Überblick
Die Abrechnung zahnärztlicher Leistungen ist eines der anspruchsvollsten Abrechnungssysteme im deutschen Gesundheitswesen. Wer in einer Zahnarztpraxis Abrechnungsaufgaben übernimmt, muss BEMA (Bewertungsmaßstab zahnärztlicher Leistungen) für gesetzlich Versicherte und GOZ (Gebührenordnung für Zahnärzte) für Privatpatienten sicher beherrschen — und dabei gleichzeitig Praxismanagement-Aufgaben wahrnehmen. Diese Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte, die bereits erste Erfahrungen in der Dentalabrechnung mitbringen und ihre Kenntnisse in Abrechnung, Praxisführung und Office-Anwendungen systematisch auffrischen und vertiefen möchten. Das Besondere dieses Kurses ist die dreigliedrige Kombination: Praxisspezifische Abrechnungskompetenz (BEMA/GOZ), betriebswirtschaftliche Praxisführung und das gezielt auf den Praxisalltag angepasste Office-Training bilden zusammen ein vollständiges Qualifizierungspaket für die moderne Zahnarztpraxis.
Kursinhalte & Lernziele
BEMA — Abrechnung für gesetzlich Versicherte Das BEMA-Modul vermittelt die Grundsystematik der kassenzahnärztlichen Abrechnung. Teilnehmende lernen die wichtigsten Abrechnungspositionen, Genehmigungspflichten und Dokumentationsanforderungen für GKV-Patienten kennen.
- Aufbau und Systematik des BEMA: Kapitel, Leistungspositionen, Punktwerte
- Abrechnung konservierend-chirurgischer Leistungen (z. B. Füllungen, Extraktionen, Parodontologie)
- Abrechnungsablauf Zahnersatz: HKP-Erstellung, Genehmigung durch Krankenkasse, Festzuschüsse
- Kieferorthopädie-Abrechnung (KFO): KFO-Plan, Behandlungsphasen, Bonussystem
- Prophylaxe-Abrechnung: IP-Leistungen, PZR und präventionsorientierte BEMA-Positionen
- Häufige Abrechnungsfehler im BEMA-Bereich und deren Vermeidung
GOZ — Privatärztliche Gebührenordnung Das GOZ-Modul schließt die Lücke für die Privatpatientenabrechnung: Die Gebührenordnung für Zahnärzte 2012 regelt die Vergütung privatzahnärztlicher Leistungen und erlaubt in bestimmtem Umfang Steigerungsfaktoren.
- Aufbau der GOZ 2012: Leistungsbereiche, Punktwerte, Steigerungsfaktoren (1-fach bis 3,5-fach)
- GOZ-Positionen für Füllungstherapie, Prothetik, Parodontologie und Implantologie
- Analoge GOZ-Leistungen: Berechnung und Begründungspflicht bei nicht aufgeführten Leistungen
- Heil- und Kostenpläne für Privatpatienten: Erstellung und Patientenaufklärung
- Kombination von GKV und GOZ beim Zahnersatz (Privatanteil, Mehrleistungen)
- Fehler in GOZ-Rechnungen erkennen und korrigieren
Praxismanagement und Betriebswirtschaft der Zahnarztpraxis Die betriebswirtschaftliche Führung einer Zahnarztpraxis umfasst mehr als Abrechnung. Dieses Modul vermittelt organisatorische und kaufmännische Kompetenzen für das tägliche Praxismanagement.
- Praxisorganisation: Terminplanung, Patientenmanagement-Systeme, Sprechstundenorganisation
- Grundkenntnisse der Praxis-BWA: Umsatz, Kosten, Gewinn — Kennzahlen lesen
- Qualitätsmanagement in der Zahnarztpraxis: QM-Handbuch, Hygienepflichten, Dokumentation
- Beschwerdemanagement und Patientenkommunikation
- Datenschutz (DSGVO) und ärztliche Schweigepflicht im Praxisalltag
- Personalverwaltung: Aufgaben der ZFA im Kontext Praxismanagement
Office-Training für den Zahnarztpraxis-Alltag Das Office-Modul ist auf die konkreten Anwendungsfälle in der Zahnarztpraxis zugeschnitten: Schreiben von Patientenbriefen, Erstellen von Übersichtstabellen und Arbeiten mit digitalen Formularen.
- Textverarbeitung: Formatierung von Praxisbriefen, Anschreiben und Patienteninformationen
- Tabellenkalkulation: Umsatzübersichten, Terminauslastungsstatistiken, Kostenvergleiche
- Seitenlayout und Druckaufbereitung praxiseigener Dokumente
- Grafiken und Diagramme zur internen Auswertung von Praxiskennzahlen
- Formulare und Vorlagen für wiederkehrende Praxisdokumente
- Einführung in digitale Praxiskommunikation: E-Mail-Vorlagen, Online-Formulare
Praxisübungen und Fallbearbeitung Im Praxisteil werden Abrechnungsfälle aus dem Praxisalltag vollständig bearbeitet — von der Behandlungserfassung über die Positionszuordnung bis zur fertigen Rechnung.
- Vollständige BEMA-Abrechnung eines GKV-Patientenfalls mit mehreren Leistungspositionen
- GOZ-Rechnungserstellung für einen Privatpatienten mit Prothetik und Parodontologie
- Bearbeitung eines Mischfalls (GKV-Patient mit Privatanteil beim Zahnersatz)
- Erstellung und Einreichung eines Heil- und Kostenplans (HKP) als Übungsaufgabe
- Prüfung einer vorhandenen GOZ-Rechnung auf Fehler
- Ausfüllen eines KFO-Plans für einen kieferorthopädischen Behandlungsfall
- Office-Aufgabe: Erstellung einer Patienteninformation als formatiertes Praxisdokument
- Tabellenkalkulation: Erstellen einer monatlichen Abrechnungsübersicht für die Praxis
- Dokumentation eines Behandlungsablaufs entsprechend Datenschutz- und Hygienevorschriften
- Fallbesprechung: Häufige BEMA- und GOZ-Fehler im Team analysieren und korrigieren
- Anwendung gelernter Abrechnungslogik auf neue, unbekannte Behandlungsfälle
- Abschlussübung: vollständige Patientenakte mit BEMA- und GOZ-Abrechnung erstellen
Lernziele:
- BEMA-Leistungspositionen für kassenzahnärztliche Abrechnung sicher identifizieren und anwenden
- GOZ-Leistungspositionen für privatärztliche Abrechnung korrekt berechnen und abrechnen
- Abrechnungsunterschiede zwischen GKV- und PKV-Patienten sowie Selbstzahlern verstehen
- Behandlungspläne (BEMA: HKP, KFO-Plan) korrekt erstellen und einreichen
- Praxismanagement-Aufgaben: Terminplanung, Patientenmanagement, Qualitätssicherung
- Betriebswirtschaftliche Kennzahlen einer Zahnarztpraxis lesen und interpretieren
- Grundlagen der Praxisorganisation und des Beschwerdemanagements anwenden
- Office-Anwendungen (Textverarbeitung und Tabellenkalkulation) praxisbezogen einsetzen
- Patientenkommunikation schriftlich unterstützen (Briefe, Heil- und Kostenpläne, Formulare)
- Datenschutz und Dokumentationspflichten in der Zahnarztpraxis einhalten
- Praxissoftware-gestütztes Arbeiten im Kontext zahnmedizinischer Praxissysteme verstehen
- KI-basierte Werkzeuge zur Unterstützung von Praxisabläufen einsetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich ausdrücklich an Fachkräfte mit zahnmedizinischer oder kaufmännischer Grundausbildung und ersten praktischen Erfahrungen in der Praxisabrechnung.
- Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA), die ihre Abrechnungskenntnisse vertiefen möchten
- Praxishelferinnen und -helfer aus Zahnarztpraxen ohne formale Abrechnungsausbildung
- Quereinsteiger/innen aus dem kaufmännischen Bereich, die in die Zahnarztpraxis wechseln
- Mitarbeitende in Abrechnungsstellen für zahnärztliche Leistungen
- Praxismanager/innen, die ihre Gesamtkompetenz in Abrechnung und Praxisführung ausbauen wollen
Eine abgeschlossene zahnmedizinische oder kaufmännische Berufsausbildung mit erster Berufserfahrung wird erwartet. Erste Kenntnisse in der Abrechnung zahnärztlicher Leistungen sind von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Grundlegende PC-Kenntnisse werden vorausgesetzt, da der Kurs auch Office-Anwendungen und digitale Praxistools umfasst.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als Teilzeitweiterbildung konzipiert und ermöglicht so eine Kombination mit bestehenden beruflichen Verpflichtungen. Theorieanteile zu BEMA, GOZ und Praxismanagement werden durch praktische Falllösungen ergänzt: Teilnehmende bearbeiten reale und realitätsnahe Abrechnungsfälle eigenständig und in begleiteter Diskussion. Das Office-Training erfolgt am Computer mit praxisbezogenen Aufgaben, die direkt aus dem Praxisalltag einer Zahnarztpraxis abgeleitet sind.
Die Weiterbildung ist für Teilzeitbetrieb ausgelegt und erstreckt sich über mehrere Wochen oder Monate, je nach gewähltem Anbieter. Die zeitliche Struktur ermöglicht es, parallel in der Praxis zu arbeiten und die Lerninhalte direkt im beruflichen Alltag anzuwenden.
Nach erfolgreichem Abschluss wird ein trägerinternes Zertifikat ausgestellt, das die bestandene Weiterbildung in Abrechnung und Praxismanagement für Zahnarztpraxen bestätigt. Es handelt sich um kein staatliches Examen und kein Kammer-Zertifikat; das Zertifikat ist jedoch ein aussagekräftiger Nachweis für Bewerbungen in Zahnarztpraxen, Abrechnungsstellen und zahnarztnahe Verwaltungsbereiche.
Nutzen & Perspektiven
Abrechnungsfehler in Zahnarztpraxen haben direkte wirtschaftliche Konsequenzen: Nicht abgerechnete Leistungen bedeuten Erlösverluste, fehlerhafte GOZ-Rechnungen riskieren Patientenbeschwerden und rechtliche Probleme. Fachkräfte, die BEMA und GOZ sicher beherrschen, sind in gut geführten Zahnarztpraxen unverzichtbar — und entsprechend gefragt. Die Kombination mit dem Praxismanagement-Modul hebt diesen Kurs über eine reine Abrechnungsschulung hinaus: Wer nicht nur Leistungspositionen kennt, sondern auch Praxisorganisation, Kennzahlenlesen und Patientenmanagement beherrscht, kann in einer Zahnarztpraxis deutlich mehr Verantwortung übernehmen und als zentrale Verwaltungsstütze des Praxisteams wirken. Das Office-Training schließt zudem eine im Praxisalltag häufig vorhandene Lücke: Die professionelle Erstellung von Praxisdokumenten, Patientenanschreiben und Auswertungstabellen ist eine täglich gebrauchte Kompetenz, die in der spezifischen Praxissoftware oft nicht vollständig abgedeckt wird. Wer Office-Tools praxisbezogen einzusetzen weiß, arbeitet effizienter und professioneller — und entlastet gleichzeitig die Praxisinhaber, die sich auf die zahnmedizinische Behandlung konzentrieren können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen BEMA und GOZ?
BEMA (Bewertungsmaßstab zahnärztlicher Leistungen) gilt für die Abrechnung gegenüber gesetzlichen Krankenkassen. GOZ (Gebührenordnung für Zahnärzte) regelt die privatärztliche Abrechnung — für Privatpatienten oder für Leistungen, die über den GKV-Anspruch hinausgehen.
Muss ich bereits in einer Zahnarztpraxis gearbeitet haben?
Erste Berufserfahrung in einer Zahnarztpraxis oder im zahnmedizinischen bzw. kaufmännischen Bereich ist von Vorteil und wird laut Zielgruppenkriterien vorausgesetzt. Wer komplett ohne Praxiserfahrung kommt, sollte dies vor Kursanmeldung mit dem Anbieter klären.
Was wird im Office-Training behandelt?
Das Office-Training ist auf den Zahnarztpraxis-Alltag ausgerichtet: Textverarbeitung für Patientenbriefe, Tabellenkalkulation für Abrechnungsübersichten und Praxisstatistiken, Seitenlayout für Praxisdokumente und Einführung in KI-Tools für administrative Abläufe.
Kann dieser Kurs auch in Teilzeit absolviert werden?
Ja, der Kurs ist explizit als Teilzeitweiterbildung konzipiert und ermöglicht so die Kombination mit einer bestehenden Berufstätigkeit in der Praxis.
Ist das Zertifikat von Zahnärztekammern anerkannt?
Das ausgestellte Zertifikat ist ein trägerinternes Qualifikationsnachweis, kein Kammer-Zertifikat. Es ist ein anerkannter Nachweis bei Bewerbungen in Zahnarztpraxen und Abrechnungsstellen. Für eine Kammeranerkennung wäre eine entsprechend zertifizierte ZFA-Fortbildung erforderlich.
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