Überblick
Dieser Kurs verbindet zwei Kernkompetenzen moderner IT-Service-Teams: das konzeptionelle Rahmenwerk ITIL 4 und das weitverbreitete Ticket- und Workflowsystem Jira. Wer heute verantwortlich für Service-Desks, Change-Prozesse oder IT-Betrieb ist, braucht beides: ein solides Verständnis dafür, wie Services ganzheitlich gesteuert werden, und die praktische Fähigkeit, diese Steuerung in einem realen Tool abzubilden. ITIL 4 liefert das Ordnungssystem, Jira den Arbeitsplatz. Der Kurs endet mit der Vorbereitung auf die offizielle ITIL 4 Foundation-Zertifizierungsprüfung.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: ITIL 4 Foundation - Das Service Value System ITIL 4 ist die aktuelle Version des weltweit führenden IT-Service-Management-Frameworks und wurde 2019 als komplette Neugestaltung gegenüber dem früheren ITIL v3 veröffentlicht. Kernstück ist das Service Value System, das beschreibt, wie eine Organisation durch die Transformation von Inputs in Outputs einen messbaren Wert für Kunden und Stakeholder erzeugt.
- Service Value System: Komponenten und Zusammenwirken von Governance, Service Value Chain und Practices
- Service Value Chain: Die sechs Aktivitäten (Plan, Improve, Engage, Design & Transition, Obtain/Build, Deliver & Support)
- Vier Dimensionen des Service Managements und ihre Auswirkung auf Serviceergebnisse
- Grundbegriffe: Service, Produkt, Ergebnis, Mehrwert, Nutzen, Garantie
- ITIL 4 im Verhältnis zu agilen Ansätzen (Scrum, Kanban) und DevOps
- Unterschied zwischen ITIL 4 und dem früheren v3-Lifecycle-Modell
Modul 2: ITIL 4-Praktiken und Leitprinzipien Die 34 ITIL 4-Praktiken ersetzen die v3-Prozesse durch flexiblere, kapabilityorientierte Einheiten. Im Kurs werden die prüfungsrelevanten und in der Praxis häufigsten Praktiken vertieft behandelt.
- Incident Management: Kategorisierung, Eskalation, Kommunikation und Wiederherstellung
- Service-Request-Management: Unterschied zu Incidents, Standardanfragen und Katalog
- Problem Management: reaktives und proaktives Problemmanagement, Known Errors
- Change Enablement: Typen von Changes, Risk Assessment, Change Advisory Board
- Service-Level-Management: SLA-Definitionen, OLA, Underpinning Contracts
- Die 7 Leitprinzipien: Fokus auf Wert, Dort beginnen, wo man ist, Iterativ mit Feedback, Zusammenarbeit und Transparenz fördern, Ganzheitlich denken, Einfachheit und Pragmatismus, Optimieren und Automatisieren
Modul 3: Jira Service Management - Konfiguration und Serviceprozesse Jira Service Management von Atlassian hat sich als de-facto-Standard für ITSM-Tooling in vielen Organisationen durchgesetzt. Dieser Block verbindet die konzeptionellen ITIL-Praktiken direkt mit der konkreten Umsetzung im Tool.
- Jira-Projekttypen: Service-Management-Projekt vs. Software-Entwicklungsprojekt
- Issue-Typen für IT-Service: Incident, Service Request, Problem, Change anlegen und konfigurieren
- Workflow-Editor: Statusübergänge, Bedingungen und Validierungen einrichten
- Warteschlangen (Queues) nach Priorität, Team oder SLA-Fälligkeit konfigurieren
- Kundenseite (Customer Portal) gestalten und mit einem Request-Typ-Katalog befüllen
- Berichterstellung: vordefinierte und benutzerdefinierte Reports in Jira Service Management
Modul 4: Jira-Automatisierung und KPI-Dashboards Dieser Block vertieft die operativen Effizienzwerkzeuge in Jira: Automatisierung, SLA-Überwachung und Reporting-Dashboards, die Service-Leads benötigen, um Qualitätsversprechen zu messen.
- SLA-Regeln in Jira definieren: Kalenderzeiten, Pausenregeln, Eskalationsauslöser
- Automatisierungsregeln: Trigger, Bedingungen und Aktionen für typische Service-Szenarien
- Dashboards mit Gadgets für Incident-Volumina, SLA-Einhaltung und offene Queues erstellen
- Jira Insights / Asset Management für einfache CMDB-Strukturen nutzen
- Integration von Jira mit Slack oder Microsoft Teams für Benachrichtigungen und Eskalationen
- Datenschutz und Zugriffsrechte in Jira-Projekten korrekt konfigurieren
Praktische Übungen In begleitenden Übungen wird das Zusammenspiel von ITIL-Konzept und Jira-Konfiguration direkt erarbeitet, sodass Teilnehmende nach dem Kurs nicht nur wissen, was ITIL 4 vorschreibt, sondern wie es sich in einem realen Tool umsetzen lässt.
- ITIL-SVS-Poster in eigene Betriebsumgebung übertragen: Aktivitäten der Service Value Chain zuordnen
- ITIL 4-Praktiken auf ein konkretes Unternehmens-Szenario anwenden (Fallstudie Major Incident)
- Jira Service Management-Projekt von Grund auf konfigurieren
- Incident-Workflow mit Eskalationsstufen und SLA-Trigger einrichten
- Change-Enablement-Prozess als Jira-Workflow mit Genehmigungsschritten abbilden
- Automatisierungsregel für automatische Eskalation bei SLA-Verletzung anlegen
- Dashboard für Service-Desk-Team-Lead erstellen mit den wichtigsten KPIs
- SLA-Bericht interpretieren und Verbesserungsmaßnahmen ableiten
- Kundenportal mit Request-Typen für eine fiktive IT-Abteilung aufbauen
- Problem-Management-Workflow testen: vom Incident-Muster zum Known Error Record
- Dashboards in einer Rollensimulation für unterschiedliche Stakeholder-Perspektiven optimieren
- ITIL Foundation-Übungsfragen zum Selbststudium analysieren und diskutieren
Der Praxisblock ist bewusst so aufgebaut, dass Theorie-Einheiten und Tool-Übungen alternieren. Wer morgens die Leitprinzipien bespricht, setzt sie nachmittags in einer Jira-Konfigurationsaufgabe in Beziehung zu einem echten Betriebsszenario.
Lernziele:
- Das ITIL 4 Service Value System (SVS) und die Service Value Chain in ihrer Gesamtstruktur erklären und auf Unternehmensszenarien übertragen
- Die vier ITIL 4-Dimensionen des Service Managements (Organisationen & Menschen, Information & Technologie, Partner & Lieferanten, Wertströme & Prozesse) anwenden
- Die 7 Leitprinzipien von ITIL 4 verstehen und in konkreten Entscheidungssituationen nutzen
- Wichtige ITIL 4-Praktiken wie Incident Management, Change Enablement, Problem Management und Service-Request-Management beschreiben
- Jira-Projekte für IT-Service-Szenarien anlegen und konfigurieren
- Workflows in Jira so modellieren, dass sie ITIL-Praktiken wie Incident- und Change-Management abbilden
- SLAs (Service Level Agreements) in Jira einrichten, überwachen und reporten
- Dashboards in Jira erstellen, die für Team-Leads und Management relevante Service-KPIs visualisieren
- Automatisierungsregeln in Jira konfigurieren, um repetitive Serviceprozesse zu beschleunigen
- Change-Typen (Standard, Normal, Emergency) im Change-Enablement-Kontext unterscheiden und in Jira abbilden
- ITIL 4-konforme Kommunikationsstandards für Serviceunterbrechungen und Major Incidents anwenden
- Zusammenspiel von ITSM-Practices und agilen Methoden im ITIL 4-Rahmenwerk einordnen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an IT-Fachleute, die entweder neu in IT-Service-Management einsteigen oder bestehende Praxis mit einem strukturierten Framework unterlegen wollen. Besonders angesprochen sind Personen, die Jira bereits kennen, aber ITIL als konzeptionellen Rahmen bislang nicht formell erlernt haben, sowie der umgekehrte Fall: wer ITIL aus früheren Schulungen kennt, aber Jira bisher nicht systematisch eingesetzt hat.
- Service-Desk-Mitarbeiter und Team-Leads, die Prozesse strukturieren wollen
- IT-Operations-Fachleute, die Change- oder Incident-Management verantworten
- Systemadministratoren, die Jira Service Management in ihrer Organisation einführen
- IT-Projektmanager, die ITSM-Strukturen in agile Betriebsmodelle integrieren müssen
- Junior-IT-Manager ohne formelle ITIL-Grundlage
Für die Teilnahme sind keine Vorkenntnisse in ITIL erforderlich. Grundlegende IT-Erfahrung (z. B. im Helpdesk, in der Systemadministration oder im IT-Support) ist hilfreich, um die Praxisbeispiele direkt einordnen zu können. Für den Jira-Teil wird einfache Computer-Bedienungssicherheit vorausgesetzt; spezifische Jira-Kenntnisse sind keine Voraussetzung. Der Kurs eignet sich also auch für Berufserfahrene, die neu mit Jira Service Management arbeiten.
Ablauf & Abschluss
ITIL-Konzepte werden in kurzen, szenariobasierten Lehreinheiten vermittelt, bei denen Fallstudien aus dem IT-Betrieb als roter Faden dienen. Der Wechsel zwischen konzeptionellen Phasen und Jira-Praxisphasen hält das Lerntempo hoch. Peer-Diskussionen ermöglichen es, unterschiedliche Betriebsumgebungen der Teilnehmenden einzubringen. Im virtuellen Klassenraum arbeiten alle Teilnehmenden an derselben Jira-Testinstanz, was direkten Vergleich und gegenseitiges Feedback ermöglicht.
Der Kurs deckt sowohl ITIL 4 Foundation als auch Jira Service Management in einem kombinierten Format ab, was eine Gesamtdauer von typischerweise mehreren Tagen bedeutet. Je nach Anbieter und Format ist eine Vollzeitvariante über kompakte Kurstage oder ein verteiltes Teilzeitmodell möglich. Beide Formate stellen sicher, dass ITIL-Konzepte ausreichend Zeit zur Vertiefung erhalten, bevor die Jira-Konfigurationsblöcke beginnen.
Der Kurs bereitet auf die offizielle ITIL 4 Foundation-Zertifizierungsprüfung vor, die von Axelos herausgegeben und über autorisierte Prüfungszentren abgenommen wird. Die Prüfung besteht aus Multiple-Choice-Fragen und kann nach abgeschlossener Kursvorbereitung abgelegt werden. Für die Jira-Seite erhalten Teilnehmende eine Teilnahmebescheinigung; separate Atlassian-Zertifizierungen sind optional und nicht Bestandteil dieses Kurses.
Nutzen & Perspektiven
IT-Abteilungen, die ohne strukturiertes Framework arbeiten, stoßen bei wachsender Komplexität regelmäßig an Grenzen: Incidents werden ad hoc gelöst ohne Wissenstransfer, Change-Prozesse laufen ohne Risikoabwägung, und SLA-Versprechen gegenüber internen oder externen Kunden bleiben ein Zahlenspiel ohne Steuerungswert. ITIL 4 und Jira gemeinsam zu lernen bedeutet, diese Lücken nicht nur konzeptionell zu schließen, sondern direkt operativ handlungsfähig zu werden. Der besondere Wert dieses kombinierten Formats liegt darin, dass die Übertragungsleistung vom Konzept ins Tool bereits im Kurs vollzogen wird. Wer nach anderen ITIL-Kursen vor der Frage steht, wie das Framework in die eigene Jira-Umgebung übersetzt werden soll, findet hier die Antwort als integrierten Kursbestandteil. Das spart Zeit und vermeidet typische Umsetzungsfehler. Die ITIL 4 Foundation-Zertifizierung ist eine der weltweit meisterworbenen IT-Service-Management-Qualifikationen und öffnet Türen in Richtung weiterführender ITIL-Zertifizierungsstufen sowie in Rollen, die explizit ITSM-Kenntnisse erfordern. In Kombination mit praktischer Jira-Kompetenz entsteht ein Profil, das auf dem deutschen und europäischen IT-Arbeitsmarkt gefragt ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ITIL 4 und worin unterscheidet es sich von der früheren ITIL v3?
ITIL 4 ist die 2019 erschienene Neuauflage des ITSM-Frameworks. Im Gegensatz zu ITIL v3, das auf fünf Lifecycle-Phasen (Service Strategy, Design, Transition, Operation, Continual Service Improvement) aufbaute, führt ITIL 4 das Service Value System mit einer Service Value Chain und 34 Praktiken ein. Damit ist ITIL 4 flexibler, näher an agilen Methoden und besser auf moderne, DevOps-geprägte Betriebsmodelle ausgerichtet.
Warum ist Jira ein sinnvolles Ergänzungstool zu ITIL?
ITIL definiert Best Practices und Konzepte, gibt aber kein konkretes Tool vor. Jira Service Management ist eine der meistgenutzten ITSM-Plattformen und deckt alle wesentlichen ITIL-Praktiken wie Incident-, Problem- und Change-Management toolgestützt ab. Wer beide zusammen lernt, kann das ITIL-Konzept direkt operativ umsetzen, statt es nur theoretisch zu kennen.
Wie schwer ist die ITIL 4 Foundation-Prüfung?
Die ITIL 4 Foundation-Prüfung umfasst 40 Multiple-Choice-Fragen, von denen 26 richtig beantwortet werden müssen (65 %). Die Prüfungsdauer beträgt 60 Minuten. Mit einer soliden Kursvorbereitung und eigener Nacharbeit ist die Prüfung gut zu bestehen; es handelt sich um eine Einsteigerzertifizierung, die breite Konzepte prüft, keine tiefen technischen Details.
Kann ich Jira Service Management auch ohne Jira-Vorkenntnisse erlernen?
Ja. Der Kurs führt in Jira Service Management ein und setzt keine Vorkenntnisse voraus. Die Tool-Einheiten beginnen mit der grundlegenden Projektkonfiguration und steigern sich schrittweise. Wer bereits mit Jira Software (für Softwareentwicklung) vertraut ist, wird einen schnellen Einstieg finden, die Kursinhalte sind aber auch ohne diesen Hintergrund vollständig zugänglich.
Welche Zertifizierungen kann ich nach diesem Kurs weiter anstreben?
Nach der ITIL 4 Foundation stehen die ITIL 4 Managing Professional-Kurse (Create Deliver & Support, Drive Stakeholder Value, High Velocity IT, Direct Plan & Improve) als Vertiefungspfad zur Verfügung. Auf der Jira-Seite bietet Atlassian eigene ACP-Zertifizierungen für Jira-Administratoren und Projektmanager an, die separat angestrebt werden können.
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