Überblick
Die psychiatrische und psychosomatische Versorgung unterscheidet sich in ihrer Dokumentation und Abrechnung grundlegend von somatischen Kliniken. Das Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) stellt besondere Anforderungen an die medizinische Kodierung — sowohl bei der Diagnosedokumentation nach ICD-10-GM als auch bei der Leistungserfassung nach dem Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS). Dieser Kurs richtet sich an Personen mit Grundkenntnissen im medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich, die für die Aufgaben der medizinischen Kodierung in psychiatrischen oder psychosomatischen Einrichtungen ausgebildet werden möchten. In kompakter Form — ein- bis maximal vier Wochen — werden die wesentlichen Kodierprinzipien, systemspezifischen Besonderheiten und Anforderungen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) vermittelt.
Kursinhalte & Lernziele
Einführung in das PEPP-System Dieser erste Block schafft das konzeptionelle Fundament für alle weiteren Inhalte. Das PEPP-System weicht in wesentlichen Punkten von der DRG-Logik somatischer Krankenhäuser ab und muss als eigenständiges Abrechnungssystem verstanden werden.
- Entstehung und Weiterentwicklung des PEPP-Entgeltsystems seit seiner Einführung
- Grundstruktur der PEPP-Kategorien: Prä-PEPP, Basis-PEPP und ergänzende Tagesentgelte
- Rolle der Behandlungstage und ihrer Gewichtung in der Abrechnungslogik
- Abgrenzung zu DRG: warum die psychiatrische Versorgung ein eigenes Entgeltsystem benötigt
- Schnittstellen zwischen klinischer Dokumentation, Kodierung und dem Erlösmanagement
- Rechtliche Grundlagen: Psych-Entgeltgesetz, Bundespflegesatzverordnung und aktuelle Rahmenbedingungen
Kodierung von Diagnosen in der Psychiatrie und Psychosomatik Im Mittelpunkt dieses Blocks steht die korrekte Anwendung des ICD-10-GM in der psychiatrischen Kodierpraxis. Psychiatrische und psychosomatische Diagnosen weisen spezifische Kodierregeln auf, die sich von internistischen oder chirurgischen Fächern unterscheiden.
- Aufbau und Systematik des ICD-10-GM im Bereich Kapitel V (Psychische und Verhaltensstörungen) und Kapitel VII
- Hauptdiagnose-Kodierung in der stationären Psychiatrie nach den Deutschen Kodierrichtlinien (DKR-Psych)
- Nebendiagnosen und Komorbiditäten: Regeln für Auswahl und Dokumentationstiefe
- Symptomdiagnosen, nicht näher bezeichnete Kodes und ihre Auswirkungen auf die PEPP-Zuordnung
- Häufige Diagnosegruppen: affektive Störungen, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen
- Besonderheiten bei der Kodierung von Demenzerkrankungen im psychiatrischen Setting
Leistungserfassung mit OPS in der Psychiatrie und Psychosomatik Der OPS-Kode 9-40 und verwandte Kodes sind das zentrale Instrument der Leistungsabbildung im PEPP-System. Dieser Block vermittelt sowohl die Systematik der relevanten OPS-Gruppen als auch die Dokumentationsanforderungen, die für eine korrekte Zuordnung notwendig sind.
- OPS-Systematik für psychiatrische und psychosomatische Behandlungen (OPS-Klassen 9-40 bis 9-42)
- Mindestmerkmale der psychiatrischen und psychosomatischen Institutsambulanzen
- Therapieminuten-Regelungen: Erfassung, Dokumentationspflichten und Nachweise
- Gruppentherapie, Einzeltherapie und ergotherapeutische Leistungen korrekt kodieren
- Soziotherapeutische und arbeitstherapeutische Maßnahmen im OPS abbilden
- Kodeauswahl bei Kombinationsbehandlungen und tagesstrukturierenden Programmen
Besonderheiten der Dokumentation im PEPP-System Dokumentation in der Psychiatrie und Psychosomatik hat spezifische Anforderungen, die direkt aus den Abrechnungsregeln des PEPP-Systems abgeleitet sind. Fehler in der Dokumentation führen unmittelbar zu Abrechnungsverlusten.
- Vollständige Behandlungsdokumentation als Abrechnungsgrundlage: was muss wann vorliegen
- Therapiepläne und Verlaufsdokumentation als PEPP-relevante Belege
- Behandlungstage, Einstufungsdokumentation und deren korrekte Erfassung im Klinikinformationssystem
- Typische Dokumentationslücken und ihre Auswirkungen auf die PEPP-Erlösgruppe
- Praktische Arbeitsabläufe zwischen Pflege, Therapie, ärztlichem Dienst und klinischer Dokumentation
- Datenschutz bei der Verarbeitung psychiatrischer Patientendaten
MDK im PEPP-System Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) sind im PEPP-System ein eigenständiges Themenfeld. Psychiatrische Einrichtungen werden nach anderen Prüfungsschwerpunkten auditiert als somatische Krankenhäuser.
- Rechtsgrundlagen der MDK-Prüfung nach § 275 SGB V im PEPP-Kontext
- Typische Prüfungsschwerpunkte des MDK in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen
- Bereitstellung prüfrelevanter Unterlagen: was der MDK anfordert und wie es strukturiert wird
- Häufige Beanstandungen und wie sie durch vollständige Dokumentation vermieden werden
- Kommunikation und Ablauf bei einer MDK-Prüfung vor Ort
Praxisblock: Kodierfälle und Anwendungsübungen Der abschließende Praxisteil verbindet alle Module zu einem integrierten Kompetenzprofil. Anhand realer Fallszenarien werden Diagnose- und OPS-Kodierung sowie Dokumentationsbeurteilung geübt.
- Psychiatrische Fallbeispiele vollständig kodieren: ICD-10-GM + OPS, PEPP-Zuordnung ableiten
- Diagnosedokumentation auf Kodierbarkeit prüfen und Verbesserungshinweise formulieren
- OPS-Kodes auf Vollständigkeit und Korrektheit überprüfen
- PEPP-Erlösgruppenermittlung anhand kodierter Fallbeispiele
- Vorbereitung einer MDK-Akte anhand eines Übungsfalles
- Fehleranalyse: typische Kodierungsfehler identifizieren und korrekt bereinigen
- Dokumentationsbewertung aus der MDK-Perspektive simulieren
- Kodeauswahl bei Komorbiditäten und schwer abgrenzbaren Diagnosegruppen
- Abrechnungsrelevante Unterschiede zwischen vollstationär und tagesklinisch behandelten Fällen
- Anwendung der Deutschen Kodierrichtlinien (DKR-Psych) auf Grenzfälle
- Kodierkonventionen bei Verlegungen und Wiederaufnahmen im psychiatrischen Setting
- Zusammenfassung: Qualitätssicherung im Kodierprozess und typische Prüfungsfallen
Lernziele:
- Das PEPP-Entgeltsystem in seiner Grundstruktur und Abrechnungslogik verstehen
- Grundpauschalen, Zusatzentgelte und ergänzende Tagesentgelte im PEPP-System einordnen
- Psychiatrische und psychosomatische Diagnosen nach ICD-10-GM korrekt kodieren
- Hauptdiagnose, Nebendiagnosen und Symptomdiagnosen nach Kodierrichtlinien differenziert auswählen
- OPS-Kodes für psychiatrische und psychosomatische Leistungen regelkonform erfassen
- Besonderheiten der OPS-Kodierung bei Therapieleistungen in der Psychiatrie kennen
- Dokumentationsanforderungen im PEPP-System strukturiert und vollständig erfüllen
- Häufige Dokumentationsfehler und ihre Auswirkungen auf die Abrechnung benennen
- Anforderungen des MDK an Unterlagen und Dokumentation im PEPP-Kontext kennen
- MDK-Prüfungen vorbereiten und relevante Dokumentation bereitstellen
- Unterschiede zwischen somatischer DRG-Kodierung und PEPP-Kodierung einordnen
- Zusammenarbeit zwischen klinischer Dokumentation, ärztlichem Dienst und Abrechnung verstehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die in psychiatrischen oder psychosomatischen Einrichtungen tätig sind oder tätig werden möchten und dort Aufgaben der medizinischen Kodierung, Dokumentation oder Abrechnung übernehmen. Die Grundkenntnisse im medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich werden vorausgesetzt, um die klinischen und abrechnungsbezogenen Inhalte einordnen zu können.
- Medizinische Kodierfachkräfte, die ihr Wissen auf den psychiatrischen Bereich erweitern
- Fachkräfte für medizinische Dokumentation mit DRG-Hintergrund, die den Wechsel zu PEPP vollziehen
- Medizinische Fachangestellte in psychiatrischen Kliniken und Institutsambulanzen
- Krankenpflege- und Therapiepersonal, das für Kodieraufgaben qualifiziert werden soll
- Verwaltungsfachkräfte in psychiatrischen Einrichtungen mit Abrechnungsverantwortung
Für die Teilnahme werden Grundlagenkenntnisse im medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich erwartet. Diese können aus einer abgeschlossenen Ausbildung oder aus entsprechender Berufserfahrung stammen. Grundlegende PC-Anwenderkenntnisse sind notwendig, da der Kurs im Blended-Learning-Format stattfindet und digitale Lernmaterialien genutzt werden. Vorkenntnisse im DRG-Kodiersystem oder in der ICD-10-GM sind hilfreich, aber keine Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Blended-Learning-Format in Vollzeit durchgeführt. Präsenz- oder Online-Einheiten mit tutorieller Begleitung wechseln sich mit digitalem Selbststudium ab. Fallbeispiele aus der psychiatrischen und psychosomatischen Praxis werden als zentrales Lernmedium eingesetzt, um die Kodierregeln direkt in realistische Szenarien zu übersetzen. Die kompakte Kursform über ein- bis vier Wochen ermöglicht ein intensives, themenzentriertes Lernen.
Die Weiterbildung dauert mehr als eine Woche bis zu einem Monat und wird in Vollzeit angeboten. Der genaue Stundenumfang wird vom Anbieter bei der Anmeldung kommuniziert.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung beziehungsweise ein trägerinternes Zertifikat, das die erworbenen Kenntnisse in der psychiatrischen und psychosomatischen Kodierung nach PEPP, ICD-10-GM und OPS bestätigt. Es handelt sich um keinen staatlich anerkannten Abschluss. Die Bescheinigung ist als Fachqualifikationsnachweis für Positionen in der medizinischen Dokumentation psychiatrischer Einrichtungen anerkannt.
Nutzen & Perspektiven
Psychiatrische Kliniken und psychosomatische Fachabteilungen stehen unter zunehmendem Kodier- und Dokumentationsdruck. Das PEPP-System wird kontinuierlich weiterentwickelt, und die Anforderungen des MDK an die Dokumentationsqualität steigen. Gut ausgebildete Kodierfachkräfte, die die psychiatrie-spezifischen Besonderheiten von ICD-10-GM und OPS beherrschen, sind in diesen Einrichtungen schwer zu finden und entsprechend gefragt. Wer diese Weiterbildung abschließt, bringt nicht nur das nötige Regelwissen mit, sondern versteht den Gesamtzusammenhang: von der klinischen Behandlungsdokumentation über die Kodierung bis zur Erlösgruppe und der MDK-Prüfung. Dieses Systemverständnis ist der Unterschied zwischen einer Kodierkraft, die Kodes buchstäblich anwendet, und einer, die Dokumentationsmängel erkennt, Kodierqualität sichert und zur Erlössicherung der Einrichtung beiträgt. Der Kurs ist bewusst auf das psychiatrische und psychosomatische Segment fokussiert — nicht auf allgemeine Kodierung. Das bedeutet: Die OPS-Klassen 9-40 bis 9-42, die DKR-Psych und die PEPP-Spezifika werden in einer Tiefe vermittelt, die ein allgemeiner Kodiergrundlagenkurs nicht leisten kann. Für Fachkräfte, die in psychiatrischen Einrichtungen tätig sind oder werden wollen, ist diese Spezialisierung ein klarer Karrierevorteil.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das PEPP-System und warum ist es für die Kodierung relevant?
Das PEPP-System (Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik) ist das Abrechnungssystem für stationäre psychiatrische und psychosomatische Leistungen in Deutschland. Die Erlösgruppe einer Behandlung hängt direkt von der Kodierqualität — also der korrekten Auswahl von ICD-10-GM-Diagnosen und OPS-Leistungskodes — ab. Fehler in der Kodierung führen zu Erlösverlusten oder MDK-Beanstandungen.
Für wen eignet sich dieser Kurs — brauche ich medizinisches Vorwissen?
Der Kurs setzt Grundlagenkenntnisse im medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich voraus. Das können eine abgeschlossene Ausbildung als Medizinische Fachangestellte/r, Pflegefachkraft, Verwaltungsfachangestellte/r in einer Klinik oder vergleichbare Berufserfahrung sein.
Wie unterscheidet sich die Kodierung in der Psychiatrie von der somatischen DRG-Kodierung?
Im DRG-System somatischer Krankenhäuser sind Hauptdiagnose und operative Prozeduren zentral. Im PEPP-System spielen die tägliche Therapieleistung, Behandlungstage und strukturierte Dokumentation von OPS-Kodes aus dem Bereich 9-40 ff. die entscheidende Rolle. Die psychiatrischen Kodierrichtlinien (DKR-Psych) weichen in wichtigen Punkten von den allgemeinen DKR ab.
Was bedeutet MDK im PEPP-Kontext?
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüft stichprobenartig oder anlassbezogen, ob die Kodierung und Dokumentation einer Behandlung korrekt und vollständig war. Bei Mängeln können bereits ausgezahlte Erlöse zurückgefordert werden. Der Kurs bereitet gezielt auf die psychiatrie-spezifischen Prüfungsschwerpunkte des MDK vor.
Welche Karrierewege eröffnet diese Weiterbildung?
Absolventen qualifizieren sich für Stellen als medizinische Kodierfachkraft oder Dokumentationsassistenz in psychiatrischen Kliniken, Tageskliniken und psychosomatischen Fachabteilungen. Auch Positionen im Controlling, in der Qualitätssicherung oder in der Erlössicherung psychiatrischer Einrichtungen sind mit dieser Spezialisierung zugänglich.
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