Überblick
Das Diagnosis Related Groups-System (DRG) ist seit seiner Einführung in Deutschland die zentrale Grundlage der Krankenhausfinanzierung. Jede stationäre Behandlung wird über Fallpauschalen abgerechnet — und die korrekte Kodierung von Diagnosen und Prozeduren entscheidet darüber, welche Erlöse ein Krankenhaus erzielt. Diese Weiterbildung führt systematisch in das DRG-System ein, vermittelt die Logik der medizinischen Klassifizierungssysteme (ICD-10, OPS-301), erklärt die Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) und zeigt, wie Kennzahlen und weitere Entgelte im DRG-Kontext funktionieren. Der Kurs richtet sich an Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind oder werden möchten und Grundkenntnisse im medizinischen oder kaufmännischen Bereich mitbringen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Grundlagen des DRG-Systems und der Krankenhausfinanzierung Dieses Einführungsmodul erklärt, wie das DRG-System entstanden ist, wie Fallpauschalen berechnet werden und warum korrekte Kodierung für die wirtschaftliche Situation eines Krankenhauses entscheidend ist.
- Geschichte und Einführung des G-DRG-Systems in Deutschland (seit 2003/2004)
- Funktionsprinzip der Fallpauschalenvergütung: Wie entsteht ein DRG-Entgelt?
- Relativgewichte, Basisfallwert und Erlöskalkulation
- Struktur des Fallpauschalenkatalogs und Weiterentwicklung durch InEK
- Unterschied zwischen Fallpauschalen, Zusatzentgelten und anderen Vergütungsformen
- Bedeutung des Casemix und Casemix-Index für das Krankenhausmanagement
Modul 2: Medizinische Klassifizierungssysteme — ICD-10 und OPS-301 Die Grundlage jeder DRG-Kodierung ist die korrekte Anwendung der internationalen Klassifikationssysteme. Dieses Modul vermittelt Aufbau, Systematik und Anwendungslogik von ICD-10 und OPS-301.
- Aufbau und Kapitelstruktur der ICD-10-GM (deutsche Modifikation)
- Diagnosen kodieren: Schlüsselnummern, Ausrufezeichen-Kodes, Kreuz-Stern-System
- Aufbau des OPS-301: Kapitel, Stellen, Mehrfachkodierungen
- Prozedurenklassifikation: chirurgische und nicht-chirurgische Eingriffe
- Korrekte Suche im Systematischen Verzeichnis und Alpha-Index
- Häufige Kodierungsfehler und wie man sie vermeidet
Modul 3: Deutsche Kodierrichtlinien (DKR) Die DKR regeln, wie Diagnosen und Prozeduren in Deutschland korrekt zu kodieren sind. Dieses Modul erklärt die allgemeinen Kodierrichtlinien und wichtige spezifische Regelungen.
- Allgemeine DKR: Definitionen von Hauptdiagnose, Nebendiagnosen und Prozeduren
- Hauptdiagnosen-Auswahl: welche Diagnose ist die Hauptdiagnose?
- Symptomkodierung und Kodierung von Komplikationen
- Spezifische DKR: wichtige Regelungen für häufige medizinische Gebiete (Kardiovaskulär, Onkologie, Neurologie u. a.)
- Kodierung bei stationärer Aufnahme und Entlassung
- Umgang mit fehlerhaften, unvollständigen oder widersprüchlichen Dokumenten
Modul 4: Kennzahlen, Medizincontrolling und MDK-Prüfungen Dieses Modul zeigt, wie Kodierung in betriebswirtschaftliche Kennzahlen übersetzt wird und welche Kontrollfunktionen MDK und Krankenversicherungen ausüben.
- Case-Mix-Index als Kennzahl für Leistungsstärke und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
- Erlössteuerung durch gezielte Kodierqualität (ohne Upcoding)
- Aufgaben des Medizincontrollings im Krankenhaus
- MDK-Prüfungsverfahren: Ablauf, Fristen, Prüfkriterien
- Häufige Prüfungsschwerpunkte des MDK und wie man ihnen begegnet
- Qualitätssicherung in der Kodierung: interne Audits, Kodierreviews
Praxisblock — Kodierübungen und Fallbeispiele Der Praxisteil bietet umfangreiche Übungen an realitätsnahen Patientenfällen. Die Teilnehmenden kodieren vollständige Krankenhausfälle und trainieren so die Anwendung der DKR in typischen klinischen Szenarien.
- Kodierübung 1: Einfacher Krankenhausfall (unkomplizierte Diagnose, Basiskodie)
- Kodierübung 2: Fall mit Haupt- und mehreren Nebendiagnosen
- Kodierübung 3: Komplexer chirurgischer Fall mit mehreren OPS-Kodes
- Kodierübung 4: Onkologischer Behandlungsfall mit spezifischen DKR-Regelungen
- Kodierübung 5: Fall mit MDK-relevantem Kodierungsstreit
- DRG-Grouper: Simulation der Fallgruppenableitung mit Fallbeispielen
- Erlösberechnung: von der Kodierung zum DRG-Entgelt
- Auswertung von Case-Mix-Kennzahlen in Beispiel-Datensätzen
- Fehlerkatalog: häufige Kodierungsfehler erkennen und korrigieren
- Fallbesprechung im Plenum: gemeinsame Analyse komplexer Kodieraufgaben
- Simulation einer MDK-Prüfungssituation: Argumente formulieren und verteidigen
- Abschlussübung: vollständigen Krankenhausfall eigenständig kodieren und begründen
Die Praxisübungen sind auf realistische klinische Dokumente ausgerichtet, wie sie in Krankenhäusern tatsächlich vorliegen — ärztliche Dokumentationen, Entlassbriefe, OP-Berichte. So entsteht ein praxisnaher Umgang mit dem tatsächlichen Arbeitsalltag der Kodierung. Abschließend werden typische Berufswege in der medizinischen Dokumentation und im Medizincontrolling erläutert, und die Teilnehmenden reflektieren, in welchem spezifischen Tätigkeitsfeld sie ihren Berufseinstieg suchen möchten.
Lernziele:
- Das DRG-System als Finanzierungssystem der deutschen Krankenhäuser erklären können
- Aufbau und Logik des ICD-10-Klassifikationssystems verstehen und anwenden
- Den Operations- und Prozedurenschlüssel (OPS-301) für die Kodierung nutzen
- Die Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) — allgemeine und spezifische — kennen und anwenden
- Haupt- und Nebendiagnosen korrekt definieren und kodieren
- Fallgruppen-Zuordnung und die Logik des DRG-Groupers nachvollziehen
- Kennzahlen im DRG-System (Case-Mix, Case-Mix-Index, Relativgewichte) interpretieren
- Zusatzentgelte und andere Vergütungsformen neben DRGs einordnen
- Medizincontrolling-Aufgaben im Krankenhauskontext verstehen
- Qualitätssicherung und Kodierqualität als strategische Krankenhausaufgabe einordnen
- Grundlagen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK-Prüfung) kennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen mit Vorkenntnissen im medizinischen oder kaufmännischen Bereich, die im Krankenhaus-Abrechnungsbereich, im Medizincontrolling oder in der medizinischen Dokumentation Fuß fassen möchten.
- Medizinische Fachangestellte und Arzthelfer/innen mit Interesse an Kodieraufgaben
- Kaufmännische Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen (Krankenhausverwaltung)
- Personen mit pflegerischem Hintergrund, die ins Medizincontrolling wechseln wollen
- Absolventen medizinischer oder verwandter Bildungsgänge auf der Suche nach einer Spezialisierung
- Quereinsteiger mit grundlegenden Kenntnissen im medizinischen oder kaufmännischen Bereich
Grundlagenkenntnisse im medizinischen oder kaufmännischen Bereich sind Zugangsvoraussetzung. Dies kann eine abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitswesen (z. B. Medizinische Fachangestellte, Pflegefachkraft), eine kaufmännische Ausbildung mit Krankenhausbezug oder vergleichbare Berufspraxis sein. Ein Hochschulabschluss ist nicht erforderlich. Grundlegende Kenntnisse der menschlichen Anatomie und medizinischer Fachbegriffe erleichtern den Einstieg erheblich, sind aber keine formale Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet strukturierte Theoriephasen mit ausgedehnten Kodierübungen an realitätsnahen Fallbeispielen. Das Durcharbeiten echter Krankenhausfälle — von der Diagnose-Dokumentation bis zur DRG-Zuordnung — steht im Mittelpunkt der Lernmethodik. Plenumsdiskussionen über strittige Kodierungsfragen und Fallbesprechungen vertiefen das Verständnis. Der Wechsel zwischen Theorieinput, Kleingruppenübung und Plenumsauswertung sorgt für Abwechslung und nachhaltige Einprägung.
Der Kurs dauert je nach Anbieter und Format mehrere Wochen bis Monate. Sowohl Vollzeit- als auch berufsbegleitende Varianten sind bei verschiedenen Anbietern verfügbar. Informationen zu konkreten Kurszeiten und Gesamtstundenzahlen finden Sie in den vergleichbaren Angeboten auf Kursweg.
Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Absolventen eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung oder ein trägerinternes Zertifikat. Dieses dokumentiert die erworbenen Kompetenzen in der DRG-Kodierung, den Deutschen Kodierrichtlinien und dem Medizincontrolling und ist als Nachweis gegenüber Krankenhäusern, Abrechnungsdienstleistern und medizinischen Versorgungszentren verwendbar.
Nutzen & Perspektiven
Korrekte DRG-Kodierung ist für Krankenhäuser eine unmittelbar wirtschaftliche Aufgabe. Kodierungsfehler kosten Erlöse oder ziehen MDK-Prüfungen nach sich — beides ist für das Krankenhaus teuer. Gut ausgebildete Kodierfachkräfte sind deshalb dauerhaft gefragt, nicht nur in großen Kliniken, sondern auch in Rehakliniken, medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und privaten Abrechnungsdienstleistern. Wer eine Zusatzqualifikation in DRG-Kodierung vorweisen kann, verbessert seine Ausgangslage bei Stellenbewerbungen erheblich. Medizincontrolling und Kodierung sind Berufsbereiche, in denen Fachkräfte mit spezifischem Zertifikats-Nachweis direkt eingesetzt werden können — ohne jahrelange Einarbeitungszeit. Schließlich bietet das Fachgebiet auch inhaltliche Tiefe: Wer das DRG-System wirklich versteht, versteht gleichzeitig viel über die Ökonomie des Gesundheitswesens, über Qualitätssicherung, Versorgungsstrukturen und die Steuerung von Krankenhäusern. Das eröffnet langfristig Entwicklungspfade ins Krankenhausmanagement, ins Qualitätsmanagement oder in Beratungsrollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet DRG und wie funktioniert das System?
DRG steht für Diagnosis Related Groups — Fallpauschalen, über die Krankenhäuser in Deutschland seit 2004 ihre stationären Leistungen abrechnen. Jede Behandlung wird anhand von Haupt- und Nebendiagnosen sowie Prozeduren einer Fallgruppe mit einem definierten Entgeltsatz zugeordnet. Der Kurs erklärt dieses System von Grund auf.
Welche Vorkenntnisse brauche ich?
Grundlagenkenntnisse im medizinischen oder kaufmännischen Bereich genügen. Medizinische Fachangestellte, Pflegekräfte oder kaufmännische Kräfte aus dem Gesundheitswesen sind typische Teilnehmende. Grundkenntnisse medizinischer Fachbegriffe erleichtern den Einstieg.
Was unterscheidet diesen Kurs von einem medizinischen Dokumentationskurs?
Medizinische Dokumentation umfasst die gesamte Patientenakte. Dieser Kurs fokussiert gezielt auf die DRG-relevante Kodierung — ICD-10, OPS-301 und DKR — sowie auf die Abrechnungslogik und das Medizincontrolling. Beide Bereiche können sich ergänzen.
Welche Berufe kann ich nach dem Kurs ausüben?
Typische Einstiegsstellen sind Kodierfachkraft, Medizinische Dokumentationsassistentin und Mitarbeiterin im Medizincontrolling — in Krankenhäusern, Rehakliniken, medizinischen Versorgungszentren oder bei Abrechnungsdienstleistern.
Was ist eine MDK-Prüfung und warum ist sie relevant?
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüft im Auftrag der Krankenversicherungen, ob Kodierung und Abrechnung korrekt sind. Falsch kodierte Fälle können zu Rückforderungen führen. Der Kurs bereitet darauf vor, MDK-Prüfungen argumentativ zu bestehen.
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