Überblick
Die medizinische Kodierung in den Fachgebieten Pädiatrie und Gynäkologie zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben im klinischen Dokumentationswesen. Beide Disziplinen verfügen über eigene Diagnoseschlüssel, komplexe DRG-Strukturen und fachspezifische OPS-Codes, die präzise Kenntnisse der jeweiligen Krankheitsbilder, Behandlungsverfahren und Abrechnungssystematiken voraussetzen. Diese Weiterbildung vermittelt das spezialisierte Fachwissen, das medizinische Kodierfachkräfte, Dokumentationsassistenten und MFAs benötigen, um Diagnosen und Prozeduren in diesen Bereichen korrekt, vollständig und DRG-konform zu verschlüsseln. Im Mittelpunkt stehen die fachspezifischen Besonderheiten der ICD-10-GM-Klassifikation für pädiatrische und gynäkologische Erkrankungen sowie die zugehörigen OPS-Ziffern für diagnostische und therapeutische Eingriffe. Die DRG-Logik wird für beide Fachgebiete separat erarbeitet, sodass Teilnehmende verstehen, welche Haupt- und Nebendiagnosen welche Fallpauschalen beeinflussen und warum eine sorgfältige Dokumentation unmittelbar auf die Erlöse einer Einrichtung wirkt.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der medizinischen Kodierung und DRG-System Das erste Modul legt das Fundament für alle weiteren Lerninhalte. Teilnehmende erarbeiten den Aufbau des G-DRG-Systems, die Rolle der ICD-10-GM als Diagnoseklassifikation und die Funktion der OPS als Prozedurenklassifikation. Die Deutschen Kodierrichtlinien werden als verbindliches Regelwerk eingeführt, und die grundlegende Logik, nach der Hauptdiagnose, Nebendiagnosen und Prozeduren zu einem DRG-Grouper-Ergebnis führen, wird systematisch erschlossen.
- Aufbau und Logik des G-DRG-Systems: MDC, DRG-Gruppen, PCCL
- ICD-10-GM-Struktur: Kapitel, Gruppen, Kategorien, Subkategorien
- OPS-Aufbau und Prozedurenklassen
- Deutsche Kodierrichtlinien (DKR): Definitionen Hauptdiagnose, Nebendiagnose, Prozedur
- Grouper-Simulation: Wie ein Kodierfall zur DRG wird
- Dokumentationsqualität als Erlösfaktor
Pädiatrie und Neonatologie — Diagnosen und Verfahren Die Pädiatrie deckt das gesamte Spektrum von der Neugeborenenperiode bis zum Ende des Jugendalters ab. Dieses Modul behandelt die fachspezifischen ICD-10-GM-Kapitel, die für Kinderheilkunde und Neonatologie relevant sind, und zeigt, wie sich die DRG-Logik in der P-MDC von erwachsenenmedizinischen Fällen unterscheidet. Frühgeburtlichkeit, angeborene Fehlbildungen und perinatale Erkrankungen erfordern besondere Kodierkonventionen.
- Neonatologische ICD-10-GM-Kapitel P00–P96: perinatale Erkrankungen
- Angeborene Fehlbildungen Q00–Q99: Auswahl und DRG-Relevanz
- Pädiatrische Infektionskrankheiten und Atemwegserkrankungen kodieren
- Frühgeborene: Gewichtsgrenzen, Reifegrad und DRG-Auswirkungen
- OPS für neonatologische Intensivmedizin: Beatmungsstunden, Monitoring
- Häufige pädiatrische Prozeduren: Sonografie, Endoskopie, Injektionen
Gynäkologie — Diagnosen, Eingriffe und Geburtshilfe Die Gynäkologie verbindet zwei Kodierbereiche: die nicht-geburtshilfliche Gynäkologie mit Tumorerkrankungen, Entzündungen und operativen Eingriffen sowie die Geburtshilfe mit ihren spezifischen Abrechnungsregeln. Dieses Modul vermittelt die ICD-10-GM-Kapitel N, C (gynäkologische Malignome) und O (Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett) sowie die zugehörigen OPS-Codes für laparoskopische, hysteroskopische und geburtshilfliche Verfahren.
- ICD-10-GM Kapitel N70–N99: entzündliche und nicht-entzündliche gynäkologische Erkrankungen
- Gynäkologische Malignome C51–C58: Kodierung und DRG-Einordnung
- Kapitel O00–O99: Schwangerschaftskomplikationen, Entbindung, Wochenbettkomplikationen
- OPS für gynäkologische Eingriffe: Laparoskopie, Hysterektomie, Konisation
- Geburtshilfliche OPS: Spontangeburt, Sectio caesarea, vaginal-operative Entbindungen
- Perinatale Komplikationen: Plazentaanomalien, vorzeitige Wehen, HELLP-Syndrom
Praxisblock: Fallkodierung und Qualitätssicherung In diesem praxisnahen Block werden reale Kodierszenarien aus beiden Fachgebieten bearbeitet. Fallbeispiele aus der Neonatologie, Pädiatrie und Gynäkologie/Geburtshilfe werden vollständig kodiert, Fehlerquellen identifiziert und Optimierungspotenziale erarbeitet. MDK-Prüflogik und häufige Angriffspunkte bei Rechnungsprüfungen werden anhand typischer Fallkonstellationen besprochen.
- Fallbeispiel Frühgeborenes: Gewicht 1.200 g, Beatmung, perinatale Infektion
- Fallbeispiel Sectio mit postoperativer Komplikation
- Fallbeispiel gynäkologisches Malignom mit Lymphonodektomie
- Fallbeispiel pädiatrische Pneumonie mit stationärer Komplikation
- Mehrtägige Fallverläufe kodieren: Haupt- und Nebendiagnosen-Selektion
- Häufige MDK-Prüfpunkte in Pädiatrie und Gynäkologie
- Kodierreviews: systematische Fehlersuche in Abrechnungsdaten
- Rückfragen an den ärztlichen Dienst: wann und wie formulieren
- Dokumentationsoptimierung im klinischen Alltag
- DRG-Grouping-Simulationen mit Fallvergleichen
- Qualitätssicherung: interne Kodieraudits und Kalibrierungsrunden
- Erlössicherung durch vollständige Nebendiagnosen-Erfassung
Der Praxisblock verankert das theoretische Wissen in realitätsnahen Szenarien und schärft das Urteilsvermögen für die tägliche Kodierarbeit in Klinik oder Krankenhaus-Controlling. Teilnehmende lernen, den Blick zu entwickeln, der einen lückenhaften von einem vollständigen Kodierfall unterscheidet. Am Ende des Kurses sind die Teilnehmenden in der Lage, Kodieraufgaben in pädiatrischen und gynäkologischen Abteilungen eigenständig zu übernehmen, DRG-Optimierungspotenziale zu erkennen und die Kommunikation mit dem ärztlichen Dienst zur Dokumentationsverbesserung professionell zu gestalten.
Lernziele:
- ICD-10-GM-Systematik für pädiatrische Erkrankungen sicher anwenden — von Neugeborenenperiode bis Adoleszenz
- Gynäkologische und geburtshilfliche Diagnosen regelgerecht nach ICD-10-GM verschlüsseln
- OPS-Codes für operative, interventionelle und diagnostische Eingriffe in Pädiatrie und Gynäkologie korrekt auswählen
- Neonatologie-spezifische Besonderheiten in der DRG-Abrechnung (P-MDC) erkennen und berücksichtigen
- Gynäkologische Haupt- und Nebendiagnosen DRG-relevant priorisieren
- Geburtshilfliche Prozeduren (Entbindungsarten, Dammrisse, perinatale Komplikationen) präzise kodieren
- Fehlerhafte Mehrfachkodierungen und unzulässige Kombinationen vermeiden
- Kodierrichtlinien der Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) fachspezifisch interpretieren
- Dokumentationslücken erkennen und qualifizierte Anfragen an den ärztlichen Dienst stellen
- DRG-Casemix-Effekte durch korrekte Nebendiagnosen-Selektion verstehen
- Zusammenhang zwischen vollständiger Kodierung, MDK-Prüfstabilität und Erlössicherung einschätzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind oder eine Tätigkeit im Bereich der medizinischen Kodierung und Dokumentation anstreben. Grundkenntnisse im medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich sind Voraussetzung.
- Medizinische Fachangestellte, die sich auf Kodierung spezialisieren möchten
- Angestellte in der medizinischen Dokumentation, die fachspezifische Tiefe suchen
- MFAs und Pflegefachkräfte im Krankenhaus, die DRG-Wissen aufbauen wollen
- Quereinsteiger mit medizinischem oder kaufmännischem Grundwissen
- Personen in der Abrechnung oder im Medizincontrolling
Grundkenntnisse im medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich werden vorausgesetzt. Für den Einstieg in die Kodierlogik sind Grundkenntnisse in medizinischer Terminologie hilfreich, da Diagnosebezeichnungen, Fachbegriffe aus der Pädiatrie und Gynäkologie sowie lateinische Kürzel im Kursverlauf selbstverständlich verwendet werden. Solide PC-Anwenderkenntnisse werden ebenso benötigt, da Kodiersoftware und Grouper-Simulationen am Bildschirm erarbeitet werden.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet systematischen Aufbau von Kodier-Fachwissen mit fallbasiertem Lernen, das typischen Arbeitsroutinen in der medizinischen Dokumentation entspricht. Lernvideos, interaktive Kodierübungen und kommentierte Fallbeispiele wechseln sich ab, sodass Theorie unmittelbar in praktische Anwendung überführt wird. Beide Fachgebiete — Pädiatrie und Gynäkologie — werden in separaten, in sich abgeschlossenen Lerneinheiten bearbeitet, die aufeinander aufbauen, aber auch selektiv vertieft werden können. Die Teilnehmenden arbeiten mit realen ICD-10-GM- und OPS-Katalogen sowie DRG-Grouper-Simulationen, die den Praxisbezug sicherstellen.
Die Weiterbildung ist als eigenständiges Spezialisierungsmodul konzipiert und schließt an grundlegende Kodierkenntnisse an. Der Lernaufwand orientiert sich an der Tiefe beider Fachgebiete und umfasst sowohl theoretische Einheiten als auch ausgedehnte Praxisphasen mit Fallkodierungen. Das Lerntempo ist individuell anpassbar, sodass Berufstätige den Kurs berufsbegleitend absolvieren können. Konkrete Wochen- und Stundenangaben entnehmen Sie bitte dem aktuellen Angebot des jeweiligen Bildungsträgers.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers, die die erworbenen Fachkenntnisse in der Kodierung von Pädiatrie und Gynäkologie dokumentiert. Dieses Zertifikat ist im Berufsfeld der medizinischen Kodierfachkräfte und der klinischen Dokumentation anerkannt und ergänzt bestehende Qualifikationen als Medizinische Fachangestellte, DRG-Beauftragte oder Dokumentationsassistenz.
Nutzen & Perspektiven
Die Spezialisierung auf Pädiatrie und Gynäkologie eröffnet Kodierfachkräften einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber generalistisch ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen. Kliniken, Krankenhäuser und spezialisierte Praxen suchen gezielt nach Fachkräften, die in diesen komplexen Bereichen sicher kodieren können — denn Fehler in der DRG-Abrechnung wirken sich unmittelbar auf die Erlössituation der Einrichtung aus. Wer beide Fachgebiete beherrscht, ist in der Lage, eigenständig vollständige Kodierreviews durchzuführen und Qualitätssicherungsmaßnahmen zu gestalten. Für berufliche Wiedereinsteiger sowie für MFAs, die vom Praxisbereich in den klinischen Kontext wechseln möchten, bietet diese Weiterbildung den strukturierten Einstieg in ein gefragtes Spezialgebiet. Die Kombination aus ICD-10-GM, OPS und DRG-Logik — angewendet auf zwei medizinische Fachrichtungen — schafft ein Kompetenzprofil, das über einfache Dateneingabe hinausgeht und tatsächliche Dokumentationsverantwortung ermöglicht. Längerfristig zahlt sich die Investition in diese Spezialisierung durch breitere Einsatzmöglichkeiten aus: Medizincontrolling, Qualitätsmanagement in Perinatalzentren, Abrechnungsüberprüfung in gynäkologischen Schwerpunktkliniken oder Tätigkeit als interne Kodierauditorin — all das sind realistische Karriereschritte, die auf dieser Weiterbildung aufbauen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet die Kodierung in Pädiatrie und Gynäkologie von der allgemeinen medizinischen Kodierung?
Beide Fachgebiete haben eigene ICD-10-GM-Kapitel, spezifische OPS-Codes und besondere DRG-Logiken. Die Pädiatrie kennt etwa die P-MDC für Neugeborene mit gewichtsabhängigen Fallpauschalen, die Gynäkologie unterscheidet zwischen geburtshilflichen und nicht-geburtshilflichen DRGs. Diese Feinheiten erfordern gezielte Spezialisierung.
Muss ich bereits Grundlagen der Kodierung kennen, bevor ich diesen Kurs belege?
Grundkenntnisse im medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich sind empfehlenswert. Der Kurs baut eine solide Kodier-Basis auf, aber Teilnehmende ohne jegliche Berührungspunkte mit Gesundheitswesen oder Dokumentation sollten zunächst einen allgemeinen Kodiergrundlagenkurs absolvieren.
Welche Berufsmöglichkeiten ergeben sich nach dieser Spezialisierung?
Typische Einsatzfelder sind Perinatalzentren, gynäkologische Fachabteilungen in Krankenhäusern, Medizincontrolling sowie Abrechnungsüberprüfung. Auch Tätigkeiten als interne Kodierauditorin oder Qualitätssicherungsbeauftragte in der Dokumentation sind mögliche Berufsperspektiven.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dem Kurs?
Sie erhalten eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers, die Ihre Fachkenntnisse in der Kodierung von Pädiatrie und Gynäkologie dokumentiert. Diese Bescheinigung ergänzt vorhandene Qualifikationen als MFA oder Dokumentationsassistenz sinnvoll.
Kann ich diesen Kurs berufsbegleitend absolvieren?
Ja, die meisten Anbieter gestalten dieses Spezialisierungsmodul flexibel, sodass Berufstätige den Lernfortschritt selbst steuern können. Onlineanteile ermöglichen das Lernen unabhängig von festen Präsenzzeiten.
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