Überblick
Brennschneiden ist eine der grundlegenden thermischen Trennverfahren in der Metalltechnik und im Stahlbau. Dieser Kurs vermittelt die handwerkliche und sicherheitstechnische Kompetenz, um mit einem autogenen Brennschneidgerät präzise, normgerechte Schnitte herzustellen. Die Ausbildung orientiert sich an den Anforderungen der DVS-Richtlinie 1185, die in metallverarbeitenden Betrieben und im Stahlbau als anerkannter Qualitätsstandard gilt. Mit dem DVS-Zertifikat erwerben Teilnehmende einen nachgefragten Kompetenznachweis.
Kursinhalte & Lernziele
Werkstoffkunde und Verfahrensgrundlagen Brennschneiden beruht auf einer gezielten chemischen Reaktion: Stahl wird örtlich auf Zündtemperatur erhitzt und anschließend durch einen reinen Sauerstoffstrahl verbrannt. Dieser Block vermittelt das notwendige Prozessverständnis: welche Stähle brennschneidbar sind, welche Gefüge- und Legierungsanteile den Prozess beeinflussen und wie sich Materialstärke auf die Verfahrensparameter auswirkt.
- Brennschneidbarkeit von Baustählen und unlegierten Stählen
- Einfluss von Legierungselementen (Chrom, Nickel, Mangan) auf den Schneidprozess
- Materialdicken und deren Auswirkung auf Gasdrücke und Schneidgeschwindigkeit
- Wärmeeinflusszone und Gefügeveränderungen am Schnittrand
- Vergleich mit angrenzenden Trennverfahren (Plasma, Laser)
Ausrüstung und Gerätekunde Ein zuverlässiges Brennschneidergebnis setzt den fachkundigen Umgang mit der Ausrüstung voraus. Dieser Block deckt den Aufbau und die Funktion der eingesetzten Geräte ab, erklärt die Unterschiede zwischen Injektorbrenner und Hochdruckbrenner und zeigt, wie Düsen, Schläuche und Druckminderer geprüft und gewartet werden.
- Aufbau und Funktion von Schneidbrennern (Injektor- und Hochdrucktypen)
- Düsenarten und deren Anwendungsbereich nach Materialdicke
- Druckminderer, Rückschlagsicherungen und Schlauchverbindungen prüfen
- Flaschenkennzeichnung und sicherer Umgang mit Gasflaschen
- Hilfsmittel: Brennerzirkel, Führungsschienen, Winkellehren
Einstellung und Schnittführung – praktische Kernkompetenz Dieser Block bildet das handwerkliche Herzstück des Kurses. Die Teilnehmenden lernen, die Brennerflamme für den jeweiligen Anwendungsfall korrekt einzustellen (neutral, oxidierend, karburierend) und entwickeln durch wiederholte Übungssequenzen ein sicheres Gespür für Schnittgeschwindigkeit und Brennerführung.
- Einstellung der neutralen Schneidvorwärmflamme
- Einstellen des Schneidsauerstoffdrucks nach Materialstärke
- Anfahr- und Abfahrtechnik: sichere Zündung und kontrollierter Schnittabschluss
- Geradschnitte entlang Führungsschiene
- Kreisschnitte und Kurvenführung mit Brennerzirkel
- Erkennen und Korrigieren von Schnittfehlern (Schlackenanhaftung, ungleichmäßiger Schnittspalt)
Arbeitssicherheit und Normkonformität Brennschneiden mit Sauerstoff und Brenngasen birgt spezifische Gefährdungslagen. Dieser Block behandelt die relevanten Unfallverhütungsvorschriften, das sichere Verhalten bei Rückschlag und Schlauchbrand sowie die normative Einordnung der DVS-Richtlinie 1185.
- Gefährdungsbeurteilung am Brennschneidarbeitsplatz
- Brandschutzmaßnahmen und Lüftungsanforderungen
- Persönliche Schutzausrüstung: Schutzbrille, Handschuhe, Schürze
- Verhalten bei Gasaustritt, Rückschlag und Flammenrückschlag
- DVS-Richtlinie 1185: Anforderungen an Qualitätsbrennschnitte und Prüfnachweis
- Dokumentation von Prüfschnitten für die Zertifizierung
- Abschlussübung unter Prüfbedingungen (5 Unterrichtseinheiten)
- Fehlerauswertung und Besprechung der Ergebnisse
- Überblick über weiterführende Schweißtechnik-Qualifikationen (DVS-Bereich)
- Praktische Tipps für den betrieblichen Einsatz nach dem Kurs
- Wiederholung sicherheitsrelevanter Handgriffe
- Vorbesprechung der Zertifizierungsdokumentation
Der Kurs findet als Präsenzunterricht mit handwerklichem Schwerpunkt statt. Der Großteil der Unterrichtszeit entfällt auf praktische Übungen am Werkstück. Theoretische Grundlagen werden kompakt und praxisorientiert vermittelt, um den Übungsanteil maximal zu halten.
Lernziele:
- Grundlagen des autogenen Brennschneidens verstehen und erklären können
- Das korrekte Gasgemisch (Sauerstoff/Brenngas) je nach Werkstoff und Materialstärke einstellen
- Schneidbrenngeräte und Zubehör sicher bedienen und warten
- Schneidparameter (Schneidgeschwindigkeit, Düsenabstand, Gasdrücke) sachgerecht anpassen
- Werkstücke für den Schnittvorgang fachgerecht vorbereiten und einspannen
- Qualitätsbrennschnitte mit handgeführtem Brenner selbstständig ausführen
- Hilfsmittel wie Brennerzirkel und Schienen korrekt einsetzen
- Schnittfehler erkennen, Ursachen analysieren und abstellen
- Arbeitssicherheitsvorschriften im Umgang mit Brenngas und Sauerstoff einhalten
- Erste-Hilfe-Grundprinzipien für Unfälle mit Brennschneidgeräten kennen
- Die Anforderungen der DVS-Richtlinie 1185 in der Praxis umsetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die im metallverarbeitenden Gewerbe tätig sind oder sich für diesen Bereich qualifizieren möchten.
- Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Metallbau-, Stahlbau- und Schweißbetrieben
- Personen, die einen Einstieg in schweißtechnische Berufe anstreben
- Fachkräfte, die ihre Qualifikation durch ein anerkanntes DVS-Zertifikat dokumentieren möchten
- Arbeitsuchende mit handwerklichem Hintergrund im Bereich Metall und Technik
- Interessierte Weiterbildungsnehmende mit entsprechender körperlicher Eignung
Voraussetzung ist ein Mindestalter von 18 Jahren. Zudem werden eine abgeschlossene Berufsausbildung oder entsprechende Berufspraxis im handwerklichen oder technischen Bereich sowie Deutschkenntnisse mindestens auf Niveau B1 (mündlich und schriftlich) erwartet. Körperliche Eignung für die Arbeit mit Brennschneidgeräten ist erforderlich, da der Kurs praktische Werkstattarbeit in stehender und gebückter Haltung umfasst.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet ausschließlich als Präsenzveranstaltung in einer fachgerecht ausgestatteten Werkstatt statt. Die praktischen Übungsanteile nehmen den größten Teil der Unterrichtszeit in Anspruch. Theoretische Inhalte werden in kompakten Lehreinheiten vorangestellt, anschließend werden sie durch wiederholte praktische Anwendung am Werkstück gefestigt. Die Unterrichtssprache ist Deutsch.
Der Kurs umfasst nach Quellangaben ca. 5 Unterrichtseinheiten mit Schwerpunkt auf der praktischen Herstellung von Qualitätsbrennschnitten. Die Unterrichtsform ist Präsenzunterricht in Vollzeit. Der kompakte Umfang ist auf den spezifischen Nachweis nach DVS 1185 ausgerichtet.
Nach erfolgreich abgelegter Prüfung erhalten Teilnehmende das DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat gemäß DVS-Richtlinie 1185. Dieses Zertifikat ist ein anerkannter Nachweis für normgerechtes Brennschneiden und wird von Betrieben im Stahlbau, Metallbau und in der industriellen Fertigung akzeptiert. Zusätzlich stellen die Anbieter ein trägerinternes Zertifikat als Teilnahmenachweis aus.
Nutzen & Perspektiven
Das DVS-Zertifikat nach Richtlinie 1185 gilt in Deutschland und in vielen europäischen Nachbarländern als anerkannter Qualitätsnachweis für Brennschneidarbeiten. Arbeitgeber im Stahlbau und in der Metallfertigung legen Wert auf diesen Nachweis, weil er zeigt, dass eine Fachkraft die Anforderungen an Schnittqualität nach genormten Kriterien beherrscht — nicht nur empirisch, sondern nachweisbar. Wer bisher Brennschneidarbeiten ohne formalisierten Nachweis ausgeführt hat, schließt mit diesem Kurs eine wichtige Qualifikationslücke. Für Arbeitsuchende aus dem Metallbereich kann das Zertifikat den entscheidenden Unterschied bei Bewerbungen ausmachen, weil viele Ausschreibungen explizit schweißtechnische DVS-Nachweise verlangen — auch für Brennschneidtätigkeiten. Der Kurs ist gezielt kurz gehalten und auf das Wesentliche fokussiert: die sichere und normgerechte Handhabung des Brennschneidgeräts. Das macht ihn attraktiv für Berufstätige, die ohne langen Unterrichtsausfall eine zertifizierte Zusatzqualifikation erwerben möchten, und für Jobsuchende, die ihre Einstiegschancen in metallverarbeitende Betriebe rasch verbessern wollen. Aus sicherheitstechnischer Sicht ist das DVS-Zertifikat nicht nur ein Qualitätsnachweis, sondern auch ein Signal an Arbeitgeber, dass eine Fachkraft verantwortungsbewusst mit gefährlichen Arbeitsmitteln umgehen kann. Im Stahlbau und in der Druckbehälterfertigung ist der normgerechte Nachweis oft Pflicht, nicht Kür — Betriebe, die DVS-Standards nicht einhalten, riskieren bei Werkstoffprüfungen Beanstandungen. Wer das Zertifikat mitbringt, entlastet den Betrieb von Haftungsrisiken und zeigt, dass er die Norm nicht nur kennt, sondern dokumentiert beherrscht. Dieser praktische Nutzwert ist der eigentliche Grund, warum das Zertifikat im Einstellungsprozess gewichtet wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Nach bestandener Prüfung erhalten Teilnehmende das DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat gemäß DVS-Richtlinie 1185. Dieses ist ein anerkannter Nachweis für normgerechtes Brennschneiden. Zusätzlich stellt der Anbieter ein trägerinternes Zertifikat aus.
Sind Vorkenntnisse im Schweißen erforderlich?
Schweißkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich. Eine abgeschlossene Berufsausbildung oder praktische Erfahrung im handwerklichen oder technischen Bereich sowie Deutschkenntnisse auf Niveau B1 sind die wesentlichen Voraussetzungen. Wichtig ist außerdem körperliche Eignung für die Werkstattarbeit.
Findet der Kurs als Präsenz- oder Online-Kurs statt?
Ausschließlich als Präsenzveranstaltung. Brennschneiden ist eine handwerkliche Fertigkeit, die unmittelbares Üben am Gerät und am Werkstück erfordert. Ein Großteil der Unterrichtszeit entfällt auf praktische Übungseinheiten in der Werkstatt.
Für welche Berufe ist dieses Zertifikat relevant?
Das DVS-Zertifikat nach Richtlinie 1185 ist besonders relevant für Berufe im Stahlbau, Metallbau, in der industriellen Fertigung und in Schweißbetrieben. Arbeitgeber in diesen Branchen erkennen das Zertifikat als qualifizierten Eignungsnachweis an.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs von einer allgemeinen Schweißausbildung?
Dieser Kurs ist ausschließlich auf das thermische Trennverfahren Autogenbrennen nach DVS-Norm 1185 fokussiert — also auf das Schneiden, nicht auf das Verbinden von Metall. Er ist kompakt und zielgerichtet und eignet sich als Ergänzungsqualifikation neben einer Schweißausbildung oder als eigenständiger Nachweis für Brennschneidtätigkeiten.
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