Überblick
Diese Weiterbildung vermittelt Fachkräften aus dem medizinischen Bereich einen strukturierten Überblick über Qualitätsmanagementsysteme und deren branchenspezifische Anwendung. Ausgehend von allgemeinen Grundprinzipien des Qualitätsmanagements werden die im Gesundheitswesen relevanten Zertifizierungsverfahren KTQ, QEP und DIN EN ISO 9001 behandelt. Praxisnahe QM-Werkzeuge, Prozessgestaltung, Selbstbewertung und Audit-Grundlagen runden das Programm ab.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul legt die Grundlagen des Qualitätsmanagements und vermittelt, warum systematisches QM im Gesundheitswesen unverzichtbar ist. Patientensicherheit, gesetzliche Anforderungen und wirtschaftliche Aspekte bilden den Rahmen, innerhalb dessen QM in medizinischen Einrichtungen verstanden und eingesetzt wird. Die Teilnehmenden erhalten einen strukturierten Überblick über die wichtigsten QM-Systeme und Normen.
- Einführung in das Qualitätsmanagement: Geschichte, Begriffe, Relevanz
- Überblick über Qualitätsmanagementsysteme (ISO 9001, KTQ, QEP, EFQM)
- Die sieben Grundsätze des Qualitätsmanagements nach ISO 9000
- Kundenorientierung im medizinischen Kontext: Patient als Kunde
- Mitarbeiterorientierung als QM-Faktor im Gesundheitswesen
- Fehlerkultur und kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP / PDCA-Zyklus)
Das zweite Modul behandelt die operative Umsetzung von QM in medizinischen Einrichtungen. Prozessmanagement, Verfahrensanweisungen und das Arbeiten mit messbaren Qualitätszielen stehen im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden lernen, wie QM nicht als bürokratische Last, sondern als Werkzeug zur Verbesserung von Abläufen und Patientenversorgung genutzt werden kann.
- Prozessmanagement: Kernprozesse und Unterstützungsprozesse identifizieren
- Prozessabläufe dokumentieren und visualisieren (Flussdiagramme)
- Verfahrensanweisungen und Arbeitsanweisungen erstellen
- Qualitätsziele formulieren: SMART-Kriterien im medizinischen Bereich
- Kennzahlen im Qualitätsmanagement: was messen, wie auswerten
- Umgang mit Beschwerden und Verbesserungsvorschlägen
Das dritte Modul widmet sich den branchenspezifischen Zertifizierungsverfahren im deutschen Gesundheitswesen. KTQ und QEP sind speziell auf Krankenhäuser, Arztpraxen und andere Gesundheitseinrichtungen zugeschnitten und berücksichtigen deren besondere Anforderungen. Ergänzt wird dieses Modul durch eine Einführung in die DIN EN ISO 9001, die branchen-übergreifend Anwendung findet.
- KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen): Aufbau und Bewertungskriterien
- QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen): Instrument für Arztpraxen und MVZ
- Kurzeinführung DIN EN ISO 9001: Anforderungen und Zertifizierungsprozess
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Zertifizierungsansätze
- Vorbereitung auf eine Zertifizierung: was ist intern zu tun
- Rollen und Verantwortlichkeiten im Zertifizierungsprozess
Das vierte Modul behandelt QM-Werkzeuge, Selbstbewertung und Audit-Grundlagen. Die Teilnehmenden lernen ausgewählte, im Gesundheitswesen besonders relevante Qualitätswerkzeuge kennen und anwenden. Selbstbewertung als Methode der regelmäßigen Standortbestimmung und Audits als Überprüfungsinstrument schließen die inhaltliche Kursstruktur ab.
- Ausgewählte Qualitätswerkzeuge: Ishikawa-Diagramm, Pareto-Analyse, Checklisten
- FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) als Risikoanalyse-Werkzeug
- Selbstbewertung: Methoden und Durchführung in der eigenen Einrichtung
- Was ist ein Audit: interne und externe Audits im Vergleich
- Vorbereitung auf einen internen Audit als Mitarbeitende/r
- Auditfeststellungen verstehen und Korrekturmaßnahmen umsetzen
Praxisblock — QM-Werkzeuge anwenden Theorie und Praxis werden im Kursverlauf kontinuierlich verknüpft. Fallbeispiele aus dem medizinischen Alltag helfen dabei, abstrakte QM-Konzepte auf konkrete Situationen zu übertragen. Die Teilnehmenden arbeiten aktiv an Praxisaufgaben und entwickeln ein Gespür für die reale Anwendung von QM in ihrer eigenen Einrichtung.
- Analyse eines Praxisbeispiels: Prozessdokumentation in einer Arztpraxis
- Erstellen einer Verfahrensanweisung zu einem selbst gewählten Praxisprozess
- Formulierung von Qualitätszielen für ein fiktives medizinisches Setting
- Bearbeitung eines Fallbeispiels zur Beschwerdeanalyse mit Qualitätswerkzeug
- Übung Selbstbewertung: Stärken und Schwächen in der eigenen Abteilung erkennen
- Vorbereitung auf ein Audit-Gespräch: Rollenspiel als Auditierter
- Vergleich von KTQ- und QEP-Bewertungskriterien anhand von Beispieldokumenten
- Gruppenarbeit: Maßnahmenplan zur Qualitätsverbesserung entwickeln
- Reflexion: QM als Teil der täglichen Praxisroutine verankern
- Feedback-Runde zu individuellen Lernzielen und offenem Fragen
Diese praxisorientierten Einheiten sichern, dass das erworbene Wissen nicht abstrakt bleibt, sondern unmittelbar in den beruflichen Alltag übertragen werden kann. Der Austausch in der Gruppe bereichert die Lernprozesse, da Teilnehmende häufig aus verschiedenen medizinischen Einrichtungen stammen und unterschiedliche Perspektiven einbringen. Der Kursabschluss widmet sich der Zusammenfassung der Lerninhalte und gibt den Teilnehmenden eine Orientierung, wie sie das Gelernte nach Kursende in ihrer Einrichtung weiterentwickeln können. Mögliche nächste Schritte — etwa die Qualifikation zur QMB oder zur Auditfachkraft — werden vorgestellt.
Lernziele:
Nach Abschluss dieser Weiterbildung verfügen die Teilnehmenden über ein fundiertes Grundverständnis des Qualitätsmanagements im medizinischen Kontext. Sie können QM-Anforderungen unterschiedlicher Systeme einordnen, branchenspezifische Qualitätswerkzeuge anwenden und aktiv an der Qualitätsentwicklung ihrer Einrichtung mitwirken. Die Absolventinnen und Absolventen sind nach dem Kurs in der Lage —
- Die Grundprinzipien des Qualitätsmanagements und deren Relevanz im Gesundheitswesen erläutern
- Die sieben Grundsätze des Qualitätsmanagements kennen und auf medizinische Abläufe anwenden
- Qualitätsmanagementsysteme im Überblick vergleichen und einordnen
- Prozessabläufe in der eigenen Einrichtung dokumentieren und als Verfahrensanweisungen beschreiben
- Kundenorientierung als zentrales QM-Prinzip in der Praxis umsetzen
- Qualitätsziele formulieren und deren Erreichung kontrollieren
- Ausgewählte Qualitätswerkzeuge (z. B. PDCA, Ursache-Wirkungs-Diagramm) sachgerecht einsetzen
- Selbstbewertungen als Instrument der kontinuierlichen Verbesserung durchführen
- Die Zertifizierungsverfahren KTQ und QEP in ihren Grundzügen beschreiben
- Die wesentlichen Anforderungen der DIN EN ISO 9001 im medizinischen Kontext einordnen
- Audits vorbereiten und als Ansprechperson für interne Prüfer fungieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Berufstätige aus dem medizinischen Umfeld, die in ihrer Einrichtung mit Qualitätsmanagement in Berührung kommen oder aktiv an dessen Gestaltung und Umsetzung mitwirken möchten. Keine Vorerfahrung im QM ist erforderlich; das Interesse an strukturierten Verbesserungsprozessen und die Bereitschaft, sich mit Qualitätsstandards auseinanderzusetzen, genügen. Typische Teilnehmerprofile sind
- Arzthelfer/innen und Medizinische Fachangestellte aus Arzt- und Facharztpraxen
- Pflegefachkräfte aus stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen
- Krankenschwestern und Krankenpfleger in Krankenhaus und Reha
- Verwaltungsangestellte in medizinischen Einrichtungen mit QM-Bezug
- Berufseinsteiger im Gesundheitswesen, die QM als Zusatzqualifikation erwerben möchten
Für die Teilnahme ist eine abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind unabdingbar, da Schulungsmaterialien, Verfahrensanweisungen und Normdokumente auf Deutsch vorliegen. Grundlegende PC-Kenntnisse sowie gute medizinische Fachkenntnisse aus der beruflichen Praxis werden vorausgesetzt. Die Fähigkeit, selbstständig mit vorgegebenen und selbst recherchierten Quellen zu arbeiten, ist ebenfalls erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined Learning-Format in Vollzeit durchgeführt. Theorieinputs wechseln sich mit Gruppenarbeiten, Fallbeispielen und praktischen Übungen ab. Online-Phasen und Präsenzphasen ergänzen sich so, dass flexibles Lernen möglich bleibt, ohne auf den Austausch mit anderen Teilnehmenden verzichten zu müssen.
Die Weiterbildung dauert mehr als eine Woche bis zu einem Monat und wird in Vollzeit absolviert. Der zeitliche Umfang ermöglicht eine gründliche Auseinandersetzung mit den Grundlagen des QM sowie eine ausreichende Übungszeit für die praktische Anwendung der Werkzeuge.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Es handelt sich nicht um ein staatlich anerkanntes Examen. Die Bescheinigung dokumentiert die Qualifikation im Qualitätsmanagement für den medizinischen Bereich und ist als Grundlage für weiterführende QM-Qualifizierungen anerkannt.
Nutzen & Perspektiven
Die Nachfrage nach QM-Kenntnissen im Gesundheitswesen ist hoch und steigt weiter. Gesetzliche Anforderungen, Zertifizierungsverfahren und der wachsende Wettbewerb unter medizinischen Einrichtungen machen systematisches Qualitätsmanagement zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Betriebs. Wer als Medizinische Fachangestellte, Pflegekraft oder Verwaltungsangestellte QM-Kenntnisse nachweist, verbessert seine berufliche Position innerhalb der eigenen Einrichtung und erhöht seine Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt. Das Wissen über branchenspezifische Verfahren wie KTQ und QEP ist dabei besonders wertvoll, weil es direkt auf die Realität medizinischer Einrichtungen zugeschnitten ist. Wer versteht, wie diese Systeme funktionieren und was bei einer Zertifizierung erwartet wird, kann aktiv zur Qualitätsentwicklung beitragen und übernimmt damit mehr Verantwortung und Sichtbarkeit im eigenen Betrieb. Die Weiterbildung ist bei AZAV-akkreditierten Bildungsträgern in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Auch eine Finanzierung über das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Leistungen zur Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung ist je nach individueller Situation möglich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Vorkenntnisse im Qualitätsmanagement?
Nein. Dieser Kurs ist als Grundlagenkurs konzipiert und setzt kein Vorwissen im QM voraus. Medizinische Berufserfahrung sowie gute Deutschkenntnisse und PC-Grundkenntnisse sind ausreichend.
Welche Zertifizierungsverfahren werden im Kurs behandelt?
Der Kurs behandelt KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen), QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen) sowie eine Kurzeinführung in die DIN EN ISO 9001. Diese drei Verfahren decken die im deutschen Gesundheitswesen am häufigsten eingesetzten QM-Systeme ab.
Für welche Einrichtungen ist dieser Kurs relevant?
Der Kurs ist für Arztpraxen, Facharztpraxen, Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Krankenhäuser und ambulante Pflegeeinrichtungen gleichermaßen relevant. Die behandelten QM-Systeme sind auf verschiedene Einrichtungstypen zugeschnitten.
Kann dieser Kurs als Vorbereitung auf eine QMB-Qualifikation genutzt werden?
Ja. Dieser Kurs legt die inhaltliche Grundlage für weiterführende QM-Qualifikationen wie die Qualifikation zur Qualitätsmanagementbeauftragten (QMB) oder zur Auditfachkraft. Er kann als erster Schritt in einer QM-Weiterbildungsreihe verstanden werden.
Wie kann ich den Kurs finanzieren?
Bei AZAV-akkreditierten Trägern ist eine Förderung über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters möglich. Ergänzend kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr oder Leistungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht.
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