Überblick
Steuerrecht ist kein statisches Regelwerk, sondern ein Handwerk, das im Betrieb gelebt wird. Diese Praxiswerkstatt richtet sich an kaufmännische Fachkräfte, die bereits in der Buchführung arbeiten und ihr steuerliches Wissen gezielt vertiefen wollen. Im Mittelpunkt stehen die praktische Anwendung steuerrechtlicher Vorschriften, die Vorbereitung von Steuererklärungen verschiedener Einkunftsarten und die softwaregestützte Umsetzung mit DATEV. Theorie und Praxis wechseln dabei eng miteinander ab, sodass neues Wissen unmittelbar auf realitätsnahe Aufgaben angewendet werden kann.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 - Einkommensteuer: Einkunftsarten und Erklärungspraxis Einkommensteuer ist die zentrale Steuerart im deutschen Recht und betrifft sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen in vielfältiger Weise. Dieser Block vertieft das Zusammenspiel der sieben Einkunftsarten und zeigt, wie Erklärungen strukturiert vorbereitet werden. Besonders praxisrelevant ist der Umgang mit gemischten Sachverhalten, etwa wenn Gesellschafter eines Unternehmens zugleich Einkünfte aus Vermietung beziehen.
- Überblick der sieben Einkunftsarten und ihrer steuerlichen Behandlung
- Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR): Aufbau und typische Fehlerquellen
- Behandlung gemischter Sachverhalte bei Gesellschaftern
- Einkünfte aus Kapitalvermögen: Abgeltungsteuer, Freistellungsauftrag, Anlage KAP
- Außergewöhnliche Belastungen, Sonderausgaben und Pauschbeträge korrekt ansetzen
- Einkommensteuererklärung Schritt für Schritt vorbereiten: Belege, Belegnachweise, Anlagen
Modul 2 - Vermietung und Verpachtung sowie Grundsteuern Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (VuV) sind in der Buchführungspraxis regelmäßig anzutreffen, werden aber häufig falsch oder unvollständig erfasst. Dieser Block behandelt die steuerliche Einordnung, typische Abgrenzungsfragen und die Wechselwirkungen mit anderen Einkunftsarten. Daneben wird die Grundsteuerreform praxisnah erläutert.
- Einnahmen und Werbungskosten bei Vermietungseinkünften systematisch erfassen
- Abschreibung von Gebäuden und Einbauten: AfA-Tabellen, Nutzungsdauern, Sonderabschreibungen
- Vorsteuerabzug bei gemischt genutzten Immobilien
- Liebhaberei-Prüfung und steuerliche Abgrenzung bei unrentablen Vermietungen
- Grundsteuererklärung im Rahmen der Reform vorbereiten
- Anlage V korrekt ausfüllen und typische Fehler vermeiden
Modul 3 - Umsatzsteuer in der Buchführungspraxis Umsatzsteuerrecht ist vielschichtig: Steuerpflicht, Steuerfreiheit, Vorsteuerabzug und Sonderregelungen greifen ineinander. Dieser Block beleuchtet die häufigsten Praxisfälle und geht auf Besonderheiten wie innergemeinschaftliche Lieferungen, Bauleistungen und die Ist-Versteuerung ein.
- Steuerbare, steuerpflichtige und steuerfreie Umsätze klar abgrenzen
- Vorsteuerabzug: Voraussetzungen, Einschränkungen, Vorsteuerberichtigung nach § 15a UStG
- Umsatzsteuer-Voranmeldung und Jahreserklärung erstellen
- Innergemeinschaftliche Lieferungen und sonstige Leistungen: Nachweispflichten und Meldungen
- Bauleistungen und Reverse Charge korrekt buchen
- Ist-Versteuerung versus Soll-Versteuerung: Unterschiede und Auswirkungen
Praxis-Block - DATEV-gestützte Steuererklärungsvorbereitung und Fallarbeit In diesem Block werden die erlernten Inhalte mit der Softwareumgebung DATEV verknüpft. Steuersachverhalte werden von der Buchung bis zur fertigen Erklärungsanlage durchgespielt. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Erkennen von Buchungsfehlern mit steuerlicher Wirkung und deren Korrektur.
- DATEV-Workflows für die Steuererklärungsvorbereitung kennen und nutzen
- Buchungskonten mit steuerlicher Wirkung identifizieren und prüfen
- Automatisierte Übernahme von Buchhaltungsdaten in die Steuererklärung
- Abstimmung zwischen Finanzbuchhaltung und Steuererklärung
- Typische DATEV-Fehlermeldungen deuten und beheben
- Fallstudien: vollständige Steuerfälle von der Buchung bis zur abgabefertigen Erklärung
- Jahreszeitliche Aufgaben: Abschluss, Checklisten, Fristverwaltung
- Aktuelle Änderungen im Steuerrecht und ihre Auswirkung auf die Praxis
- Prüfung eigener Buchführungsunterlagen auf steuerliche Vollständigkeit
- Typische Beanstandungen durch das Finanzamt und wie man ihnen begegnet
- Kommunikation mit dem Finanzamt: Einspruchsverfahren im Überblick
- Zusammenfassendes Fallbeispiel: Einzel-/Gesamtbetrachtung eines Unternehmens mit mehreren Einkunftsquellen
DATEV-Kenntnisse werden nicht von Null aufgebaut, sondern auf dem vorhandenen Niveau gezielt für steuerliche Zwecke erweitert. Wer bereits mit DATEV-Buchführung vertraut ist, kann das Gelernte unmittelbar in den eigenen Arbeitsalltag übertragen.
Lernziele:
- Steuerliche Grundbegriffe und Systematik des deutschen Steuerrechts sicher anwenden
- Einnahmen-Überschuss-Rechnung korrekt aufstellen und auswerten
- Einkommensteuererklärungen für verschiedene Einkunftsarten vorbereiten
- Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung steuerlich richtig einordnen
- Umsatzsteuerliche Sachverhalte prüfen, buchen und melden
- Abzugsfähige Betriebsausgaben und Werbungskosten systematisch erfassen
- Körperschaftsteuerliche Grundzüge und Gewerbesteuer einordnen
- Jahresabschlussarbeiten steuerrechtlich begleiten
- DATEV für die Steuererklärungsvorbereitung effektiv nutzen
- Steuerliche Fallstricke in der laufenden Buchhaltung erkennen und vermeiden
- Aktuell geltende Abgabefristen und Formvorschriften einhalten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an kaufmännisch ausgebildete Fachkräfte mit Erfahrung in der Finanzbuchhaltung, die ihr steuerrechtliches Wissen gezielt ausbauen möchten. Typische Teilnehmende kommen aus folgenden Bereichen.
- Finanzbuchhalterinnen und Finanzbuchhalter, die mehr steuerrechtliche Verantwortung übernehmen wollen
- Steuerfachangestellte in der laufenden Qualifizierung
- Sachbearbeitende in Steuer- oder Buchhaltungsabteilungen
- Personen, die auf die Prüfung zum Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter hinarbeiten
Eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung mit Schwerpunkt Finanz- und Rechnungswesen ist Pflicht, ebenso fundierte Kenntnisse in der Finanzbuchführung. Anwendungsbereite DATEV-Kenntnisse werden vorausgesetzt, da die Software im Unterricht produktiv eingesetzt wird. Grundlegende Computerkenntnisse und Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Unterricht wechselt zwischen konzentrierten Lehreingaben, die neue Gesetzeslagen und Systematiken erläutern, und unmittelbar angeschlossenen Fallaufgaben. Buchführungsbelege, Bescheide und Steuererklärungsformulare werden als Übungsmaterial verwendet. DATEV wird direkt am System genutzt, um Theorie in Software-Handlung zu übersetzen. Wer eine Frage aus dem eigenen Betrieb mitbringt, kann diese oft direkt als Fallbeispiel einbringen.
Die Praxiswerkstatt ist als Kompaktkurs konzipiert und richtet sich nach dem Prinzip, konzentriert zu lernen, was unmittelbar anwendbar ist. Die genaue Dauer wird vom jeweiligen Anbieter festgelegt; typisch für dieses Format sind zwei bis vier Wochen Intensivunterricht in Vollzeit oder ein entsprechend gestrecktes Teilzeitformat.
Nach erfolgreichem Abschluss stellt der Anbieter eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung aus, die die behandelten Inhalte dokumentiert. Diese Bescheinigung ist kein staatlicher Abschluss, gibt aber gegenüber Arbeitgebern detailliert Auskunft über die erworbenen steuerrechtlichen Kenntnisse. Wer auf eine externe Prüfung (z. B. Steuerfachwirt) hinarbeitet, nutzt den Kurs als inhaltliche Vorbereitung.
Nutzen & Perspektiven
Steuerliches Fachwissen ist in kaufmännischen Berufen ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil. Wer Buchhaltung nicht nur technisch korrekt ausführt, sondern auch steuerlich denkt, wird zur echten Schnittstelle zwischen Rechnungswesen und Steuerberatung. Diese Funktion ist in mittelständischen Unternehmen oft dringend gesucht und wird entsprechend honoriert. DATEV-Kompetenz vertieft durch steuerliches Anwendungswissen ist eine Kombination, die auf dem Arbeitsmarkt selten zu finden ist. Viele Buchhalterinnen und Buchhalter beherrschen die Software, aber wenige verstehen, warum bestimmte Buchungen steuerrechtlich exakt so und nicht anders erfasst werden müssen. Dieses Verständnis macht den Unterschied zwischen Dateneingabe und fachlicher Verantwortung. Die Praxiswerkstatt schließt damit eine Lücke, die in der kaufmännischen Grundausbildung oft bleibt: die direkte Verbindung von Buchführungsalltag und Steuerrechtssystematik. Wer diesen Kurs absolviert, ist in der Lage, steuerliche Sachverhalte eigenständig zu beurteilen, den Steuerberater sinnvoll zu entlasten und im Betrieb als kompetente Ansprechperson zu agieren. Dieses erweiterte Fachprofil wirkt sich nicht nur auf die Qualität der eigenen Arbeit aus, sondern auch auf die Wahrnehmung innerhalb des Unternehmens: Wer Buchführung und Steuerrecht zusammendenkt, wird als Fachkraft ernster genommen und erhält häufiger Zugang zu anspruchsvolleren Aufgabengebieten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind DATEV-Kenntnisse zwingend erforderlich?
Ja, anwendungsbereite DATEV-Kenntnisse werden vorausgesetzt. Die Software wird im Kurs produktiv für die Steuererklärungsvorbereitung genutzt und nicht von Grund auf neu erläutert. Wer noch nie mit DATEV gearbeitet hat, sollte zunächst einen DATEV-Grundlagenkurs absolvieren.
Bereitet der Kurs auf eine externe Prüfung vor?
Der Kurs liefert steuerrechtliche Inhalte, die für Prüfungen wie Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter relevant sind, ist aber kein formaler Vorbereitungskurs für eine bestimmte externe Prüfung. Wer diese Prüfungen anstrebt, nutzt die Praxiswerkstatt sinnvoll als inhaltliche Vorbereitung.
Welche Steuerarten werden behandelt?
Schwerpunkte sind Einkommensteuer (alle Einkunftsarten), Umsatzsteuer und die steuerliche Behandlung von Vermietung und Verpachtung. Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer werden in ihren Grundzügen einbezogen. Das Ziel ist praxisnahe Anwendungskompetenz, nicht vollständige Rechtssystematik.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach erfolgreicher Teilnahme wird eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung ausgestellt, die die behandelten Inhalte auflistet. Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes Zertifikat. Die Bescheinigung gibt Arbeitgebern und Auftraggebern jedoch eine konkrete Auskunft über das vertiefte Fachwissen.
Kann ich eigene Buchführungsfälle aus dem Betrieb einbringen?
Das ist ausdrücklich erwünscht und entspricht dem Werkstatt-Charakter des Kurses. Reale Praxisfälle aus dem eigenen beruflichen Umfeld lassen sich oft direkt als Fallbeispiele nutzen, was den Lerntransfer deutlich verbessert.
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