Überblick
Qualitätsmanager:innen gestalten Strukturen, die sicherstellen, dass Unternehmen zuverlässig liefern, was sie versprechen — und sie belegen das mit dokumentierten Prozessen, Auditberichten und messbaren Kennzahlen. Dieser Kurs vermittelt das vollständige Qualifikationsprofil einer Qualitätsmanagerin bzw. eines Qualitätsmanagers: von den Grundlagen des Prozessmanagements über Modelle wie EFQM und Balanced Scorecard bis hin zu den klassischen und statistischen QM-Werkzeugen — abgeschlossen durch eine TÜV-Zertifizierungsprüfung. Im Unterschied zum Six-Sigma-Green-Belt-Lehrgang steht hier die Breite im Vordergrund: ISO 9001, Auditierung, Produkthaftung, kontinuierliche Verbesserung und strategische Steuerungsinstrumente werden als Gesamtbild einer QM-Fachkraft vermittelt. Six Sigma fließt als eines von mehreren Werkzeugen ein, nicht als methodischer Hauptfokus.
Kursinhalte & Lernziele
Qualitäts- und Prozessmanagement als Unternehmensfundament Der Einstiegsblock legt das konzeptionelle Fundament: Was bedeutet Qualität im Unternehmenskontext, wie werden Prozesse strukturiert erfasst und was sind die Stellschrauben für nachhaltige Qualitätsverbesserungen? Dabei werden Werkzeuge eingeführt, die sich durch den gesamten Kurs ziehen.
- Einführung in Qualitäts- und Prozessmanagement: Begriffe, Ziele, Zusammenhänge
- Systematisierung und Visualisierung von Geschäftsprozessen (Prozesslandkarten, Flussdiagramme)
- Nutzung von Prozessmodellen: SIPOC, Swim-Lane-Diagramme, Wertstromanalyse
- Ganzheitliches Qualitätsverständnis: Kundenorientierung, Prozessorientierung, Faktenbasis
- Kontinuierliche Verbesserung: KVP-Philosophie, Kaizen und deren Umsetzungsformate im Betrieb
- Behandlung von Nichtkonformitäten: 8D-Methode, Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen
Managementmodelle, Strategie und Benchmarking Qualitätsmanagement ist kein isoliertes operatives Werkzeug — es ist eng mit strategischer Unternehmenssteuerung verknüpft. Dieser Block behandelt die übergeordneten Managementframeworks, die eine nachhaltige Qualitätskultur im Unternehmen verankern.
- EFQM-Modell: Aufbau, Kriterien, Befähiger- und Ergebniselemente im Überblick
- RADAR-Logik als Bewertungsinstrument für Reife und Verbesserungsbedarf
- Selbstbewertung und kontinuierliche Verbesserung mit dem EFQM-Ansatz
- Balanced Scorecard: Perspektiven, Kennzahlen und strategische Steuerungsfunktion
- Benchmarking: Methoden, Vergleichsquellen und Interpretation der Ergebnisse
- Integration von Qualitäts- und Unternehmenszielen in das Managementsystem
Qualitätswerkzeuge, Statistik und Normensysteme Hier werden die methodischen Arbeitsmittel des QM-Alltags erlernt: sowohl die klassischen sieben Qualitätswerkzeuge als auch statistisch anspruchsvollere Verfahren. Ergänzt wird der Block durch die Anforderungen der ISO 9001 als Normgrundlage für zertifizierungsfähige QM-Systeme.
- Klassische Qualitätswerkzeuge (Q7): Pareto, Ishikawa, Regelkarte, Korrelationsdiagramm
- Managementwerkzeuge (M7): Affinitätsdiagramm, Relationsdiagramm, Baumdiagramm
- FMEA: Aufbau, Risikoanalyse, Risikoprioritätszahl, Maßnahmenableitung
- QFD (Quality Function Deployment): Kundenwünsche in Produktmerkmale übersetzen
- Design Thinking als kreativitätsorientierter Ansatz zur Problemlösung im QM
- Statistische Methoden: Stichprobenprüfung, SPC-Grundlagen, Prozesskontrollkarten im Überblick
Auditierung, Rechtliche Rahmenbedingungen und ISO 9001 Der abschließende inhaltliche Block bereitet auf die praktischsten Anforderungen einer QM-Fachkraft vor: das Durchführen interner Audits und das rechtlich belastbare Handeln im Qualitätsumfeld. Zugleich werden die Anforderungen der ISO 9001 systematisch auf die unternehmerische Praxis übertragen.
- Audit-Grundlagen: Zweck, Arten (intern, extern, Zertifizierungsaudit), Abgrenzungen
- Auditplanung, Audit-Durchführung und Auditbericht nach ISO 19011
- Umgang mit Abweichungen: Nonconformity-Reports, Maßnahmen, Wirksamkeitsprüfung
- Produkthaftung: gesetzliche Grundlagen, Rückrufmanagement, Dokumentationspflichten
- ISO 9001:2015 im Detail: Anforderungskapitel, Dokumentation, Managementbewertung
- Vorbereitung auf die externe TÜV-Zertifizierungsprüfung und deren Anforderungen
Praxisprojekte und angewandte Qualitätsarbeit
- Erstellung einer vollständigen Prozesslandkarte für einen definierten Unternehmensbereich
- Durchführung einer FMEA für einen ausgewählten Produktions- oder Dienstleistungsprozess
- QFD-Übung: Kundenwünsche in messbare Qualitätsmerkmale übersetzen
- Anwendung der sieben Qualitätswerkzeuge auf reale Problemstellungen
- Interne Audit-Simulation: Planung, Befragung, Dokumentation, Abweichungsbericht
- EFQM-Selbstbewertung für ein fiktives Unternehmen nach RADAR-Logik
- Statistische Auswertung: Stichprobenplan erstellen und auswerten
- Prozesskontrollkarte anlegen und auf Regelgrenzen prüfen
- Balanced-Scorecard-Übung: strategische Ziele in operative Kennzahlen übersetzen
- Kaizen-Workshop-Simulation: kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen in der Gruppe entwickeln
- Analyse eines Produkthaftungsfalls und rechtliche Einordnung
- Abschlussprojekt: vollständiges QM-Konzept für einen praxisnahen Anwendungsfall
In den Praxisübungen stehen reale Anwendungssituationen im Vordergrund. Qualitätsmanagement in der Breite zu beherrschen bedeutet, in sehr verschiedenen Werkzeugen sicher zu werden — von der kreativitätsbasierten QFD über die normative Auditierung bis zur statistischen Prozesskontrolle. Genau das trainieren die Praxisphasen dieses Kurses. Die TÜV-Prüfung ist das inhaltliche Ziel, auf das der gesamte Kurs hinarbeitet. Wer alle Module vollständig absolviert hat, bringt die fachliche Substanz für die Prüfung mit — nicht durch Prüfungsschablonen, sondern durch echtes Verständnis der QM-Materie.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses verfügen die Teilnehmenden über die folgenden Kompetenzen.
- Qualitätsprozesse im Unternehmen eigenständig entwickeln und umsetzen
- Geschäftsprozesse systematisch erfassen, visualisieren und analysieren
- Das EFQM-Modell und die RADAR-Logik zur Organisationsbewertung anwenden
- KVP und Kaizen als Instrumente der kontinuierlichen Verbesserung einsetzen
- Qualitätswerkzeuge (Q7, M7) situationsgerecht auswählen und anwenden
- FMEA und QFD methodisch korrekt durchführen
- Statistische Grundmethoden und Stichprobenprüfungen für die Prozesskontrolle nutzen
- Interne Audits planen, durchführen und dokumentieren
- Anforderungen der ISO 9001 auf den eigenen Unternehmensbereich übertragen
- Rechtliche Grundlagen der Produkthaftung im QM-Kontext berücksichtigen
- Six-Sigma-Grundlagen und den DMAIC-Zyklus in den QM-Gesamtrahmen einordnen
- Die TÜV-Zertifizierungsprüfung zum Qualitätsmanager:in erfolgreich ablegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die eine umfassende QM-Qualifizierung suchen und mit einer TÜV-Zertifizierung abschließen möchten. Im Unterschied zum spezialisierten Six-Sigma-Pfad steht hier das volle Spektrum des Qualitätsmanagements im Vordergrund.
- Personen mit abgeschlossener Ausbildung oder Studium, die in QM einsteigen möchten
- Fachkräfte aus Produktion, Verwaltung oder Dienstleistung, die QM-Verantwortung übernehmen wollen
- Bestehende QM-Beauftragte, die ihren Status mit einer TÜV-Zertifizierung formalisieren möchten
- Qualitätsbeauftragte, die ihre Kompetenzen auf das volle Qualitätsmanager-Niveau erweitern wollen
- Wiedereinsteiger mit kaufmännischem oder technischem Hintergrund und Qualitätsaffinität
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium (auch abgebrochen) sowie eine erfolgreich abgeschlossene Prüfung zum Qualitätsbeauftragten (QMB) oder ein vom TÜV anerkannter gleichwertiger Abschluss. Grundlegende PC-Kenntnisse sowie gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind ebenfalls erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet theoretische Lehrinhalte mit anwendungsorientierten Werkzeugübungen und fallbasierten Gruppenarbeiten. Praxisnahe Szenarien aus Produktion, Dienstleistung und Verwaltung machen die QM-Methoden greifbar und helfen, das Gelernte in den eigenen beruflichen Kontext zu übertragen. Das kombinierte Lernformat verbindet angeleitete Unterrichtsphasen mit individuell bearbeiteten Transferaufgaben. Die Lernatmosphäre ist auf die berufliche Weiterbildung zugeschnitten — kooperativ, fallbezogen und auf die TÜV-Prüfung ausgerichtet.
Der Kurs wird im kombinierten Lernformat angeboten, überwiegend als Vollzeitmaßnahme, teils auch in Teilzeit. Die genaue Gesamtdauer hängt vom Durchführungsanbieter und gewählten Format ab. Aktuelle Angaben zu Terminen, Stunden und Teilzeitoptionen sind direkt beim Anbieter zu erfragen.
Der Kurs schließt mit einem TÜV-Zertifikat als Qualitätsmanager:in ab — einer externen Prüfung, die von einer TÜV-Organisation abgenommen wird und damit unabhängig vom jeweiligen Bildungsträger ist. Ergänzend wird ein Trägerzertifikat ausgestellt. Das TÜV-Zertifikat ist in Deutschland als Nachweis qualitätsmanagerieller Kompetenz anerkannt und unterscheidet sich von einem trägerinternen Qualifikationsdokument durch seine externe Prüfungskomponente.
Nutzen & Perspektiven
Das TÜV-Zertifikat als Qualitätsmanager:in öffnet Türen, die einem allgemeinen Weiterbildungsnachweis oft verschlossen bleiben. Es belegt externe Prüfungsleistung, ist unabhängig vom Bildungsträger gültig und wird von Unternehmen in zertifizierungspflichtigen Bereichen als verlässlicher Qualifikationsstandard anerkannt. Wer dieses Zertifikat vorweist, signalisiert nicht nur Kenntnis der Inhalte, sondern auch die Bereitschaft, sich externem Prüfungsdruck zu stellen. Die inhaltliche Breite dieses Kurses ist dabei ein strategischer Vorteil: Qualitätsmanager:innen müssen in der Praxis situationsgerecht zwischen Normen, Werkzeugen und Strategiemodellen wechseln — mal geht es um eine Auditplanung, mal um eine FMEA, mal um die Aufbereitung von Leistungskennzahlen für die Geschäftsführung. Genau auf diese Flexibilität bereitet der Kurs vor. Für Berufswechslerinnen und Berufswechsler sowie für Personen, die QM-Verantwortung übernehmen sollen ohne bisher eine strukturierte QM-Ausbildung gemacht zu haben, ist dieser Kurs der direkte Weg: Er kombiniert breites methodisches Wissen, praxisorientierte Übungen und einen extern validierten Abschluss in einem klar strukturierten Lehrgang.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diesen Kurs vom Six-Sigma-Green-Belt-Lehrgang?
Dieser Kurs vermittelt das volle Spektrum des Qualitätsmanagements — ISO 9001, Auditierung, EFQM, FMEA, KVP, QFD und statistische Grundlagen als Gesamtbild einer QM-Fachkraft. Der Six-Sigma-Green-Belt-Lehrgang spezialisiert sich dagegen auf datengestützte Prozessoptimierung nach DMAIC und setzt die QM-Grundqualifikation voraus. Wer beides anstrebt, steigt zuerst mit diesem Kurs ein und ergänzt später mit Six Sigma.
Was ist das TÜV-Zertifikat und wer stellt es aus?
Das TÜV-Zertifikat als Qualitätsmanager:in wird von einer TÜV-Organisation nach bestandener externer Prüfung ausgestellt. Es ist unabhängig vom Bildungsträger und gilt als standardisierter Qualifikationsnachweis im Qualitätsmanagement. In Deutschland wird es von vielen Unternehmen in zertifizierungspflichtigen Branchen als Bewerbungsunterlage anerkannt.
Muss ich Erfahrung im Qualitätsmanagement haben?
Eine QMB-Qualifikation oder ein gleichwertiger vom TÜV anerkannter Abschluss ist formale Voraussetzung. Berufliche Erfahrung in qualitätsnahen Tätigkeiten ist hilfreich. Der Kurs richtet sich auch an Personen, die aus anderen Fachbereichen kommend in QM einsteigen und sich direkt auf das Qualitätsmanager-Niveau qualifizieren möchten.
Welche Berufsfelder erschließt das TÜV-Zertifikat?
Das TÜV-Zertifikat qualifiziert für Stellen als Qualitätsmanager:in, Qualitätsbeauftragte:r, QM-Koordinator:in oder interne:r Auditorin bzw. Auditor. Einsatzfelder sind Industrie, Dienstleistung, Gesundheitswesen, Behörden und jedes Unternehmen, das nach ISO 9001 zertifiziert ist oder werden möchte.
Wie ist der Kurs zeitlich organisiert?
Der Kurs wird im kombinierten Lernformat angeboten, überwiegend in Vollzeit, teils in Teilzeit. Die genaue Gesamtdauer hängt vom Anbieter und Durchführungsformat ab. Aktuelle Termine und Formatvarianten sind direkt beim jeweiligen Bildungsträger zu erfragen.
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