Überblick
Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel — Verlängerungskabel, Steckerleisten, handgeführte Elektrowerkzeuge, tragbare Geräte aller Art — gehören zum Arbeitsalltag in Handwerk, Industrie und Dienstleistung. Ihre regelmäßige Prüfung ist keine Kür, sondern gesetzliche Pflicht: Die DGUV Vorschrift 3 (früher BGV A3) verpflichtet Betriebe, elektrische Betriebsmittel in festgelegten Fristen durch befähigte Personen oder Elektrofachkräfte zu überprüfen. Diese Fortbildung bereitet Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen gezielt auf diese Aufgabe vor. Sie vermittelt das nötige Fachwissen zu Rechtsgrundlagen, Prüfverfahren, Messgerätehandhabung und Dokumentation, damit die Prüfung normgerecht und rechtssicher durchgeführt werden kann.
Kursinhalte & Lernziele
Gesetzliche Grundlagen und Regelwerk Die rechtliche Basis der Betriebsmittelprüfung bildet ein Geflecht aus Arbeitsschutzgesetz, Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und den berufsgenossenschaftlichen Vorschriften — allen voran der DGUV Vorschrift 3. Hinzu kommen technische Regeln wie die TRBS 1203, die konkrete Anforderungen an befähigte Personen beschreibt. Das Seminar erläutert diese Zusammenhänge kompakt und praxisnah.
- Anwendungsbereich der DGUV Vorschrift 3 (Elektrische Anlagen und Betriebsmittel)
- Betriebssicherheitsverordnung: Pflichten des Arbeitgebers
- TRBS 1203: Anforderungen an befähigte Personen
- Begriffsbestimmungen: Elektrofachkraft, befähigte Person, elektrotechnisch unterwiesene Person
- Abgrenzung ortsveränderlicher und ortsfester Betriebsmittel
- Aktuelle Hinweise zu Normenänderungen und Neufassungen
Prüffristen und Prüfpersonal Nicht jedes Betriebsmittel wird gleich häufig geprüft. Die zulässigen Prüffristen hängen von Gerätekategorie, Einsatzort und den Ergebnissen früherer Prüfungen ab. Wer prüfen darf, ist ebenfalls klar geregelt. In diesem Abschnitt werden Kompetenzanforderungen und Fristen systematisch aufgeschlüsselt.
- Ermittlung und Anpassung von Prüffristen nach Gefährdungsbeurteilung
- Prüffristen in Abhängigkeit von Einsatzbedingungen (Baustelle, Büro, Werkstatt)
- Aufgaben und Grenzen der elektrotechnisch unterwiesenen Person
- Abgrenzung der Tätigkeiten unter Aufsicht einer Elektrofachkraft
- Haftungsrechtliche Aspekte bei Prüfmängeln
- Innerbetriebliche Organisation der Prüfpflicht
Durchführung der Prüfung: Sicht- und Messtechnik Das Herzstück des Seminars ist die praktische Prüfdurchführung. Von der visuellen Kontrolle auf mechanische Beschädigungen bis zur Messung von Schutzleiterwiderstand und Isolationswiderstand werden alle relevanten Prüfschritte behandelt. Besonderes Gewicht liegt auf dem sicheren Umgang mit Prüfgeräten und der Interpretation von Messergebnissen.
- Sichtprüfung: Kabelzustand, Stecker, Gehäuse, Beschriftung
- Schutzleiterwiderstandsmessung: Grenzwerte und typische Fehlerbilder
- Isolationswiderstandsmessung und Ersatzableitstrommessung
- Bedienung und Kalibrierung gängiger Prüfgeräte (z. B. Geräte nach DIN VDE 0701-0702)
- Bewertung von Grenzwertüberschreitungen und Konsequenzen
- Umgang mit Betriebsmitteln besonderer Schutzklassen (Schutzklasse I, II, III)
Auswertung, Dokumentation und Kennzeichnung Eine Prüfung ist erst vollständig, wenn ihre Ergebnisse sauber dokumentiert und das geprüfte Betriebsmittel korrekt gekennzeichnet ist. Dieser Block behandelt alle formalen Anforderungen an Prüfprotokolle sowie die praktische Nutzung von Prüfplaketten und Aufklebern.
- Aufbau rechtssicherer Prüfprotokolle und Checklisten
- Elektronische und papierbasierte Dokumentationssysteme im Überblick
- Kennzeichnungspflichten: Prüfplaketten, Aufkleber, Farbsysteme
- Aufbewahrungspflichten und Nachweisführung gegenüber Behörden
- Umgang mit nicht bestandenen Prüfungen: Außerbetriebnahme und Reparaturfreigabe
- Besonderheiten bei Leihmaterial und betriebsfremden Geräten
- Umgang mit aktuellen Informationen und Änderungen im Regelwerk
Lernziele:
- Den Anwendungsbereich der DGUV Vorschrift 3 sowie der BetrSichV korrekt einordnen und auf den eigenen Betrieb beziehen
- Die Anforderungen an eine befähigte Person gemäß TRBS 1203 kennen und den eigenen Status einschätzen
- Prüffristen für verschiedene Betriebsmittel und Einsatzbereiche selbstständig ermitteln
- Den Aufbau und die Funktion ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel erläutern
- Sichtprüfungen systematisch und vollständig durchführen
- Messtechnische Prüfungen (Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand, Ersatzableitstrom) korrekt ausführen
- Eingesetzte Prüfgeräte bedienen, kalibrieren und deren Messergebnisse bewerten
- Prüfbefunde auswerten, Grenzwerte anwenden und Handlungsempfehlungen ableiten
- Prüfungen ordnungsgemäß dokumentieren und Ergebnisse nachvollziehbar festhalten
- Kennzeichnungspflichten und Prüfplaketten regelkonform einsetzen
- Aktuelle Änderungen und Neuerungen in den einschlägigen Normen und Vorschriften berücksichtigen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Fortbildung wendet sich an Fachleute aus dem elektrotechnischen Umfeld, die in ihren Betrieben für die Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel zuständig sind oder diese Aufgabe künftig übernehmen sollen.
- Elektrofachkräfte, die Wiederholungsprüfungen eigenverantwortlich durchführen
- Elektrotechnisch unterwiesene Personen, die Prüfungen unter Aufsicht einer Elektrofachkraft unterstützen
- Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten mit entsprechendem Prüfauftrag
- Verantwortliche für Arbeitssicherheit und Betriebsmittelverwaltung
- Personen, die eine Anerkennung als befähigte Person nach TRBS 1203 anstreben oder erneuern möchten
Teilnehmende benötigen mindestens einen Facharbeiterabschluss im Elektrohandwerk sowie mindestens ein Jahr praktische Berufserfahrung mit den zu prüfenden Betriebsmitteln. Alternativ ist ein Nachweis als elektrotechnisch unterwiesene Person oder als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten erforderlich. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Grundlegende Kenntnisse über Aufbau und Funktion der zu prüfenden Geräte werden vorausgesetzt. Wer bereits praktische Erfahrung in der Überprüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel mitbringt, kann die Seminarinhalte besonders effektiv auf konkrete betriebliche Situationen anwenden.
Ablauf & Abschluss
Das Seminar ist als Präsenzveranstaltung im Vollzeitformat konzipiert und verbindet kompakte Theoriephasen mit praktischen Übungseinheiten. Die Dozenten wechseln zwischen Vortrag, geführter Diskussion und Demonstrationen am Prüfgerät ab. Praxisbeispiele aus typischen Betriebsumgebungen — Baustelle, Werkstatt, Büro — helfen dabei, abstrakte Normanforderungen auf reale Situationen zu übertragen. Die geringe Teilnehmerzahl in Seminarformaten dieses Typs ermöglicht individuelle Fragen und einen direkten Austausch mit dem Seminarleiter.
Das Seminar ist als eintägige Kompaktfortbildung angelegt und deckt in einem strukturierten Tagesablauf die gesamte Bandbreite von den rechtlichen Grundlagen bis zur praktischen Prüfung und Dokumentation ab. Die intensive Ganztagesstruktur gewährleistet, dass alle prüfungsrelevanten Themen ohne Zeitdruck behandelt werden können.
Nach erfolgreich abgeschlossener Teilnahme erhalten die Teilnehmenden eine Teilnahmebestätigung der DEKRA Akademie. Diese Bescheinigung dokumentiert die behandelten Inhalte und kann gegenüber dem Arbeitgeber als Nachweis der fachspezifischen Qualifikation für die Durchführung von Betriebsmittelprüfungen verwendet werden. Sie unterstützt Betriebe dabei, die Anforderungen der DGUV Vorschrift 3 an qualifiziertes Prüfpersonal nachzuweisen. Die Anerkennung als befähigte Person im Sinne der TRBS 1203 ergibt sich nicht allein aus dem Seminarbesuch, sondern aus der Kombination von Ausbildung, Erfahrung und dem absolvierten Lehrgang.
Nutzen & Perspektiven
Betriebe sind gesetzlich verpflichtet, ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel regelmäßig zu prüfen — und die Haftung bei mangelhafter Umsetzung liegt beim Arbeitgeber. Wer intern qualifiziertes Prüfpersonal vorhält, spart nicht nur Kosten für externe Dienstleister, sondern schafft auch eine belastbare Grundlage für Gefährdungsbeurteilung und Versicherungsschutz. Diese Fortbildung vermittelt genau das Wissen, das dafür nötig ist. Für die Teilnehmenden selbst bedeutet das Seminar eine konkrete Erweiterung ihrer beruflichen Handlungskompetenz. Die Fähigkeit, Prüfungen eigenständig, korrekt und rechtssicher durchzuführen, stärkt die Position im Betrieb und eröffnet den Weg zur Anerkennung als befähigte Person. Gerade in Branchen mit hohem Geräteaufkommen — Bau, Produktion, Handwerk — ist diese Qualifikation ein gefragter Bestandteil des Fachkräfteprofils. Das Seminar bringt außerdem unmittelbaren praktischen Nutzen: Wer versteht, warum bestimmte Prüffristen gelten und wie Messergebnisse zu interpretieren sind, arbeitet sicherer und erkennt kritische Zustände früher. Die Verbindung aus rechtlichem Grundlagenwissen und handwerklichem Prüfkönnen macht den Unterschied zwischen formaler Pflichterfüllung und echter Prävention.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist eine befähigte Person im Sinne der TRBS 1203?
Eine befähigte Person verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung im Elektrobereich, relevante Berufserfahrung und eine aufgabenbezogene Fortbildung. Das Seminar ist ein anerkannter Baustein auf dem Weg zu dieser Anerkennung, die letztlich der Arbeitgeber auf Grundlage der Gesamtqualifikation feststellt.
Wie oft müssen ortsveränderliche Betriebsmittel geprüft werden?
Die Prüffristen richten sich nach DGUV Vorschrift 3 und hängen vom Geräteeinsatz und den Ergebnissen vorangegangener Prüfungen ab. Im Büroumfeld gelten häufig längere Fristen als auf Baustellen oder in produktionsnahen Bereichen. Das Seminar vermittelt die Methodik zur eigenständigen Fristenermittlung.
Welche Messungen sind bei der Wiederholungsprüfung Pflicht?
Je nach Schutzklasse des Geräts sind Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand und gegebenenfalls Ersatzableitstrom zu messen. Hinzu kommt stets eine visuelle Sichtprüfung auf mechanische Beschädigungen. Das Seminar behandelt alle Messverfahren und die Bewertung der Messergebnisse.
Was muss dokumentiert werden?
Prüfprotokoll, Messwerte, Bewertung (bestanden/nicht bestanden) sowie Kennzeichnung des Betriebsmittels sind Pflicht. Die Aufbewahrungspflichten und mögliche digitale Lösungen werden im Seminar besprochen.
Kann auch eine elektrotechnisch unterwiesene Person teilnehmen?
Ja. Elektrotechnisch unterwiesene Personen dürfen Prüfungen unter Aufsicht und Anleitung einer Elektrofachkraft oder befähigten Person durchführen. Das Seminar bereitet auch auf diese unterstützende Tätigkeit vor und klärt die genauen Abgrenzungen der Tätigkeitsbereiche.
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