Überblick
Die Abrechnung nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ist das Herzstück des vertragsärztlichen Abrechnungswesens in Deutschland. Dieser Vertiefungskurs richtet sich an Medizinische Fachangestellte und Arzthelferinnen und Arzthelfer, die bereits die Grundlagen der EBM-Abrechnung beherrschen und nun die komplexeren Abrechnungsgebiete sicher abbilden möchten. Im Mittelpunkt stehen Zusatzpauschalen für haus- und fachärztliche Leistungen, das Disease-Management-Programm (DMP), das Basis- und Speziallabor sowie die hausärztliche geriatrische Versorgung. Darüber hinaus werden Versorgungsmanagement, Prävention und Honorarabrechnung behandelt. Das Modul knüpft inhaltlich an den Grundkurs Arztpraxis-Management an und vertieft die dort erworbenen Kenntnisse auf einem anspruchsvolleren Niveau, das für eine eigenständige und prüfungssichere Abrechnung in einer modernen Arztpraxis erforderlich ist.
Kursinhalte & Lernziele
Der Kurs ist in thematisch geschlossene Blöcke gegliedert, die inhaltlich auf den Grundkurs Arztpraxis-Management aufbauen. Jeder Block verbindet normativen Inhalt (EBM-Bestimmungen, KV-Richtlinien) mit der praktischen Anwendung in typischen Praxissituationen. Zusatzpauschalen in der haus- und fachärztlichen Versorgung bilden den ersten Schwerpunkt. Zusatzpauschalen ermöglichen die Abrechnung besonderer Leistungsanforderungen jenseits der Grundpauschalen. Ihre korrekte Zuordnung setzt ein präzises Verständnis der EBM-Systematik voraus.
- Überblick über die Struktur der Zusatzpauschalen im EBM-Kapitel III
- Hausärztliche Versorgungspauschale und arztgruppenspezifische Zusatzpauschalen im Vergleich
- Zuordnung von Zusatzpauschalen zu spezifischen Diagnosen und Behandlungsanlässen
- Abrechnungsvoraussetzungen und Ausschlussbedingungen für ausgewählte Zusatzpauschalen
- Dokumentationspflichten als Abrechnungsgrundlage: was muss in der Patientenakte stehen
Disease-Management-Programme und Versorgungsmanagement sind der zweite Schwerpunkt. DMP sind strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke; ihre korrekte Handhabung ist sowohl medizinisch-inhaltlich als auch abrechnungstechnisch relevant.
- Überblick über die aktuellen DMP (Diabetes mellitus, KHK, Asthma, COPD, Brustkrebs, Osteoporose, Depression)
- Einschreibung von Patientinnen und Patienten in ein DMP: Kriterien, Dokumentation, Datenübermittlung
- DMP-spezifische Abrechnungspositionen im EBM und ihre Voraussetzungen
- Schnittstellen zwischen DMP-Dokumentation und Praxisverwaltungssystem
- Versorgungsmanagement nach EBM: Überleitungsmanagement bei Entlassung aus dem Krankenhaus
Hausärztliche geriatrische Versorgung und Prävention bilden den dritten Block. Die zunehmende Alterung der Bevölkerung macht die geriatrische Versorgung zu einem wachsenden Teil des hausärztlichen Alltags; Prävention ist ein weiteres Abrechnungsfeld mit eigenen EBM-Positionen.
- Geriatrisches Basisassessment nach EBM: Indikation, Durchführung, Dokumentation und Abrechnung
- Hausärztliche geriatrische Betreuung (HzV) und ihre Abgrenzung zum EBM-Standard
- Weitere geriatriespezifische Leistungen und ihre Abrechnungsbedingungen
- Präventive Leistungen nach EBM: Gesundheitsuntersuchung, Impfberatung, Früherkennung
- Dokumentationspflichten bei präventiven Leistungen und Früherkennungsuntersuchungen
Basis- und Speziallabor sowie Honorarabrechnung bilden den vierten Themenblock. Das Labor ist ein umsatzrelevanter und häufig fehleranfälliger Abrechnungsbereich; die Honorarabrechnung gegenüber der KV ist die Grundlage der ärztlichen Vergütung und muss verstanden werden, um Abrechnungsbescheide zu überprüfen.
- Abgrenzung zwischen Basislabor (eigene Abrechnung) und Speziallabor (Fremdlabor, Überweisung)
- Häufige Basislaborleistungen und ihre EBM-Positionen im Überblick
- Dokumentation und Anforderungsschein für Laborleistungen korrekt ausfüllen
- Aufbau des Honorarbescheids der Kassenärztlichen Vereinigung
- Abrechnungsoptimierung: häufige Fehlerquellen und Prüfroutinen
Im praxisorientierten Anwendungsblock werden die Inhalte anhand typischer Praxisszenarien vertieft.
- Abrechnungsfall DMP Diabetes Typ 2: Einschreibung, Dokumentation und EBM-Kodierung vollständig durchführen
- Geriatrisches Basisassessment anhand eines Musterfalls dokumentieren und korrekt abrechnen
- Laboranforderungsschein für Basislaborleistungen ausfüllen und EBM-Positionen zuordnen
- Hausärztliche Zusatzpauschale anhand eines Behandlungsfalls korrekt zuordnen und begründen
- Abrechnungsoptimierungspotenzial in einem vorgegebenen Quartalsbericht identifizieren
- DMP-Datensatz auf Vollständigkeit und Plausibilität prüfen
- Honorarbescheid einer Muster-KV-Abrechnung nachvollziehen und Abweichungen erklären
- Präventive Leistungen für einen Patienten korrekt dokumentieren und kodieren
- Versorgungsmanagement: Entlassbrief aus dem Krankenhaus auswerten und Folgebehandlung abrechnungskonform planen
- Speziallaboranforderung prüfen: ist Überweisung nötig oder kann das Basislabor abrechnen
- Plausibilitätsprüfung: typische Fehler in einer Beispiel-EBM-Abrechnung identifizieren und korrigieren
- Abschlusspräsentation: eigene Lösung für einen komplexen Abrechnungsfall vorstellen und diskutieren
Die fallbasierten Übungen bereiten gezielt auf die realen Anforderungen des Praxisalltags vor — von der täglichen Kodierung im Praxisverwaltungssystem bis zur Kontrolle des Quartalshonorarbescheids. Die Abschlusspräsentation fördert die Fähigkeit, Abrechnungsentscheidungen klar zu begründen.
Lernziele:
- Hausärztliche und fachärztliche Zusatzpauschalen korrekt erkennen, zuordnen und abrechnen
- Abrechnungsoptimierungspotenziale im EBM systematisch identifizieren und ausschöpfen
- Disease-Management-Programme (DMP) verstehen, Patienteneinschreibungen dokumentieren und abrechnungsrelevante Leistungen richtig kodieren
- Versorgungsmanagement in der Arztpraxis organisieren und abrechnungskonform abbilden
- Hausärztliche geriatrische Versorgung einschließlich Geriatrischem Basisassessment korrekt abrechnen
- Basis- und Speziallaborleistungen nach EBM zutreffend kodieren und plausibel dokumentieren
- Die Bedeutung von Prävention für die Arztpraxis kennen und präventive Leistungen abrechnungsgerecht erfassen
- Die Honorarabrechnung gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung nachvollziehen und Abrechnungsbescheide kritisch lesen
- Häufige Abrechnungsfehler und Plausibilitätsprobleme erkennen und vermeiden
- Dokumentationspflichten als Grundlage der EBM-Abrechnung konsequent einhalten
- Schnittstellen zwischen EBM-Abrechnung, Praxisverwaltungssystem und Honorarbescheid verstehen
- Qualitätssicherungsmaßnahmen in der Abrechnung implementieren, um Rückforderungen zu vermeiden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich hauptsächlich an Medizinische Fachangestellte (MFA) und Arzthelferinnen und Arzthelfer, die in Arztpraxen tätig sind oder nach einer Pause wieder in diesen Beruf einsteigen möchten. Grundkenntnisse der EBM-Abrechnung werden vorausgesetzt.
- Wiedereinsteiger aus dem Beruf der Medizinischen Fachangestellten oder Arzthelferin/Arzthelfer nach Elternzeit, Erkrankung oder beruflicher Umorientierung
- MFA mit Grundkenntnissen in der EBM-Abrechnung, die für anspruchsvollere Abrechnungsaufgaben qualifiziert werden möchten
- Praxismanagerinnen und Praxismanager, die die Abrechnungsqualität in ihrer Einrichtung verbessern wollen
- Beschäftigte in ärztlichen Gemeinschaftspraxen, medizinischen Versorgungszentren oder Kliniken mit ambulantem Abrechnungsbereich
Für den Vertiefungskurs werden gute Grundkenntnisse im medizinischen Bereich und im Abrechnungssystem EBM vorausgesetzt, wie sie der Grundkurs Arztpraxis-Management vermittelt. Darüber hinaus werden gute Kenntnisse im Umgang mit dem PC erwartet, da Praxisverwaltungssysteme und digitale Dokumentationswerkzeuge im Unterricht genutzt werden. Grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache auf einem Niveau, das das Verstehen von medizinischen und juristischen Fachtexten ermöglicht, sind ebenfalls erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird laut den vorliegenden Angebotsdaten als Combined Learning in Vollzeit durchgeführt. Fachliche Unterrichtseinheiten zu EBM-Systematik und Abrechnungsbestimmungen wechseln sich mit praktischen Fallarbeitsphasen ab. Typische Praxisszenarien und Musterfälle sorgen dafür, dass das Wissen nicht nur theoretisch vorhanden ist, sondern in konkreten Abrechnungssituationen angewendet werden kann. Gruppenarbeit und gegenseitiges Feedback bei der Fallpräsentation fördern die Sicherheit im Umgang mit komplexen Abrechnungsentscheidungen.
Die ausgewerteten Termindaten zeigen eine typische Kursdauer von mehr als einer Woche bis zu einem Monat in Vollzeit. Die Dauer variiert je nach Bildungsträger. Da der Kurs ein klar abgegrenztes Modul der EBM-Abrechnung behandelt, kann er auch als einzelner Baustein in einem umfassenderen Qualifizierungsprogramm für das Arztpraxis-Management belegt werden.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Sie ein trägerinternes Zertifikat beziehungsweise eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers. Die Bescheinigung dokumentiert die vertieften Inhalte des EBM-Abrechnungskurses. Es handelt sich nicht um eine staatliche Prüfung oder eine Zertifizierung der Kassenärztlichen Vereinigung; der Nachweis ist jedoch ein anerkanntes Dokument gegenüber Arbeitgebern in Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren.
Nutzen & Perspektiven
Die EBM-Abrechnung ist für eine Arztpraxis wirtschaftlich existenziell: Fehler oder Lücken in der Abrechnung führen zu Einnahmeausfällen oder zu Rückforderungen durch die Kassenärztliche Vereinigung, die im Rahmen von Plausibilitätsprüfungen festgestellt werden können. Medizinische Fachangestellte, die komplexe Abrechnungsbereiche wie DMP, Zusatzpauschalen und Geriatrie sicher beherrschen, entlasten den behandelnden Arzt und tragen direkt zur wirtschaftlichen Stabilität der Praxis bei. In einer Zeit, in der qualifizierte MFA mit Abrechnungskompetenz in vielen Regionen knapp sind, verbessert diese Spezialisierung die eigene Arbeitsmarktposition und die Verhandlungsbasis bei der Stellensuche erheblich. Für Wiedereinsteiger bietet der Kurs eine strukturierte Möglichkeit, nach einer Berufspause — sei es durch Elternzeit, Erkrankung oder eine Phase in einem anderen Berufsfeld — wieder auf den aktuellen Stand der EBM-Systematik zu kommen. Da sich der EBM regelmäßig ändert, ist ein strukturierter Refresher wertvoller als eine rein selbstgesteuerte Einarbeitung, weil er Lücken systematisch schließt und neue Abrechnungsfelder wie die geriatrische Versorgung gezielt adressiert. Für Arbeitsuchende und Wiedereinsteiger ist der Kurs bei AZAV-zertifizierten Trägern in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Je nach persönlicher Situation kommen außerdem das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Eine individuelle Beratung beim zuständigen Leistungsträger klärt den geeigneten Förderweg.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse werden für den Vertiefungskurs vorausgesetzt?
Vorausgesetzt werden gute Grundkenntnisse im medizinischen Bereich und in der EBM-Abrechnung, wie sie der Grundkurs Arztpraxis-Management vermittelt. Der Kurs knüpft inhaltlich direkt daran an und wiederholt keine Basisinhalte. Darüber hinaus sind gute PC-Kenntnisse erforderlich.
Was sind Disease-Management-Programme (DMP) und warum sind sie abrechnungsrelevant?
DMP sind strukturierte Behandlungsprogramme der gesetzlichen Krankenversicherung für chronisch erkrankte Patientinnen und Patienten, zum Beispiel bei Diabetes mellitus, KHK oder Asthma. Die Einschreibung in ein DMP und die Dokumentation der Programmteilnahme sind Voraussetzung für die Abrechnung spezifischer DMP-Leistungspositionen im EBM. Fehlerhafte oder lückenhafte Dokumentation kann zur Stornierung dieser Positionen durch die KV führen.
Welches Zertifikat erhalte ich nach Abschluss?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat beziehungsweise eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers. Es handelt sich nicht um eine staatliche Prüfung oder eine Zertifizierung der Kassenärztlichen Vereinigung; das Dokument ist jedoch ein anerkannter Nachweis der vertieften Abrechnungskompetenz gegenüber Arbeitgebern in Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren.
Ist der Kurs über einen Bildungsgutschein förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Daneben kommen je nach Situation das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr oder Leistungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Eine Beratung beim zuständigen Leistungsträger klärt den individuellen Förderanspruch.
Eignet sich der Kurs auch für Wiedereinsteiger nach längerer Berufspause?
Ja, der Kurs richtet sich laut Quellmaterial ausdrücklich an Wiedereinsteiger aus den Berufen der medizinischen Fachangestellten oder Arzthelferin/Arzthelfer. Er bietet eine strukturierte Möglichkeit, sich nach einer Berufspause mit den aktuellen Abrechnungsanforderungen vertraut zu machen und gezielt Wissenslücken zu schließen, die durch zwischenzeitliche EBM-Änderungen entstanden sind.
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