Überblick
WIG-Schweißen an Chrom-Nickel-Stählen (CrNi-Stählen) stellt höhere Anforderungen als das Schweißen an unlegierten Baustählen: Die Werkstoffe reagieren empfindlich auf Wärmeeintrag und Oxidation, Schutzgasführung und Bauteilreinigung müssen präzise eingehalten werden, und die Nahtqualität lässt sich an der Anlauffarbe direkt ablesen. Dieser Grundkurs vermittelt das nötige Wissen und die praktische Fertigkeit, um einlagige WIG-Schweißnähte an nichtrostenden Stählen fachgerecht herzustellen. Teilnehmende lernen, wie sich CrNi-Werkstoffe beim Schweißen verhalten, welche Vorbereitungs-, Reinigungs- und Schutzgasmaßnahmen erforderlich sind, und wie Nähte nach der Norm EN ISO 9606 bewertet werden. Der Kurs richtet sich ausschließlich an Metall- und Industriefachkräfte, die handwerklich schweißen — nicht an Büro-, IT- oder kaufmännische Berufsfelder.
Kursinhalte & Lernziele
Werkstoffe und Werkstoffkunde CrNi-Stähle Nichtrostende Stähle unterscheiden sich von Baustählen in ihrer chemischen Zusammensetzung, ihrem Wärmeausdehnungsverhalten und ihrer Anfälligkeit für interkristalline Korrosion. Wer diese Eigenschaften kennt, versteht, warum beim WIG-Schweißen an CrNi-Stählen besondere Sorgfalt geboten ist.
- Legierungselemente in CrNi-Stählen kennenlernen: Chrom, Nickel, Molybdän und ihre Wirkung
- Werkstoffnummern und Normbezeichnungen unterscheiden: 1.4301, 1.4404, 1.4571
- Wärmeausdehnung und Verzugsneigung im Vergleich zu Baustahl einschätzen
- Interkristalline Korrosion verstehen: Ursachen, Entstehungstemperaturen, Vermeidung
- Schweißeignung beurteilen: Welche Stähle lassen sich mit WIG gut verarbeiten?
- Werkstoffauswahl für typische Anwendungen (Lebensmitteltechnik, Chemie, Druckbehälter) nachvollziehen
WIG-Technik und Geräteeinstellung Das WIG-Verfahren (Wolfram-Inertgas-Schweißen) arbeitet mit einer nichtabschmelzenden Wolframelektrode und einem separat zugeführten Schweißzusatz. An CrNi-Stählen wird es bevorzugt eingesetzt, weil die Lichtbogenführung präzise und der Wärmeeintrag kontrollierbar ist. In diesem Block lernen Teilnehmende, das Gerät vollständig einzustellen und betriebssicher zu bedienen.
- Aufbau der WIG-Schweißanlage kennenlernen: Stromquelle, Brenner, Gasversorgung, Fußpedal
- Stromarten und Elektrodenpolung für CrNi-Stähle unterscheiden (Gleichstrom, Minuspol)
- Wolfram-Elektroden beurteilen und anschleifen: Ceroxid vs. Thorium, Anschliffwinkel
- HF-Zündung einstellen und Pilotlichtbogen nutzen
- Schweißstrom nach Blechdicke und Nahtlage berechnen und einstellen
- Impulsschweißen für dünne Bleche und Wärmereduktion einsetzen
Nahtvor- und -nachbereitung, Schutzmaßnahmen Sauberkeit ist beim Schweißen von CrNi-Stählen keine Nebensache, sondern Voraussetzung für korrosionsbeständige Nähte. Fett, Fingerabdrücke und Oxidschilder auf der Nahtvorbereitung führen zu Porosität und Anlauffarben; eine unsachgemäße Nachbehandlung zerstört die Passivschicht.
- Oberflächen mit zugelassenen Reinigungsmitteln (Aceton, Isopropanol) und Reinraumhandschuhen reinigen
- Schleifen und Bürsten korrekt durchführen: nur Edelstahlbürsten, Trennung von CrNi- und Kohlenstoffstahlwerkzeug
- Fugenvorbereitung und Spaltmaß für Stumpfstöße einstellen
- Heftschweißen unter Schutzgas ausführen: Heftpositionen und Heftfolge
- Anlauffarben nach dem Schweißen beurteilen: Silber und Hellgold zulässig, Blau und Grau problematisch
- Beizenpasten anwenden: Einwirkzeit, Neutralisation und Entsorgung sachgerecht durchführen
Praxisübungen und Nahtbeurteilung Der Schwerpunkt des Kurses liegt auf der handwerklichen Übung. Teilnehmende schweißen unter Anleitung zunächst auf Probeblechen und steigern schrittweise Komplexität und Eigenverantwortung. Die Nahtbeurteilung nach Sichtprüfungskriterien schließt jeden Übungsblock ab.
- Zündübungen am Probeblech ausführen: stabilen Lichtbogen ohne Wolframeinschlüsse erzeugen
- Raupen auf Probeblechen verschiedener Dicken (1,5 / 2 / 3 mm) schweißen
- Stumpfstoß I-Naht an 2-mm-Blech einseitig einlagig mit und ohne Badschutz herstellen
- Stumpfstoß mit Schweißbadsicherung (Keramikbadsicherung oder Formiergas-Rückseite) schweißen
- Anlauffarben nach jedem Probeschweißen beurteilen und Ursachen auswerten
- Nahtfehler analysieren: Ursache Bindefehler, Poren und Einbrandkerben identifizieren
- Nahtbewertung nach EN ISO 9606: Bewertungsgruppen B, C und D nachvollziehen
- Fehlerhafte Bereiche abschleifen und erneut schweißen
- Fertige Nähte beizen, bürsten, passivieren und für Übergabe vorbereiten
- Sicherheitsregeln im Schweißbetrieb einhalten: Absaugung, Schutzkleidung, Gasflaschenkontrolle
- Eigene Schweißleistung kritisch bewerten und gezielte Verbesserungsschritte ableiten
- Abschlussprobe unter eigenverantwortlichen Bedingungen ausführen und beurteilen
Die praktischen Übungsblöcke bilden das Herzstück des Kurses. Jede Übung endet mit einer Sichtprüfung nach klaren Qualitätskriterien, sodass Teilnehmende ein direktes Feedback erhalten und ihre Technik gezielt verbessern können. Wiederholtes Schweißen unter variierenden Bedingungen baut die notwendige Handhabungssicherheit auf, die für den selbstständigen Einsatz im Betrieb erforderlich ist.
Lernziele:
- WIG-Schweißgeräte korrekt einstellen (Schweißstrom, Impuls, HF-Zündung, Nachströmzeit)
- Wolfram-Elektroden für CrNi-Stähle auswählen, anschleifen und wechseln
- Schutzgas für die CrNi-WIG-Schweißung korrekt auswählen und Gasmengen einstellen
- Bauteiloberflächen aus nichtrostendem Stahl fachgerecht reinigen und entfetten
- Einlagige Stumpfstöße an Blechen aus CrNi-Stahl reproduzierbar herstellen
- Anlauffarben an der Schweißnaht beurteilen und als Qualitätskriterium interpretieren
- Wärmeeinflusszone und Verzug bei CrNi-Stählen erkennen und minimieren
- Nahtfehler (Poren, Bindefehler, Einbrandkerben) durch Sichtprüfung identifizieren
- Werkstücke nach dem Schweißen beizen, bürsten und passivieren
- Sicherheitsvorschriften beim WIG-Schweißen einhalten (Lichtbogenstrahlung, Ozon, Rauche)
- Grundlagen der Nahtbewertung nach EN ISO 9606 nachvollziehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich ausschließlich an Metall- und Industriefachkräfte mit praktischer Erfahrung in einem technischen Berufsfeld. Wer beruflich in der Metallverarbeitung tätig ist und WIG-Schweißen an Edelstahl erlernen will, ist hier richtig.
- Konstruktionsmechaniker und Metallbauer, die WIG-Schweißen an CrNi-Stählen erlernen wollen
- Industriemechaniker und Anlagenmechaniker in der Chemie-, Lebensmittel- oder Pharmabranche
- WIG-Schweißer, die bisher nur an Baustahl gearbeitet haben und auf CrNi-Stähle wechseln
- Fachkräfte in der Druckbehälter-, Rohrleitungs- oder Edelstahlverarbeitung
- Personen mit Interesse an Schweißtechnik und technischer Berufsausbildung oder vergleichbarer Berufspraxis
Eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder nachgewiesene Berufspraxis in einem metallverarbeitenden Bereich wird vorausgesetzt. Erste Schweißerfahrungen — auch in anderen Verfahren wie MAG oder E-Hand — sind hilfreich, aber nicht zwingend. Wichtig ist grundlegendes handwerkliches Verständnis für Metallfügeprozesse und Bereitschaft zur intensiven praktischen Übung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als handwerklich-praktische Ausbildung konzipiert: Theoriephasen am Beginn jedes Themenblocks liefern das nötige Hintergrundwissen; der deutlich größere Teil der Kurszeit wird an der Schweißstation verbracht. Ausbilder beobachten die Teilnehmenden beim Schweißen, korrigieren Brennerführung und Geräteeinstellung unmittelbar und geben direktes Feedback zur Nahtqualität. Kleine Gruppengrößen stellen sicher, dass jede Person ausreichend Übungszeit erhält.
Der Kurs umfasst typischerweise mehrere Tage in Vollzeit; die exakte Dauer variiert je nach Anbieter und angestrebtem Qualifikationsstand. Alle Materialien — Probebleche, Schweißzusatz, Schutzgas, Verbrauchsmaterialien — werden vom Kursanbieter gestellt.
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende eine Teilnahmebescheinigung des Bildungsanbieters, die die erfolgreiche Teilnahme am WIG-Schweißkurs für CrNi-Stähle bestätigt. Eine Schweißerprüfung nach EN ISO 9606-1 (Lichtbogenschweißen von Stählen) kann nach dem Kurs separat bei einem akkreditierten Prüfinstitut (z. B. SLV, DVS, TÜV) abgelegt werden und ist nicht Bestandteil des Grundkurses.
Nutzen & Perspektiven
WIG-Schweißen an CrNi-Stählen ist eine Spezialkompetenz, die in der Lebensmitteltechnik, der Pharmaindustrie, dem Druckbehälterbau und der Chemieanlage täglich gefragt ist. Werkstoffe wie der 1.4301 (V2A) oder 1.4404 (V4A) sind in diesen Branchen Standard — und werden ausschließlich von Fachkräften geschweißt, die mit der Sensibilität dieser Werkstoffe vertraut sind. Wer nach diesem Kurs reproduzierbar silbrig-goldene, nicht angelaufene WIG-Nähte an Edelstahl produziert, kann in Betrieben arbeiten, die qualitätskritische Schweißarbeiten ausführen. Die Anlauffarben-Kontrolle nach dem Schweißen ist ein einfaches, aber sehr aussagekräftiges Qualitätsinstrument: Wer die Farbe der Naht lesen kann, erkennt sofort, ob Schutzgas, Schweißstrom und Brennerführung korrekt eingestellt waren. Diese Fähigkeit reduziert Nacharbeitskosten und Ausschuss erheblich — und macht die geschulte Fachkraft zum wertvollen Ansprechpartner für Qualitätssicherung im Betrieb. Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606 sind in vielen Branchen Voraussetzung für die eigenverantwortliche Ausführung von Schweißnähten. Dieser Kurs legt das handwerkliche Fundament, auf dem eine solche externe Prüfung aufbauen kann. Wer die Grundlagen beherrscht, kann gezielt auf die jeweilige Nahtart und Prüfposition vorbereiten und sich so schrittweise zum geprüften WIG-Schweißer für nichtrostende Stähle qualifizieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet WIG-Schweißen an CrNi-Stählen vom Schweißen an normalem Baustahl?
CrNi-Stähle reagieren empfindlicher auf Wärmeeintrag und Oxidation. Fingerabdrücke, Fett und falsch eingestelltes Schutzgas führen zu Anlauffarben und Korrosionsanfälligkeit der Naht. Der Wärmeeinflussbereich muss eng gehalten werden, die Nahtvorbereitung ist aufwendiger, und die Nachbehandlung durch Beizen und Passivieren ist Pflicht. An Baustahl entfallen die meisten dieser Schritte.
Was sagen die Anlauffarben über die Nahtqualität aus?
Die Anlauffarben entstehen durch Oxidation der Nahtoberfläche beim Abkühlen. Silbrig bis hellgold bedeutet geringer Sauerstoffzutritt und gute Schutzgasabdeckung — die Naht ist in der Regel korrosionsbeständig. Blaue, graue oder schwarze Verfärbungen zeigen an, dass zu viel Sauerstoff an die heiße Naht gelangt ist und die Passivschicht beschädigt wurde. Das erfordert Nacharbeit durch Beizen.
Was ist EN ISO 9606 und gilt dieser Kurs als Schweißerprüfung?
EN ISO 9606-1 ist die europäische Norm für die Prüfung von Schweißern beim Lichtbogenschweißen von Stählen. Eine bestandene Prüfung belegt, dass der Schweißer in einer bestimmten Nahtart und Schweißposition reproduzierbar qualitätsgerechte Nähte herstellen kann. Dieser Grundkurs bereitet auf diese Prüfung vor, ist aber selbst keine offizielle Schweißerprüfung nach EN ISO 9606 — diese muss separat bei einem akkreditierten Institut abgelegt werden.
Brauche ich eigene Schutzkleidung oder Werkzeug für den Kurs?
Alle Materialien, Probebleche, Schweißzusatz, Schutzgas und Verbrauchsmaterialien werden vom Kursanbieter gestellt. Grundlegende Schutzkleidung (Schweißerschutzjacke, Schutzhandschuhe, Sicherheitsschuhe) sollten Teilnehmende mitbringen; ob der Anbieter Leihkleidung bereitstellt, klärt man am besten vor Kursbeginn.
Für welche Berufsfelder ist dieser WIG-Kurs besonders relevant?
Der Kurs ist besonders relevant für Fachkräfte in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, der Pharmaindustrie, dem Druckbehälterbau, der Chemieanlage und der Edelstahlverarbeitung. In diesen Branchen ist WIG-Schweißen an CrNi-Stählen Standardanforderung, und qualitätsgerecht ausgeführte Nähte sind oft Voraussetzung für Betriebsgenehmigungen und Abnahmeprüfungen.
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