Überblick
WIG-Schweißen an Chrom-Nickel-Stählen ist eine der anspruchsvollsten Schweißaufgaben überhaupt — und gleichzeitig eine der gefragtesten Qualifikationen in Edelstahlverarbeitung, Lebensmittelindustrie, Chemietechnik und Behälterbau. Dieser Advanced-Kurs setzt grundlegende WIG-Kenntnisse voraus und konzentriert sich vollständig auf die Besonderheiten austenitischer Cr/Ni-Legierungen: Wärmeempfindlichkeit, Verzugsproblematik, Anlauffarbenbildung, Zusatzwerkstoff-Auswahl und mehrlagige Schweißung für anspruchsvolle Verbindungsqualitäten. Aluminium-WIG-Schweißen ist ebenfalls Kursbestandteil, wird jedoch als ergänzende Disziplin gegenüber dem Edelstahlschwerpunkt behandelt.
Kursinhalte & Lernziele
Werkstoffkunde Cr/Ni-Stähle für die Schweißpraxis Edelstahl ist nicht gleich Edelstahl — schon kleine Legierungsunterschiede zwischen V2A (1.4301) und V4A (1.4401/1.4571) haben erhebliche Auswirkungen auf Schweißeignung und Korrosionsverhalten. Dieser Block legt das metallurgische Fundament, das für eine fehlerfreie Schweißpraxis unerlässlich ist.
- Legierungsbestandteile und ihre Funktion: Chrom, Nickel, Molybdän, Titan
- Austenit, Ferrit, Duplex: Gefügetypen und ihre Schweißeignung im Vergleich
- Sensibilisierung und interkristalline Korrosion: Ursachen und Vermeidungsstrategien
- Wärmeleitfähigkeit und thermische Ausdehnung von Cr/Ni-Stählen vs. Baustahl
- Werkstoffkennzeichnung und Kurzbezeichnungssystem nach DIN EN 10027
- Auswahlkriterien: Wann V2A, wann V4A, wann stabilisierte Güten?
Schutzgasführung, Zusatzwerkstoffe und Schweißparametereinstellung Das richtige Schutzgas und ein passender Schweißzusatz sind entscheidend für Nahtgüte und Korrosionsbeständigkeit. Dieser Block behandelt die Auswahl und praktische Handhabung aller relevanten Zusatz- und Hilfsstoffe für Edelstahlschweißungen.
- Schutzgase für Edelstahl-WIG: Argon, Helium-Argon-Gemische, Stickstoffzusätze
- Wurzelgasschutz: Rückseitenformiergas einstellen und überwachen
- Schweißzusatzwerkstoffe für austenitische Stähle: Klassifizierung nach AWS und EN
- Übereinstimmungsprinzip und „überwiegend legiert"-Prinzip bei der Zusatzauswahl
- WIG-Strom und Lichtbogentyp für Edelstahl: Gleichstrom (DC), Elektrodenpolarität
- Schweißparameteroptimierung: Stromstärke, Lichtbogenlänge und Fortschrittsgeschwindigkeit
Mehrlagige WIG-Verbindungen an Cr/Ni-Legierungen Das Herzstück des Kurses: die Praxis mehrlagiger WIG-Nähte an austenitischem Edelstahl. Hier entstehen echter Handwerksstolz und beruflich verwertbare Kompetenz — unter Bedingungen, die der industriellen Realität entsprechen.
- Nahtvorbereitung für Stumpf- und T-Nahtverbindungen an Edelstahlblechen
- Wurzellage ohne Schweißzusatz (autogen) und mit Schweißzusatz
- Füllagen schweißen: Abbrand, Einbrand und Nahtgeometrie kontrollieren
- Decklage: Optik, Korrosionsschutz und mechanische Oberflächengüte
- Wärmeeinbringung zwischen den Lagen kontrollieren und Interpasstemperatur überwachen
- Anlauffarbenbeurteilung: Goldgelb als Grenze, Blau und Grau als Alarmzeichen
- Schweißnahtfehler an Legierungsstählen erkennen: Poren, Heißrisse, Kaltrisse, Einbrandfehler
Praxisblock: Aluminium-WIG und Qualitätssicherung Als ergänzende Disziplin behandelt dieser Abschnitt das mehrlagige WIG-Schweißen an Aluminium — ein Werkstoff, der eigene Herausforderungen mitbringt und regelmäßig neben Edelstahlarbeiten anfällt.
- Werkstoffbesonderheiten Aluminium: Oxidschicht, Wärmeleitfähigkeit und Schmelzpunktunterschiede
- WIG-Aluminium mit Wechselstrom (AC): Reinigungseffekt und Einbrandtiefe
- Schweißzusatz für Aluminium: EN-Klassifizierung, Lagerschutz, Anschleifen
- Mehrlagiges Schweißen an Aluminiumblechen: Wurzel- und Decklage
- Nahtfehler bei Aluminium-WIG: Porenbildung durch Feuchtigkeit und Verunreinigungen
- Sichtprüfung fertiger Nähte: Kriterien und Bewertungsmaßstäbe nach EN ISO 5817
- Arbeitssicherheit bei Edelstahl und Aluminium: Chrom-VI-Exposition und Schutzmaßnahmen
- Schleif- und Beizarbeiten an Edelstahlnähten für den Korrosionsschutz
- Dokumentation von Schweißnähten und Qualitätsprotokollen
- Vergleich der erlernten Verbindungstypen nach Einsatzgebiet und Branchenanforderung
Der Kurs verbindet Werkstoffkunde, Parameteroptimierung und intensives Handtraining zu einem Lehrgang, der auf die realen Qualitätsanforderungen aus Edelstahlbau, Behälterbau und Lebensmitteltechnik vorbereitet. Wer diesen Kurs abschließt, kann mehrlagige Edelstahlnähte sicher und reproduzierbar ausführen.
Lernziele:
Die Teilnehmenden beherrschen nach diesem Kurs das mehrlagige WIG-Schweißen an Cr/Ni-Stählen auf einem Niveau, das für qualitätsgesicherte Edelstahlkonstruktionen in anspruchsvollen Industriebranchen ausreicht. Sie können Werkstoffverhalten, Schutzgasführung und Schweißparameter eigenständig beurteilen und anpassen.
- Metallurgische Besonderheiten austenitischer Chrom-Nickel-Stähle (V2A, V4A) erklären und für die Schweißpraxis nutzen
- Wärmeeinbringung kontrolliert steuern und Überhitzung sowie Sensibilisierung vermeiden
- Geeignete WIG-Schweißzusatzwerkstoffe für Cr/Ni-Legierungen fachgerecht auswählen und einsetzen
- Schutzgasführung und Wurzelgasschutz für Edelstahlschweißungen einrichten
- Nahtvorbereitung und Spaltmaße für mehrlagige Verbindungen an Edelstahl festlegen
- Wurzellage, Fülllagen und Decklage bei mehrlagigen Verbindungen qualitätssicher schweißen
- Anlauffarben beurteilen und deren Bedeutung für die Korrosionsbeständigkeit einordnen
- Schweißparameter (Stromstärke, Lichtbogenlänge, Vorschubgeschwindigkeit) für Edelstahl optimieren
- Mehrlagiges WIG-Schweißen an Aluminium mit und ohne Schweißzusatz durchführen
- Häufige Schweißfehler an Cr/Ni-Stählen (Poren, Heißrisse, Anlauffarben) erkennen und vermeiden
- Sichtprüfung und einfache Qualitätsbewertung von Edelstahlnähten durchführen
- Arbeitssicherheit beim WIG-Schweißen von Legierungsstählen einhalten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Angesprochen sind Schweißerinnen und Schweißer mit vorhandener WIG-Erfahrung, die ihre Kompetenz gezielt auf die anspruchsvollen Legierungswerkstoffe der Edelstahlverarbeitung ausweiten möchten.
- WIG-Schweißer mit Grundkenntnissen und Interesse an Edelstahl-/Legierungswerkstoffen
- Metallbauer und Schlosser, die regelmäßig mit V2A- und V4A-Werkstoffen arbeiten
- Industrieschweißfachkräfte, die ihre Einsatzbreite auf korrosionsbeständige Stähle erweitern
- Beschäftigte aus Behälterbau, Lebensmitteltechnik, Pharmaindustrie und Chemieanlangenbau
- Quereinsteigende mit technischem Hintergrund, die Schweißtechnik als neue Kernkompetenz aufbauen
Teilnehmende sollten über eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder nachweisbare Berufspraxis in einem technischen Bereich verfügen. Vorkenntnisse im WIG-Schweißen sind für diesen Advanced-Kurs unbedingt empfehlenswert, da der Kurs direkt mit Edelstahlschweißtechnik einsteigt und keine allgemeine WIG-Einführung enthält. Erfahrung mit anderen Lichtbogenschweißverfahren (MAG/MIG/E-Hand) ist eine sinnvolle Ergänzung. Bereitschaft zu intensiver Handarbeit in der Schweißkabine ist selbstverständlich Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als praxisintensiver Handwerkslehrgang konzipiert: Der größte Teil der Kurszeit wird in der Schweißkabine verbracht. Theoriephasen zu Werkstoffkunde, Schutzgas und Parameterwahl sind kurz und direkt auf die folgende Übungssequenz abgestimmt. Jede Schweißübung wird unter Begleitung erfahrener Ausbilder durchgeführt, die Nahtqualität wird gemeinsam bewertet und korrigiert. Die Übungsintensität steigt im Kursverlauf von Einlagennähten bis zu mehrlagigen Verbindungen unter anspruchsvollen Bedingungen.
Die Kursdauer ist auf intensive Schweißpraxis ausgelegt. Abhängig vom Anbieter sind mehrere Kurstage als Vollzeit-Präsenztraining vorgesehen. Genaue Termin- und Zeitangaben finden Sie beim jeweiligen Bildungsangebot.
Nach Kursabschluss erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Der Kurs bereitet inhaltlich auf externe Schweißprüfungen nach EN ISO 9606-1 (Stahlwerkstoffe) und EN ISO 9606-2 (Aluminiumwerkstoffe) vor, nimmt diese Prüfungen jedoch nicht ab. Die Entscheidung über eine anschließende amtliche Schweißprüfung liegt bei den Teilnehmenden und ihren Betrieben.
Nutzen & Perspektiven
WIG-Edelstahlschweißen auf mehrlagigem Advanced-Niveau ist eine Qualifikation, für die auf dem Fachkräftemarkt dauerhaft Nachfrage besteht. Wer Cr/Ni-Stähle sicher und korrosionsschutzgerecht schweißen kann, arbeitet in Branchen mit überdurchschnittlich hohen Qualitätsstandards — und entsprechend strukturierten Vergütungen. Der Sprung von einfachen Kehlnähten zu mehrlagigen Stumpfnähten an Edelstahl ist handwerklich anspruchsvoll und wird von Arbeitgebern als echter Qualifikationssprung wahrgenommen. In Branchen wie Lebensmitteltechnik, Pharmaindustrie oder Behälterbau sind Schweißfachkräfte mit Edelstahlkompetenz kaum zu ersetzen — Maschinen, Behälter und Rohrleitungen aus V2A oder V4A müssen nicht nur dicht, sondern auch optisch einwandfrei und korrosionsfest verbunden sein. Wer die Anlauffarbenproblematik kennt und Nahtfehler vermeidet, sichert Produktionsqualität und vermeidet teure Nacharbeit. Schließlich schafft die Kombination aus Edelstahl- und Aluminium-WIG-Kompetenz eine seltene Vielseitigkeit: Beide Werkstoffe stehen für Leichtbau, Korrosionsschutz und Premiumverarbeitung in modernen Industrien. Wer beide beherrscht, ist in einer außerordentlich breiten Palette technischer Projekte einsetzbar.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet „Advanced" in diesem Kurs — was setzt er voraus?
Advanced bedeutet, dass der Kurs keine WIG-Grundlagen-Einführung enthält. Teilnehmende sollten bereits Erfahrung im WIG-Schweißen haben und mit der Handhabung der Schweißausrüstung vertraut sein. Der Kurs startet direkt mit den spezifischen Anforderungen von Cr/Ni-Legierungen und mehrlagigen Verbindungen.
Warum ist das Schweißen von Edelstahl schwieriger als das von Baustahl?
Austenitische Cr/Ni-Stähle leiten Wärme schlechter und dehnen sich stärker aus als Baustahl, was zu Verzug führt. Zu hohe Streckenenergie verursacht Sensibilisierung an den Korngrenzen und macht den Stahl korrosionsanfällig. Auch Anlauffarben durch mangelhaften Schutzgas-Schutz mindern die Korrosionsbeständigkeit — all das verlangt präzise Parameterführung.
Was ist Formiergas und warum brauche ich es beim Edelstahl-WIG-Schweißen?
Formiergas (meist reines Argon oder Stickstoff-Argon-Gemisch) schützt die Wurzelseite der Naht vor Oxidation durch Luftsauerstoff. Ohne Wurzelgasschutz entstehen auf der Rückseite Anlauffarben und Oxidschichten, die die Korrosionsbeständigkeit des Edelstahls dauerhaft schädigen. Richtiges Formieren ist deshalb für qualitätsgesicherte Edelstahlnähte unverzichtbar.
Bereitet der Kurs auf eine offizielle Schweißprüfung vor?
Der Kurs bereitet inhaltlich auf externe Schweißerprüfungen nach EN ISO 9606-1 (Stahl) und EN ISO 9606-2 (Aluminium) vor, führt diese Prüfungen aber nicht durch. Wer nach dem Kurs eine amtliche Schweißerprüfung ablegen möchte, muss sich dafür separat bei einem akkreditierten Prüfinstitut anmelden.
Was ist der Unterschied zwischen V2A und V4A, und warum ist das für das Schweißen relevant?
V2A (z. B. 1.4301) ist ein Standard-Edelstahl ohne Molybdän, V4A (z. B. 1.4401) enthält zusätzlich Molybdän und ist dadurch gegen Chloride (Meerwasser, Chlor-Reiniger) beständiger. Für die Schweißpraxis bedeutet das: Schweißzusatz und Nachbehandlung müssen auf den jeweiligen Stahltyp abgestimmt sein, um die Korrosionsbeständigkeit nicht zu beeinträchtigen.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Konstruktion, CAD und industrielle Fertigung sind durchgehend gefragt — die Transformation Richtung E-Mobilität, Energietechnik und Industrie 4.0 schafft zusätzliche Spezialisten-Rollen. CAD-/Simulation-Software-Kenntnisse sind Türöffner.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Schweißer/Schweißerin2.187 Stellen
- Schweißfachmann/Schweißfachfrau6 Stellen