Prüfnachweisen und Fristen für die Aufbewahrung
Praxisblock — Prüfablauf im Detail
- Vollständige Prüfsequenz an einer simulierten ortsfesten Anlage durchführen
- Isolationswiderstand messen und Grenzwerte nach DIN VDE 0100-600 beurteilen
- RCD-Prüfung mit Auslösezeitvorgaben korrekt durchführen und dokumentieren
- Schutzleiterprüfung an Anlagen verschiedener Schutzklassen
- Prüfprotokoll vollständig ausfüllen und auf formale Richtigkeit prüfen
- Identifizierten Mangel klassifizieren und Schritte zur Mängelbeseitigung planen
- Sicherheitsvorkehrungen vor Aufnahme der Prüftätigkeit kontrollieren und freigeben
- Anlagenteile identifizieren, die trotz laufender Prüfung spannungsführend bleiben
- Elektrotechnisch unterwiesene Person im Prüfteam einweisen und Aufgaben zuweisen
- Messwerte mit Normgrenzwerten vergleichen und Weiterbetriebsentscheidung treffen
- Fallbeispiel: Altanlage mit mehreren klassifizierbaren Mängeln — vollständigen Prüfbericht erstellen
- Qualifikationsnachweis nach TRBS 1203 korrekt dokumentieren und aufbewahren
Lernziele:
Nach erfolgreichem Abschluss dieser Qualifizierung beherrschen die Teilnehmenden folgende Kompetenzen.
- rechtliche Grundlagen der wiederkehrenden Prüfung ortsfester Anlagen kennen und anwenden
- Prüfpläne nach DGUV V3 und DIN VDE 0100-600 erstellen und dokumentieren
- Messverfahren zur Isolationswiderstandsmessung, RCD-Prüfung und Schutzleiterprüfung sicher durchführen
- Prüfprotokolle vollständig und revisionssicher erstellen
- Mängel klassifizieren und geeignete Schritte zur Mängelbeseitigung einleiten
- die Anforderungen der TRBS 1203 an die Qualifikation von Prüfpersonen einhalten
- ortsfeste elektrische Betriebsmittel systematisch in die Prüfplanung einbeziehen
- Sicherheitsvorkehrungen vor, während und nach der Prüfung korrekt umsetzen
- elektrotechnisch unterwiesene Personen im Prüfteam anleiten und überwachen
- Messergebnisse bewerten und Entscheidungen zur Weiterbetriebsfreigabe fachkundig treffen
- den Nachweis der eigenen Qualifikation gegenüber Arbeitgebern und Aufsichtsbehörden führen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Qualifizierung richtet sich an zwei Gruppen: erstens an Elektrofachkräfte, die bereits wiederkehrende Prüfungen durchführen oder dazu verpflichtet werden sollen; zweitens an elektrotechnisch unterwiesene Personen, die im Prüfteam unter Leitung einer Elektrofachkraft tätig sind oder tätig werden sollen.
- Elektrofachkräfte in Industrie, Handwerk, öffentlichen Einrichtungen oder Versorgungsunternehmen
- Servicetechniker und Wartungspersonal, das für die regelmäßige Prüfung verantwortlich ist
- Prüfingenieurerinnen und Prüfingenieure, die ihre Normenkenntnis auffrischen möchten
- Elektrotechnisch unterwiesene Personen, die als Prüfteam-Mitglieder qualifiziert werden sollen
Voraussetzung für die Teilnahme ist entweder eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung oder eine vergleichbare elektrotechnische Qualifikation (z. B. abgeschlossenes Studium der Elektrotechnik). Zusätzlich wird mindestens ein Jahr Berufserfahrung in der Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung elektrischer Anlagen oder Arbeitsmittel gefordert. Kenntnisse über Aufbau und Funktion der zu prüfenden Anlage sowie eine zeitnahe berufliche Tätigkeit gemäß TRBS 1203 sind nachzuweisen. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet Theorievermittlung mit konkreten Praxiseinheiten an realen oder simulierten elektrischen Anlagen. Normenlektüre wird durch Anwendungsbeispiele aus der betrieblichen Praxis ergänzt, sodass der Bezug zur täglichen Prüftätigkeit jederzeit erkennbar ist. Fallstudien und Übungsszenarien mit typischen Mängelbildern schärfen das Urteilsvermögen bei der Bewertung von Messergebnissen. Der Kurs findet in Präsenz statt.
Die genaue Kursdauer richtet sich nach dem Angebotsformat des jeweiligen Trägers. Der Stoff ist so konzipiert, dass er in einer kompakten Intensiv-Schulung oder einer auf mehrere Tage verteilten Seminarreihe vermittelt werden kann.
Nach Abschluss der Qualifizierung erhalten Teilnehmende ein Zertifikat der zuständigen Prüforganisation (z. B. TÜV) als Nachweis der fachlichen Qualifikation für wiederkehrende Prüfungen nach TRBS 1203. Dieses Zertifikat dient als Qualifikationsnachweis gegenüber Arbeitgebern und Aufsichtsbehörden.
Nutzen & Perspektiven
Wer wiederkehrende Prüfungen an elektrischen Anlagen durchführt, trägt Verantwortung — sowohl für die Sicherheit der Anlage als auch für die rechtliche Absicherung des Unternehmens. Eine lückenhafte oder fehlerhafte Prüfung kann im Schadensfall zur persönlichen Haftung führen. Diese Qualifizierung schafft die formale und fachliche Grundlage für eine rechtssichere Prüfpraxis und ist damit unmittelbar wertschöpfend für Arbeitgebende und Teilnehmende gleichermaßen. Die Kombination aus Normenwissen (DIN VDE 0100-600, DGUV V3), Messtechnik und Protokollierungspflichten macht den Kurs zu einem vollständigen Werkzeugkasten für die Prüfpraxis. Teilnehmende verlassen den Kurs mit dem nötigen Methodenwissen, um Prüfabläufe strukturiert zu planen, Sicherheitsvorkehrungen korrekt umzusetzen, Messergebnisse normenkonform zu bewerten und Mängel mit den richtigen Schritten zur Mängelbeseitigung zu dokumentieren. Das ausgestellte Zertifikat der zuständigen Prüforganisation ist ein nachgewiesener Qualifikationsnachweis, der in der Branche anerkannt ist und die Berufschancen als Elektrofachkraft in prüfenden und wartenden Tätigkeiten deutlich verbessert. Für Unternehmen ist der Nachweis qualifizierter Prüfpersonen auch im Rahmen von Audits und behördlichen Kontrollen unverzichtbar.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer darf an dieser Qualifizierung teilnehmen?
Zugelassen sind Personen mit abgeschlossener elektrotechnischer Berufsausbildung oder vergleichbarer Qualifikation sowie mindestens einem Jahr Berufserfahrung in der Errichtung oder Instandhaltung elektrischer Anlagen. Auch elektrotechnisch unterwiesene Personen, die im Prüfteam unter Leitung einer Elektrofachkraft tätig sind, können teilnehmen.
Welches Zertifikat wird ausgestellt?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein Zertifikat der zuständigen Prüforganisation (z. B. TÜV) als formaler Qualifikationsnachweis für wiederkehrende Prüfungen nach TRBS 1203. Dieses Zertifikat ist gegenüber Arbeitgebenden und Aufsichtsbehörden anerkannt.
Was ist der Unterschied zwischen Elektrofachkraft und elektrotechnisch unterwiesener Person?
Eine Elektrofachkraft verfügt über eine abgeschlossene elektrotechnische Ausbildung und darf selbstständig Prüfungen durchführen und Protokolle zeichnen. Elektrotechnisch unterwiesene Personen führen Prüfarbeiten nur unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft durch und übernehmen dabei definierte Teilaufgaben im Prüfteam.
Welche Normen werden im Kurs behandelt?
Der Kurs deckt die DGUV Vorschrift 3, DIN VDE 0100-600 und TRBS 1203 als zentrale Regelwerke ab. Ergänzend werden Bezüge zur BetrSichV und zum ArbSchG hergestellt, soweit sie für die Prüftätigkeit relevant sind.
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