Überblick
Betreuungskräfte in stationären Pflegeeinrichtungen tragen besondere Verantwortung: Sie gestalten den Alltag pflegebedürftiger Menschen aktiv mit, fördern Lebensqualität und unterstützen die Erhaltung körperlicher wie kognitiver Fähigkeiten. Das Sozialgesetzbuch XI verpflichtet diese Fachkräfte zur jährlichen Fortbildung — nicht als bürokratische Pflicht, sondern als Qualitätssicherung zum Schutz der ihnen anvertrauten Menschen. Dieser Pflichtkurs nach §§ 43b und 53b SGB XI legt den Schwerpunkt auf zwei eng miteinander verknüpfte Handlungsfelder: Aktivierung und Beschäftigung für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung einerseits und für Menschen mit Demenz andererseits. Der Kurs bietet Raum für Erfahrungsaustausch, aktuelle Fachinformationen und persönliche Reflexion.
Kursinhalte & Lernziele
Den Auftakt bildet ein strukturierter Erfahrungsaustausch zum Berufsfeld. Betreuungskräfte arbeiten oft unter erheblicher emotionaler und körperlicher Belastung. Die Reflexionsfrage „Wie geht es mir als Betreuungskraft zurzeit bei Aktivierungen und Beschäftigungen?" eröffnet einen ehrlichen Blick auf die eigene Situation und schafft Raum, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aktuelle Herausforderungen zu benennen. Gleichzeitig werden Neuerungen im Berufsfeld besprochen — gesetzliche Änderungen, neue Qualitätsstandards oder veränderte Rahmenbedingungen in der stationären Pflege.
- Persönliche Standortbestimmung und Situationsreflexion
- Aktuelle Entwicklungen in der Betreuungsarbeit nach SGB XI
- Vorstellung und Diskussion aktueller Herausforderungen aus dem Berufsalltag
- Kollegialer Austausch als Ressource und Selbstfürsorgestrategie
Das inhaltliche Kernsegment des Kurses widmet sich der themenorientierten Aktivierung und Beschäftigung. Hier geht es darum, wie Betreuungsangebote inhaltlich sinnvoll strukturiert werden können — orientiert an den Interessen, Fähigkeiten und dem Lebenshintergrund der betreuten Menschen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den unterschiedlichen Bedürfnissen von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung im Vergleich zu Menschen mit demenziellen Erkrankungen.
- Prinzipien der biografieorientierten Aktivierung
- Anpassung von Beschäftigungsangeboten an eingeschränkte körperliche Mobilität
- Besonderheiten der Aktivierung bei demenziellen Erkrankungen in verschiedenen Stadien
- Gruppenangebote versus Einzelbetreuung: Abwägung und Gestaltung
- Ideen und Materialien für saisonale und thematische Aktivierungseinheiten
- Umgang mit Ablehnung oder Passivität bei Beschäftigungsangeboten
Ein eigener Schwerpunkt liegt auf Bewegung als Alltagselement in der Betreuungsarbeit. Körperliche Aktivität ist ein zentraler Baustein für die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen — auch dann, wenn die Mobilität stark eingeschränkt ist. Der Kurs beleuchtet, wie alltägliche Bewegungsanlässe erkannt und genutzt werden können, ohne dass spezifisches therapeutisches Fachwissen erforderlich ist.
- Bewegungsförderung im Rahmen von Betreuungsangeboten
- Sitzgymnastik und alltagsintegrierte Bewegungsanreize
- Feinmotorische Übungen und ihre Bedeutung für kognitive Aktivierung
- Sichere Begleitung von Bewegungseinheiten bei mobilitätseingeschränkten Bewohnenden
Die Einheit zu motorischen Kernkompetenzen schließt diesen Themenblock ab. Motorische Fähigkeiten — Greifen, Halten, Koordination, Gleichgewicht — sind nicht nur für körperliche Selbstständigkeit relevant, sondern eng mit kognitiver Funktion und emotionalem Wohlbefinden verknüpft. Betreuungskräfte lernen, wie sie motorische Ressourcen erkennen und durch gezielte Angebote langfristig erhalten können.
- Grundlagen der Motorik im Alter und bei Pflegebedürftigkeit
- Einschätzung motorischer Kernkompetenzen ohne therapeutische Ausbildung
- Übungen zur Erhaltung von Fein- und Grobmotorik im Betreuungskontext
- Dokumentation von Veränderungen und Kommunikation mit dem Pflegeteam
Den Abschluss bildet eine gemeinsame Reflexionsrunde, die persönliche Erkenntnisse aus dem Kurstag zusammenführt, neue Impulse sichert und den Transfer in den Berufsalltag aktiv vorbereitet. Die Teilnehmenden formulieren konkrete Vorhaben für die nächsten Wochen in ihrer Einrichtung.
- Persönliche Takeaways und konkrete Vorsätze für die eigene Betreuungsarbeit
- Impulse für neue Beschäftigungsangebote in der eigenen Einrichtung
- Klärung offener Fragen und Austausch über unterschiedliche Erfahrungen aus verschiedenen Einrichtungen
- Abschluss und Ausgabe der Teilnahmebescheinigung
Lernziele:
- Eigenreflexion zur eigenen Belastungssituation und zu aktuellen Erlebnissen in der Betreuungsarbeit
- Neue Impulse für themenorientierte Aktivierungs- und Beschäftigungsangebote entwickeln
- Motorische Kernkompetenzen erkennen, einschätzen und in Betreuungsmaßnahmen einbeziehen
- Bewegung als Alltagselement verstehen und gezielt in Betreuungskonzepte integrieren
- Unterschiedliche Anforderungen bei körperlich beeinträchtigten und demenziell erkrankten Bewohnenden differenziert berücksichtigen
- Aktuelle Entwicklungen im Berufsfeld der Betreuungskräfte kennenlernen
- Die eigene Berufsrolle im Kontext aktueller fachlicher und gesetzlicher Anforderungen einordnen
- Praxiserfahrungen aus dem eigenen Arbeitsfeld mit Kolleginnen und Kollegen teilen und reflektieren
- Handlungskompetenzen für schwierige Betreuungssituationen erweitern
- Motivationale Ressourcen für die eigene Berufsausübung stärken
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs wendet sich an alle Fachkräfte, die nach den einschlägigen SGB-XI-Paragraphen als Betreuungskräfte arbeiten oder arbeiten wollen, sowie an pflegerisches Fachpersonal mit Interesse an Betreuungsthemen.
- Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI in stationären Einrichtungen
- Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter mit Qualifizierung nach den Richtlinien § 53b SGB XI
- Examinierte Altenpflegerinnen und Altenpfleger
- Examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger mit Betreuungsaufgaben
- Interessierte aus dem medizinischen oder pflegerischen Bereich
Voraussetzung ist eine abgeschlossene Qualifizierung zur Betreuungskraft nach den Richtlinien § 53b SGB XI. Der Kurs dient der gesetzlich vorgeschriebenen jährlichen Fortbildungspflicht. Personen aus dem pflegerischen Umfeld ohne diese spezifische Qualifizierung können teilnehmen, sofern Interesse an den Inhalten besteht.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet Kurzvorträge mit moderierten Gesprächsrunden, praktischen Übungssequenzen und strukturierten Reflexionsphasen. Erfahrungsaustausch unter Kolleginnen und Kollegen hat ausdrücklich einen festen Platz im Programm — die Expertise der Teilnehmenden selbst ist eine wesentliche Lernressource. Angeboten wird das Format im Combined Learning, sodass Flexibilität bei der Durchführung gewährleistet ist.
Der Kurs ist als eintägige Fortbildung konzipiert und wird ausschließlich in Vollzeit (ganztägig) durchgeführt. Er erfüllt die jährliche Fortbildungspflicht für Betreuungskräfte nach SGB XI für den entsprechenden Zeitraum.
Nach Teilnahme erhalten alle Teilnehmenden eine Teilnahmebescheinigung des durchführenden Trägers. Diese dient als Nachweis der erfüllten jährlichen Fortbildungsverpflichtung. Da verschiedene Anbieter — darunter its GmbH, INI, ABK, Akademie für Bildung und Beruf, BBZ Augsburg und TEMP.Akademie — diesen Kurs durchführen, variiert die ausstellende Institution je nach Buchungsort.
Nutzen & Perspektiven
Die jährliche Fortbildungspflicht für Betreuungskräfte ist kein bürokratisches Relikt — sie spiegelt die Erkenntnis wider, dass Betreuungsarbeit fachliche Weiterentwicklung erfordert, um wirklich wirksam zu sein. Menschen mit Demenz oder körperlichen Beeinträchtigungen profitieren unmittelbar von Betreuungskräften, die aktuelles Wissen mitbringen, neue Impulse einbringen und die eigene Arbeit kritisch reflektieren können. Der thematische Fokus auf Bewegung und Motorik in diesem Kurs ist bewusst gewählt: Körperliche Aktivierung ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Lebensqualität und Wohlbefinden im Pflegealltag. Betreuungskräfte, die verstehen, wie sie motorische Ressourcen erkennen und fördern können, leisten einen messbaren Beitrag zu Gesundheit und Würde der betreuten Menschen. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in einem strukturierten Rahmen stärkt zugleich die persönliche Resilienz. Betreuungsarbeit kann emotional belastend sein — gemeinsames Reflektieren, Teilen von Erfahrungen und das Entwickeln von Strategien hilft, diese Belastungen zu verarbeiten und nachhaltig im Beruf zu bleiben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum müssen Betreuungskräfte jährlich an einer Fortbildung teilnehmen?
Das Sozialgesetzbuch XI schreibt für Betreuungskräfte nach §§ 43b und 53b eine jährliche Fortbildungspflicht vor. Diese dient der Qualitätssicherung in der stationären Pflege und stellt sicher, dass Betreuungskräfte ihr Fachwissen aktuell halten und neue Erkenntnisse in ihre Arbeit einfließen lassen.
Erhalte ich nach dem Kurs einen Nachweis für die Fortbildungspflicht?
Ja, alle Teilnehmenden erhalten eine Teilnahmebescheinigung des durchführenden Trägers. Diese dient als offizieller Nachweis der erfüllten jährlichen Fortbildungsverpflichtung und kann der Einrichtungsleitung oder dem Träger vorgelegt werden.
Kann ich auch teilnehmen, wenn ich keine Betreuungskraft nach SGB XI bin?
Ja. Examinierte Pflegekräfte und Interessierte aus dem medizinischen oder pflegerischen Bereich können ebenfalls teilnehmen. Der Kurs setzt keine formale Betreuungskraft-Qualifizierung voraus, wenn man lediglich am Inhalt interessiert ist — für den Nachweis der Fortbildungspflicht hingegen ist die Qualifizierung nach § 53b Voraussetzung.
Welchen konkreten Praxisnutzen bringt das Thema Motorik für Betreuungskräfte?
Betreuungskräfte müssen keine Therapeuten sein, um motorische Ressourcen zu fördern. Der Kurs zeigt alltagstaugliche Wege, wie Fein- und Grobmotorik durch einfache Angebote erhalten werden kann — das ist direkt in der nächsten Betreuungseinheit anwendbar und verbessert messbar die Lebensqualität der Betreuten.
Wie lang dauert dieser Kurs?
Der Kurs ist als eintägige Vollzeitveranstaltung konzipiert. Er umfasst alle gesetzlich relevanten Fortbildungsinhalte für die jährliche Pflichtfortbildung und kann je nach Träger an verschiedenen Standorten und Terminen wahrgenommen werden.
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