Überblick
Abrechnungskompetenz ist in der Arztpraxis ein kritischer Erfolgsfaktor — Fehler im EBM oder bei der GOÄ-Liquidation kosten direkt Einnahmen und können zu Regressforderungen führen. Gleichzeitig umfasst modernes Praxismanagement weit mehr als Abrechnungskenntnis: Budgetplanung, Kennzahlenüberwachung, Mitarbeiterführung und digitale Praxissteuerung sind eigenständige Managementaufgaben. Diese Weiterbildung vermittelt das fachliche Fundament für die Abrechnung kassenärztlicher und privatärztlicher Leistungen sowie die wirtschaftliche Führung einer Arztpraxis — und unterscheidet sich damit klar vom organisationsfokussierten Geschwisterkurs zu Praxisorganisation und Patientenumgang. Die Weiterbildung richtet sich an medizinische Fachangestellte, Abrechnungskräfte und Praxismitarbeitende, die die kaufmännische Verantwortung in der Praxis übernehmen oder ausweiten möchten. Berufserfahrung im Gesundheitswesen und solide Deutschkenntnisse sind Voraussetzung, da Leistungsverzeichnisse, Kassenverträge und GOÄ-Kommentare sprachlich anspruchsvolle Fachtexte darstellen.
Kursinhalte & Lernziele
Kassenärztliche Abrechnung nach EBM Der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) ist das Herzstück der GKV-Abrechnung. Dieses Modul erschließt den Aufbau des EBM, die Leistungskapitel für unterschiedliche Facharztgruppen und die Besonderheiten wie Pauschalen, Zuschläge und Ausschlüsse. Regelleistungsvolumen und Honorarverteilungsmaßstab der KV werden im Zusammenhang erklärt, sodass Teilnehmende die wirtschaftlichen Auswirkungen von Abrechnungsentscheidungen abschätzen können.
- EBM-Aufbau: Kapitel, Präambeln, Leistungslegenden und Gebührenordnungspositionen (GOP)
- Grundpauschalen nach Facharztgruppe: Haus- und Facharztsystem
- Zuschläge, Komplexleistungen und Einzelleistungen differenzieren
- Ausschlüsse und Nebeneinanderberechnungsverbote
- Regelleistungsvolumen (RLV) und seine Steuerungswirkung auf die Abrechnung
- Qualitätsgebundenes Zusatzvolumen (QZV) für besondere Leistungen
Privatärztliche Abrechnung nach GOÄ Die GOÄ regelt die Abrechnung privatärztlicher Leistungen gegenüber Privatpatienten und Selbstzahlern. Dieses Modul behandelt Aufbau, Anwendung und Steigerungssystematik der GOÄ sowie die praktische Erstellung privatärztlicher Rechnungen. Die Unterschiede zwischen GOÄ-Ziffern, Analogziffern und den zulässigen Steigerungsfaktoren werden praxisnah erarbeitet.
- GOÄ-Aufbau: Abschnitte, Ziffern, Leistungslegenden
- Regelhöchst- und Schwellenwert: Einfach- und Höchstsatz
- Steigerungsfaktoren: 1fach bis 3,5fach bei allgemeinen und 2,3fach bei besonderen Leistungen
- Begründungspflichten bei Überschreitung des Regelhöchstsatzes
- Analogziffern: Anwendung bei nicht explizit gelisteten Leistungen
- Rechnungslegung: Pflichtangaben, Fristen, Widerspruchsrecht des Patienten
Praxissoftware, digitales Praxismanagement und Telematik Moderne Arztpraxen arbeiten vollständig digital. Dieses Modul vermittelt Kenntnisse über Praxisverwaltungssysteme in ihrer Abrechnungsfunktion, die Anforderungen der Telematikinfrastruktur (TI) und neue digitale Pflichten wie eArztbrief und elektronische Patientenakte. Datenschutzfragen in der digitalen Praxis sind integraler Bestandteil.
- Praxisverwaltungssystem (PVS): Abrechnungsmodule, Leistungserfassung, Sammelrechnung
- Telematikinfrastruktur (TI): Konnektor, eGK-Lesegeräte, Anbindungspflicht
- Elektronische Patientenakte (ePA): Zugriff, Befüllung, Rechtsfragen
- eArztbrief und Dokumentation: rechtssichere digitale Archivierung
- KV-SafeNet und Online-Abrechnung: technischer Ablauf der Quartalsabrechnung
- Datenschutz (DSGVO) in digitalen Praxisabläufen
Kaufmännisches Praxismanagement und Wirtschaftlichkeit Arztpraxen sind auch wirtschaftliche Unternehmen. Dieses Modul behandelt die betriebswirtschaftlichen Grundlagen der Praxisführung: Kostenstruktur, Einnahmen-Ausgaben-Überschussrechnung, Liquiditätsplanung und Kennzahlen für die Praxissteuerung. Wirtschaftlichkeitsprüfungen durch die KV und Regressrisiken bei Arzneimittel- und Heilmittelabrechnung werden ebenso behandelt.
- Einnahmen-Ausgaben-Überschussrechnung (EÜR) als Praxisstandard
- Kostenstruktur einer Arztpraxis: Personal, Miete, Geräte, Verbrauchsmaterialien
- Praxiskennzahlen und KV-Benchmarking: Honorar pro Fall, Patientenstruktur
- Wirtschaftlichkeitsprüfung und Richtgrößenprüfung bei Arznei- und Heilmitteln
- Regressrisiken erkennen und durch sorgfältige Dokumentation reduzieren
- Personalmanagement in der Praxis: Vergütungsgrundlagen, Arbeitszeit, Urlaubsplanung
- Praxisplanung und Investitionen: Finanzierungsarten für Praxisgeräte
- Vertragsgestaltung mit Kassenärztlicher Vereinigung: Zulassung, Selektivverträge
- Betriebswirtschaftliche Auswirkungen von Abrechnungsentscheidungen
- Krankenhauseinweisungen und Überleitungsmanagement aus Kostenperspektive
- Qualitätsmanagementsystem als wirtschaftliches Steuerungsinstrument
- Praxisnachfolge und Praxisübergabe in Grundzügen
Das kaufmännische Denken, das dieses Modul aufbaut, verbindet sich mit den Abrechnungskenntnissen der ersten Module zu einem ganzheitlichen Praxismanagement-Kompetenzprofil — und genau das unterscheidet qualifizierte Praxismanager/innen von reinen Abrechnungssachbearbeiterinnen.
Lernziele:
- EBM-Systematik (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) sicher lesen und Leistungen korrekt abrechnen
- GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) in Grundzügen kennen und Steigerungsfaktoren anwenden
- Privatliquidation strukturiert vorbereiten und fehlerarm ausführen
- Regelleistungsvolumen (RLV) und Qualitätsgebundenes Zusatzvolumen (QZV) in ihrer Wirkung verstehen
- Kassenärztliche Vereinigungen (KV): Abrechnungswege, Fristen, Korrekturen
- Quartalsabrechnungen und Sammelrechnungen vorbereiten und einreichen
- Praxissoftware für Abrechnungsprozesse nutzen (PVS-Abrechnungsmodule)
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen der Praxisführung: Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, Kostenstruktur
- Praxiskennzahlen überwachen und Benchmarking mit KV-Statistiken
- Digitales Praxismanagement: Telematikinfrastruktur, eArztbrief, elektronische Patientenakte (ePA)
- Personalmanagement in der Praxis: Lohn, Arbeitszeit, Mitarbeiterführung in Grundzügen
- Wirtschaftlichkeitsprüfung und Regressrisiken kennen und vermeiden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich gezielt an Personen mit medizinischer, pflegerischer oder kaufmännischer Berufsausbildung und erster Berufserfahrung, die die Abrechnungsverantwortung in einer Arztpraxis übernehmen möchten.
- Medizinische Fachangestellte mit Interesse an Abrechnung und Praxisführung
- Abrechnungskräfte, die ihre EBM- und GOÄ-Kenntnisse systematisieren möchten
- Praxismitarbeitende, die zur Praxismanager/in aufsteigen wollen
- Kaufmännische Fachkräfte, die in den Gesundheitssektor einsteigen
- Praxisinhaber/innen ohne kaufmännische Vorbildung
Eine abgeschlossene medizinische, pflegerische oder kaufmännische Berufsausbildung sowie erste Berufserfahrung werden erwartet. Sichere Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind unverzichtbar, da EBM-Leistungsverzeichnisse, GOÄ-Texte und kaufmännische Dokumente sprachlich präzise erschlossen werden müssen. Grundlegende PC-Kenntnisse für die Arbeit mit Praxissoftware setzen alle Module voraus.
Ablauf & Abschluss
Abrechnung ist ein Handwerk — es lernt man durch wiederholtes Üben an realen Fällen. Der Kurs arbeitet mit kommentierten Abrechnungsbeispielen, die schrittweise aufgebaut und auf Fehler analysiert werden. EBM-Kapitel und GOÄ-Abschnitte werden nicht auswendig gelernt, sondern als Nachschlagewerke erschlossen — das Ziel ist sichere Handhabung, nicht Memorierung. Fallbasiertes Lernen mit Praxisszenarien (typische Patientenfälle, Quartalsabrechnungssimulationen, Wirtschaftlichkeitsprüfungsfälle) sichert den Transfer in den Berufsalltag.
Die Weiterbildung ist für Personen mit bestehender Berufsausbildung und Berufserfahrung konzipiert und entsprechend intensiv. Berufsbegleitende Formate sind bei den meisten Anbietern möglich. Die genaue Kursdauer und Wochenstundenzahl entnehmen Sie dem Exposé des jeweiligen Anbieters, da diese je nach Format (Vollzeit/Teilzeit) variiert.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers. Im Bereich Abrechnungsmanagement für Arztpraxen ist dieser Nachweis bei Praxisinhabern gut bekannt und signalisiert, dass die Trägerin oder der Träger sowohl EBM/GOÄ als auch kaufmännische Praxisführung systematisch erlernt hat.
Nutzen & Perspektiven
Wer Abrechnung in Arztpraxen beherrscht, hält einen wesentlichen Teil des Praxiserfolgs in den Händen. Korrekte und vollständige EBM-Abrechnung sichert das Honorar der Praxis, während Fehler durch Regressforderungen der KV oder Rechnungsreklamationen von GOÄ-Patienten direkt die Einnahmen belasten. Fachkräfte mit nachgewiesener Abrechnungskompetenz sind in Praxen entsprechend gesucht und können höhere Verantwortung und bessere Vergütung beanspruchen. Für den Übergang vom Praxismitglied zum Praxismanagement bietet dieser Kurs den entscheidenden Schritt: die Verbindung von Abrechnungs-Fachwissen mit betriebswirtschaftlichem Denken. Wer versteht, wie Honorarverteilung, Regelleistungsvolumen und Wirtschaftlichkeitsprüfung zusammenwirken, kann die Praxis nicht nur administrativ unterstützen, sondern aktiv zur wirtschaftlichen Stabilität beitragen. Gerade im Kontext zunehmender Digitalisierung — TI-Anbindung, ePA, digitale GOÄ-Reform — bietet dieser Kurs auch die technische Orientierung, die Praxismitarbeitende brauchen, um die digitale Transformation der Praxis kompetent zu begleiten. Das Kompetenzprofil, das hier aufgebaut wird, ist zukunftssicher und bietet Anschlussmöglichkeiten in Medizinischen Versorgungszentren, Abrechnungszentren oder als selbstständige Praxisberaterin.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen EBM und GOÄ?
Der EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) regelt die Abrechnung gegenüber gesetzlichen Krankenkassen über die Kassenärztliche Vereinigung. Die GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) gilt für die Abrechnung gegenüber Privatpatienten und Selbstzahlern direkt. Beide Systeme haben unterschiedliche Ziffern, Bewertungsstrukturen und Abrechnungslogiken, die dieser Kurs separat und praxisnah behandelt.
Muss ich bereits Erfahrung mit Arztpraxis-Software haben?
Grundlegende PC-Kenntnisse reichen als Voraussetzung. Die Arbeit mit Praxisverwaltungssystemen (PVS) wird im Kurs selbst erarbeitet. Vorkenntnisse mit spezifischer Praxissoftware sind hilfreich, aber nicht zwingend.
Welche Regressrisiken lerne ich kennen?
Der Kurs behandelt Richtgrößenprüfungen bei Arznei- und Heilmitteln, Wirtschaftlichkeitsprüfungen durch die KV und häufige Fehlerquellen bei der EBM-Abrechnung, die Nachforderungen oder Korrekturen auslösen. Sie lernen, wie Sie durch sorgfältige Dokumentation und korrektes Kodieren Regressrisiken minimieren.
Ist dieser Kurs auch für Praxisinhaber/innen geeignet?
Ja, insbesondere das Modul zum kaufmännischen Praxismanagement ist für Praxisinhaber/innen ohne betriebswirtschaftliche Vorbildung sehr wertvoll. Kostenstruktur, Praxiskennzahlen, Personalmanagement und Wirtschaftlichkeitssteuerung sind Themen, die Praxisinhaber direkt betreffen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Sie erhalten eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers, die Ihre Kompetenz in EBM- und GOÄ-Abrechnung sowie kaufmännischem Praxismanagement dokumentiert. Dieser Nachweis ist bei Praxisinhabern und MVZ-Trägern als Qualifikationsbeleg anerkannt.
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