Überblick
Die Qualifizierung Ambulante/r Pflegeassistent/in richtet sich an Menschen ohne bisherige Berufserfahrung in der Pflege, die einen praxisnahen Einstieg in die häusliche Krankenpflege suchen. Anders als eine dreijährige Pflegeausbildung handelt es sich um eine kompakte, gezielt auf die ambulante Behandlungspflege zugeschnittene Qualifizierung — kein grundständiger Pflegeberuf mit Berufsurkunde, sondern eine fokussierte Befähigung für definierte pflegerische Tätigkeiten. Der Kurs umfasst 300 Theoriestunden sowie drei strukturierte Praxisblöcke von jeweils vier Wochen direkt im Pflegedienst und qualifiziert für die Durchführung von Behandlungspflegen der Leistungsgruppen 1 und 2. Damit richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an ambulante Pflegedienste, die Quereinsteiger/innen ohne Pflegeerfahrung gezielt für die häusliche Behandlungspflege aufbauen möchten.
Kursinhalte & Lernziele
Der Lehrgang verbindet einen umfangreichen theoretischen Grundlagenteil mit drei strukturierten Praxisphasen direkt im ambulanten Pflegedienst. Der Aufbau folgt der Logik: Theorie schaffen, in der Praxis anwenden, im nächsten Theorieblock vertiefen. Block 1 — Grundlagen der Behandlungspflege: Dieser Block vermittelt das pflegerische und medizinische Basiswissen, das für alle weiteren Inhalte vorausgesetzt wird.
- Anatomie und Physiologie in ihren pflegerelevanten Grundzügen
- Grundlagen der Krankheitslehre bei häufigen Erkrankungen im Alter
- Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen in der häuslichen Pflege
- Grundpflegerische Tätigkeiten und deren Abgrenzung zur Behandlungspflege
- Dokumentationspflichten und rechtliche Rahmenbedingungen der ambulanten Pflege
- Kommunikation mit Pflegebedürftigen, Angehörigen und dem Pflegeteam
Block 2 — Behandlungspflege Leistungsgruppe 1: Der zweite Block vertieft die konkreten Handlungsschritte der Leistungsgruppe 1, die den Kern der ambulanten Behandlungspflege bilden.
- Medikamentengabe: Formen, Dosierung, Dokumentation
- Blutzuckermessung und Umgang mit Diabetes-Patienten
- Verbandwechsel bei unkomplizierten Wunden
- Kompressionsstrümpfe an- und ausziehen
- Vitalzeichenkontrolle: Blutdruck, Puls, Temperatur, Atmung
- Umgang mit einfachen medizinischen Hilfsmitteln im häuslichen Umfeld
Block 3 — Behandlungspflege Leistungsgruppe 2: Aufbauend auf Leistungsgruppe 1 behandelt dieser Block anspruchsvollere pflegerische Handlungsschritte, die zusätzliche Sorgfalt und Fachwissen erfordern.
- Subkutane Injektionen, insbesondere Insulingabe
- Versorgung komplexerer Wunden und einfacher chronischer Wunden
- Stoma- und Kathetergrundversorgung im Überblick
- Umgang mit Sondenernährung in Grundzügen
- Erkennen von Komplikationen und Handlungsgrenzen der Pflegeassistenz
- Abstimmung mit Pflegefachkräften bei komplexeren Pflegesituationen
Block 4 — Erste Hilfe und Notfallmanagement: Dieser Block bereitet gezielt auf Notfallsituationen im häuslichen Umfeld vor und schließt mit dem Erste-Hilfe-Grundkurs ab.
- Erkennen und Einschätzen von Notfallsituationen
- Basismaßnahmen der Ersten Hilfe und Reanimation
- Verhalten bei Stürzen, Kreislaufproblemen und akuten Beschwerden
- Alarmierung und Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten
- Dokumentation von Zwischenfällen und Notfällen
- Vorbeugung von Notfallsituationen durch aufmerksame Beobachtung
Praxis-Block — Drei Praxisphasen im Pflegedienst: Kernstück der Qualifizierung sind drei strukturierte Praxisblöcke von jeweils vier Wochen, die direkt im ambulanten Pflegedienst absolviert werden und die theoretischen Inhalte unmittelbar in reale Pflegesituationen überführen
- Begleitung von Pflegefachkräften bei Hausbesuchen und Behandlungspflegen
- Eigenständige Durchführung einfacher Behandlungspflegen unter Anleitung
- Praktische Anwendung der Medikamentengabe bei realen Pflegebedürftigen
- Durchführung von Vitalzeichenkontrollen im häuslichen Umfeld
- Praktische Übung von Verbandwechseln unter fachlicher Aufsicht
- Einübung subkutaner Injektionen unter Anleitung erfahrener Fachkräfte
- Kennenlernen der Tourenplanung und Organisation eines ambulanten Pflegedienstes
- Praktische Pflegedokumentation nach den Vorgaben des jeweiligen Trägers
- Kommunikationstraining im direkten Kontakt mit Pflegebedürftigen und Angehörigen
- Rückschau der eigenen Praxiserfahrungen im Austausch mit Praxisanleitung
- Schrittweise Übernahme von mehr Eigenverantwortung über die drei Praxisblöcke hinweg
- Abschließende Einschätzung der individuellen Einsatzfähigkeit für Leistungsgruppe 1 und 2
Zwischen den Praxisblöcken kehren die Teilnehmenden jeweils in den theoretischen Unterricht zurück, um offene Fragen aus der Praxis zu klären und die nächsten Inhalte vorzubereiten. Dieser Wechsel aus Theorie und Praxis sorgt dafür, dass gelerntes Wissen unmittelbar angewendet und Unsicherheiten frühzeitig besprochen werden.
Lernziele:
Nach Abschluss der Qualifizierung sind die Teilnehmenden in der Lage, definierte Behandlungspflegen in der ambulanten häuslichen Pflege eigenständig und fachgerecht durchzuführen. Im Einzelnen werden folgende Kompetenzen aufgebaut
- Grundprinzipien der Behandlungspflege nach den Leistungsgruppen 1 und 2 anwenden
- Medikamente korrekt stellen, verabreichen und dokumentieren
- Injektionen und Verbandwechsel fachgerecht durchführen
- Vitalzeichen (Blutdruck, Puls, Temperatur, Blutzucker) messen und einordnen
- Hygienevorschriften und Infektionsschutz in der häuslichen Pflege sicher umsetzen
- Pflegedokumentation nach den Anforderungen der Kostenträger führen
- Grundlagen der Ersten Hilfe in Notfallsituationen im häuslichen Umfeld anwenden
- Kommunikation mit Pflegebedürftigen und Angehörigen situationsgerecht gestalten
- Krankheitsbilder erkennen, die eine Rücksprache mit Pflegedienst oder Arzt erfordern
- Arbeitsabläufe im ambulanten Pflegedienst organisieren und in den Tagesablauf integrieren
- Die eigene fachliche und rechtliche Verantwortung als Pflegeassistent/in einschätzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Qualifizierung richtet sich an alle, die ohne bisherige Berufserfahrung in die Pflege einsteigen und in der ambulanten Behandlungspflege tätig werden möchten.
- Quereinsteiger/innen ohne Vorerfahrung in der Pflege, die einen praxisnahen Einstieg suchen
- Berufsrückkehrer/innen nach längerer Familien- oder Erwerbspause
- Personen mit Interesse an sozialen und pflegerischen Tätigkeiten
- Beschäftigte in verwandten Berufsfeldern (z. B. Betreuung, Hauswirtschaft), die sich fachlich erweitern möchten
- Ambulante Pflegedienste, die eigene Mitarbeitende ohne Pflegeerfahrung gezielt für die Behandlungspflege qualifizieren
Weitere Voraussetzungen über die grundsätzliche Eignung für pflegerische Tätigkeiten hinaus sind für den Einstieg nicht erforderlich — die Qualifizierung ist ausdrücklich als Einstieg für Personen ohne Pflegeerfahrung konzipiert. Körperliche Belastbarkeit und Freude am Umgang mit pflegebedürftigen Menschen sind für die praktische Tätigkeit wichtig. Nach Abschluss der Qualifizierung sind die von den Krankenkassen vorgegebenen Voraussetzungen für den Einsatz in den Leistungsgruppen 1 und 2 zu erfüllen; ein gesondertes Anerkennungsverfahren bei den Krankenkassen ist seit September 2022 nicht mehr vorgesehen, die Einhaltung der fachlichen Vorgaben muss aber auf Anfrage nachgewiesen werden können.
Ablauf & Abschluss
Die Qualifizierung kombiniert einen kompakten theoretischen Unterrichtsblock mit drei ausgedehnten Praxisphasen direkt im ambulanten Pflegedienst. Je nach Anbieter finden die Theoriephasen als Präsenzunterricht mit einzelnen Online-Anteilen statt, während die Praxisblöcke stets vor Ort im Pflegedienst und in Vollzeit absolviert werden. Erfahrene Pflegefachkräfte begleiten sowohl den theoretischen Unterricht als auch die praktische Anleitung während der Einsätze. Dieser enge Theorie-Praxis-Verzahnung unterscheidet die Qualifizierung deutlich von rein theoretischen Fortbildungsformaten.
Die Qualifizierung umfasst insgesamt 300 Theoriestunden sowie drei Praxisblöcke von jeweils vier Wochen im Pflegedienst, was einer Gesamtdauer von mehreren Monaten entspricht. Die Praxisphasen werden in Vollzeit absolviert, während die Theoriephasen je nach Anbieter unterschiedlich getaktet sein können. Der klar strukturierte Wechsel aus Theorie- und Praxisblöcken sorgt für einen planbaren, nachvollziehbaren Ablauf der gesamten Qualifizierung.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine Teilnahmebescheinigung als Ambulante/r Pflegeassistent/in sowie den Nachweis über einen absolvierten Erste-Hilfe-Grundkurs. Es handelt sich nicht um einen staatlich geregelten Ausbildungsberuf mit Berufsurkunde, sondern um eine trägerinterne Qualifizierung, die auf die Anforderungen der Behandlungspflege in den Leistungsgruppen 1 und 2 zugeschnitten ist. Die Erfüllung der fachlichen Vorgaben für den Einsatz in diesen Leistungsgruppen muss gegenüber der Krankenkasse auf Anfrage nachgewiesen werden können.
Nutzen & Perspektiven
Die ambulante Pflege steht seit Jahren vor einem spürbaren Fachkräftemangel, während gleichzeitig die Zahl pflegebedürftiger Menschen im häuslichen Umfeld weiter zunimmt. Diese Qualifizierung bietet einen realistischen, vergleichsweise schnellen Einstieg in ein Berufsfeld mit hoher gesellschaftlicher Relevanz und stabiler Nachfrage — ohne die mehrjährige Dauer einer vollständigen Pflegeausbildung durchlaufen zu müssen. Für Quereinsteiger/innen bedeutet der Abschluss die Möglichkeit, unmittelbar in der Behandlungspflege ambulanter Pflegedienste tätig zu werden und wertvolle praktische Erfahrung zu sammeln. Diese Erfahrung kann perspektivisch als Sprungbrett für eine weiterführende Pflegeausbildung dienen, etwa zur Pflegefachkraft, sollte der Wunsch nach einer umfassenderen pflegerischen Qualifikation entstehen. Für ambulante Pflegedienste wiederum eröffnet die Qualifizierung eine gezielte Möglichkeit, Beschäftigte ohne Pflegeerfahrung selbst aufzubauen und für die Behandlungspflege einzusetzen — ein Weg, dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen, ohne auf bereits ausgebildete Pflegefachkräfte angewiesen zu sein.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Vorerfahrung in der Pflege für diese Qualifizierung?
Nein, die Qualifizierung ist ausdrücklich als Einstieg für Menschen ohne bisherige Berufserfahrung in der Pflege konzipiert. Über die grundsätzliche Eignung für pflegerische Tätigkeiten hinaus sind keine weiteren Vorkenntnisse erforderlich.
Ist die Qualifizierung eine vollständige Pflegeausbildung?
Nein. Es handelt sich um eine kompakte, gezielt auf die ambulante Behandlungspflege der Leistungsgruppen 1 und 2 zugeschnittene Qualifizierung — kein staatlich geregelter, mehrjähriger Pflegeausbildungsberuf. Der Fokus liegt auf definierten pflegerischen Tätigkeiten, nicht auf einer umfassenden Pflegefachausbildung.
Wie ist die Qualifizierung aufgebaut?
Sie umfasst 300 Theoriestunden sowie drei strukturierte Praxisblöcke von jeweils vier Wochen direkt im ambulanten Pflegedienst. Theorie und Praxis wechseln sich ab, sodass gelerntes Wissen unmittelbar in der Praxis angewendet und offene Fragen im nächsten Theorieblock geklärt werden können.
Was bedeuten Leistungsgruppe 1 und 2?
Leistungsgruppen 1 und 2 bezeichnen definierte Kategorien der ambulanten Behandlungspflege, etwa Medikamentengabe, Verbandwechsel und Vitalzeichenkontrolle (Leistungsgruppe 1) sowie anspruchsvollere Maßnahmen wie subkutane Injektionen (Leistungsgruppe 2). Die Qualifizierung befähigt zur Durchführung dieser Maßnahmen unter Einhaltung der jeweiligen fachlichen Vorgaben.
Ist nach Abschluss ein Anerkennungsverfahren bei der Krankenkasse nötig?
Seit September 2022 ist ein gesondertes Anerkennungsverfahren bei den Krankenkassen nicht mehr vorgesehen. Die Erfüllung der fachlichen Vorgaben für den Einsatz in den Leistungsgruppen 1 und 2 muss jedoch auf Anfrage der Krankenkasse nachgewiesen werden können.
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