Überblick
In deutschen Krankenhäusern bestimmt die Qualität der medizinischen Kodierung unmittelbar die Erlöse und die Planungssicherheit einer Einrichtung. Klinische Kodierfachkräfte übersetzen medizinische Diagnosen und Prozeduren in die Schlüsselsysteme ICD-10-GM und OPS — und bilden damit die Schnittstelle zwischen ärztlicher Dokumentation, medizinischer Informationssystematik und dem Krankenhausfinanzierungssystem. Diese Weiterbildung qualifiziert für genau diese Schlüsselrolle: von den Grundlagen der Krankenhausfinanzierung über die Systematik der Kodierrichtlinien bis hin zum psychiatriespezifischen Entgeltsystem PEPP. Das Psych-Entgeltsystem PEPP (Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik) ergänzt das DRG-System für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen. Wer Kodierarbeit in diesem Bereich beherrscht, ist auf einem Fachgebiet tätig, auf dem qualifiziertes Personal bundesweit gesucht wird.
Kursinhalte & Lernziele
Gesundheitssystem und Grundlagen der Krankenhausfinanzierung Das erste Modul legt das institutionelle Fundament: Teilnehmende verstehen, wie das deutsche Gesundheitssystem strukturiert ist, welche Träger, Versicherungsformen und Rechtsgrundlagen es gibt — und wie Krankenhäuser im DRG-System finanziert werden. Dieser Rahmen ist notwendig, um die Konsequenzen von Kodierentscheidungen für Einnahmen und Abrechnung zu verstehen.
- Struktur des deutschen Gesundheitswesens: GKV, PKV, Selbstzahler
- Rechtsgrundlagen der Krankenhausabrechnung: KHEntgG, KHG, DRG-Vereinbarungen
- Das DRG-System im Überblick: Fallpauschalen, Relativgewichte, Basisfallwert
- Krankenhausfinanzierung: Dualismus, Budgetverhandlungen, Erlösausgleich
- Medizinische Basisdokumentation und ihre gesetzliche Grundlage
- Einbindung der Kodierfachkraft in das Team aus Ärzten, Pflege und Controlling
ICD-10-GM und OPS — Klassifikationen und Anwendung Das zweite Modul bildet den handwerklichen Kern der Kodierarbeit: die Beherrschung beider Schlüsselsysteme und der zugehörigen Deutschen Kodierrichtlinien.
- Aufbau des ICD-10-GM: Kapitel, Kategorien, Subkategorien und Kreuz-Stern-System
- Haupt- und Nebendiagnosen nach DKR korrekt ermitteln und belegen
- Systematische Kodierung von Komplikationen, Komorbiditäten und Dauerdiagnosen
- OPS-Systematik: Operationen, Prozeduren, diagnostische und therapeutische Maßnahmen
- Kodierung von intensivmedizinischen Komplexbehandlungen
- Umgang mit Restkategorien, nicht näher bezeichneten Diagnosen und Kodierhinweisen
DRG-System und klinische Anwendung Hier wird die Verbindung von Kodierung und Erlös konkret gemacht: Wie gelangt ein kodierter Fall in eine DRG, und was bedeutet das für die Abrechnung?
- Grouper-Logik: Wie Diagnosen und Prozeduren eine DRG bestimmen
- Komplikations- und Komorbiditäts-Level (CCL) und ihre Erlösrelevanz
- Häufige Hochkostendiagnosen und deren Kodierung in der Praxis
- Abrechnung von Zu- und Abschlägen (Belegungstage, Ausreißer, Prozeduraufwand)
- Leistungsabrechnungsprüfungen durch den MDK: Verfahren und Dokumentationsanforderungen
- Erlössteuerung durch korrekte Kodierung — Chancen und Grenzen
PEPP — Psychiatrisches Entgeltsystem Das PEPP-Modul ist der spezialisierte Kern dieser Weiterbildung und unterscheidet sie von allgemeinen Kodiergrundlagenkursen. Psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen verwenden seit dem Systemwechsel ein eigenes, tagesklinisch orientiertes Entgeltsystem.
- Grundstruktur des PEPP-Systems: tagesgleiche Pflegesätze vs. Pauschalen
- PEPP-Klassifikation und zugehörige Prozedurenkodes
- ICD-10-GM Kapitel F: Psychische und Verhaltensstörungen systematisch kodieren
- Besondere Behandlungsformen in der Psychiatrie: Ergotherapie, Gruppentherapie, Krisenintervention (OPS-Kodes)
- Qualitätssicherung und Dokumentationspflichten in psychiatrischen Einrichtungen
- Unterschiede zwischen PEPP und DRG in der praktischen Abrechnungsarbeit
Medizinische Informationssysteme und Qualitätssicherung Das letzte Modul widmet sich dem IT-gestützten Workflow der Kodierarbeit und den Qualitätssicherungsprozessen im Krankenhausumfeld.
- Medizinische Informationssysteme (KIS, Grouper-Software) im Kodierworkflow
- Elektronische Patientenakte und Dokumentenmanagement
- Kodierqualität messen: Fehlerquoten, Auditverfahren, Benchmarks
- Externer Vergleich und Benchmarking mit MDK-Statistiken
- Vorbereitung von Kodierdokumentationen für MDK-Prüfungsanfragen
- Kontinuierliche Weiterbildung: Update-Pflichten bei jährlichen ICD- und OPS-Revisionen
- Praxisfälle: vollständige Kodierungen für somatische und psychiatrische Behandlungsfälle
- Häufige Kodierungsfehler und deren systematische Korrektur
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Kommunikation mit Ärzten zur Diagnoseklarstellung
- Datenschutz und Dokumentationspflichten im Krankenhauskontext
- Praxissimulation mit anonymisierten Behandlungsfällen aus dem Krankenhausbetrieb
- Erstellen vollständiger Kodierunterlagen für einen fiktiven Krankenhausfall
Lernziele:
- Aufbau und Grundstrukturen des deutschen Gesundheitswesens und der Krankenhausfinanzierung verstehen
- ICD-10-GM als Klassifikationssystem für Diagnosen sicher anwenden
- OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel) korrekt für Prozeduren einsetzen
- Deutsche Kodierrichtlinien (DKR) für Haupt- und Nebendiagnosen kompetent anwenden
- DRG-Logik und ihre Erlösrelevanz für das somatische Krankenhauswesen nachvollziehen
- PEPP-System für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen anwenden
- Psychiatrische Diagnosen nach ICD-10-GM Kapitel-F-Klassifikation kodieren
- Basisdokumentation und medizinische Informationssysteme im Krankenhaus nutzen
- Rechtsgrundlagen der Krankenhausabrechnung kennen und einhalten
- Qualitätssicherungsverfahren in der klinischen Kodierung anwenden
- Typische Kodierungsfehler erkennen und vermeiden
- Kodierreviews und Korrekturen im Rahmen des MDK-Verfahrens einordnen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen mit medizinischer oder pflegerischer Berufsausbildung, die in die klinische Kodierung wechseln oder ihre Kodierkompetenzen systematisch aufbauen möchten.
- Medizinische Fachangestellte und Arzthelferinnen mit Erfahrung in der klinischen Krankenversorgung
- Pflegefachkräfte, die in den administrativen Bereich der Krankenhausdokumentation wechseln möchten
- Mitarbeitende in Krankenhäusern mit Aufgaben im Bereich Abrechnung oder Medizincontrolling
- Physiotherapeuten, Logopäden oder andere Therapeutenberufe mit Interesse an Dokumentationsaufgaben
- Gesundheits- und Pflegepädagogen, die Kodiergrundlagenwissen erwerben möchten
Mindestens eine dreijährige abgeschlossene Berufsausbildung im medizinischen oder pflegerischen Bereich wird vorausgesetzt. Berufserfahrung in der klinischen Krankenversorgung ist erforderlich, da das Verständnis von Diagnosen, Prozeduren und klinischen Abläufen für die Kodierarbeit unerlässlich ist. Grundlegende PC-Anwenderkenntnisse in Windows-Umgebung werden erwartet. Kenntnisse der medizinischen Terminologie erleichtern den Einstieg in ICD-10 und OPS erheblich.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung verbindet systematische Wissensvermittlung zu Klassifikationssystemen und Kodierrichtlinien mit fallbasiertem Üben. Reale und realitätsnah konstruierte Behandlungsfälle werden gemeinsam kodiert und diskutiert, sodass Teilnehmende die Kodierlogik nicht nur verstehen, sondern eigenständig anwenden können. Der Unterricht folgt einem steigenden Schwierigkeitsgrad: von einfachen Einzeldiagnose-Fällen bis hin zu komplexen Multimorbidität-Szenarien und psychiatrischen Fällen im PEPP-Kontext.
Die Weiterbildung ist auf mehrere Wochen angelegt und kann in Vollzeit oder Teilzeit absolviert werden. Die Stundenzahl variiert je nach Anbieter. Der Zeitaufwand ist durch die Kombination zweier Entgeltsysteme (DRG und PEPP) höher als bei reinen DRG-Grundkursen.
Nach erfolgreichem Kursabschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat. Es handelt sich um kein staatliches Examen und kein Zertifikat einer Fachgesellschaft; das Zertifikat bestätigt den erfolgreichen Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme in klinischer Kodierung inklusive PEPP. In der Praxis ist dieses Zertifikat in Kombination mit dem medizinischen Grundberuf ein überzeugender Nachweis bei Bewerbungen auf Kodierstellen.
Nutzen & Perspektiven
Klinische Kodierfachkräfte sind in deutschen Krankenhäusern gesucht. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen trifft auch die administrativen Funktionen: Gut ausgebildete Kodiererinnen und Kodierer, die sowohl das DRG- als auch das PEPP-System beherrschen, sind in somatischen Krankenhäusern, in Psychiatrien und in psychiatrischen Fachabteilungen allgemeiner Häuser einsetzbar. Die Besonderheit dieser Weiterbildung liegt im PEPP-Modul: Viele Kodiergrundlagenkurse beschränken sich auf die DRG-Welt des somatischen Krankenhauses. Wer zusätzlich PEPP beherrscht, erschließt sich einen spezialisierten Teilarbeitsmarkt, auf dem die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften besonders hoch und das Angebot noch knapper ist. Langfristig eröffnet die Kodierqualifikation Wege in das Medizincontrolling, in die Erlösoptimierung oder in das interne Qualitätsmanagement eines Krankenhauses — Bereiche, die in jeder größeren Einrichtung strategische Bedeutung haben und entsprechend gut vergütet werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen DRG und PEPP?
DRG (Diagnosis Related Groups) ist das Fallpauschalen-System für somatische Krankenhäuser. PEPP (Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik) ist das daran angelehnte Entgeltsystem speziell für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen, das tagesbezogene statt fallesbezogene Vergütung vorsieht.
Welche Berufsausbildung ist Voraussetzung?
Mindestens eine dreijährige abgeschlossene Ausbildung im medizinischen oder pflegerischen Bereich ist erforderlich — zum Beispiel als Medizinische Fachangestellte/r, Gesundheits- und Krankenpfleger/in oder in einem therapeutischen Berufsfeld. Berufserfahrung in der klinischen Krankenversorgung wird erwartet.
Muss ich Latein oder medizinische Fachsprache beherrschen?
Grundkenntnisse der medizinischen Terminologie erleichtern den Einstieg erheblich, sind aber keine formale Voraussetzung. Im Kurs werden die wesentlichen Fachbegriffe im Kodierkontext systematisch eingeführt.
Auf welche Stellen bereitet dieser Kurs vor?
Der Kurs bereitet auf Positionen als klinische Kodierfachkraft in somatischen Krankenhäusern, psychiatrischen Einrichtungen und im Medizincontrolling vor. PEPP-Kenntnisse sind besonders gefragt in psychiatrischen Fachkliniken und psychiatrischen Abteilungen allgemeiner Krankenhäuser.
Wird der Kurs jährlich an neue ICD- und OPS-Versionen angepasst?
ICD-10-GM und OPS werden jährlich vom BfArM aktualisiert. Klinische Kodierfachkräfte sind zu kontinuierlicher Weiterbildung verpflichtet. Ob der jeweilige Kurs die aktuelle Jahresversion abdeckt, ist beim Anbieter zu erfragen.
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