Überblick
Das Gesundheitswesen befindet sich mitten in einem grundlegenden Wandel. Digitale Infrastrukturen, vernetzte Patientendaten und KI-gestützte Diagnoseunterstützung verändern, wie medizinische Versorgung geplant, erbracht und dokumentiert wird. Diese Weiterbildung vermittelt das Wissen und die Orientierung, die notwendig sind, um diesen Wandel aktiv mitzugestalten. Vom Verständnis der elektronischen Patientenakte über den Einsatz von Telemedizin bis hin zu Datenschutzanforderungen im klinischen Alltag bildet der Kurs ein breites, praxisnahes Fundament für alle, die in Gesundheitsberufen oder angrenzenden Bereichen tätig sind und den digitalen Wandel professionell begleiten möchten.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der digitalen Gesundheitsversorgung Das Gesundheitswesen steht vor dem Übergang von isolierten analogen Prozessen zu einer integrierten, datenzentrierten Versorgungslandschaft. Dieser erste Block legt das begriffliche und strukturelle Fundament, auf dem alle weiteren Module aufbauen. Die Teilnehmenden lernen, welche Institutionen, Gesetze und Standards die Digitalisierung des Sektors prägen.
- Überblick über das deutsche Gesundheitssystem und seine digitalen Herausforderungen
- Rechtliche Rahmenbedingungen: Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), DVPMG, Patientendaten-Schutz-Gesetz
- Telematikinfrastruktur: Konnektoren, Kartenterminals, elektronischer Heilberufsausweis (eHBA)
- Interoperabilitätsstandards: HL7, FHIR und openEHR im Überblick
- Akteure im digitalen Gesundheitswesen: Gematik, Krankenkassen, KVen, KBV
- Förderprogramme und Finanzierungsstrukturen für digitale Gesundheitsprojekte
Elektronische Dokumentation und digitale Patientendaten Die papierlose Patientenakte ist das Herzstück vieler Digitalisierungsprojekte. In diesem Block steht die ePA im Mittelpunkt: ihre technische Architektur, ihre rechtliche Dimension und ihr Potenzial für Patienten und Behandelnde. Ergänzend werden das eRezept und die eAU betrachtet, die im Alltag bereits zunehmend Anwendung finden.
- Aufbau und Funktionsweise der elektronischen Patientenakte (ePA) nach § 341 SGB V
- Zugriffsrechte, Einwilligung und Datensouveränität aus Patientenperspektive
- Einführung des eRezepts: Workflow, Apotheken-Schnittstellen, Ausnahmen und Randgruppen
- Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU): Prozesse beim Arbeitgeber und in der Praxis
- Strukturierte Befunde und Arztbriefe in digitaler Form: DMP-Daten, Laborbefunde, Medikationspläne
- Datenaustausch zwischen Krankenhäusern, Praxen und Kassen: Hürden und Best Practices
KI, Robotik und digitale Gesundheitstechnologien Künstliche Intelligenz verändert radikal, wie Diagnosen gestellt, Behandlungen geplant und Pflegeprozesse organisiert werden. Dieser Modul-Block beleuchtet konkrete Anwendungsfelder, analysiert Chancen und Risiken und stellt die rechtliche Einordnung von KI-gestützten Medizinprodukten vor.
- KI in der medizinischen Bildgebung: Radiologie, Pathologie, Dermatologie
- Klinische Entscheidungsunterstützungssysteme (Clinical Decision Support)
- Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA): BfArM-Verzeichnis, Zulassungsprozess, Erstattung
- Pflegeroboter und sensorbasierte Assistenzsysteme in der stationären und ambulanten Pflege
- Medizinprodukteverordnung (MDR) und Klassifizierung von KI als Medizinprodukt
- Telemedizin und Videosprechstunden: technische Anforderungen, Abrechnung, Datenschutz
Datenschutz, IT-Sicherheit und digitale Governance im Gesundheitswesen Kaum ein Bereich ist datenschutzrechtlich so sensibel wie das Gesundheitswesen. Dieser Block vertieft die DSGVO-Anforderungen für besondere Kategorien personenbezogener Daten und ergänzt sie um sektorspezifische Verpflichtungen. Gleichzeitig werden Cybersicherheitsstrategien für Kliniken und Praxen behandelt.
- DSGVO Art. 9 und nationale Gesundheitsdaten-Sonderregelungen (BDSG, Landesrecht)
- IT-Sicherheit in Krankenhäusern: KRITIS-Anforderungen, BSI-Grundschutz im klinischen Umfeld
- Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG): Fördertatbestände und Digitalisierungspflichten
- Pseudonymisierung und Anonymisierung von Forschungsdaten
- Datensparsamkeit und Zweckbindung in klinischen Informationssystemen
- Governance-Strukturen: Datenschutzbeauftragte, IT-Leitung und klinisches Management im Dialog
Praxis und Vertiefung In der praxisorientierten Phase werden die Theorieinhalte an konkreten Szenarien und Fallbeispielen angewendet. Die Teilnehmenden erarbeiten eigene Einschätzungen zu digitalen Projekten und üben, Stakeholdern im Gesundheitswesen fundierte Handlungsempfehlungen zu vermitteln.
- Analyse und Bewertung eines fiktiven Digital-Health-Projekts (Konzeptphase bis Rollout)
- Risikobewertung einer KI-gestützten Diagnose-App nach MDR-Kriterien
- Entwicklung eines Datenschutzkonzepts für eine telemedizinische Praxis
- Kommunikation von Digitalisierungsvorhaben gegenüber Pflegepersonal und Ärzteschaft
- Reflexion ethischer Fragestellungen: Algorithmic Bias in der Medizin, Datenmacht, Gleichheitsgebot
- Bewertung von DiGA-Produkten anhand des BfArM-Kriterienkatalogs
- Einordnung des ePA-Opt-out-Mechanismus aus Patienten- und Datenschutzsicht
- Vergleich internationaler Digital-Health-Ökosysteme (Estland, Dänemark, Nordeuropa)
- Strategische Planung eines KHZG-Förderantrags (exemplarische Tatbestände)
- Entwurf eines Interoperabilitätskonzepts zwischen Praxissystem und Krankenhaus-KIS
- Diskussion: Potenzial und Grenzen von KI in der onkologischen Nachsorge
- Abschlussreflexion: Eigene Rolle und Wirkungsfelder im digitalen Gesundheitswesen
Die praxisorientierten Aufgaben werden durch Feedback und Gruppenreflexionen begleitet, sodass ein Transfer in den beruflichen Alltag unmittelbar möglich ist. Der inhaltliche Abschluss des Kurses gibt Raum, individuelle Schwerpunkte zu vertiefen und erste Schritte für reale Digitalisierungsvorhaben zu skizzieren.
Lernziele:
- Grundlegende Strukturen und Akteure des deutschen Gesundheitswesens und deren digitale Transformation verstehen
- Die Telematikinfrastruktur (TI) und ihre Kernkomponenten erklären und einordnen können
- Aufbau, Zweck und rechtliche Rahmenbedingungen der elektronischen Patientenakte (ePA) kennen
- Das eRezept und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) in ihrem Praxiskontext einordnen
- Grundprinzipien der FHIR-Datenstandards und interoperabler Datenaustausch verstehen
- Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) und ihre Zulassungslogik im SGB V beschreiben
- KI-Anwendungen in Diagnostik, Bildanalyse und klinischen Entscheidungsprozessen realistisch einschätzen
- Robotik und sensorbasierte Systeme in der Pflege und Rehabilitation kennenlernen
- Datenschutz und Datensicherheit im Gesundheitswesen nach DSGVO und nationalen Sonderregelungen anwenden
- IT-Governance-Strukturen und Anforderungen an das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) verstehen
- Telemedizinische Angebote und Videosprechstunden in ihren Rahmenbedingungen beurteilen
- Perspektiven der digitalen Transformation für Patienten, Leistungserbringer und Kostenträger kritisch reflektieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind oder einsteigen möchten und dort die digitale Transformation aktiv mitgestalten wollen. Sie ist gleichermaßen für Quereinsteiger aus IT und Betriebswirtschaft geeignet wie für erfahrene Gesundheitsberufe, die ihren Horizont erweitern möchten.
- Medizinische Fachangestellte, Arzthelferinnen und Praxismanager
- Pflegefachkräfte und Pflegedienstleitungen mit Interesse an digitalen Prozessen
- Verwaltungsmitarbeitende in Kliniken, Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen
- IT-Fachkräfte, die in das Gesundheitswesen wechseln oder Projekte in diesem Sektor begleiten
- Beraterinnen und Berater im Public-Health-Bereich und Projektverantwortliche in Gesundheitsunternehmen
Inhaltliche Vorkenntnisse im Gesundheitswesen oder in der IT sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind notwendig, da alle Kursmaterialien, Diskussionen und Praxisaufgaben in deutscher Sprache stattfinden. Grundlegende PC-Kenntnisse und die Fähigkeit, Online-Lernumgebungen zu bedienen, werden vorausgesetzt. Wer bereits im Gesundheitswesen tätig ist, wird eigene Berufserfahrungen unmittelbar in die Fallbeispiele einfließen lassen können.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs vermittelt sein Wissen in einem Mix aus strukturierten Online-Lerneinheiten, ergänzenden Lesetexten und Video-Inputs sowie geleiteten Praxisaufgaben, die reale Szenarien aus dem Gesundheitswesen aufgreifen. Diskussionen in Lerngruppen erlauben den Austausch unterschiedlicher beruflicher Hintergründe und bereichern das Verständnis für die komplexen Interessenlagen im Sektor. Die Lerneinheiten sind so konzipiert, dass sie auch berufsbegleitend absolviert werden können, da die Inhalte in klar abgegrenzte Themenblöcke gegliedert sind, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.
Der Kurs umfasst mehrere Wochen intensiver Weiterbildung. Die genaue Gesamtdauer richtet sich nach dem gewählten Anbieter und der Durchführungsform. Auf Basis der Marktdaten bieten die Anbieter eine Vielzahl von Terminen und Varianten an, sodass sowohl kompakte Vollzeitvarianten als auch flexiblere Teilzeitformate verfügbar sind. Die Lernzeiten sind auf das eigenständige Erarbeiten der Inhalte inklusive Aufgaben ausgelegt.
Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat oder eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Dieses Dokument bestätigt die erworbenen Kenntnisse im Bereich Digital Health und Digitalisierung im Gesundheitswesen und kann als Nachweis gegenüber Arbeitgebern oder bei der Bewerbung auf Stellen im Bereich Gesundheits-IT und Digitalprojekten im Sektor eingesetzt werden.
Nutzen & Perspektiven
Der digitale Wandel im Gesundheitswesen ist kein fernes Zukunftsszenario, sondern bereits gelebte Praxis in Arztpraxen, Kliniken und Kassenstrukturen. Wer die Grundlagen kennt und versteht, warum die ePA so konzipiert wurde, welche Risiken KI-gestützte Systeme in der Diagnostik mit sich bringen und welche Datenschutzanforderungen für Gesundheitsdaten gelten, kann in diesem Feld wirkungsvoll handeln statt reaktiv zu verwalten. Die Weiterbildung schließt eine Qualifikationslücke, die am Markt spürbar ist: Fachkräfte mit Gesundheits-Know-how UND digitalem Verständnis. Ein besonderer Wert liegt darin, dass der Kurs nicht auf technische Detailkenntnisse in der Softwareentwicklung abzielt, sondern auf anwendungsorientiertes Verstehen. Man muss nicht coden können, um zu verstehen, warum FHIR als Standard wichtig ist, oder um in einem Digitalprojekt verantwortungsvoll mitzuwirken. Die inhaltliche Breite ermöglicht es, sowohl in operativen als auch in koordinierenden und beratenden Rollen im Gesundheitswesen tätig zu werden. Für diejenigen, die bereits in einem Gesundheitsberuf tätig sind, eröffnet die Weiterbildung häufig neue Karrierewege in Richtung Projektmanagement, Qualitätssicherung oder Digital-Health-Beratung. Der Markt für spezialisierte Fachkräfte in der Gesundheits-IT wächst mit dem Ausbau der Telematikinfrastruktur, den KHZG-Förderprogrammen und der fortschreitenden DiGA-Einführung kontinuierlich weiter.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich aus dem Gesundheitswesen kommen, um teilzunehmen?
Nein. Der Kurs ist so konzipiert, dass auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger aus IT, BWL oder angrenzenden Bereichen folgen können. Berufliche Erfahrungen im Gesundheitswesen bereichern die Diskussionen, sind aber keine Voraussetzung.
Was ist die ePA und warum ist sie Thema des Kurses?
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist das zentrale Projekt der deutschen Gesundheitsdigitalisierung. Sie vernetzt Befunde, Medikationspläne und Arztbriefe patientengeführt. Der Kurs erklärt Aufbau, Rechtsgrundlagen und die praktischen Auswirkungen auf Praxen und Kliniken.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dem Kurs?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat oder eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Ein staatlicher Abschluss ist mit diesem Kurs nicht verbunden.
Kann ich den Kurs berufsbegleitend absolvieren?
Ja, viele Anbieter bieten flexible Durchführungsformen an, die sich mit einem Berufsleben vereinbaren lassen. Die Inhalte sind in Themenblöcke gegliedert, die sich auch zeitlich verteilt bearbeiten lassen.
Welche Berufsfelder erschließt die Weiterbildung?
Der Kurs bereitet auf Tätigkeiten in den Bereichen Gesundheits-IT, Digitalprojektmanagement, Health-Consulting und Qualitätsmanagement vor. Typische Einstiegspositionen sind Digital Health Manager, Projektkoordinator Gesundheitswesen oder Berater für digitale Gesundheitsanwendungen.
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