Überblick
Das EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management) ist ein international anerkanntes Framework zur ganzheitlichen Bewertung und Weiterentwicklung von Organisationen. Es strukturiert Exzellenz in drei Hauptdimensionen: Ausrichtung, Realisierung und Ergebnisse. Unternehmen, die das EFQM-Modell systematisch einsetzen, erkennen Stärken und Verbesserungspotenziale anhand objektiver Selbstbewertungen und leiten daraus konkrete Maßnahmen für nachhaltige Qualitätssteigerung ab. Diese Weiterbildung vermittelt tiefgehendes Wissen über das EFQM-Modell, seine Kriterien, die RADAR-Bewertungsmethodik sowie den praktischen Einsatz von Selbstbewertungen und Kennzahlensystemen. Sie baut auf Grundkenntnissen im Qualitätsmanagement auf und ist als Spezialisierungsmodul konzipiert.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul gibt eine fundierte Einführung in das EFQM-Modell und seine historische Entwicklung. Teilnehmende lernen, warum das Modell entwickelt wurde, welche Grundprinzipien ihm zugrunde liegen und wie es sich von rein normorientierten QM-Systemen wie ISO 9001 unterscheidet. Das Modell wird als ganzheitlicher Managementrahmen vorgestellt, der weit über Qualitätssicherung hinausgeht.
- Geschichte und Entwicklung des EFQM-Modells seit 1991
- Grundprinzipien exzellenter Organisationen laut EFQM
- Abgrenzung zu ISO 9001 und TQM-Ansätzen
- Überblick über die drei Hauptkriterienbereiche
- Strukturelle Logik des Modells und Wirkungszusammenhänge
- Aktuelle Überarbeitungen des EFQM-Modells 2020+
Das zweite Modul behandelt die drei Hauptkriterien in der Tiefe. Ausrichtung beschreibt, wohin eine Organisation steuert — Vision, Strategie und Stakeholder-Management. Realisierung beleuchtet, wie Strategie in Prozesse, Menschen und Partnerschaften übersetzt wird. Ergebnisse messen, was tatsächlich erreicht wird — für Kunden, Mitarbeitende, Gesellschaft und die Organisation selbst.
- Kriterium Ausrichtung: Zweck, Vision, Strategie, Stakeholder
- Kriterium Realisierung: Prozesse, Personal, Partnerschaften, Ressourcen
- Kriterium Ergebnisse: Kunden-, Mitarbeiter-, Gesellschafts- und Schlüsselergebnisse
- Wechselwirkungen zwischen den Kriterien verstehen
- Typische Stärken und Schwächen in der Praxis
- Fallbeispiele aus verschiedenen Branchen
Das dritte Modul konzentriert sich auf die RADAR-Bewertungsmethodik. RADAR steht für Results (Ergebnisse), Approaches (Vorgehensweisen), Deploy (Umsetzung), Assess and Refine (Bewertung und Verfeinerung). Diese Logik ermöglicht eine strukturierte, vergleichbare Bewertung von Organisationsleistung.
- RADAR-Logik im Detail: alle vier Elemente verstehen
- Bewertungsbögen und Punkteskalen richtig anwenden
- Stärken und Verbesserungspotenziale dokumentieren
- Verbindung zwischen RADAR-Scores und Selbstbewertungsergebnissen
- Vorbereitung auf Assessment-Gespräche mit Auditoren
- Nutzung der RADAR-Ergebnisse für strategische Planung
Das vierte Modul thematisiert Selbstbewertungen als zentrales Werkzeug des EFQM-Ansatzes. Selbstbewertungen erlauben es Organisationen, regelmäßig und systematisch den eigenen Reifegrad zu bestimmen — ohne externe Auditoren.
- Methoden der Selbstbewertung: Fragebogen, Workshop, Portfoliomethode
- Planung, Durchführung und Auswertung einer Selbstbewertung
- Kennzahlensysteme aufbauen und mit EFQM-Kriterien verknüpfen
- Maßnahmenableitung und Priorisierung von Verbesserungsprojekten
- Einbindung der Führungsebene in den Selbstbewertungsprozess
- Dokumentation und Kommunikation der Ergebnisse
Praxis-Block: Anwendung in der eigenen Organisation
- Selbstbewertungs-Workshop durchführen
- RADAR-Bögen für reale Unternehmenssituationen ausfüllen
- Verbesserungsmaßnahmen aus Selbstbewertungsdaten ableiten
- Kennzahlen definieren und in ein Cockpit integrieren
- Bewertungsgespräche simulieren und Feedback geben
- Qualitätspreisanforderungen (EFQM Award) kennenlernen und einordnen
- Vergleich mit ISO 9001-Anforderungen und Synergien identifizieren
- Kommunikation von QM-Ergebnissen an Führungskräfte und Mitarbeitende
- Aktionsplan für die eigene Organisation erarbeiten
- Stolpersteine und Erfolgsfaktoren bei der EFQM-Einführung
- Best-Practice-Beispiele aus deutschen und europäischen Unternehmen
- Reflexion und Transfer auf den eigenen Arbeitskontext
Teilnehmende erarbeiten im Laufe der Weiterbildung konkrete Selbstbewertungsunterlagen für einen realen oder realistischen Organisationsfall und üben die strukturierte Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen. Dieser praxisnahe Transfer ist ein wesentliches Element des Kurses. Abschließend werden die nationalen und europäischen Qualitätspreise vorgestellt — insbesondere der EFQM Global Award. Teilnehmende verstehen, welche Anforderungen Organisationen erfüllen müssen, um sich für eine externe Auszeichnung zu qualifizieren, und wie der Bewerbungsprozess strukturiert ist.
Lernziele:
- das EFQM-Modell in seiner aktuellen Version vollständig verstehen und beschreiben
- die drei Hauptkriterien Ausrichtung, Realisierung und Ergebnisse erläutern und voneinander abgrenzen
- die RADAR-Bewertungsmethodik (Results, Approaches, Deploy, Assess and Refine) sicher anwenden
- Selbstbewertungen für die eigene Organisation strukturiert planen und durchführen
- Bewertungsbögen und Scoring-Modelle ausfüllen und interpretieren
- Kennzahlensysteme zur Messung von QM-Ergebnissen aufbauen und nutzen
- Verbesserungsmaßnahmen aus Selbstbewertungsergebnissen ableiten und priorisieren
- die Bedeutung von Excellence-Modellen für die strategische Organisationsentwicklung einordnen
- nationale und internationale Qualitätspreise kennen und deren Anforderungen verstehen
- den EFQM-Ansatz mit anderen QM-Systemen (ISO 9001, TQM) vergleichen und kombinieren
- das Gelernte auf die eigene Organisationsrealität transferieren und konkrete Projekte anstoßen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Modul richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Organisationen, die ein bestehendes QM-System weiterentwickeln und dabei gezielt das EFQM-Modell einsetzen wollen. Angesprochen sind insbesondere folgende Personengruppen.
- Qualitätsmanager und Qualitätsbeauftragte mit Berufserfahrung
- Fachkräfte, die eine Spezialisierung im Bereich Excellence-Modelle anstreben
- Führungskräfte, die strategische Qualitätsprojekte verantworten
- QM-Koordinatoren, die Selbstbewertungen planen und moderieren sollen
- Personen, die sich auf die TÜV-Prüfung zum Qualitätsmanager vorbereiten
Teilnehmende sollten über weiterführende Kenntnisse im Qualitätsmanagement verfügen. Idealerweise liegt ein Abschluss als Qualitätsmanager oder ein gleichwertiger Nachweis vor. Praxiserfahrung in einem QM-relevanten Umfeld ist von Vorteil. Sichere Deutschkenntnisse in Wort und Schrift werden vorausgesetzt. Der Kurs ist als Aufbaumodul konzipiert und setzt grundlegendes QM-Wissen voraus.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung wird im Combined Learning Format durchgeführt, bei dem Präsenzseminare und digitale Lernphasen kombiniert werden. Theoretische Inhalte werden durch Lehrgespräche, Fallstudien und Gruppenarbeit vermittelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Anwendung: Selbstbewertungsübungen, RADAR-Scoring und die Arbeit mit realen Unternehmensbeispielen machen das theoretische Wissen unmittelbar nutzbar. Der Austausch zwischen Teilnehmenden mit unterschiedlichem Branchen-Hintergrund bereichert die Lernerfahrung zusätzlich.
Der Kurs dauert mehr als eine Woche bis zu einem Monat und wird in Vollzeit absolviert. Die Intensität des Kurses ermöglicht einen fokussierten, tiefen Einstieg in das EFQM-Modell innerhalb kurzer Zeit.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Die Kombination dieses Moduls mit den Vormodulen zum Qualitätsmanager berechtigt zur Teilnahme an der Prüfung zum Qualitätsmanager (TÜV). Es handelt sich um ein anerkanntes Branchenzertifikat, das in QM-relevanten Stellenbewerbungen als Nachweis eingesetzt werden kann.
Nutzen & Perspektiven
Das EFQM-Modell ist eines der anerkanntesten Management-Frameworks in Europa. Organisationen, die EFQM systematisch nutzen, erzielen nachweislich bessere Ergebnisse in Bezug auf Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterengagement und betriebliche Effizienz. Qualitätsmanager mit EFQM-Expertise sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt, weil sie nicht nur Normen erfüllen, sondern aktiv zur strategischen Weiterentwicklung von Unternehmen beitragen können. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist dieser Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Auch Förderungen nach dem Qualifizierungschancengesetz, Leistungen der Deutschen Rentenversicherung, der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr sowie Leistungen zur beruflichen Rehabilitation können je nach individueller Situation genutzt werden. Damit ist der Zugang zu dieser hochqualifizierten Weiterbildung für viele Berufstätige ohne eigene Kosten möglich. Wer diesen Kurs erfolgreich absolviert, erwirbt nicht nur anwendbares Fachwissen, sondern auch die Kompetenz, QM-Systeme strategisch zu denken und weiterzuentwickeln. Die Verbindung aus Modellverständnis, Bewertungsmethodik und Praxistransfer macht diese Weiterbildung zu einem wertvollen Baustein in jeder QM-Karriere.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse sind erforderlich?
Der Kurs ist als Aufbaumodul konzipiert. Teilnehmende sollten über weiterführende Kenntnisse im Qualitätsmanagement verfügen, idealerweise mit einem Abschluss als Qualitätsmanager oder vergleichbarer Praxiserfahrung.
Bereitet der Kurs auf eine externe Prüfung vor?
Ja. In Kombination mit den Vormodulen zum Qualitätsmanager berechtigt dieser Kurs zur Teilnahme an der TÜV-Prüfung zum Qualitätsmanager. Die Prüfung findet extern beim TÜV statt.
Kann ich den Kurs über einen Bildungsgutschein fördern lassen?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz und Leistungen der Deutschen Rentenversicherung können genutzt werden.
Was unterscheidet das EFQM-Modell von ISO 9001?
ISO 9001 ist eine normative Zertifizierungsnorm mit konkreten Anforderungen. Das EFQM-Modell ist ein Bewertungs- und Entwicklungsrahmen, der keine Zertifizierung, sondern eine ganzheitliche Selbstbewertung ermöglicht. Beide Ansätze ergänzen sich in der Praxis.
Welchen beruflichen Nutzen hat das EFQM-Zertifikat?
EFQM-Kenntnisse sind in Qualitätsmanagement-Positionen stark gefragt, besonders in größeren Unternehmen und im öffentlichen Sektor. Das Zertifikat zeigt, dass Inhaber QM-Systeme nicht nur verwalten, sondern strategisch weiterentwickeln können.
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