Überblick
Wer als Qualitätsmanagementbeauftragter oder interner Auditor bereits solide Grundkenntnisse mitbringt, ist bereit für die nächste Stufe: die Qualifikation zum Qualitätsmanager. Dieser Aufbaukurs vermittelt fortgeschrittene Konzepte und Methoden, die über die Normerfüllung der DIN EN ISO 9001:2015 hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen Total Quality Management (TQM) als ganzheitliche Unternehmensphilosophie, statistische Qualitätsbewertungsverfahren, Werkzeuge wie FMEA und QFD sowie ein Einblick in die Welt von Six Sigma und das EFQM-Modell. Die erfolgreiche Teilnahme berechtigt zur Prüfung und damit zur TÜV-Zertifizierung als Qualitätsmanager.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Total Quality Management und Unternehmensphilosophie Der erste Block führt in das Konzept des Total Quality Management ein, das weit über die klassischen Normanforderungen hinausgeht. TQM bedeutet, Qualität nicht als Abteilungsaufgabe zu verstehen, sondern als organisationsweite Haltung — getragen von jeder einzelnen Person im Unternehmen. Dieser Block legt die philosophische und kulturelle Grundlage für alle weiteren Inhalte des Kurses.
- Entstehungsgeschichte und Grundprinzipien des TQM
- Abgrenzung von normorientiertem QM (ISO) und ganzheitlichem TQM
- Führungsverantwortung im TQM: Vorbild, Zielvorgaben, Überzeugungsarbeit
- Mitarbeiterorientierung: Eigenverantwortung fördern, Qualitätsbewusstsein stärken
- Wissensmanagement: Erfahrungen sichern, Best Practices dokumentieren, Lernkultur aufbauen
- Kundenfokus als zentrales Element des TQM: interne und externe Kunden
Modul 2: Benchmarking, Verbesserungsprozesse und Rechtliche Grundlagen Im zweiten Block werden die Werkzeuge vorgestellt, mit denen Qualitätsmanager ihre Organisation mit externen Maßstäben vergleichen und systematisch verbessern können. Benchmarking ist mehr als Konkurrenzbeobachtung — es ist ein strukturiertes Lernen von den Besten. Gleichzeitig werden die rechtlichen Rahmenbedingungen beleuchtet, in denen Qualitätsmanagement stattfindet.
- Benchmarking-Prozess: Planung, Datenerhebung, Analyse und Umsetzung
- Typen des Benchmarkings: intern, wettbewerbsorientiert, funktional, generisch
- Verbesserungsprozesse: KVP, Breakthrough-Verbesserungen und Innovationen verbinden
- Produkthaftung: rechtliche Verantwortung des Herstellers für Qualitätsmängel
- Normen und Richtlinien als rechtlicher Rahmen für QM-Systeme
- Dokumentation als Nachweisinstrument im Haftungsfall
Modul 3: Prozessmanagement und Statistische Methoden Der dritte Block widmet sich den quantitativen Grundlagen des Qualitätsmanagements. Statistische Verfahren ermöglichen es, Qualität objektiv zu messen, Prozessschwankungen zu erkennen und frühzeitig zu handeln, bevor Fehler entstehen. Gleichzeitig wird der Rahmen des Prozessmanagements vorgestellt, der eine strukturierte Steuerung aller betrieblichen Abläufe ermöglicht.
- Prozessmanagement: Prozessidentifikation, -beschreibung, -messung und -optimierung
- Prozessfähigkeitsanalyse: Cp- und Cpk-Werte berechnen und interpretieren
- Statistische Prozesskontrolle (SPC): Regelkarten aufbauen und anwenden
- Stichprobenprüfung: AQL-Tabellen, Prüfumfang und Risiken
- Sieben klassische Qualitätswerkzeuge (Q7): Histogramm, Pareto, Streudiagramm, Regelkarte, Fehlersammelliste, Ishikawa-Diagramm, Flussdiagramm
- Sieben Managementwerkzeuge (M7): Affinitätsdiagramm, Relationendiagramm, Baumdiagramm, Matrixdiagramm, Netzplan, Pfeil-Diagramm, Portfolioanalyse
Modul 4: FMEA, QFD, Six Sigma und EFQM Der abschließende Block vermittelt die fortgeschrittensten Methoden des Qualitätsmanagements. FMEA und QFD sind präventive Instrumente, die Qualität bereits in der Entwicklungs- und Planungsphase sicherstellen. Six Sigma bietet ein statistisch fundiertes Problemlösungsframework, und das EFQM-Modell liefert einen Rahmen zur Selbstbewertung und Entwicklung zur organisationalen Exzellenz.
- FMEA: Systeme, Konstruktionen und Prozesse auf Risiken untersuchen
- Risikoprioritätszahl (RPZ) berechnen: Bedeutung, Auftretenswahrscheinlichkeit, Entdeckungswahrscheinlichkeit
- Maßnahmen aus der FMEA ableiten und deren Wirksamkeit prüfen
- QFD (Quality Function Deployment): House of Quality erstellen und Kundenstimme übersetzen
- Six Sigma: Ursprung, Konzept und DMAIC-Phasen (Define, Measure, Analyze, Improve, Control)
- EFQM-Modell: Kriterien, RADAR-Logik und Selbstbewertungsprozess
Praxisteil Der Kurs ist als Aufbaukurs konzipiert und setzt bereits vorhandenes QM-Grundwissen voraus. Die Praxisübungen orientieren sich entsprechend an anspruchsvolleren Szenarien und typischen Aufgaben einer Qualitätsmanagementleitung.
- TQM-Analyse: Stärken und Schwächen eines Unternehmens in Bezug auf Qualitätskultur bewerten
- Benchmarking-Projekt: Vergleichsunternehmen auswählen, Kennzahlen definieren und vergleichen
- Ursachenanalyse mit dem Ishikawa-Diagramm für einen komplexen Qualitätsmangel
- Regelkarte interpretieren: Regelüberschreitungen erkennen und Sofortmaßnahmen vorschlagen
- FMEA-Tabelle für einen realen Fertigungsprozess vollständig ausfüllen
- RPZ berechnen und Maßnahmen nach Priorität ordnen
- House of Quality skizzieren: Kundenbedürfnisse in technische Produktmerkmale übersetzen
- Six Sigma DMAIC: einen Verbesserungsfall durch alle fünf Phasen führen
- EFQM-Selbstbewertung: ein Beispielunternehmen anhand der neun EFQM-Kriterien bewerten
- Prozessfähigkeitsanalyse: Cp-Wert für einen vorgegebenen Datensatz berechnen
- Managementwerkzeuge anwenden: Affinitätsdiagramm und Baumdiagramm für eine Qualitätsinitiative erstellen
- Vorbereitung auf die TÜV-Prüfung: Prüfungsrelevante Themen systematisch wiederholen
Die Übungen bauen auf dem Grundwissen auf, das die Teilnehmenden als QMB und interner Auditor erworben haben. Wer diesen Kurs absolviert, erweitert sein Repertoire um die Werkzeuge, die echte Qualitätsfachkräfte auf Managementebene täglich einsetzen. Das Besondere dieses Kurses ist seine Kombination aus philosophisch-strategischen Konzepten (TQM, EFQM) und methodisch-analytischen Verfahren (Statistik, FMEA, QFD, Six Sigma). So entsteht ein rundes, vollständiges Bild des modernen Qualitätsmanagements — jenseits der reinen Normerfüllung.
Lernziele:
Nach Abschluss dieses Aufbaukurses verfügen die Teilnehmenden über fortgeschrittene, strategisch einsetzbare QM-Kompetenzen. Im Einzelnen werden folgende Fähigkeiten aufgebaut.
- Total Quality Management als Unternehmensphilosophie verstehen und als Führungskonzept einsetzen
- Mitarbeiterorientierung als Schlüsselfaktor qualitätsorientierter Unternehmensführung gestalten
- Wissensmanagement im QM-Kontext strukturiert aufbauen und pflegen
- Benchmarking systematisch betreiben: Vergleichspartner auswählen, Kennzahlen vergleichen, Verbesserungen ableiten
- Verbesserungsprozesse initiieren, steuern und nachhalten
- Rechtliche Rahmenbedingungen des Qualitätsmanagements (Produkthaftung, Normen) überblicken
- Prozessmanagement: Prozesse identifizieren, modellieren, messen und verbessern
- Statistische Methoden und Verfahren (Regelkarten, Prozessfähigkeit, Stichprobenprüfung) anwenden
- Die sieben Managementwerkzeuge (M7) zielgerichtet einsetzen
- FMEA vollständig durchführen: Risiken identifizieren, bewerten und Maßnahmen ableiten
- QFD anwenden: Kundenwünsche in messbare Qualitätsmerkmale übersetzen
- Six Sigma (DMAIC-Zyklus) und das EFQM-Modell für Selbstbewertung und Exzellenz einsetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich ausschließlich an Fach- und Führungskräfte, die bereits über Grundkenntnisse im Qualitätsmanagement verfügen und diese auf Managementniveau ausbauen wollen.
- QM-Beauftragte, die zur Managementfunktion aufsteigen wollen
- Interne Auditoren, die ihre Kompetenz auf strategische QM-Methoden erweitern wollen
- Führungskräfte aus Produktion, Dienstleistung und Verwaltung mit QM-Verantwortung
- Prozessmanager, die statistische und analytische Qualitätswerkzeuge vertiefen wollen
- Personen, die die TÜV-Prüfung zum Qualitätsmanager ablegen wollen
Für die Teilnahme werden mindestens ein Realschulabschluss und ein Facharbeiterabschluss vorausgesetzt. Unbedingt notwendig sind außerdem QM-Grundkenntnisse, die durch anerkannte Zertifikate als Qualitätsmanagementbeauftragte/r (QMB) und als Interner Auditor/in belegt werden müssen. Ohne diese Nachweise ist eine Teilnahme nicht möglich, da der Kurs inhaltlich direkt auf diesen Qualifikationen aufbaut. Sicheres Deutsch in Wort und Schrift ist ebenso erforderlich. Die Fähigkeit zum selbständigen, systematischen Arbeiten ist unverzichtbar.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet als Combined Learning statt und kombiniert synchrone Lehr- und Übungseinheiten (Präsenz oder Videokonferenz) mit asynchronen Selbstlernphasen. Durch Fallstudien, Gruppenarbeiten und Methodenübungen wird der Transfer des Gelernten in die eigene Berufspraxis aktiv unterstützt. Die Kursleitung legt besonderen Wert auf die Anwendungsorientierung — Methoden werden nicht nur erklärt, sondern unmittelbar an realistischen Szenarien geübt. Der Kurs läuft in Vollzeit.
Die Weiterbildung hat eine Gesamtdauer von mehr als einem Monat bis zu drei Monaten in Vollzeit. Da es sich um einen Aufbaukurs handelt, der auf den Grundqualifikationen QMB und Interner Auditor aufbaut, ist der zeitliche Umfang geringer als bei der Kompaktqualifikation. Die genaue Dauer variiert je nach Bildungsträger. In die Kurszeit eingeschlossen ist die Prüfungsvorbereitung für die TÜV-Zertifizierung.
Nach erfolgreich bestandener Prüfung erhalten die Teilnehmenden eine TÜV-Zertifizierung als Qualitätsmanager/in. Diese extern geprüfte Qualifikation ist bundesweit anerkannt und in Stellenanzeigen für QM-Positionen häufig ausdrücklich erwünscht. Zusätzlich stellt der jeweilige Bildungsträger eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung aus. Die Zertifizierung setzt das Bestehen der Abschlussprüfung voraus.
Nutzen & Perspektiven
Der Titel Qualitätsmanager/in öffnet Türen, die für QM-Beauftragte und Auditoren verschlossen bleiben. Unternehmen suchen gezielt Fachkräfte, die nicht nur normkonform arbeiten, sondern Qualitätssysteme strategisch weiterentwickeln, Verbesserungsprojekte eigenständig steuern und sowohl statistische als auch kreative Methoden beherrschen. Wer diesen Kurs abschließt, bringt genau dieses Profil mit — und kann es mit einem anerkannten TÜV-Zertifikat belegen. Besonders wertvoll ist die Kombination aus dem EFQM-Modell, das eine umfassende Selbstbewertung der gesamten Organisation ermöglicht, und den quantitativen Methoden wie Six Sigma und statistischer Prozesskontrolle. Wer beide Denkwelten beherrscht, kann im Qualitätsmanagement sowohl kulturelle Transformationen anstoßen als auch harte Zahlen liefern — eine Kombination, die am Arbeitsmarkt sehr geschätzt wird. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus kommen je nach individueller Situation Förderungen nach dem Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung (BFD) der Bundeswehr, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben im Rahmen der Rehabilitation sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Da dieser Kurs eine Aufbauqualifikation ist, empfiehlt sich eine frühzeitige Beratung durch die zuständige Behörde, um Fördervoraussetzungen zu klären.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse sind für diesen Kurs zwingend erforderlich?
Für die Teilnahme sind Zertifikate als Qualitätsmanagementbeauftragte/r (QMB) und als Interner Auditor/in zwingend erforderlich. Ohne diese Nachweise ist eine Teilnahme nicht möglich. Außerdem werden mindestens Realschulabschluss, Facharbeiterabschluss und sichere Deutschkenntnisse vorausgesetzt.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Nach bestandener Prüfung erhalten die Teilnehmenden eine TÜV-Zertifizierung als Qualitätsmanager/in. Dieses Zertifikat ist bundesweit anerkannt und in vielen Stellenanzeigen für QM-Führungsfunktionen ausdrücklich erwünscht. Zusätzlich stellt der Bildungsträger eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung aus.
Ist dieser Kurs ein Aufbaukurs oder ein eigenständiger Kurs?
Dieser Kurs ist ein reiner Aufbaukurs. Er baut direkt auf den Qualifikationen QMB und Interner Auditor auf und ist ohne diese Grundlagen nicht sinnvoll zu absolvieren. Wer alle drei Stufen in einem Durchgang erwerben möchte, sollte stattdessen die Kompaktqualifikation "QM vom QMB bis Qualitätsmanager/in" wählen.
Kann ich diesen Kurs über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Finanzierung über einen Bildungsgutschein in der Regel möglich. Auch Förderungen nach dem Qualifizierungschancengesetz, der Berufsförderung der Bundeswehr oder der Deutschen Rentenversicherung kommen je nach individueller Situation in Frage.
Was ist der Unterschied zwischen diesem Kurs und dem QM-Kompaktkurs?
Der Kompaktkurs vermittelt alle drei QM-Stufen (QMB, Interner Auditor, Qualitätsmanager) in einem einzigen Bildungsgang und richtet sich an Personen ohne Vorkenntnisse. Dieser Aufbaukurs setzt QMB- und Auditor-Kenntnisse voraus und führt gezielt zur Qualitätsmanager-Stufe mit fortgeschrittenen Methoden wie FMEA, QFD, Six Sigma und EFQM.
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