Überblick
Case Management ist eine strukturierte Methode, die in Gesundheits-, Pflege- und Sozialversicherungssystemen eingesetzt wird, um Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf individuell und koordiniert zu versorgen. Ausgebildete Case Managerinnen und Case Manager übernehmen die Fallsteuerung: Sie analysieren den Bedarf, erstellen Versorgungspläne, koordinieren beteiligte Dienste und begleiten ihre Klientinnen und Klienten über den gesamten Versorgungsprozess. Diese Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus der Pflege, Sozialversicherung und sozialen Arbeit, die systematisch in dieses Aufgabenfeld einsteigen oder ihre Kenntnisse auf dem Stand der deutschen Fachgesellschaft ausbauen möchten.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen des Case Managements Case Management ist mehr als Koordination: Es ist eine eigenständige fachliche Methode mit definierten Grundsätzen, Phasen und Qualitätsstandards. Dieser Block vermittelt das konzeptionelle Fundament und verankert es in den deutschen Versorgungsstrukturen.
- Definition, Entstehung und internationale Entwicklung des Case Managements
- Die sechs Phasen des Case Managements: Intake, Assessment, Planung, Durchführung, Monitoring und Evaluation
- Standards und Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC)
- Abgrenzung von Case Management zu Pflegeberatung, Care Management und Sozialarbeit
- Systemische Perspektive: Klientinnen und Klienten im Kontext ihrer sozialen Netzwerke
- Rechtliche Grundlagen: SGB XI (Pflegeberatung nach § 7a), SGB V, SGB XII und ihre Relevanz für Case Manager
Bedarfserhebung und Assessment Eine valide Bedarfserhebung ist die Voraussetzung für einen wirksamen Versorgungsplan. Dieser Modul behandelt die systematische Analyse von Problemlagen, Ressourcen und Präferenzen der betroffenen Person.
- Assessment-Instrumente: Überblick über standardisierte Erhebungsbögen in Pflege und Sozialwesen
- Ressourcenanalyse: soziales Netzwerk, familiäre Unterstützungspotenziale, Eigenmotivation
- Bedarfsorientiert versus defizitorientiert arbeiten: Haltung und Methode
- Kommunikation mit Klientinnen und Klienten in schwierigen Lebenssituationen
- Dokumentation des Assessments: Formvorgaben, Vertraulichkeit und Datenschutz
- Probleme bei der Bedarfserhebung: kognitive Einschränkungen, Sprachbarrieren, fehlende Kooperation
Versorgungsplanung und Koordination Auf Basis des Assessments entsteht der individuelle Versorgungsplan — das Herzstück des Case Managements. Dieser Block vermittelt, wie Pläne erstellt, mit den Beteiligten abgestimmt und laufend angepasst werden.
- Aufbau und Inhalt eines Versorgungsplans: Ziele, Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Fristen
- Ziele mit Klientinnen und Klienten gemeinsam formulieren (Partizipation und Selbstbestimmung)
- Koordination der beteiligten Dienste: ambulante Pflege, Arztpraxen, Sozialdienste, Rehabilitationsträger
- Fallkonferenzen strukturieren und moderieren
- Umgang mit Widersprüchen zwischen Bedarf, Wunsch und verfügbaren Ressourcen
- Monitoring: Fortschritt regelmäßig überprüfen und Pläne anpassen
Qualität, Beratung und Verhandlung im Case Management Case Management erzeugt Qualität nicht nur im Einzelfall, sondern auch auf Systemebene. Dieser Abschnitt behandelt Qualitätssicherung, die Kommunikation mit Kostenträgern und ethische Dimensionen.
- Qualitätsindikatoren und Qualitätsmessung im Case Management
- Beratungsgespräche professionell führen: Gesprächstechniken und Deeskalation
- Verhandlung mit Pflegekassen, Krankenkassen und weiteren Kostenträgern
- Beschwerdemanagement und Ombudsfunktion im Case Management
- Ethikprinzipien: Autonomie, Gerechtigkeit, Fürsorge und Nicht-Schaden in der Fallarbeit
- Grenzen und Risiken im Case Management: Überforderung, emotionale Belastung, Burnout-Prävention
Praxis im Case Management Dieser Block überführt die methodischen Kenntnisse in konkrete Handlungssituationen und fallbasierte Übungen.
- Fallanalyse und Rollenspiel: Assessment, Planung und Fallkonferenz üben
- Dokumentationsübungen: Versorgungsplan und Verlaufsdokumentation erstellen
- Vernetzung mit Angeboten vor Ort: Recherche und Aufbau eines persönlichen Netzwerkatlas
- Evaluationsbögen und Abschlussberichte für abgeschlossene Fälle erstellen
- Umgang mit nicht kooperativen Klientinnen und Klienten oder Angehörigen
- Case Management im Krankenhaussozialdienst: Überleitung von stationär zu ambulant
- Schnittstellen zwischen Case Management und palliativem Versorgungsbedarf
- Datenschutz und Schweigepflicht im interprofessionellen Austausch
- Selbstreflexion: eigene Haltung zu Abhängigkeit, Autonomie und Kontrolle prüfen
- Führen eines Fallpfades über mehrere fiktive Monate als Übungsfall
- Pflegeüberleitung und Entlassungsmanagement im Krankenhauskontext
- Auswertung von Fallverläufen unter Qualitätsgesichtspunkten
Lernziele:
- Grundkonzepte, Phasen und Prinzipien des Case Managements nach DGCC-Standards kennen
- Bedarfserhebung und Assessment mit standardisierten Instrumenten durchführen
- Individuelle Versorgungspläne erstellen, kommunizieren und fortschreiben
- Ressourcenanalyse im sozialen und familiären Umfeld der Klientinnen und Klienten vornehmen
- Hilfsangebote im Gesundheits- und Sozialsystem identifizieren und gezielt verknüpfen
- Verhandlungsführung mit Leistungserbringern, Kostenträgern und Angehörigen
- Qualität im Case Management messen, dokumentieren und sichern
- Ethische Grundsätze der Begleitung vulnerabler Personengruppen einhalten
- Rechtliche Rahmenbedingungen in der Pflegeberatung und Sozialversicherung kennen
- Fallkonferenzen vorbereiten, leiten und nachbereiten
- Komplexe Versorgungsverläufe dokumentieren und für Audits aufbereiten
- Rollen, Grenzen und Abgrenzung zwischen Case Management und Pflegeberatung klären
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus Pflege, Sozialversicherung und sozialer Arbeit, die Case Management als berufliche Methode erwerben oder vertiefen möchten.
- Altenpflegerinnen und Altenpfleger sowie Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflegerinnen und -pfleger
- Sozialversicherungsfachangestellte, die in der Beratung oder Leistungssteuerung tätig sind
- Absolventinnen und Absolventen der sozialen Arbeit oder verwandter Studiengänge
- Mitarbeitende in Sozialdiensten von Krankenhäusern, Rehabilitationseinrichtungen oder Pflegeeinrichtungen
- Fachkräfte, die Beratungs- und Koordinationsaufgaben in kommunalen Strukturen übernehmen möchten
Für die Teilnahme wird eine abgeschlossene Berufsausbildung als Altenpfleger/in, Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in oder Sozialversicherungsfachangestellte/r vorausgesetzt. Alternativ ist ein abgeschlossenes Studium der sozialen Arbeit oder eines verwandten Fachgebiets anerkannt. Berufspraktische Erfahrung in der Arbeit mit pflegebedürftigen oder betreuungsbedürftigen Personengruppen ist sinnvoll, um die fallbezogenen Übungsmodule mit eigenem Erfahrungswissen zu verknüpfen.
Ablauf & Abschluss
Case Management lässt sich nur begrenzt aus der Distanz lernen: Die Weiterbildung kombiniert theoretische Grundlagenvermittlung mit Fallarbeiten, Rollenspielen und Gruppenreflexion. Echte Fallbeispiele aus der Pflege- und Sozialberatungspraxis strukturieren das Lernen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer bringen in der Regel eigene Berufs- und Fallkontexte ein, was den Austausch fachlich bereichert. Dozierende kommen aus der Praxis des Gesundheitswesens oder der sozialen Arbeit, sodass methodisches Wissen eng mit realem Anwendungsbezug verbunden wird.
Case-Management-Weiterbildungen umfassen in der Regel mehrere Wochen Lernzeit, die je nach Anbieter als Vollzeit- oder Teilzeitformat strukturiert sind. Die Inhalte erfordern Bearbeitungszeit für schriftliche Fallaufgaben zwischen den Unterrichtseinheiten.
Die Weiterbildung endet mit einem trägerinternen Zertifikat oder einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung. Der Abschluss ist kein staatlich anerkanntes Examen. Wer eine DGCC-anerkannte Zertifizierung anstrebt, sollte prüfen, ob der jeweilige Anbieter explizit DGCC-akkreditiert ist; nicht jede Case-Management-Weiterbildung führt automatisch zur DGCC-Mitgliedschaft oder DGCC-Zertifizierung. Die Weiterbildung qualifiziert jedoch für Case-Management-Aufgaben in Pflegestützpunkten, Krankenhaussozialdiensten und Pflegeeinrichtungen.
Nutzen & Perspektiven
Case Management hat sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten von einer spezialisierten Methode zu einem Standardinstrument in der Gesundheits- und Pflegeversorgung entwickelt. Mit der Zunahme älterer, multimorbider Patientinnen und Patienten und den steigenden Anforderungen an Entlassungsmanagement und Pflegeüberleitung steigt der Bedarf an qualifizierten Case Managerinnen und Case Managern in Krankenhäusern, ambulanten Pflegediensten und kommunalen Beratungsstellen kontinuierlich. Für Pflegefachkräfte eröffnet Case Management einen Karriereweg, der weniger körperliche Belastung mit sich bringt als die direkte pflegerische Tätigkeit, aber mehr Eigenverantwortung, Koordinationsaufgaben und direkten Klientenkontakt umfasst. Wer sich in dieser Methode weiterqualifiziert, positioniert sich für koordinierende und beratende Funktionen, die im Gesundheitssystem dringend gesucht werden. Die Fähigkeit, komplexe Versorgungsverläufe zu steuern, Netzwerke zu nutzen und Qualität systematisch zu sichern, macht Case Managerinnen und Case Manager zu wertvollen Brückenpersonen zwischen Klientinnen und Klienten, Leistungserbringern und Kostenträgern — einer Schlüsselrolle in einem System, das auf bessere Koordination dringend angewiesen ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Case Management und Pflegeberatung?
Pflegeberatung nach § 7a SGB XI ist eine gesetzlich definierte Leistung zur individuellen Beratung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen. Case Management ist eine weitergehende Methode, die nicht nur berät, sondern den gesamten Versorgungsprozess steuert, koordiniert und evaluiert. Im Kurs wird diese Abgrenzung ausdrücklich thematisiert.
Führt diese Weiterbildung zu einem DGCC-Zertifikat?
Nicht automatisch. Die DGCC (Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management) akkreditiert bestimmte Ausbildungsprogramme, und eine DGCC-Zertifizierung setzt eine Ausbildung bei einem akkreditierten Anbieter voraus. Wer explizit eine DGCC-Anerkennung anstrebt, sollte vor der Anmeldung prüfen, ob der jeweilige Anbieter über eine DGCC-Akkreditierung verfügt.
Für welche Tätigkeitsbereiche qualifiziert Case Management besonders?
Typische Einsatzbereiche sind Pflegestützpunkte, Krankenhaussozialdienste, Entlassungsmanagement in Kliniken, ambulante Pflegedienste, kommunale Beratungsstellen und Rehabilitationseinrichtungen. Überall dort, wo Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf zwischen mehreren Diensten koordiniert werden müssen, ist Case Management gefragt.
Kann ich an diesem Kurs auch als Quereinsteiger ohne Pflegeausbildung teilnehmen?
Die Kursvoraussetzungen verlangen eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem der genannten Gesundheits-, Pflege- oder Sozialberufe oder ein entsprechendes Studium. Ein allgemeiner Quereinstieg ohne Fachausbildung ist in der Regel nicht vorgesehen, da Case Management auf einem fachlichen Grundverständnis der Versorgungssysteme aufbaut.
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