Überblick
Das European Foundation for Quality Management-Modell (EFQM) ist eines der meistgenutzten Rahmenwerke für organisationale Exzellenz in Europa. Mit der grundlegenden Revision zum EFQM-Modell 2020 wurde die Struktur von Befähigern und Ergebnissen durch drei übergeordnete Dimensionen ersetzt: Ausrichtung (Direction), Realisierung (Execution) und Ergebnisse (Results). Dieses Modul vermittelt das Modell in seiner aktuellen Form, legt besonderen Wert auf die praktische Anwendung der RADAR-Bewertungsmethodik und zeigt, wie Selbstbewertungen als strategisches Steuerungsinstrument eingesetzt werden. Wer dieses Modul mit den Vormodulen zum Qualitätsmanager verbindet, erwirbt die Voraussetzung für die Prüfungsteilnahme zum Qualitätsmanager (TÜV).
Kursinhalte & Lernziele
EFQM-Modell 2020: Struktur und Systematik Das Modul beginnt mit einer Einführung in die Architektur des EFQM-Modells 2020 und grenzt diese klar vom Vorgängermodell ab. Teilnehmende verstehen, warum die Neuausrichtung mit den drei Hauptdimensionen Direction, Execution und Results eine strategischere Perspektive auf Unternehmensqualität ermöglicht als die frühere Befähiger-Ergebnis-Struktur.
- Entstehung und Entwicklung des EFQM-Modells
- Vergleich Modell 2013 vs. Modell 2020: Strukturänderungen und konzeptuelle Verschiebungen
- Überblick über die drei Hauptdimensionen und ihre Unterkategorien
- Verknüpfung von EFQM mit ISO 9001 und anderen Qualitätsnormen
- Rolle des EFQM-Modells als ganzheitliches Exzellenz-Rahmenwerk
- EFQM-Anwendungsbeispiele aus verschiedenen Sektoren
Ausrichtung, Realisierung und Ergebnisse im Detail Jede der drei Hauptdimensionen wird inhaltlich vertieft: Was genau umfasst Ausrichtung (Vision, Strategie, Stakeholder-Orientierung)? Wie definiert das Modell Realisierung über Prozesse, Partner und Ressourcen? Und wie werden Ergebnisse bezogen auf Kunden, Mitarbeitende, Gesellschaft und Geschäft gemessen und bewertet?
- Dimension Direction: Purpose, Vision und Strategie
- Stakeholder-Orientierung als zentrales Element der Ausrichtung
- Dimension Execution: Prozessexzellenz, Partner und Ressourcenmanagement
- Führungs- und Kulturaspekte in der Realisierungsdimension
- Dimension Results: Ergebnisfelder für Kunden, Mitarbeitende, Gesellschaft und Business
- Aufbau von Ergebnis-Frameworks und Verbindung zu strategischen Zielen
RADAR-Bewertungsmethodik und Selbstbewertung Die RADAR-Logik ist das operative Herzstück des EFQM-Modells. Teilnehmende lernen, wie Results, Approaches, Deployment sowie Assessment and Refinement als Bewertungsdimensionen eingesetzt werden, und trainieren die Durchführung von Selbstbewertungen auf Basis von Bewertungsskalen.
- RADAR-Logik: Aufbau, Bewertungsdimensionen und Attributsebenen
- Anwendung von RADAR auf Befähiger- und Ergebnisbereiche
- Selbstbewertung als zyklisches Steuerungsinstrument
- Methoden zur Selbstbewertung: Workshop-Format, Fragebogen-Ansatz, Portfoliomethode
- Nutzung von Kennzahlensystemen und Leistungsindikatoren im EFQM-Kontext
- Qualitätspreise auf EFQM-Basis: Kriterien, Bewerbungsprozess, Benchmarking
Praxisblock: Maßnahmen ableiten und Verbesserungen umsetzen
- Durchführung einer strukturierten Selbstbewertung anhand eines Fallbeispiels
- Identifikation von Stärken und Verbesserungspotenzialen mit RADAR
- Ableitung konkreter Maßnahmen aus Selbstbewertungsergebnissen
- Priorisierung und Planung von Verbesserungsmaßnahmen
- Erarbeitung von Kennzahlen zur Erfolgsmessung von Maßnahmen
- Diskussion und Auswertung typischer Selbstbewertungsfehler
- Verbindung von EFQM-Ergebnissen mit dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP)
- Gruppenübung: Bewertung einer fiktiven Organisation nach EFQM-Kriterien
- Präsentation und kritische Diskussion der Ergebnisse
- Handlungsempfehlungen formulieren und priorisieren
Nach der praktischen Durcharbeitung eines vollständigen Bewertungszyklus sind Teilnehmende in der Lage, das EFQM-Modell in ihrem eigenen organisatorischen Kontext einzusetzen. Die Erfahrung zeigt, dass Organisationen, die EFQM-Selbstbewertungen systematisch nutzen, deutlich bessere Grundlagen für strategische Entscheidungen und Ressourcenallokation haben.
Lernziele:
- Sie verstehen den Aufbau des EFQM-Modells 2020 mit seinen drei Hauptdimensionen und deren Unterkategorien
- Sie können die Ausrichtungsdimension (Direction) auf Ihre eigene Organisation anwenden
- Sie kennen die Realisierungsdimension (Execution) und verstehen, wie Prozesse, Partner und Ressourcen darin eingebettet sind
- Sie analysieren Ergebnisdimensionen und bewerten Leistungsergebnisse systematisch
- Sie beherrschen die RADAR-Bewertungsmethodik: Results, Approaches, Deploy, Assess & Refine
- Sie führen strukturierte Selbstbewertungen in Ihrer Organisation durch
- Sie leiten aus Selbstbewertungsergebnissen konkrete Verbesserungsmaßnahmen ab
- Sie kennen den Zusammenhang zwischen EFQM, Qualitätspreisen und organisationaler Exzellenz
- Sie verstehen die Verbindung zwischen EFQM und anderen QM-Normen wie ISO 9001
- Sie können Kennzahlensysteme im Kontext des EFQM-Modells aufbauen und interpretieren
- Sie positionieren das EFQM-Modell als ergänzendes Instrument zu bestehenden QM-Systemen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Modul richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die in Organisationen mit einem bestehenden QM-System arbeiten und das EFQM-Modell als Weiterentwicklungs- und Exzellenz-Framework einsetzen wollen. Idealerweise haben Teilnehmende bereits QM-Grundlagenkenntnisse.
- Qualitätsmanager:innen und QM-Beauftragte mit Interesse an strategischen Exzellenz-Frameworks
- Führungskräfte aus Organisationen, die eine EFQM-Bewerbung oder -Selbstbewertung planen
- Personen, die das Modul im Verbund mit Qualitätsmanager-Vormodulen für die TÜV-Prüfung nutzen
- QM-Koordinatorinnen und -Koordinatoren in öffentlichen Einrichtungen oder Non-Profit-Organisationen
Teilnehmende sollten über weiterführende Kenntnisse im Bereich Qualitätsmanagement verfügen. Ein Abschluss als Qualitätsmanager:in oder ein vergleichbarer Abschluss wird empfohlen. Sichere Deutschkenntnisse in Wort und Schrift werden vorausgesetzt. Vorkenntnisse in ISO 9001 sind hilfreich, aber nicht zwingend notwendig, sofern QM-Grundlagenwissen vorhanden ist.
Ablauf & Abschluss
Das Modul wird im Combined-Learning-Format als Vollzeitkurs angeboten. Theoretische Grundlagen werden durch interaktive Online-Lehreinheiten vermittelt; besonderes Gewicht liegt auf der gemeinsamen Durcharbeitung des EFQM-Modells anhand konkreter Organisationsbeispiele. Gruppenarbeiten zur Selbstbewertung und zur Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen bilden den praktischen Kern. Erfahrene Dozentinnen und Dozenten begleiten den Lernprozess und geben Feedback zu eigenen Bewertungsversuchen.
Das Modul ist als Kompaktmodul konzipiert und damit kürzer als eine vollständige QM-Manager-Weiterbildung. Die Lernzeit konzentriert sich auf das EFQM-Modell 2020 und die dazugehörige Bewertungspraxis. Wer das Modul im Rahmen einer Qualitätsmanager-Weiterbildungsreihe belegt, kann es nahtlos mit den Vormodulen verbinden und so die Zulassungsvoraussetzungen für die TÜV-Prüfung erfüllen.
Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Das Modul berechtigt in Verbindung mit den Qualitätsmanager-Vormodulen zur Teilnahme an der Prüfung zum Qualitätsmanager (TÜV). Ein eigenständiges EFQM-Abschlusszertifikat (wie ein offizieller EFQM-Award) ist nicht Bestandteil des Kurses.
Nutzen & Perspektiven
Das EFQM-Modell 2020 ist kein theoretisches Rahmenwerk, das in Regalordnern verstaubt — es ist ein gelebtes Steuerungsinstrument für Organisationen, die Exzellenz systematisch entwickeln wollen. Wer in der Lage ist, Selbstbewertungen nach RADAR durchzuführen und daraus Maßnahmen abzuleiten, liefert einen strategisch wirksamen Beitrag, der weit über klassisches QM-Controlling hinausgeht. Die Kombination aus Ausrichtungs-, Realisierungs- und Ergebnis-Perspektive ermöglicht es, Qualitätsentwicklung mit Unternehmens- oder Organisationsstrategie zu verknüpfen. Für Fach- und Führungskräfte, die in Organisationen mit bestehenden QM-Zertifizierungen tätig sind, bietet das EFQM-Modul eine wichtige konzeptionelle Erweiterung: Während ISO 9001 primär Mindestanforderungen an Prozesskonformität definiert, beschreibt das EFQM-Modell einen Weg zur kontinuierlichen Leistungssteigerung. Wer beides kennt, kann Qualitätsinitiativen gezielter priorisieren und in strategische Unternehmensentwicklung einbetten. Nicht zuletzt öffnet das Modul den Weg zur vollständigen Qualitätsmanager-(TÜV)-Qualifikation: In Verbindung mit den Vormodulen schafft es die formale Prüfungszulassung und damit eine berufliche Qualifikation, die in vielen Branchen gezielt gesucht wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen dem alten EFQM-Modell und dem Modell 2020?
Das EFQM-Modell 2020 ersetzt die frühere Befähiger-Ergebnis-Struktur durch drei übergeordnete Dimensionen: Ausrichtung (Direction), Realisierung (Execution) und Ergebnisse (Results). Diese neue Architektur ermöglicht eine stärkere Verknüpfung von Qualitätsentwicklung und Unternehmensstrategie.
Für wen ist dieses Modul geeignet?
Das Modul richtet sich an Fach- und Führungskräfte mit QM-Hintergrund, die das EFQM-Modell praktisch anwenden wollen. Wer das Modul im Verbund mit QM-Vormodulen belegt, erwirbt die Zulassung zur TÜV-Prüfung zum Qualitätsmanager.
Was ist die RADAR-Bewertungsmethodik?
RADAR steht für Results, Approaches, Deployment, Assessment and Refinement. Es ist das operative Bewertungsrahmenwerk des EFQM-Modells, das Organisationen ermöglicht, eigene Stärken und Verbesserungspotenziale systematisch zu identifizieren und zu messen. Im Kurs wird die Methodik praktisch eingeübt.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Modul?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Das Modul berechtigt in Kombination mit den Qualitätsmanager-Vormodulen zur Teilnahme an der TÜV-Prüfung. Ein offizielles EFQM-Award-Zertifikat ist nicht Bestandteil dieses Kurses.
Können Selbstbewertungen nach EFQM auch in kleineren Organisationen eingesetzt werden?
Ja. Die EFQM-Selbstbewertung ist skalierbar und auch für mittelständische Unternehmen oder Non-Profit-Organisationen geeignet. Im Kurs werden verschiedene Methoden (Workshop-Format, Fragebogenansatz) behandelt, die sich je nach Organisationsgröße unterschiedlich einsetzen lassen.
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