Überblick
Die Fachpraxis Internationaler Schweißer nach ISO 9606 kombiniert klassische Handwerkspraxis mit moderner Augmented-Reality-Technologie. Teilnehmende erlernen alle drei wesentlichen Lichtbogenschweißverfahren – WIG, MIG/MAG und E-Hand – sowohl am simulierten als auch am realen Werkstück. Das Virtual-Welding-System ermöglicht es, Schweißnähte ohne Materialverbrauch und ohne Verletzungsrisiko intensiv zu üben, bevor an echtem Stahl oder Aluminium gearbeitet wird. Der Kurs bereitet umfassend auf die theoretische und praktische Prüfung nach ISO 9606 vor, deren bestandenes Ergebnis international als Nachweis der Schweißkompetenz anerkannt wird.
Kursinhalte & Lernziele
Virtual Welding – Grundlagen und systematisches Training Das Virtual-Welding-System bildet den Einstieg. Über Augmented-Reality-Brillen und originalgetreue Schweißbrenner-Simulatoren wird das Schweißen trainiert, bevor echtes Material verbraucht wird. Das System gibt Echtzeit-Feedback zu Brennerführung, Winkel, Vorschubgeschwindigkeit und Parametereinstellung.
- Einführung in die Virtual-Welding-Technologie und deren Lernlogik
- Einlagiges Schweißen im Simulator in den Positionen PA, PB und PF
- Mehrlagiges Schweißen im virtuellen Raum mit Analyse der Schweißraupe
- Werkstoffspezifisches Training – Stahl vs. Aluminium im Simulator
- Parameteroptimierung anhand des digitalen Echtzeit-Feedbacks
- Systematischer Kompetenzaufbau mit dokumentierter Leistungsentwicklung
Praktisches Schweißen – WIG, MIG/MAG und E-Hand an realen Werkstücken Im Anschluss an die Virtual-Welding-Phase arbeiten die Teilnehmenden direkt am Material. Alle drei Verfahren werden an Blechen und Rohren in verschiedenen Positionen und Nahtformen eingeübt.
- WIG-Schweißen – Brennerführung, Schutzgaseinstellung, Wolfram-Elektroden-Auswahl
- MIG/MAG-Schweißen – Drahtvorschub, Gasdüsenabstand, Kurzlichtbogen und Übergangslichtbogen
- E-Hand-Schweißen – Stabelektroden, Lichtbogenzündung, Umhüllung und Schlacke
- Einlagige und mehrlagige Schweißnähte an Stahl- und Aluminiumblechen in verschiedenen Dicken
- Rohre verschiedener Wandstärken und Durchmesser in festgelegten Positionen schweißen
- Einsatz und Handhabung von Schweißzusatzwerkstoffen (Elektroden, Drähte, Stäbe)
Nahtqualität, Fehleranalyse und Werkstoffkunde Gute Schweißpraxis bedeutet nicht nur die Naht zu legen, sondern sie zu beurteilen. Dieser Block vermittelt die Grundlagen der Sichtprüfung und des Fehlerverständnisses.
- Visuelle Nahtbeurteilung nach DIN EN ISO 5817 – Bewertungsgruppen und Fehlertypen
- Typische Schweißfehler – Poren, Bindefehler, Risse, Einbrandkerben – Ursachen und Vermeidung
- Metallurgische Grundlagen – Wärmeeinflusszone, Kristallisation, Härtung
- Nahtvorbereitung – Fugenformen, Wurzelabstand, Nahtöffnungswinkel
- Werkstoffkunde Stahl und Aluminium – Einteilung, Schweißeignung, Besonderheiten
- Werkzeuge und Messgeräte zur Nahtprüfung
Theoretische und praktische Prüfungsvorbereitung nach ISO 9606 Die ISO-9606-Prüfung folgt einem definierten Schema. Dieser Block bereitet gezielt auf beide Prüfungsteile vor – Theorie und Praxis.
- Aufbau und Anforderungen der ISO 9606 – Geltungsbereich, Qualifikationsgruppen
- Prüfungsbedingungen – Verfahren, Werkstoff, Nahtart, Schweißposition
- Theorietest – Fachbegriffe, Normkennzeichnung, Zeichnungslesen
- Probelauf unter Prüfungsbedingungen – Übungsschweißungen mit Nachkontrolle
- Sicherheitsvorschriften im Schweißbereich gemäß DGUV und BGR
Praxisblock – Vertiefende Werkstattpraxis
- Stahl Blech PA-Position einlagig und mehrlagig, alle drei Verfahren
- Aluminium Blech MIG/MAG mehrlagig
- Rohr WIG einlagig (Fixposition)
- Rohr E-Hand mehrlagig (Fixposition)
- Rohr MIG/MAG einlagig verschiedene Positionen
- Parametereinstellungen eigenständig optimieren und dokumentieren
- Fehleranalyse nach Schweißung: Selbstbeurteilung und Dozentenfeedback
- Nahtvorbereitung vom Maßanreißen bis zur Kantenbearbeitung selbst durchführen
- Verfahrenswechsel: Gleiche Nahtaufgabe mit zwei unterschiedlichen Verfahren ausführen
- Gruppenübung: Gegenseitige Nahtbeurteilung nach DIN EN ISO 5817
- Abschlusspraktikum: Vollständige Prüfungssituation simulieren
- Auswertungsgespräch mit individuellem Feedback zu Stärken und Optimierungsbedarf
Die intensive Werkstattpraxis über alle drei Schweißverfahren hinweg gibt Teilnehmenden die Sicherheit, die reale Produktionsanforderungen in metallverarbeitenden Betrieben verlangen. Die Kombination aus virtuellem Vorüben und echtem Werkstückeinsatz beschleunigt die Lernkurve erheblich.
Lernziele:
- Die drei Schweißverfahren WIG, MIG/MAG und E-Hand in ihren physikalischen und metallurgischen Grundlagen verstehen
- Schweißpositionen und Nahtvorbereitung nach ISO 9606 sicher ausführen
- Einlagiges und mehrlagiges Schweißen an Blechen und Rohren beherrschen
- Stahl- und Aluminiumwerkstoffe verfahrensgerecht schweißen
- Schweißzusatzwerkstoffe korrekt auswählen und einsetzen
- Virtual-Welding-Übungen effektiv zur Parameteroptimierung nutzen
- Rohre unterschiedlicher Wandstärken und Durchmesser positionsgerecht schweißen
- Typische Schweißfehler erkennen, beurteilen und durch Parameteranpassung vermeiden
- Sicherheitsvorschriften im Schweißbereich konsequent einhalten
- Die theoretischen Inhalte der ISO-9606-Prüfung sicher beherrschen
- Die praktische Schweißerprüfung nach ISO 9606 erfolgreich absolvieren
- Arbeitsergebnisse visuell und messtechnisch beurteilen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs ist ausgelegt für Personen mit technischem Hintergrund, die ihre Schweißkompetenz auf ein international anerkanntes Niveau heben wollen.
- Personen mit abgeschlossener technischer Berufsausbildung im Metall- oder Fertigungsbereich
- Facharbeiter aus Metallbau, Anlagenbau oder Fertigungstechnik ohne formellen Schweißnachweis
- Quereinsteiger mit praktischer Erfahrung in der Metallverarbeitung, die einen anerkannten Abschluss anstreben
- Schweißer mit Erfahrung in einem Verfahren, die alle drei Verfahren zertifizieren lassen möchten
- Arbeitssuchende mit technischer Basis, die ihre Beschäftigungschancen in der Metallindustrie gezielt erweitern wollen
Zugelassen werden Personen mit einer abgeschlossenen technischen Berufsausbildung oder nachgewiesener Berufspraxis in einem technischen Bereich. Vorkenntnisse im Schweißen sind hilfreich, jedoch nicht zwingend – das Virtual-Welding-System ermöglicht einen systematischen Einstieg auch für Wiedereinsteiger. Körperliche Eignung für Schweißarbeiten (Sehvermögen, Belastbarkeit in Arbeitsumgebungen mit Wärme und Rauch) sollte vorhanden sein. Ein gültiger Impfschutz gegen Tetanus wird empfohlen.
Ablauf & Abschluss
Die Unterrichtsstruktur folgt einem Zwei-Phasen-Prinzip: Zuerst virtuelle Übungsphasen am Virtual-Welding-Simulator, dann reale Schweißpraxis in der Werkstatt. Theorieeinheiten werden in das praktische Training eingebettet, nicht separat abgearbeitet. Dozierende begleiten jeden Teilnehmenden individuell, korrigieren Brennerführung, geben Echtzeit-Feedback und besprechen Nahtfehler direkt am Werkstück. Die Lernumgebung entspricht echten Werkstattbedingungen mit Sicherheitsvorschriften der Berufsgenossenschaft.
Der Kurs ist als Vollzeitmaßnahme angelegt. Die genaue Dauer variiert nach Anbieter; üblicherweise erstrecken sich solche Schweißfachkurse über mehrere Wochen bis wenige Monate, je nach vorhandener Ausgangskompetenz und Anzahl der zu absolvierenden Prüfungsschweißungen nach ISO 9606.
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Kurszeugnis. Die Kernqualifikation ist jedoch das Schweißerprüfungszeugnis nach ISO 9606, das nach bestandener externer Prüfung ausgestellt wird. Dieses Zertifikat ist international anerkannt – als Nachweis, dass eine Person in definierten Verfahren, Werkstoffen und Positionen prüfungskonform schweißen kann. Es ist zeitlich begrenzt gültig und wird durch Nachweis der laufenden Schweißpraxis aufrechterhalten.
Nutzen & Perspektiven
Das ISO-9606-Zertifikat ist in der metallverarbeitenden Industrie ein etablierter Standard. Unternehmen in Anlagen-, Schiffs-, Fahrzeug- und Stahlbau verlangen von Fachschweißern diesen Nachweis als Einstellungsvoraussetzung. Wer alle drei Verfahren (WIG, MIG/MAG und E-Hand) zertifiziert hat, ist flexibel einsetzbar und kann in der Produktion vielseitig eingesetzt werden – ein erheblicher Vorteil auf einem Markt, auf dem Fachschweißer vielerorts gesucht werden. Die Virtual-Welding-Technologie ist mehr als ein Marketingmerkmal – sie löst ein konkretes Lernproblem. Schweißen am realen Werkstück erfordert Materialeinsatz und birgt Risiken bei Anfängerfehlern. Der Simulator erlaubt es, Parametereinstellungen, Brennerwinkel und Schweißgeschwindigkeit so lange zu optimieren, bis die Bewegungsabläufe sitzen, bevor am echten Material Fehler passieren. Das spart Zeit, Ressourcen und Frust. Wer diesen Kurs erfolgreich abschließt, geht mit einer kombinierten Qualifikation aus Werkstattpraxis und einem international gültigen Prüfungszeugnis in den Arbeitsmarkt. Das macht den Unterschied zwischen einer Qualifizierung, die im Lebenslauf steht, und einer, die im Betrieb sofort eingesetzt werden kann.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das Virtual-Welding-System und wozu dient es?
Virtual Welding ist ein Augmented-Reality-Schweißsimulator, der mit originalgetreuen Brenner-Attrappen und AR-Brillen arbeitet. Er ermöglicht das Einüben von Brennerführung, Winkel und Parametereinstellungen ohne Materialverbrauch und ohne Verletzungsrisiko. Das System gibt Echtzeit-Feedback zu Schweißparametern und Nahtqualität – ideal für den schnellen Kompetenzaufbau vor dem Wechsel ans reale Werkstück.
Was genau ist die ISO-9606-Prüfung?
Die ISO 9606 ist eine internationale Norm für die Qualifizierung von Schweißern. Die Prüfung umfasst theoretische Fachkenntnisse und eine praktische Schweißaufgabe, bei der Naht, Werkstoff, Verfahren und Position vorgegeben sind. Das bestandene Prüfungszeugnis ist weltweit als Nachweis der Schweißkompetenz in definierten Bereichen anerkannt und muss durch laufende Schweißpraxis aufrechterhalten werden.
Welche Verfahren werden im Kurs abgedeckt?
Der Kurs umfasst alle drei wesentlichen Lichtbogenschweißverfahren: WIG (Wolfram-Inertgas), MIG/MAG (Metall-Inert-/Aktivgas) und E-Hand (Lichtbogenschweißen mit Stabelektrode). Jedes Verfahren wird sowohl im Simulator als auch am realen Werkstück an Blechen und Rohren eingeübt.
Muss ich vorher bereits Schweißerfahrung mitbringen?
Vorkenntnisse sind hilfreich, aber nicht zwingend. Der systematische Einstieg über den Virtual-Welding-Simulator erlaubt auch Wiedereinsteigern oder technischen Fachkräften ohne direkte Schweißpraxis einen strukturierten Kompetenzaufbau. Vorausgesetzt wird eine technische Berufsausbildung oder vergleichbare Berufspraxis.
Wie lange ist das ISO-9606-Schweißerzertifikat gültig?
Die Gültigkeit ist zeitlich begrenzt und muss durch Nachweis fortlaufender Schweißpraxis aufrechterhalten werden. Ohne entsprechende Beschäftigungsbestätigung verfällt die Qualifikation nach einem definierten Zeitraum. Die genauen Regelungen finden sich direkt in der ISO 9606 und sollten vor Kursbeginn bei der prüfenden Stelle geklärt werden.
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