Überblick
Dieser Kurs erfüllt die gesetzliche Pflicht zur jährlichen Fortbildung für Betreuungskräfte nach §§ 43b und 53b SGB XI. Der Schwerpunkt liegt in diesem Modul auf Selbstpflege bei psychischen Belastungen am Arbeitsplatz — ein Thema, das in der alltäglichen Betreuungsarbeit häufig zu kurz kommt, obwohl es für die langfristige Arbeitsfähigkeit und die Qualität der Betreuungsleistung entscheidend ist. Betreuungskräfte erleben im Arbeitsalltag besondere emotionale und körperliche Anforderungen: Sie begleiten Menschen mit Demenz oder anderen kognitiven Einschränkungen, sind mit Sterblichkeit und Verlust konfrontiert und arbeiten häufig in Spannungsfeldern zwischen Betroffenen, Angehörigen und Pflegeteams. Diese Fortbildung schafft einen geschützten Raum, um die eigene berufliche Situation ehrlich zu betrachten, Entlastungsstrategien kennenzulernen und konkrete Schritte für die eigene Selbstpflege zu entwickeln.
Kursinhalte & Lernziele
Bestandsaufnahme — Wie geht es mir in meinem Beruf? Das Kursmodul beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme der eigenen beruflichen Situation. Die Teilnehmenden werden eingeladen, ihren Arbeitsalltag als Betreuungskraft bewusst wahrzunehmen und in Worte zu fassen — ohne Schönfärberei und ohne Selbstkritik. Dieser Einstieg schafft die Basis für alle weiteren Schritte.
- Standortbestimmung: Wo stehe ich gerade in meinem Beruf?
- Was gibt mir Kraft — was zieht Energie ab?
- Typische Stresssituationen in der Betreuungsarbeit benennen
- Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und persönlichem Wohlbefinden
- Erste Einschätzung des eigenen Belastungslevels
Psychische und körperliche Belastungen erkennen Betreuungsarbeit bringt spezifische Belastungsprofile mit sich, die sich von anderen Pflegeberufen unterscheiden. In diesem Block werden die häufigsten Belastungsformen — emotionale Erschöpfung, Sekundärtraumatisierung, Empathiemüdigkeit — konkret beschrieben und auf die Erfahrungswelt der Teilnehmenden bezogen.
- Emotionale Belastungen durch die Arbeit mit Menschen mit Demenz
- Körperliche Signale von Überlastung wahrnehmen (Schlafstörungen, Erschöpfung, Rückenschmerzen)
- Psychische Frühwarnsignale: Reizbarkeit, Rückzug, Interessenverlust
- Unterschied zwischen gesunder Erschöpfung und beginnendem Burnout
- Empathiemüdigkeit und Mitgefühlserschöpfung im Berufskontext
Selbstpflegeplanung — Strategien und konkrete Schritte Im Mittelpunkt des Kurses steht die aktive Entwicklung eines persönlichen Selbstpflegeplans. Dabei geht es nicht um abstrakte Ratschläge, sondern um praxisnahe, individuell umsetzbare Strategien — im Kleinen des Berufsalltags ebenso wie in der Freizeitgestaltung.
- Was bedeutet Selbstpflege konkret für Betreuungskräfte?
- Ressourcen stärken: Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte, Hobbys
- Kleine Selbstfürsorge-Rituale für den Berufsalltag entwickeln
- Professionelle Distanz halten, ohne die empathische Verbindung zu verlieren
- Grenzen setzen: Wann und wie sage ich Nein?
- Supervision und kollegiale Fallbesprechung als Entlastungsinstrumente
Erfahrungsaustausch und aktuelle Entwicklungen im Berufsfeld Der Kurs schließt mit einem strukturierten Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden. Was haben andere in ähnlichen Situationen erlebt? Welche Strategien haben sich bewährt? Zudem gibt es einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Betreuungsarbeit gemäß SGB XI.
- Kollegialer Austausch zu erlebten Belastungssituationen
- Voneinander lernen: bewährte Selbstpflegestrategien aus der Praxis
- Überblick über aktuelle Entwicklungen und Neuerungen im Berufsfeld §§ 43b/53b SGB XI
- Reflexion des eigenen Selbstpflegeplans im Gruppenkontext
- Abschluss und persönliche Bilanz des Kurstages
Lernziele:
Nach der Teilnahme sind die Teilnehmenden in der Lage,
- die eigene aktuelle Belastungssituation im Berufsalltag realistisch einzuschätzen
- körperliche und psychische Warnsignale frühzeitig zu erkennen und einzuordnen
- die besonderen emotionalen Anforderungen der Betreuungsarbeit zu benennen und zu verstehen
- eigene Ressourcen und Schutzfaktoren zu identifizieren und bewusst einzusetzen
- einen persönlichen Selbstpflegeplan zu entwickeln und im Alltag umzusetzen
- Grenzsetzung im beruflichen Kontext wahrzunehmen und gesund zu kommunizieren
- aktuelle Neuerungen im Berufsfeld der Betreuungsarbeit zu überblicken
- Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen in einem strukturierten Rahmen auszutauschen
- Entspannungs- und Regenerationsstrategien für den beruflichen Alltag zu nutzen
- das Bewusstsein für die eigene psychische Gesundheit als Berufsgrundlage zu schärfen
- Möglichkeiten kollegialer Unterstützung und institutioneller Entlastungsangebote zu kennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an qualifizierte Betreuungskräfte, die bereits in stationären oder ambulanten Pflegeeinrichtungen tätig sind und ihre gesetzlich vorgeschriebene jährliche Fortbildungspflicht erfüllen möchten.
- Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI (früher § 87b), die eine Qualifizierung nach den Richtlinien des § 53b SGB XI abgeschlossen haben
- Examinierte Altenpflegerinnen und Altenpfleger sowie examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger, die Betreuungsaufgaben übernehmen
- Fachkräfte aus dem medizinischen und pflegerischen Umfeld, die sich mit dem Thema psychische Belastung und Selbstpflege im Pflegeberuf auseinandersetzen möchten
- Betreuungskräfte, die persönlich Interesse an den Inhalten haben, auch wenn die Fortbildungspflicht bereits durch andere Module erfüllt wird
Die Teilnahme setzt eine abgeschlossene Qualifizierung als Betreuungskraft nach den Richtlinien des § 53b SGB XI voraus — also in der Regel eine Grundqualifizierung im Umfang von mindestens 160 Stunden sowie nachgewiesene Berufspraxis in einer anerkannten Betreuungstätigkeit. Diese Voraussetzung ergibt sich unmittelbar aus den gesetzlichen Anforderungen an die Fortbildungspflicht. Interessierte aus benachbarten Pflegeberufen ohne formale Betreuungskräfte-Qualifizierung können nach Rücksprache mit dem Anbieter ebenfalls teilnehmen, wenn inhaltliches Interesse an den Selbstpflege-Themen besteht.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined-Learning-Format durchgeführt, das Präsenzphasen mit digitalen Lerneinheiten verbindet. Im Mittelpunkt steht der direkte Austausch in der Gruppe: Reflexionsübungen, kurze Inputs durch die Kursleitung und Gruppenarbeiten wechseln sich ab. Das Format ist bewusst niederschwellig und gesprächsorientiert gehalten, um echte Auseinandersetzung mit der eigenen Berufsrealität zu ermöglichen. Die Fortbildung findet üblicherweise als Tagesveranstaltung oder in kompakten Einheiten statt und ist auf Vollzeitbasis angelegt.
Die Fortbildung umfasst einen Tag bzw. eine kompakte Kurseinheit und entspricht damit dem typischen Umfang der jährlich vorgeschriebenen Qualifizierungsmaßnahme für Betreuungskräfte. Die genaue Stundenzahl variiert je nach Anbieter, liegt aber üblicherweise bei acht Stunden. Da der Kurs jährlich absolviert werden muss, empfiehlt sich eine frühzeitige Planung innerhalb des Kalenderjahres, um die Fortbildungspflicht fristgerecht zu erfüllen.
Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Teilnehmenden eine Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Diese Bescheinigung dient als Nachweis der erfüllten jährlichen Fortbildungspflicht nach §§ 43b und 53b SGB XI gegenüber dem Arbeitgeber und bei Prüfungen durch den Medizinischen Dienst. Ein staatlich anerkannter Abschluss oder ein Zertifikat einer Kammer wird für diese Fortbildungsmaßnahme nicht vergeben — die trägerinterne Bescheinigung ist der gesetzlich anerkannte Nachweis.
Nutzen & Perspektiven
Die Arbeit mit Menschen, deren Identität durch Demenz oder andere kognitive Einschränkungen zunehmend verblasst, ist eine der emotional anspruchsvollsten Tätigkeiten im Pflegebereich. Betreuungskräfte gehen täglich an die Grenzen ihrer empathischen Belastbarkeit — und oft fehlt es im Berufsalltag an Raum, diese Belastung zu benennen und zu bearbeiten. Dieser Kurs gibt genau diesen Raum: Er erlaubt eine ehrliche Selbstbetrachtung, ohne in Selbstkritik oder Resignation zu verfallen, und vermittelt konkrete Werkzeuge, mit denen die eigene psychische Widerstandsfähigkeit gestärkt werden kann. Wer lernt, gut für sich zu sorgen, sorgt besser für andere. Diese Grundformel der Selbstpflege ist keine Floskeln, sondern empirisch vielfach belegte Erkenntnis aus der Pflegeforschung: Burnout-Prävalenz in der Betreuungsarbeit sinkt signifikant, wenn Fachkräfte systematisch Selbstfürsorgekompetenzen aufbauen. Der Kurs trägt dazu bei, dass Betreuungskräfte langfristig im Beruf verbleiben können — gesund, engagiert und mit echter Freude an der Arbeit. Zugleich erfüllt die Teilnahme eine rechtliche Verpflichtung: Die jährliche Fortbildung ist gesetzlich verankert und wird von Einrichtungen wie Prüfinstitutionen erwartet. Wer diesen Nachweis erbringt, handelt nicht nur im eigenen Interesse, sondern stärkt auch die Qualitätssicherung der Einrichtung, in der er oder sie tätig ist. Das Modul Selbstpflege ist dabei besonders relevant, weil es die Person hinter der Fachkraft in den Blick nimmt — und damit eine Grundbedingung für gute Betreuungsarbeit adressiert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer muss diesen Kurs absolvieren?
Betreuungskräfte, die nach §§ 43b und 53b SGB XI tätig sind, sind gesetzlich verpflichtet, jährliche Fortbildungen nachzuweisen. Dieser Kurs mit dem Schwerpunkt Selbstpflege erfüllt diese Anforderung. Auch examinierte Pflegefachkräfte mit Betreuungsaufgaben können teilnehmen.
Was unterscheidet dieses Modul von anderen Pflichtkursen für Betreuungskräfte?
Es gibt mehrere jährliche Pflichtkurs-Module für Betreuungskräfte mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dieses Modul widmet sich ausschließlich der Selbstpflege bei psychischen Belastungen — also der Person hinter der Fachkraft. Andere Module behandeln etwa Aktivierungsmethoden, Demenz oder rechtliche Grundlagen.
Welchen Nachweis erhalte ich nach dem Kurs?
Nach der Teilnahme wird eine Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers ausgestellt. Diese gilt als Nachweis der erfüllten Fortbildungspflicht gegenüber Arbeitgebern und bei Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst.
Kann ich den Kurs auch absolvieren, wenn ich keinen formalen Betreuungskräfte-Abschluss habe?
Die Fortbildungspflicht gilt nur für Betreuungskräfte mit abgeschlossener Qualifizierung nach § 53b SGB XI. Personen aus benachbarten Pflegeberufen können nach Absprache mit dem Anbieter jedoch teilnehmen, wenn inhaltliches Interesse an den Selbstpflege-Themen besteht.
Wie oft muss die jährliche Fortbildung absolviert werden?
Wie der Name andeutet: einmal jährlich. Die Fortbildungspflicht ist gesetzlich verankert, und Betreuungskräfte müssen den Nachweis im Rahmen der Qualitätssicherung der Pflegeeinrichtung erbringen. Es empfiehlt sich, die Teilnahme frühzeitig im Kalenderjahr zu planen.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Pflege- und Gesundheits-Fachkräfte sind seit 2018 durchgehend als Engpassberuf gelistet. Demografische Entwicklung treibt die Nachfrage; höhere Tarife in Pflege und Reform der Pflegeausbildung verbessern Einstiegsbedingungen 2025/26 weiter.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Fachpflegekraft für Psychiatrie14.495 Stellen
- Pflegeberater/Pflegeberaterin224 Stellen
- Sozialtherapeut/Sozialtherapeutin106 Stellen