Überblick
Betreuungskräfte nach §43b SGB XI sind gesetzlich dazu verpflichtet, jährlich an einer anerkannten Fortbildung teilzunehmen, die ihre Qualifikation aktuell hält und die Betreuungsqualität sichert. Dieser Kurs erfüllt diese Pflicht mit 18 Lerneinheiten und legt den Schwerpunkt auf zwei zentrale Themen des heutigen Betreuungsalltags: Kommunikation und interkulturelle Kompetenz. Beides wird eingebettet in einen strukturierten Erfahrungsaustausch, einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im Berufsfeld und eine abschließende Reflexion der eigenen Praxis. Der Kurs findet im Combined-Learning-Format statt und richtet sich an Betreuungskräfte, examinierte Pflegefachkräfte und Interessierte aus dem medizinischen oder pflegerischen Bereich.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Erfahrungsaustausch und Neuerungen im Berufsfeld Der Kurs beginnt mit einem offenen, strukturierten Erfahrungsaustausch, der den Teilnehmenden Raum gibt, aktuelle Erlebnisse, Herausforderungen und Beobachtungen aus ihrer täglichen Betreuungsarbeit einzubringen. Dieser Austausch ist kein bloßes Warm-up, sondern ein inhaltlich wertvolles Element, das kollegiales Lernen fördert und die Basis für die folgenden Themen schafft.
- Persönliche Eindrücke und Erlebnisse aus dem Betreuungsalltag teilen
- Herausforderungen und Erfolge im Umgang mit Betreuten besprechen
- Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Betreuungslandschaft
- Neue gesetzliche Anforderungen und Richtlinien nach §43b/§53b SGB XI
- Veränderte Erwartungen an Betreuungskräfte und neue Qualitätsmaßstäbe
- Einordnung der aktuellen Fortbildungsthemen in die Berufspraxis
Modul 2 — Kommunikation im Betreuungsalltag Kommunikation ist die Grundlage jeder Betreuungsbeziehung. In diesem zentralen Modul werden Kommunikationsmodelle und -techniken vorgestellt, die im Betreuungsalltag direkt anwendbar sind. Besonderer Wert wird auf die Kommunikation mit Menschen gelegt, die durch Demenz, Sprachbarrieren oder andere Einschränkungen eine besondere Kommunikationsform benötigen.
- Grundlagen der Kommunikation: Sender-Empfänger-Modell und Missverständnisquellen
- Aktives Zuhören als zentrales Werkzeug der Betreuungskommunikation
- Nonverbale Kommunikation: Körpersprache, Mimik, Gestik und Berührung
- Kommunikation mit demenziell veränderten Menschen nach dem Personzentrierten Ansatz
- Validierung als Kommunikationsmethode bei Demenz
- Gesprächsführung in Krisensituationen: Deeskalation und Beruhigung
- Kommunikation mit Angehörigen: Transparenz, Grenzen und Professionalität
- Schriftliche Dokumentation als Kommunikationsmittel
Modul 3 — Interkulturelle Kompetenz in der Pflege Deutschland ist eine vielfältige Gesellschaft, und die pflegebedürftigen Menschen kommen aus unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen. Dieses Modul vermittelt das Wissen und die Haltung, die notwendig sind, um kultursensibel und respektvoll zu betreuen — ohne Stereotypen zu verfestigen.
- Was bedeutet interkulturelle Kompetenz in der Betreuungspraxis
- Kultur, Religion und Tradition als prägende Faktoren des Wohlbefindens
- Häufige kulturelle Missverständnisse in der Pflege und wie man ihnen begegnet
- Kultursensible Kommunikation: Sprache, Anrede und Körperkontakt
- Ernährungsvorschriften, religiöse Feste und rituelle Praktiken in der Betreuung berücksichtigen
- Umgang mit Sprachbarrieren: Dolmetschende Angehörige und professionelle Unterstützung
Modul 4 — Umgang im Kollegenkreis Betreuungskräfte arbeiten im Team, und die Qualität der Zusammenarbeit hat direkten Einfluss auf die Betreuungsqualität. Dieses Modul beleuchtet, wie ein respektvoller, wertschätzender Umgang im Team gefördert werden kann.
- Teamdynamiken und ihre Auswirkungen auf die Betreuungsarbeit
- Konstruktives Feedback geben und annehmen
- Umgang mit Konflikten im Kollegenkreis: sachlich und lösungsorientiert
- Diversität im Team als Ressource nutzen
- Grenzen setzen und einhalten: professionelle Distanz wahren
- Unterstützung durch Kollegen in belastenden Situationen
Praxisblock — Reflexion und Anwendung Der abschließende Praxisblock dient der Vertiefung und Übertragung der Lerninhalte auf konkrete Alltagssituationen. Durch Rollenspiele, Fallbesprechungen und Gruppenreflexionen entwickeln die Teilnehmenden konkrete Handlungsstrategien.
- Fallbesprechungen aus dem Betreuungsalltag der Teilnehmenden
- Rollenspiele zu herausfordernden Kommunikationssituationen
- Analyse eines kultursensiblen Betreuungsszenarios in der Gruppe
- Reflexion eigener Stärken und Entwicklungsfelder
- Transfer: Was nehme ich mit in meine Alltagspraxis?
- Gemeinsames Festhalten von Handlungsstrategien für die Zukunft
- Ausblick: Ressourcen für die kontinuierliche Weiterentwicklung
- Abschlussrunde: persönliche Erkenntnisse und Vorsätze
- Aushändigung der Teilnahmebescheinigungen
Die abschließende Reflexion ist ein integraler Bestandteil des Kurses. Sie gibt den Teilnehmenden Gelegenheit, das Gelernte zu ordnen, persönliche Erkenntnisse zu formulieren und konkrete Vorsätze für die Betreuungspraxis zu entwickeln.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses haben die Teilnehmenden ihre Handlungskompetenz im Betreuungsalltag erweitert und sind auf aktuelle Anforderungen der kultursensiblen Pflege vorbereitet.
- Eigene Kommunikationsmuster im Betreuungskontext bewusst wahrnehmen und reflektieren
- Verbale und nonverbale Kommunikation gezielt einsetzen, um Verständigung mit Betreuten zu verbessern
- Besonderheiten der Kommunikation mit Menschen mit Demenz oder kognitiven Einschränkungen berücksichtigen
- Konzepte interkultureller Kompetenz kennen und auf die alltägliche Betreuungsarbeit übertragen
- Kulturell geprägte Wertvorstellungen, Traditionen und Verhaltensweisen von Betreuten respektvoll einbeziehen
- Kultursensible Betreuungssituationen erkennen und angemessen gestalten
- Erfahrungen aus der eigenen Betreuungspraxis im Kollegenkreis konstruktiv austauschen
- Aktuelle Veränderungen und Neuerungen im Berufsfeld Betreuung einordnen
- Die eigene Betreuungspraxis anhand gelernter Kriterien kritisch reflektieren
- Konkrete Handlungsstrategien für herausfordernde Situationen entwickeln
- Vorurteile und Stereotype in der interkulturellen Begegnung erkennen und abbauen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich in erster Linie an Betreuungskräfte, die ihre jährliche Fortbildungspflicht nach §43b SGB XI erfüllen müssen. Darüber hinaus sind folgende Berufsgruppen angesprochen.
- Examinierte Altenpflegerinnen und Altenpfleger
- Examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger
- Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter in stationären und ambulanten Einrichtungen
- Interessierte aus dem medizinischen oder pflegerischen Bereich, die ihre interkulturelle Kompetenz stärken möchten
Vorausgesetzt wird eine abgeschlossene Qualifizierung zur Betreuungskraft nach den Richtlinien §53b SGB XI oder eine Ausbildung als examinierte Pflegefachkraft. Interessierte aus dem medizinischen oder pflegerischen Bereich ohne diese formale Voraussetzung können nach Absprache mit dem Anbieter ebenfalls teilnehmen. Besondere Vorkenntnisse zu den Kursthemen sind nicht erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird als Combined Learning durchgeführt und verbindet aktivierende Präsenzphasen mit Online-Lernanteilen. In den Präsenzphasen stehen Erfahrungsaustausch, Gruppenübungen und Rollenspiele im Vordergrund; die Online-Anteile ermöglichen das Vertiefen theoretischer Grundlagen im eigenen Tempo. Die Lerngruppe ist bewusst klein gehalten, um echten Austausch zu ermöglichen. Alle Inhalte werden im Vollzeit-Format (Tageskurs) angeboten.
Der Kurs umfasst 18 Lerneinheiten. In der Regel wird er als Kompaktkurs an einem Tag oder über zwei Halbtage angeboten. Die genaue zeitliche Gestaltung hängt vom jeweiligen Bildungsträger ab. Der Umfang von 18 Lerneinheiten entspricht den Anforderungen der jährlichen Fortbildungspflicht für Betreuungskräfte.
Nach vollständiger Teilnahme erhalten die Teilnehmenden eine Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Diese Bescheinigung dokumentiert die Erfüllung der jährlichen Fortbildungspflicht nach §43b/§53b SGB XI und muss dem Arbeitgeber sowie bei Bedarf dem Medizinischen Dienst vorgelegt werden. Die Anerkennung der Bescheinigung setzt die AZAV-Zertifizierung des Trägers voraus.
Nutzen & Perspektiven
Die jährliche Fortbildungspflicht ist mehr als eine formale Anforderung: Sie sichert die Qualität der Betreuung und schützt sowohl Betreute als auch Betreuungskräfte. Dieser Kurs verbindet die Pflichterfüllung mit echtem inhaltlichem Mehrwert — die Themen Kommunikation und interkulturelle Kompetenz gehören zu den häufigsten Quellen von Missverständnissen und Belastungen im Betreuungsalltag. Betreuungskräfte, die kultursensibel und kommunikativ kompetent arbeiten, erleben nicht nur mehr Zufriedenheit bei den von ihnen betreuten Menschen, sondern auch weniger Konflikte im Team und mit Angehörigen. Die Inhalte dieses Kurses sind sofort auf die tägliche Arbeit übertragbar und stärken das professionelle Selbstbewusstsein. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist dieser Kurs über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit förderbar. Je nach persönlicher Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Rehabilitationsleistungen oder Leistungen der Deutschen Rentenversicherung als Finanzierungswege infrage.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer muss diesen Pflichtkurs absolvieren?
Betreuungskräfte nach §43b SGB XI sind gesetzlich verpflichtet, jährlich an einer anerkannten Fortbildung teilzunehmen. Dieser Kurs erfüllt die jährliche Fortbildungspflicht gemäß den Richtlinien nach §53b SGB XI. Auch examinierte Pflegefachkräfte und Interessierte aus dem Pflegebereich können teilnehmen.
Was sind die Schwerpunkte dieses Jahreskurses?
Der Kurs legt den inhaltlichen Schwerpunkt auf Kommunikation im Betreuungsalltag und interkulturelle Kompetenz. Diese beiden Kernthemen werden durch einen Erfahrungsaustausch, einen Überblick über Berufsfelderneuerungen und eine abschließende Reflexion umrahmt.
Wie viele Stunden umfasst der Kurs?
Der Kurs umfasst 18 Lerneinheiten und wird in der Regel als Kompaktkurs an einem Tag oder über mehrere Termine im Combined-Learning-Format angeboten. Die genaue zeitliche Gestaltung hängt vom jeweiligen Anbieter ab.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach vollständiger Teilnahme erhalten Sie eine Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Diese Bescheinigung dokumentiert die Erfüllung der jährlichen Fortbildungspflicht und muss dem Arbeitgeber vorgelegt werden.
Kann der Kurs gefördert werden?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Je nach Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Rehabilitationsleistungen oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung infrage.
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