Überblick
Das Lichtbogenschweißen — auch E-Hand-Schweißen oder MMA-Schweißen genannt — gehört zu den vielseitigsten und weltweit verbreitetsten Schweißverfahren. Es kommt überall dort zum Einsatz, wo robuste Verbindungen aus unlegierten und niedriglegierten Stählen gefordert sind: im Stahlbau, Anlagenbau, im Handwerk und in der industriellen Fertigung. Dieser Kurs vermittelt das theoretische Fachwissen und die handwerkliche Fertigkeit, die für eine qualifizierte Arbeit mit dem E-Hand-Verfahren erforderlich sind — und bereitet zugleich auf die normierte Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606 vor. Der Kurs verbindet Werkstoffkunde, Normensystem, Sicherheit und intensive Schweißpraxis zu einem vollständigen Ausbildungsgang. Teilnehmende erarbeiten sich das Handwerk von der Grundnaht bis zur anspruchsvollen Schweißposition und lernen, ihre Ergebnisse anhand der normativen Fehlerkategorien kritisch zu beurteilen.
Kursinhalte & Lernziele
Werkstoffkunde und Schweißmaterialien Das Verständnis der Werkstoffe ist die Grundlage für zuverlässige Schweißverbindungen. In diesem Modul werden Stähle systematisch nach ihrer chemischen Zusammensetzung und ihren mechanischen Eigenschaften unterschieden. Besonderes Augenmerk gilt dem Einfluss des Kohlenstoffäquivalents auf die Schweißeignung und die notwendige Vorwärmtemperatur.
- Einteilung und Bezeichnung von Baustählen nach EN 10025
- Einfluss von Legierungselementen auf Schweißbarkeit und mechanische Eigenschaften
- Kohlenstoffäquivalent: Berechnung und Bedeutung für die Praxis
- Elektroden für das E-Hand-Schweißen: Typen, Umhüllungen und Lagerung
- Trocknung und Handhabung von Stabelektroden
- Schweißnahtquerschnitte: Kehlnaht, Stumpfnaht, Ecken- und T-Stoß
Schweißverfahren, Geräte und Betriebsparameter Ein korrektes Grundverständnis der Schweißanlage und ihrer Einstellparameter ist Voraussetzung für gleichmäßige, fehlerfreie Nähte. In diesem Modul werden Stromquelle, Lichtbogeneigenschaften und Betriebseinstellungen systematisch erarbeitet.
- Aufbau und Betrieb von Lichtbogen-Schweißgeräten (Gleich- und Wechselstrom)
- Lichtbogenzündung, -haltung und Elektrodenführungstechnik
- Einfluss von Strom, Spannung und Schweißgeschwindigkeit auf die Nahtgeometrie
- Schweißpositionen nach ISO 6947: PA, PB, PC, PF, PG und ihre Anforderungen
- Nahtvorbereitung: Nahtöffnungswinkel, Stegbreite, Nahtspalt
- Wärmeeinbringung und Verzug: Ursachen und Gegenmaßnahmen
Normensystem und Nahtbeurteilung Die Qualität einer Schweißnaht wird nach klar definierten normativen Kriterien beurteilt. Dieses Modul vermittelt, wie Unregelmäßigkeiten systematisch erfasst, bewertet und in den Qualitätsklassen der ISO 5817 eingestuft werden.
- DIN EN ISO 6520: Klassifizierung von Unregelmäßigkeiten in Schmelzschweißnähten
- Risse, Poren, Einschlüsse, Bindefehler und Formunregelmäßigkeiten erkennen
- Sichtprüfung nach DIN EN ISO 17637 verstehen und anwenden
- ISO 5817 Qualitätsgruppen B, C, D: Grenzwerte und praktische Bedeutung
- Gültigkeitsbereiche und Inhalt der DIN EN ISO 9606 (Prüfung von Schweißern)
- Prüfungsvorbereitung: Anforderungen an Prüfstücke und Prüfungsablauf
Praktische Schweißausbildung — Übungs- und Prüfstücke Der Kernanteil des Kurses besteht aus intensiver praktischer Schweißarbeit. Teilnehmende schweißen unter ansteigendem Schwierigkeitsgrad, beginnend mit einfachen Wannennähten und aufbauend bis zu den anspruchsvolleren Steig- und Überkopfpositionen. Die gesamte Übungszeit ist auf die Anforderungen der DIN EN ISO 9606 ausgerichtet.
- Grundnähte in Wannenposition (PA) an unlegierten Baustählen
- Kehlnähte und Stumpfnähte in horizontaler Position (PB, PC)
- Steigende Nähte in PF-Position an Rohrproben und Blechen
- Anspruchsvolle Mehrlage-Technik (Wurzel, Füll- und Decklage)
- Schweißen auf Passstücken und vorgefertigten Baugruppen
- Schweißnahtvorbereitung selbstständig durchführen
- Fehleranalyse und Nacharbeit an eigenen Übungsstücken
- Nahtbeurteilung mit Sichtprüfung und Messschablonen
- Vorbereitung der normierten Prüfstücke nach ISO 9606
- Zeitmanagement und Qualitätssicherung unter Prüfungsbedingungen
- Sicherheitspraxis: PSA, Lüftung, Brandschutz, Umgang mit elektrischem Strom
- Abnahme der Prüfstücke durch autorisierte Schweißaufsichtspersonen
Lernziele:
- Das Lichtbogenschweißverfahren (E-Hand/MMA) physikalisch und technisch verstehen
- Schweißstromquellen, Elektroden und Betriebsparameter richtig auswählen und einstellen
- Grundlagen der Werkstoffkunde für Baustähle, Feinkornbaustähle und niedriglegierte Stähle beherrschen
- Schweißnahtformen und Schweißpositionen nach ISO 6947 korrekt benennen und ausführen
- Nahtunregelmäßigkeiten nach DIN EN ISO 6520 identifizieren und deren Ursachen benennen
- Das Normensystem der DIN EN ISO 9606 verstehen und auf die eigene Prüfungsituation anwenden
- Schweißsicherheit am Arbeitsplatz einhalten: persönliche Schutzausrüstung, Lüftung, Brandschutz
- Übungsstücke in Wannen-, Horizontal- und Steigposition schweißen
- Qualitätskriterien für Schweißnähte im Sichtprüfungsurteil anwenden
- Prüfstücke normkonform vorbereiten und die Schweißerprüfung ablegen
- Schweißnahtdokumentation und Qualitätsnachweise verstehen
- Typische Fehlerbilder im E-Hand-Schweißen gezielt korrigieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die das E-Hand-Schweißen handwerklich neu erlernen oder bestehende Kenntnisse systematisch vertiefen möchten.
- Interessierte ohne Schweißvorkenntnisse, aber mit technischer Grundaffinität
- Fachkräfte aus Metall- und Elektroberufen, die ihr Verfahrensspektrum erweitern wollen
- Personen, die auf dem Arbeitsmarkt im Schweißbereich Fuß fassen möchten
- Wiedereinsteiger, die ihre Schweißfertigkeiten auffrischen und normkonform nachweisen wollen
- Quereinsteiger mit handwerklichem Hintergrund
Erwartet wird eine ausgeprägte Affinität zum Schweißen sowie Erfahrung in einem technischen oder handwerklichen Berufsfeld. Formale Ausbildungsabschlüsse werden nicht vorausgesetzt. Gute Handfertigkeit und die Bereitschaft, millimetergenaue, gleichmäßige Bewegungsabläufe zu trainieren, sind ebenso wichtig wie Geduld und Ausdauer. Kenntnisse aus dem Metall- oder Elektrobereich sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als Präsenzkurs mit hohem Praxisanteil konzipiert. Theorieeinheiten zu Werkstoffkunde, Normensystem und Sicherheit werden kompakt und praxisorientiert vermittelt; der Großteil der Zeit entfällt auf die aktive Arbeit am Schweißbrenner. Teilnehmende erhalten regelmäßiges Feedback zu Nahtgeometrie, Fehlerbildern und Verfahrenstechnik. Schweißaufsichtspersonen mit normativem Hintergrund begleiten die Ausbildung und bereiten gezielt auf die Anforderungen der DIN EN ISO 9606-Prüfung vor.
Die Kursdauer richtet sich nach dem Vorkenntnisstand und dem angestrebten Prüfungsumfang. Grundlagenkurse ohne Prüfung sind kürzer; vollständige Ausbildungsgänge bis zur Schweißerprüfung umfassen in der Regel mehrere Wochen Vollzeitunterricht. Genaue Dauern und Starttermine variieren je nach Anbieter.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Wer die abschließende Prüfung erfolgreich ablegt, erhält die Schweißerprüfungsbescheinigung nach DIN EN ISO 9606-1 für Stähle, ausgestellt durch eine anerkannte Prüfstelle. Dieses Prüfungszeugnis ist international anerkannt und gilt in Gültigkeitsbereichen, die für den jeweiligen Prüfungsgegenstand festgelegt werden.
Nutzen & Perspektiven
Eine normierte Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606 ist in vielen Branchen nicht nur wünschenswert, sondern schlicht Voraussetzung für die Aufnahme von Schweißarbeiten. Im Stahlbau, im Druckbehälterbau, im Schiffbau und in der Bahntechnik fordern Auftraggeber und Normengeber den Nachweis, dass Schweißer für den jeweiligen Gültigkeitsbereich geprüft und zugelassen sind. Wer diesen Nachweis besitzt, ist auf dem Arbeitsmarkt deutlich breiter einsetzbar. Das Lichtbogenverfahren ist dabei besonders wertvoll, weil es mit vergleichsweise einfachem Equipment auskommt und auch an schwer zugänglichen Stellen oder auf Baustellen ohne aufwendige Schutzgasversorgung eingesetzt werden kann. Wer das E-Hand-Schweißen beherrscht, kann flexibel in verschiedenen Fertigungs- und Montagesituationen eingesetzt werden. Die systematische Verbindung von Werkstoffkunde, Normensystem und Praxis macht diesen Kurs zu einer soliden Grundlage für eine berufliche Spezialisierung im Schweißbereich — oder als Einstieg in weiterführende Verfahrenszertifizierungen wie WIG oder MAG.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?
Formale Abschlüsse werden nicht verlangt. Wichtig sind eine technische Grundaffinität, gute Handfertigkeit und die Bereitschaft, millimetergenaue Bewegungsabläufe zu trainieren. Erfahrungen aus dem Metall- oder Elektrobereich sind hilfreich, aber nicht zwingend.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Wer die abschließende Prüfung besteht, erhält die Schweißerprüfungsbescheinigung nach DIN EN ISO 9606-1 (Stahl) durch eine anerkannte Prüfstelle. Diese ist international anerkannt. Alle Teilnehmenden erhalten zudem eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung.
Wie viel Praxisanteil hat der Kurs?
Der Kurs hat einen sehr hohen Praxisanteil. Theorie zu Werkstoffkunde, Normen und Sicherheit wird kompakt gehalten; der Hauptteil der Zeit entfällt auf das aktive Schweißen unter Begleitung durch Schweißaufsichtspersonen. Übungsstücke und Prüfstücke werden selbst gefertigt und beurteilt.
Für welche Branchen ist das E-Hand-Schweißen besonders relevant?
Das Lichtbogenverfahren ist im Stahlbau, Anlagenbau, Schiffbau, Druckbehälterbau und in der Bahntechnik verbreitet. Es eignet sich besonders für Baustellen und schwer zugängliche Stellen, da es kein Schutzgas benötigt.
Kann ich nach dem Kurs weitere Schweißverfahren erlernen?
Ja. Das E-Hand-Schweißen bildet eine solide Grundlage für weiterführende Zertifizierungen wie WIG (Wolfram-Inertgas) oder MAG (Metall-Aktivgas). Viele Absolventen nutzen diesen Kurs als Ausgangspunkt für eine Spezialisierung im Schweißbereich.
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