Überblick
Diese Ausbildung vermittelt die theoretischen Grundlagen und praktischen Fertigkeiten, die für das Lichtbogenhandschweißen (E-Hand-Verfahren) an Stahl und nichtrostendem Stahl (CrNi) erforderlich sind. Im Mittelpunkt stehen das sichere Einrichten und Bedienen der Schweißanlagen, das Ausführen normgerechter Schweißnähte in verschiedenen Positionen sowie die Vorbereitung auf die Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606-1. Das E-Hand-Verfahren gehört zu den vielseitigsten und am weitesten verbreiteten Schweißtechniken im industriellen und handwerklichen Umfeld — wer es beherrscht, ist in vielen Branchen unmittelbar einsetzbar.
Kursinhalte & Lernziele
Theoretische Grundlagen des Lichtbogenhandschweißens Die Ausbildung beginnt mit dem notwendigen Fachwissen, das die Grundlage für sicheres und qualitativ hochwertiges Schweißen bildet. Teilnehmende lernen das E-Hand-Verfahren im Kontext anderer Schweißprozesse kennen und verstehen die physikalischen und metallurgischen Vorgänge, die beim Schweißen ablaufen.
- Grundprinzip des Lichtbogenhandschweißens: Lichtbogenbildung, Schmelzbad, Schlackebildung
- Unterschied zwischen E-Hand und anderen Schweißverfahren (MIG/MAG, WIG, UP)
- Schweißstromquellen: Typen, Kennlinien und Einsatzbereiche
- Elektrodentypen: Ummantelung, Bezeichnung nach DIN EN ISO 2560 und Auswahl nach Werkstoff und Naht
- Schweißparameter: Stromstärke, Polarität, Lichtbogenlänge — Einflussfaktoren auf die Nahtqualität
- Werkstoffe: unlegierter Baustahl, niedriglegierter Stahl, nichtrostender Stahl (austenitisches CrNi) — Eigenschaften und Schweißbarkeit
Normen, Qualitätssicherung und Sicherheit Dieses Modul vermittelt das normative Rahmenwerk, in dem Industrieschweißer:innen arbeiten. Die DIN EN ISO 9606-1 ist dabei zentral: Sie definiert, wie Schweißerprüfungen aufgebaut sind, welche Nahtarten und Positionen geprüft werden und für welche Gültigkeitsbereiche ein Zertifikat ausgestellt wird.
- Aufbau und Anforderungen der DIN EN ISO 9606-1: Prüfbedingungen, Gültigkeitsbereiche, Verlängerung
- Schweißnahtbezeichnungen: Stumpf-, Kehl- und Überlappnähte nach DIN EN ISO 17659
- Arbeitssicherheit im Schweißbetrieb: Gefährdungen durch UV-Strahlung, Rauche, Lärm und Stromschlag
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Schweißschutzschild, Schweißhandschuhe, Schutzkleidung
- Brandschutz am Schweißplatz: Brandwachen, Freigabeprozesse, Brandschutzdecken
- Pflege und Wartung von Schweißgeräten: regelmäßige Prüfungen und Betriebssicherheit
Praktisches Schweißen: Übungsphasen und Nahtausführung Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf der handwerklichen Praxis. Teilnehmende schweißen zunächst Übungsstücke, die schrittweise anspruchsvoller werden, bis die Fertigkeiten für die Prüfstücke ausreichen. Dabei werden unterschiedliche Nahtpositionen und Werkstoffe trainiert.
- Grundübungen: Zünden des Lichtbogens, Führen der Elektrode, gleichmäßige Nahtbreite
- Wandnaht und Flachnaht an Stahl: Einlagen- und Mehrlagentechnik
- Schweißen in Zwangspositionen: steigend (PF), über Kopf (PE), horizontal-vertikal (PC)
- Kehlnaht und Stumpfnaht: unterschiedliche Nahtvorbereitung und Ausführung
- Schweißen an nichtrostendem Stahl (CrNi): besondere Anforderungen an Wärmeeinbringung und Schutzmittel
- Nahtfehler: Bindefehler, Poren, Einbrandkerben, Heißrisse — Erkennung und Vermeidung
Nahtfehleranalyse und Qualitätsbewertung
- Sichtprüfung von Schweißnähten nach DIN EN ISO 17637
- Kategorisierung von Nahtfehlern nach Zulässigkeit gemäß DIN EN ISO 5817
- Häufige Ursachen von Unregelmäßigkeiten und gezielte Abhilfemaßnahmen
- Einflussfaktoren auf die Nahtgüte: Schweißgeschwindigkeit, Wärmeeinbringung, Elektrodenführung
- Naht-Dokumentation und Prüfprotokoll: was bei einer Prüfung erwartet wird
Prüfungsvorbereitung: Prüfstücke normgerecht schweißen In der abschließenden Phase der Ausbildung steht das Schweißen der Prüfstücke im Vordergrund. Teilnehmende setzen das gesamte in der Ausbildung Gelernte unter realistischen Bedingungen ein und schweißen die für die Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606-1 erforderlichen Stücke.
- Prüfungsanforderungen DIN EN ISO 9606-1: Probenabmessungen, Nahtart, Prüfpositionen
- Normgerechte Vorbereitung der Prüfstücke: Kantenvorbereitung, Heftschweißen
- Ausführung der Prüfnähte: Stumpf- und Kehlnaht in den relevanten Positionen
- Visuelle und messtechnische Bewertung des eigenen Prüfstücks
- Wiederholungsprüfungen: wann und wie eine erneute Prüfung notwendig wird
- Gültigkeitsdauer und Verlängerung des Schweißerzertifikats
Lernziele:
- Das E-Hand-Schweißverfahren sicher einrichten und betreiben
- Schweißparameter wie Stromstärke, Spannung und Elektrode situationsgerecht auswählen und einstellen
- Schweißnähte an unlegiertem Stahl und nichtrostendem Stahl (CrNi) in verschiedenen Nahtarten und Positionen ausführen
- Werkstoffe und ihr Verhalten beim Schweißen grundlegend verstehen
- Die relevanten Normen, insbesondere DIN EN ISO 9606-1, kennen und bei der Arbeit berücksichtigen
- Nahtfehler erkennen, klassifizieren und systematisch vermeiden
- Arbeitsschutzvorschriften und persönliche Schutzausrüstung (PSA) im Schweißbetrieb korrekt anwenden
- Schweißanlagen warten, pflegen und einfache Störungen beheben
- Prüfstücke normgerecht vorbereiten und unter Prüfbedingungen schweißen
- Die Gültigkeitsbereiche eines Schweißerprüfungszeugnisses interpretieren und kennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die handwerklich geschickt sind und in der Metalltechnik oder verwandten Branchen tätig werden wollen.
- Arbeitssuchende und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen mit Interesse an der Schweißtechnik
- Fachfremde und ungelernte Metallkräfte ohne formal abgeschlossene Ausbildung
- Personen aus Metallverarbeitungsberufen, die ihre Qualifikation durch ein anerkanntes Zertifikat dokumentieren wollen
- Industriefachkräfte, die das E-Hand-Verfahren für einen konkreten betrieblichen Einsatz erlernen
- Metallbauer:innen oder Schlosser:innen, die eine Wiederholungsprüfung benötigen
Technisches Verständnis, gute Handgeschicklichkeit und die Ausdauer, präzise mit den Händen zu arbeiten, sind entscheidend. Erfahrungen im Metall- oder Elektrobereich sind von Vorteil, aber keine Bedingung. Der Kurs ist auch für Personen ohne metallverarbeitenden Berufsabschluss zugänglich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet theoretischen Unterricht mit umfangreichen Übungseinheiten am Schweißplatz. Theorie und Praxis wechseln sich eng ab: Neue Konzepte werden zunächst im Unterricht erklärt und direkt anschließend in der Werkstatt erprobt. Die Ausbildung findet überwiegend als Präsenzveranstaltung statt — das E-Hand-Schweißen lässt sich nur durch handwerkliche Wiederholung wirklich erlernen. Vollzeittdurchführung ist Standard.
Die Kursdauer richtet sich nach dem angestrebten Prüfungsumfang und dem Lerntempo der Gruppe. Der Kurs ist auch als individuell angepasster Sonderlehrgang möglich, etwa wenn ein Betrieb spezifische Schweißaufgaben in einem bestimmten Verfahren vorbereitet. Wiederholungsprüfungen können in kürzeren Lehrgängen absolviert werden.
Wer die Schweißerprüfung erfolgreich besteht, erhält eine Prüfbescheinigung nach DIN EN ISO 9606-1. Diese international anerkannte Bescheinigung weist die Handfertigkeit für einen definierten Gültigkeitsbereich nach und ist im industriellen Umfeld als Qualifikationsnachweis anerkannt. Zusätzlich wird die Bezeichnung Lichtbogenhand-Schweißer:in vergeben. Wiederholungsprüfungen zur Verlängerung der Zertifikatsgültigkeit sind möglich.
Nutzen & Perspektiven
Das E-Hand-Schweißen ist ein Handwerk, das sich nicht durch Automatisierung ersetzen lässt, wo präzises, flexibles Arbeiten an komplexen Geometrien oder unter schwierigen Bedingungen gefragt ist. Fachkräfte mit DIN EN ISO 9606-1-Zertifikat werden in der Metall- und Stahlbaubranche, im Anlagenbau, in der Instandhaltung und im Sondermaschinenbau gezielt gesucht. Besonders die Kombination aus Stahl und CrNi erweitert den Einsatzbereich erheblich: Nichtrostender Stahl findet sich in der Lebensmittelindustrie, der Chemietechnik und dem Apparatebau — Bereiche, in denen Schweißer:innen mit nachgewiesener CrNi-Qualifikation besonders gefragt sind. Ein Lichtbogenhand-Schweißzertifikat öffnet damit Türen in unterschiedliche Industriesektoren. Wer nach dem Kurs die Prüfung ablegt, verfügt über einen international gültigen Nachweis, der direkt in den Bewerbungsprozess eingebracht werden kann und den Einstieg oder Wiedereinstieg in metallverarbeitende Berufe deutlich erleichtert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das E-Hand-Schweißverfahren?
Das Lichtbogenhandschweißen (E-Hand) ist ein manuelles Schweißverfahren, bei dem eine umhüllte Elektrode sowohl als Lichtbogenträger als auch als Zusatzwerkstoff dient. Es ist sehr vielseitig, funktioniert an verschiedenen Grundwerkstoffen und auch unter schwierigen Bedingungen — daher weit verbreitet im Stahl-, Anlagen- und Instandhaltungsbau.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dem Kurs?
Wer die Schweißerprüfung besteht, erhält eine Prüfbescheinigung nach DIN EN ISO 9606-1. Diese international anerkannte Bescheinigung weist die Schweißkompetenz für einen definierten Gültigkeitsbereich nach und ist in der Industrie als Qualifikationsnachweis anerkannt.
Was ist der Unterschied zwischen Stahl und CrNi beim Schweißen?
Nichtrostender Stahl (CrNi, z. B. austenitischer Edelstahl) reagiert empfindlicher auf Wärmeeinbringung und erfordert angepasste Elektroden sowie besondere Pflege beim Schweißen, um Korrosion der Naht zu vermeiden. Beide Werkstoffe werden in diesem Kurs separat geübt und geprüft.
Sind Vorkenntnisse im Schweißen notwendig?
Nein. Der Kurs ist auch für Einsteiger:innen ohne Schweißerfahrung zugänglich. Wichtig sind gute Handgeschicklichkeit, Konzentrationsfähigkeit und die Bereitschaft, präzises handwerkliches Arbeiten zu erlernen. Erfahrungen im Metallbereich sind von Vorteil.
Kann ich auch nur eine Wiederholungsprüfung absolvieren?
Ja. Der Kurs ist auch als individuell angepasster Sonderlehrgang oder als Wiederholungsprüfung buchbar — zum Beispiel wenn ein bestehendes Zertifikat nach DIN EN ISO 9606-1 verlängert werden muss.
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