Überblick
Klinische Kodierung ist die Schnittstelle zwischen medizinischer Versorgung und Krankenhausfinanzierung: Jede Diagnose, die ein Arzt stellt, und jede Maßnahme, die durchgeführt wird, muss präzise in das Klassifikationssystem ICD-10-GM und den Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) übersetzt werden – denn davon hängt die Vergütung des Krankenhauses ab. Dieser Kurs qualifiziert für die gesamte Bandbreite klinischer Kodierarbeit mit zwei besonderen Schwerpunkten: der psychiatrischen Kodierung nach dem PEPP-System und der onkologischen Tumordokumentation. Damit ist er breiter aufgestellt als der Geschwisterkurs „Kodierung Innere Medizin und Onkologie", der sich auf die somatische innere Medizin und das DRG-System konzentriert – Psychiatrie, Psychosomatik und strukturierte Tumordokumentation gehören dort nicht zum Lehrplan.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der klinischen Kodierung: ICD-10-GM und OPS Kodierung beginnt mit dem Verständnis der Klassifikationssysteme. ICD-10-GM – die deutsche Modifikation der Internationalen Klassifikation der Krankheiten – ist das Rückgrat der medizinischen Dokumentation in deutschen Krankenhäusern. Parallel dazu regelt der OPS die Verschlüsselung medizinischer und pflegerischer Maßnahmen. Dieser Modulblock legt das Fundament, ohne das alle weiteren Kodierkompetenzen ins Leere laufen: systematische Navigation in beiden Klassifikationssystemen, Anwendung der Deutschen Kodierrichtlinien und Verständnis der Logik hinter Haupt- und Nebendiagnosen.
- Aufbau und Struktur von ICD-10-GM: Kapitel, Kategorien, Subkategorien und Zusatzkennzeichen
- Deutsche Kodierrichtlinien (DKR): Hauptdiagnose, Nebendiagnosen, Kriterien und Ausnahmen
- OPS: Struktur, Kapitelaufbau und korrekte Zuordnung von Prozeduren
- Kombinations- und Sternkodes, Ausrufezeichen-Kodes und Inklusiva/Exklusiva
- Typische Fehlerquellen bei der Diagnosen- und Prozedurenauswahl
- Einführung in das Grouping: Wie werden Codes zu DRGs oder PEPP-Klassen zusammengestellt?
Krankenhausfinanzierung, DRG-System und Medizincontrolling Kodierung ist nie neutral: Jeder Code hat eine finanzielle Konsequenz. Um Kodierarbeit verantwortungsvoll und korrekt zu leisten, müssen Kodierfachkräfte verstehen, wie das DRG-System funktioniert, welche Codes die Vergütung beeinflussen und wie das Medizincontrolling die Kodierergebnisse überprüft und optimiert.
- Grundstruktur des G-DRG-Systems: Fallpauschalen, Relativgewichte und Basisfallwert
- Fehler-DRGs, Komplikationen und Komorbiditäten (CC/MCC): Auswirkungen auf die Vergütung
- Prüfungen durch den Medizinischen Dienst: Auslöser, Ablauf und korrekte Dokumentation als Vorbereitung
- Aufgaben des Medizincontrollings und Zusammenarbeit mit Kodierfachkräften
- Krankenhausstatistik: §21-Daten und externe Qualitätssicherung
- Interne Qualitätssicherung der Kodierarbeit: Vier-Augen-Prinzip und Stichprobenprüfungen
PEPP-Kodierung: Psychiatrie und Psychosomatik kodieren Das PEPP-System steht neben dem DRG-System und folgt einer eigenen Logik: In psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen wird nach Behandlungstagen und Behandlungsebenen abgerechnet – was andere Kodieranforderungen stellt als das Fallpauschalensystem. Dieser Block vermittelt die Besonderheiten psychiatrischer Dokumentation und zeigt, wie psychische Erkrankungen korrekt nach ICD-10-GM kodiert und in PEPP-Entgeltklassen überführt werden.
- Aufbau und Logik des PEPP-Systems: Entgeltklassen, prä- und poststationäre Behandlung
- Häufige psychiatrische Diagnosen im ICD-10-GM Kapitel V (F-Kodes): Kodierbesonderheiten
- Psychische Störungen, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen: typische Kodierfallen
- Prozedurenerfassung in der Psychiatrie: therapeutische Leistungen nach OPS
- Tagesdokumentation als Grundlage der PEPP-Abrechnung
- Schnittstellenprobleme: psychiatrische Behandlung im somatischen Krankenhaus
Onkologische Tumordokumentation und Kodierung Tumorerkrankungen gehören zu den dokumentationsintensivsten Krankheitsbildern – sie erfordern nicht nur eine ICD-10-GM-Kodierung der Tumorlokalisation, sondern auch die Erfassung von Histologie, Morphologie, Staging und Krankheitsverlauf. Dieser Block qualifiziert sowohl für die Kodierung onkologischer Fälle als auch für die strukturierte Dokumentation im Sinne klinischer Krebsregister.
- ICD-10-GM Kapitel II (C- und D-Kodes): Tumorlokalisationen, Histologien und Morphologiecodes
- TNM-Klassifikation: T-, N- und M-Stadium korrekt kodieren und dokumentieren
- Grundsätze der klinischen Tumordokumentation: Basisdatensatz, Therapiedokumentation, Verlauf
- Krebsregister in Deutschland: Meldepflichten, Meldeformulare und Datenschutz
- Onkologische Prozedurenerfassung im OPS: Chemotherapie, Strahlentherapie, Operationen
- Schnittstellen zwischen Kodierfachkraft und Tumorzentrum
Praxisorientierte Fallarbeit und Übungen Folgende anwendungsbezogene Formate prägen die Unterrichtsphasen.
- Kodierung realer Entlassungsbriefe und klinischer Dokumentationen aus verschiedenen Fachabteilungen
- PEPP-Kodierübungen anhand psychiatrischer Fallszenarien unterschiedlicher Komplexität
- Tumorfall-Kodierungen mit vollständiger TNM- und Histologiedokumentation
- Grouping-Simulationen: welche Kodierung führt zu welcher DRG oder PEPP-Gruppe?
- Fehleranalyse: typische Kodierungsfehler erkennen und regelgeleitet korrigieren
- Prüfsituationen simulieren: Dokumentation für Anfragen des Medizinischen Dienstes aufbereiten
- Praxisübungen in Grouper-Software und medizinischen Informationssystemen
- Fachgespräche simulieren: Rückfragen an ärztliches Personal zielgerichtet formulieren
- Qualitätssicherung der eigenen Kodierung durch Peer-Review-Übungen
- Fallkonferenzen mit komplexen Mehrfachdiagnosen und Komorbiditäten
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung sind die Teilnehmenden in der Lage –
- medizinische und pflegerische Dokumentation sicher in ICD-10-GM und OPS-Codes zu übertragen
- Kodierrichtlinien korrekt anzuwenden und Haupt- und Nebendiagnosen regelkonform zu benennen
- das DRG-System in seinen Grundzügen zu verstehen und den Zusammenhang zwischen Kodierung und Vergütung herzustellen
- psychiatrische und psychosomatische Behandlungsfälle nach dem PEPP-System zu kodieren
- PEPP-relevante Diagnosen und Prozeduren zu identifizieren und korrekt zuzuordnen
- Tumorerkrankungen nach ICD-10-GM Onkologie, einschließlich Morphologiecodes und TNM-Klassifikation, zu kodieren
- Grundsätze und Standards der klinischen Tumordokumentation anzuwenden und Meldepflichten an Krebsregister zu kennen
- medizinische Informationssysteme und Krankenhaus-IT-Systeme im Kodierkontext zu nutzen
- häufige Kodierungsfehler zu erkennen und durch regelgeleitetes Vorgehen zu vermeiden
- Rückfragen an ärztliches Personal und Pflegepersonal zielgerichtet und effizient zu formulieren
- Abrechnungsunterlagen auf Vollständigkeit und Plausibilität zu prüfen
- die eigene Kodierarbeit qualitätssichernd zu dokumentieren und nachvollziehbar zu halten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an medizinisches und pflegerisches Fachpersonal mit Berufserfahrung in der klinischen Krankenversorgung. Typische Teilnehmerprofile
- Medizinische Fachangestellte, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger mit klinischer Erfahrung
- Pflegefachkräfte aus dem Krankenhaus, die in die medizinische Dokumentation wechseln möchten
- Fachkräfte aus medizinischen Dokumentationsbereichen ohne strukturierte Kodierqualifikation
- Mitarbeiter/-innen in psychiatrischen Einrichtungen, die das PEPP-System professionell beherrschen wollen
- Personen aus onkologischen Zentren oder Tumorzentren, die Tumordokumentation systematisch erlernen möchten
Vorausgesetzt werden eine mindestens dreijährige abgeschlossene Berufsausbildung im medizinischen oder pflegerischen Bereich sowie Berufserfahrung in der klinischen Krankenversorgung. Diese Anforderung stellt sicher, dass Teilnehmende klinische Abläufe, medizinische Terminologie und Dokumentationslogik aus der Praxis kennen – denn Kodierung lässt sich nur sinnvoll erlernen, wenn man versteht, was kodiert wird. Grundlegende PC-Anwenderkenntnisse sind für die Arbeit mit Kodierungssoftware und medizinischen Informationssystemen erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet systematische Lehreinheiten zu Klassifikationssystemen und Kodierrichtlinien mit intensiver Fallarbeit. Die Arbeit an echten Entlassungsbriefen, klinischen Dokumentationen und Fallszenarien steht im Mittelpunkt, weil Kodierung eine hochgradig anwendungsorientierte Kompetenz ist, die durch Wiederholung und Fehleranalyse erworben wird. Online-Lernmodule ermöglichen das flexible Selbststudium von Klassifikationssystemen und Kodierrichtlinien, Präsenzphasen oder Live-Online-Einheiten dienen der Fallarbeit und dem direkten Feedback. Der Kurs nutzt Grouper-Software und medizinische Informationssysteme praxisnah, sodass Teilnehmende direkt auf Werkzeuge vorbereitet werden, die im Krankenhaus eingesetzt werden.
Die Weiterbildung erstreckt sich über mehrere Monate mit mehreren Hundert Unterrichtsstunden. Die genaue Stunden- und Termingestaltung variiert je nach Anbieter; das Programm ist für Vollzeitformat ausgelegt oder kann in Teilzeitform für berufstätige Fachkräfte angeboten werden.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat als Kodierfachkraft. Das Zertifikat wird von Krankenhäusern, Trägern medizinischer Dokumentation und Medizincontrolling-Abteilungen als Qualifikationsnachweis für eigenständige Kodierarbeit anerkannt. Es ist kein staatlich regulierter Abschluss, entspricht jedoch dem Standard, den Arbeitgeber für Kodierpositionen im stationären Sektor erwarten.
Nutzen & Perspektiven
Klinische Kodierung ist ein Berufsbild, das in deutschen Krankenhäusern systematisch nachgefragt wird – und das aus gutem Grund: Fehler in der Kodierung kosten Krankenhäuser Geld und können Prüfungen des Medizinischen Dienstes auslösen, während eine korrekte und vollständige Kodierung die Vergütung sichert und die Qualitätsberichterstattung fundiert. Wer nach diesem Kurs als Kodierfachkraft tätig ist, trägt unmittelbar zur wirtschaftlichen Stabilität einer Einrichtung bei. Die Kombination aus psychiatrischer PEPP-Kodierung und onkologischer Tumordokumentation macht diesen Kurs für spezialisierte Einrichtungen besonders attraktiv: Psychiatrie- und Psychosomatikkliniken suchen gezielt nach Fachkräften, die das PEPP-System beherrschen, und onkologische Zentren brauchen qualifizierte Tumordokumentaristen für Krebsregister und Zertifizierungsanforderungen. Wer beides beherrscht, ist auf einem Stellenmarkt positioniert, auf dem spezialisiertes Wissen rar und entsprechend gefragt ist. Langfristig eröffnet die Qualifikation zur Kodierfachkraft auch Wege ins Medizincontrolling, in die Qualitätssicherung und in den Prüfungsdialog mit dem Medizinischen Dienst – allesamt Bereiche, die klinisches Verständnis mit Kodier- und Abrechnungswissen kombinieren und für die es kaum geradlinigere Qualifizierungswege gibt als diesen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Worin unterscheidet sich dieser Kurs vom Kurs „Kodierung Innere Medizin und Onkologie"?
Dieser Kurs ist breiter angelegt und umfasst die klinische Kodierung als Ganzes – von ICD-10-GM über OPS bis zu den Grundlagen des DRG-Systems. Besondere Schwerpunkte sind die psychiatrische Kodierung nach PEPP und die onkologische Tumordokumentation, die in Psychiatriefachabteilungen und onkologischen Zentren benötigt wird. Der Kurs „Kodierung Innere Medizin und Onkologie" hat dagegen einen spezifisch somatischen Fokus auf die innere Medizin und Onkologie im DRG-Umfeld und vertieft dort die Kodierlogik, ohne den psychiatrischen PEPP-Bereich zu umfassen.
Was ist PEPP und wofür wird dieses System benötigt?
PEPP – Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik – ist das seit 2013 eingeführte Abrechnungssystem für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen in Deutschland. Es funktioniert ähnlich wie das DRG-System für somatische Krankenhäuser: Behandlungsfälle werden anhand von Diagnosen und Prozeduren in Entgeltklassen eingruppiert. Kodierfachkräfte, die in Psychiatriefachabteilungen oder psychosomatischen Kliniken arbeiten, müssen das PEPP-System beherrschen, da es die Vergütung der Einrichtung direkt beeinflusst.
Was umfasst die Tumordokumentation in diesem Kurs?
Tumordokumentation ist die strukturierte Erfassung von Krebserkrankungen für klinische, statistische und forschungsbezogene Zwecke. In diesem Kurs wird die Tumordokumentation sowohl kodierungsbezogen (ICD-10-GM Onkologie, Morphologiecodes, TNM-Klassifikation) als auch dokumentarisch vermittelt: Wie werden Tumorerkrankungen nach einheitlichen Standards erfasst? Welche Krebsregister existieren in Deutschland und wie werden Meldepflichten erfüllt? Ziel ist die Fähigkeit, onkologische Krankenakten vollständig und korrekt zu kodieren und zu dokumentieren.
Welche Vorkenntnisse werden für den Kurs benötigt?
Eine mindestens dreijährige abgeschlossene Berufsausbildung im medizinischen oder pflegerischen Bereich sowie Berufserfahrung in der klinischen Krankenversorgung werden vorausgesetzt. Diese Zugangsvoraussetzungen stellen sicher, dass Teilnehmende medizinische Begriffe und klinische Abläufe kennen – denn Kodierung setzt das Verstehen klinischer Sachverhalte voraus, nicht nur das Nachschlagen in Tabellen.
Welcher Abschluss wird erworben?
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat als Kodierfachkraft. Dieses Zertifikat ist kein staatlich regulierter Abschluss, wird aber von Krankenhäusern und Trägern medizinischer Dokumentation als Qualifikationsnachweis anerkannt. Da die Kodierung von Krankenhausfällen unmittelbaren Einfluss auf die Vergütung hat, legen Arbeitgeber besonderen Wert auf nachgewiesene und strukturiert vermittelte Kodierkompetenzen.
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