Überblick
Dieser Kurs qualifiziert Teilnehmende in gleich drei Schweißverfahren: WIG (Wolfram-Inertgas), MIG/MAG (Metall-Inertgas/Metall-Aktivgas) und E-Hand (Lichtbogenhandschweißen). Der Abschluss nach ISO 9606 ist eine international anerkannte Schweißerprüfung, die von Unternehmen in der Metallfertigung, im Anlagenbau und in der Druckindustrie weltweit verlangt wird. Besonders hervorzuheben ist der Einsatz von Virtual Welding mit Augmented Reality: Teilnehmende üben Schweißnähte in einer risikofreien Simulation, bevor sie an die reale Anlage treten.
Kursinhalte & Lernziele
Schweißtechnik-Grundlagen und Werkstoffkunde Bevor die erste Naht gezogen wird, steht das Verständnis der physikalischen und metallurgischen Grundlagen. Dieser Block legt das Fundament für alle drei Verfahren: Was passiert beim Schweißen im Werkstoff? Warum entstehen Eigenspannungen? Was bedeutet die Wärmeeinflusszone?
- Einführung in die Schweißtechnik und historische Entwicklung der Verfahren
- Metallkundliche Grundlagen (Kristallstruktur, Gefügeveränderungen beim Schweißen)
- Werkstoffe und ihre Schweißeignung (un- und niedriglegierter Stahl, Edelstahl, Aluminium)
- Wärmeeinflusszone (WEZ) und deren Auswirkungen auf die Nahtqualität
- Schweißnahtarten, Nahtformen und Fugengeometrien (V-, HV-, HY-Naht)
- Grundlagen der Schweißnormen (ISO 3834, ISO 9606, DIN EN 15614)
Lichtbogenhandschweißen (E-Hand) Das E-Hand-Schweißen ist das älteste und nach wie vor am weitesten verbreitete Verfahren für Reparaturen, Baustellen und schwer zugängliche Positionen. Teilnehmende lernen den Umgang mit der Elektrode, die Stromquelleneinstellung und die typischen Herausforderungen des Verfahrens.
- Verfahrensprinzip E-Hand (Lichtbogen, Umhüllungselektrode, Schlackebildung)
- Elektroden-Arten (rutil, basisch, zellulosehaltig) und deren Einsatz
- Stromquelleneinstellung (Gleichstrom/Wechselstrom, Polarität, Stromstärke)
- Schweißen in verschiedenen Positionen (PA Wannenposition, PB Kehlnaht, PE Überkopf)
- Typische E-Hand-Fehler (Poren, Schlackeneinschlüsse, Risse) und Vermeidungsstrategien
- Übungssequenzen am E-Hand-Gerät und im Virtual-Welding-Simulator
MIG/MAG-Schweißen MIG/MAG ist das meistgenutzte Verfahren in der industriellen Serienfertigung. Teilnehmende erlernen den vollständigen Umgang mit der Anlage, die Schutzgasauswahl und die Parameter-Einstellung für unterschiedliche Werkstoffe und Nahtgeometrien.
- Verfahrensprinzip MIG/MAG (abschmelzende Elektrode, Drahtvorschub, Schutzgas)
- Unterschied MIG (inert: Argon) vs. MAG (aktiv: CO2, Mischgas) und Anwendungsfälle
- Drahtdurchmesser, Drahtvorschubgeschwindigkeit und Lichtbogencharakteristik
- Schutzgaseinstellungen und Gasdüsenabstand
- Nahtarten in MIG/MAG (Stumpfnaht einlagig/mehrlagig, Kehlnaht, Wurzellage)
- Parametrierung für Stahl, Edelstahl und Aluminium (Besonderheiten)
WIG-Schweißen WIG ist das präziseste der drei Verfahren — ideal für dünnwandige Bauteile, Edelstahlrohre und hochwertige Sichtschweißungen. Die Brennerführung erfordert erhebliche Handgeschicklichkeit, die durch Virtual-Welding-Übungen gezielt vorbereitet wird.
- Verfahrensprinzip WIG (nicht abschmelzende Wolfram-Elektrode, Zusatzwerkstoff von Hand)
- Wolframelektroden-Typen und Anschliffformen je nach Werkstoff
- Strom- und Schutzgaseinstellung für Stahl, Edelstahl und Aluminium
- Wurzellage und Steignaht am WIG-Brenner (Handtechnik, Brennerwinkel, Zusatzdrahtführung)
- Sonderanwendungen WIG (Impulsschweißen, Orbitalschweißen im Überblick)
- WIG-typische Fehler (Oxid-Einschlüsse, Poren durch Sauerstoffkontakt) und Gegenmassnahmen
Virtual Welding mit Augmented Reality und Prüfungsvorbereitung nach ISO 9606 Dieser abschließende Block verbindet Technik-Innovation mit Prüfungsorientierung. Virtual Welding ermöglicht es, Schweißpositionen und Nahtarten mit direktem Echtzeit-Feedback zu üben — ohne Materialverbrauch und Verletzungsrisiko. Die gewonnene Handkontrolle wird dann an der realen Anlage konsolidiert.
- Grundlagen des Virtual-Welding-Systems (Augmented Reality, Sensor-Feedback, Echtzeit-Bewertung)
- Übungssequenzen WIG, MIG/MAG und E-Hand im Simulator (Parameteranpassung, Brennerwinkel)
- Interpretation des Simulator-Feedbacks und gezieltes Nachsteuern
- Übertrag der VR-Handfertigkeiten auf die reale Schweißanlage
- ISO-9606-Prüfungsanforderungen (Prüfstücke, Positionen, Bewertungskriterien)
- Sichtprüfung von Prüfschweißungen nach ISO 5817
- Dokumentation und Zertifikatsausstellung nach ISO 9606
- Umgang mit Schweißanweisungen (WPS nach ISO 15609)
- Nachbehandlung und Qualitätssicherung nach der Naht
- Schweißnahtfehler unter Prüfbedingungen erkennen und dokumentieren
- Sicherheitsregeln Abschlusswiederholung (PSA, Lüftung, Brandschutz)
- Übergabe der Prüfungsdokumentation
Lernziele:
- die drei Schweißverfahren WIG, MIG/MAG und E-Hand in Aufbau, Funktion und Wirkprinzip erklären
- Schweißparameter (Stromstärke, Spannung, Vorschub, Schutzgas) für alle drei Verfahren korrekt einstellen
- Schweißnähte nach Nahtart (Stumpfnaht, Kehlnaht, Eck- und T-Naht) und Schweißposition (PA–PG) ausführen
- Werkstoffkunde für Schweißaufgaben anwenden (Stahl, Aluminium, Edelstahl — Eigenschaften, Vorwärmbedarf)
- Schweißnahtfehler visuell identifizieren und auf ihre Ursache zurückführen
- Schweißzeichnungen und Schweißnahtbezeichnungen nach ISO 2553 lesen und interpretieren
- Sicherheitsregeln beim Schweißen (Lichtbogenstrahlung, Rauche, Brandschutz) konsequent einhalten
- Virtual-Welding-Simulationen effektiv zum Aufbau von Handfertigkeiten nutzen
- die Anforderungen der ISO-9606-Prüfung verstehen und sich zielgerichtet darauf vorbereiten
- Qualitätsprüfungen an Schweißnähten (Sichtprüfung, Maßprüfung) durchführen
- Schweißnahtdokumentation und Schweißanweisungen (WPS) lesen
- Nachbehandlung von Schweißnähten (Schleifen, Beizen) sachgerecht ausführen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit Interesse oder Erfahrung im Bereich der Metallverarbeitung und -bearbeitung, die eine formale Schweißerqualifikation nach ISO 9606 anstreben.
- Metallbauer/-innen, Schlosser/-innen und Konstruktionsmechaniker/-innen, die alle drei Verfahren beherrschen wollen
- Technische Fachkräfte aus Anlagenbau, Druckindustrie oder Stahlbau mit Bedarf an einer ISO-9606-Qualifikation
- Personen mit technischer Berufsausbildung, die in den Schweißbereich einsteigen wollen
- CNC-Fachkräfte und Fertigungsmechaniker, die ihre Tätigkeiten um Schweißen erweitern möchten
- Berufsrückkehrende und Quereinsteiger mit technischem Hintergrund
Vorausgesetzt wird eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder nachgewiesene Berufspraxis in einem technischen Bereich. Erste Berührungspunkte mit Metallverarbeitung sind hilfreich, aber kein formales Muss. Körperliche Belastbarkeit und handwerkliches Geschick werden für die praktischen Schweißarbeiten erwartet. Vorkenntnisse im Schweißen sind nicht zwingend erforderlich — der Kurs startet bei den Grundlagen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs arbeitet mit einer starken Verzahnung von Theorie und Handwerk: Normenwissen und Werkstoffkunde schaffen das Fundament, das direkt in praktischen Übungen angewendet wird. Das Virtual-Welding-System mit Augmented Reality ermöglicht risikofreies, parametriertes Üben mit Echtzeit-Feedback, bevor die Teilnehmenden an realen Schweißanlagen arbeiten. Die drei Verfahren werden parallel unterrichtet — immer wieder werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede bewusst gemacht. Gruppenarbeit an Maschinen und individuelle Übungen wechseln sich ab.
Da drei Schweißverfahren und die zugehörige ISO-9606-Prüfungsvorbereitung abgedeckt werden, ist der Kurs ein umfangreicheres Qualifizierungsformat. Vollzeitvarianten erstrecken sich typischerweise über mehrere Monate. Genaue Stundenzahlen und Kursstruktur sind anbieterabhängig. Die ISO-9606-Prüfung findet nach dem Kursabschnitt statt.
Der Kurs bereitet auf die Schweißerprüfung nach ISO 9606 vor — die wichtigste internationale Norm für Schweißer-Qualifikationen. Der Prüfungsabschluss belegt die Kompetenz in den geprüften Schweißverfahren (WIG, MIG/MAG, E-Hand) und wird von Industrieunternehmen weltweit anerkannt. Ergänzend erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat der Weiterbildungseinrichtung. Die ISO-9606-Qualifikation hat eine definierte Gültigkeitsdauer und muss regelmäßig erneuert werden.
Nutzen & Perspektiven
Schweißer mit ISO-9606-Qualifikation sind auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft gefragt — in Branchen wie Anlagenbau, Druckindustrie, Energieversorgung, Schiffbau und Stahlkonstruktion ist diese Norm eine Mindestanforderung für qualifizierte Schweißpositionen. Wer gleich drei Verfahren abdeckt, kann flexibel in unterschiedlichen Produktionsumgebungen eingesetzt werden und ist damit deutlich attraktiver für Betriebe, die auf mehrere Schweißtechnologien setzen. Die Integration von Virtual Welding per Augmented Reality ist ein echter technologischer Mehrwert: Motorische Fertigkeiten wie Brennerführung, Brennerwinkel und Schweißgeschwindigkeit lassen sich im Simulator gezielt und iterativ verbessern — ohne Materialverschleiß und ohne Risiko für Menschen und Anlagen. Wer den Simulator nutzt, kommt mit deutlich besserem Handfertigkeitsniveau an die reale Schweißanlage. Die Kombination aus international anerkannter ISO-9606-Qualifikation und modernem Virtual-Welding-Training ist eine Investition, die sich beim ersten Bewerbungsgespräch bemerkbar macht: Unternehmen suchen nicht nur Schweißer, sondern Schweißer, die sowohl normgerecht zertifiziert sind als auch mit moderner Übungstechnologie vertraut sind — beides signalisiert Lernbereitschaft und professionelle Einstellung zur eigenen Qualität.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die ISO 9606 und warum ist sie wichtig?
ISO 9606 ist die internationale Norm für die Qualifizierung von Schweißern. Sie definiert die Prüfungsanforderungen für verschiedene Verfahren, Nahtarten und Positionen und stellt sicher, dass ein ISO-9606-zertifizierter Schweißer weltweit als qualifiziert anerkannt wird. In Druckindustrie, Anlagenbau und Stahlkonstruktion ist diese Norm oft Mindestvoraussetzung für eine Anstellung.
Was ist Virtual Welding mit Augmented Reality?
Virtual Welding ist ein Schweißsimulator, der mit Augmented-Reality-Technologie Echtzeit-Feedback zu Brennerführung, Winkel, Schweißgeschwindigkeit und Wärmeeinbringung gibt. Teilnehmende üben ohne reale Gefährdung und Materialverbrauch die Handfertigkeiten des Schweißens. Die im Simulator trainierte Motorik überträgt sich auf das reale Schweißen an der Anlage.
Wie lange ist die ISO-9606-Qualifikation gültig?
ISO-9606-Qualifikationen haben eine definierte Gültigkeitsdauer und müssen regelmäßig erneuert werden. Die Verlängerung setzt in der Regel den Nachweis kontinuierlicher Schweißpraxis und eine Bestätigung durch den Arbeitgeber voraus. Nach Ablauf der Gültigkeitsdauer ist eine erneute Prüfung erforderlich.
Muss ich vor dem Kurs schon schweißen können?
Vorherige Schweißkenntnisse sind keine Bedingung. Vorausgesetzt wird lediglich eine technische Berufsausbildung oder Berufspraxis in einem technischen Bereich sowie körperliche Belastbarkeit und handwerkliches Grundgeschick. Der Kurs beginnt bei den Grundlagen aller drei Verfahren.
Welche Branchen erkennen die ISO-9606-Qualifikation an?
Die Qualifikation ist in allen schweißintensiven Branchen anerkannt: Anlagen- und Behälterbau, Druckindustrie (z. B. Dampfkessel, Druckbehälter), Schiffbau, Stahlkonstruktion, Brückenbau, Energieversorgung und Automotive-Fertigung. Überall, wo Schweißnähte Sicherheitsrelevanz haben, ist die ISO-9606-Norm bindend oder bevorzugt.
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