Überblick
Wer Auszubildende fachgerecht begleiten und rechtssicher ausbilden will, braucht mehr als fachliche Expertise: Die Ausbildereignung nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) ist die gesetzlich verankerte Grundvoraussetzung, um als Ausbilder tätig zu werden und die Ausbildereignungsprüfung vor der zuständigen Kammer abzulegen. Diese Weiterbildung verbindet den vollständigen AdA-Kurs mit ergänzenden Modulen zu betriebswirtschaftlichen Grundlagen und EDV-Kenntnissen in Word und PowerPoint — und bereitet damit auf eine breit aufgestellte Ausbildertätigkeit vor.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Ausbildung der Ausbilder nach AEVO Die AEVO-Ausbildung ist das Herzstück dieser Weiterbildung und dauert in der Regel ca. acht Wochen. Das Modul deckt alle vier Handlungsfelder der AEVO ab: Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen, Ausbildung vorbereiten und Ausbildungsplan erstellen, Ausbildung durchführen sowie Ausbildung abschließen. Teilnehmende werden gezielt auf die Kammerprüfung vorbereitet, die aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil besteht.
- Berufliche Ausbildung im Überblick: Duales System, Ausbildungsberufe und gesetzliche Grundlagen
- BBiG und AEVO: Pflichten des Ausbildenden, Rechte und Pflichten der Auszubildenden
- Ausbildungsplan erstellen: Lernziele formulieren, Zeitplanung und betriebliche Umsetzung
- Ausbildungsmethoden: Vier-Stufen-Methode, Lehrgespräch, Unterweisung und weitere Lehrformen
- Pädagogische Gesprächsführung: Feedbackgeben, Motivationsförderung und Konfliktsituationen
- Prüfungswesen: Prüfungsarten, Bewertungsmaßstäbe und Aufgaben des Prüfungsausschusses
Modul 2: BWL — Betriebliche Prozesse und Wirtschaftsplanung Ausbilder sind nicht nur Pädagogen, sondern handeln in einem betrieblichen Kontext. Das Verständnis grundlegender betriebswirtschaftlicher Abläufe hilft dabei, Auszubildende in die Unternehmenswirklichkeit einzuführen und Ausbildungsinhalte sinnvoll in betriebliche Prozesse einzubetten. Dieses Modul umfasst ca. vier Wochen und vermittelt grundlegende BWL-Kenntnisse, die für eine praxisnahe Ausbilderrolle relevant sind.
- Aufbauorganisation und Ablauforganisation im Betrieb verstehen
- Wirtschaftseinheit Betrieb: Produktionsfaktoren, Wertschöpfung und betriebliche Kennzahlen
- Marktstrukturen und Wettbewerb: Grundbegriffe aus Mikro- und Makroökonomie
- Wirtschaftsplanung: Budgets, Kostenarten und einfache Planungsprozesse
- Betriebliche Kommunikation: interne Abläufe, Dokumentation und Berichtswesen
- Einführung in einfache Controlling-Konzepte für den Ausbildungsbereich
Modul 3: EDV-Spezialist — Administration Word und PowerPoint Schriftliche Ausbildungsnachweise, Lernzielkataloge, Unterweisungspläne und Präsentationen sind fester Bestandteil der Ausbilderarbeit. Dieses Modul, ebenfalls ca. vier Wochen umfassend, vermittelt die EDV-Kenntnisse, die für die professionelle Erstellung dieser Dokumente erforderlich sind. Der Fokus liegt auf Microsoft Word für Textdokumente und Microsoft PowerPoint für Präsentationen.
- Word: komplexe Dokumentvorlagen erstellen, Formatvorlagen und Textgliederungen
- Word: Tabellen, Grafiken und Querverweise für Ausbildungsunterlagen und Berichte
- Word: Serienbriefe und automatisierte Dokumenterstellung für Ausbildungsverwaltung
- PowerPoint: Folienmaster, Layouts und einheitliches Unternehmens-Design
- PowerPoint: Visualisierungen, Diagramme und interaktive Präsentationselemente
- PowerPoint: Präsentationstechniken und strukturierter Aufbau von Lehrpräsentationen
Modul 4: Praxisprojekt Ausbilderrolle Im abschließenden Praxismodul wenden Teilnehmende die Inhalte aller drei Vorkursmodule in einem integrierten Projekt an. Sie erstellen einen vollständigen betrieblichen Ausbildungsplan, entwickeln Unterweisungsunterlagen in Word, gestalten eine Präsentation für eine Ausbildungseinheit in PowerPoint und simulieren Ausbildungsgespräche unter Anleitung. Das Praxisprojekt stärkt die unmittelbare Handlungskompetenz für die Ausbilderrolle.
- Entwicklung eines vollständigen betrieblichen Ausbildungsplans für einen Ausbildungsberuf
- Unterweisungsprotokoll und Lernzielkatalog in Word erstellen
- Gestaltung einer Ausbildungspräsentation zu einem fachlichen Thema in PowerPoint
- Simulation einer Unterweisung mit Feedback-Runden
- Rechtliche Abschlussprozesse: Prüfungsanmeldung, Berichtshefte und Zeugniserstellung
- Abschlussbesprechung zu den vier Handlungsfeldern der AEVO
Die Praxisaufgaben im Kurs umfassen folgende Tätigkeiten —
- Erstellen eines vollständigen betrieblichen Ausbildungsplans für einen eigenen Ausbildungsberuf
- Formulierung von Lernzielen nach SMART-Kriterien für einen Ausbildungsabschnitt
- Erstellung und Präsentation einer Unterweisung nach der Vier-Stufen-Methode
- Erstellen eines Unterweisungsdokuments in Word mit Formatvorlagen und Tabellen
- Entwicklung einer PowerPoint-Präsentation für eine Ausbildungseinheit
- Analyse eines Fallbeispiels: schwieriges Ausbildungsgespräch und pädagogisch angemessene Reaktion
- Erstellen eines Musterdokuments für betriebliche Ausbildungsnachweise in Word
- Vorbereitung und Präsentation einer Kurzunterweisung vor der Gruppe
- Ausarbeitung einer Stellungnahme zu einem typischen Ausbildungsproblem (z. B. Fehlzeiten)
- Ausfüllen von Prüfungsanmeldungsunterlagen anhand eines Beispielausbildungsverhältnisses
- BWL-Fallstudie: Analyse betrieblicher Kennzahlen und Ableitung von Konsequenzen für die Ausbildungsplanung
- Erstellen eines Serienbriefs für Zeugnismitteilungen an Auszubildende
Die Praxisaufgaben stärken die unmittelbare Handlungskompetenz in der Ausbilderrolle und bereiten auf alle Teile der IHK-Kammerprüfung vor.
Lernziele:
- Ausbildungsberufe, Rahmenpläne und betriebliche Ausbildungspläne erklären und erstellen
- Lernziele präzise beschreiben und geeignete Ausbildungsmethoden situationsgerecht auswählen
- Rechtliche Grundlagen des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) und der AEVO auf die betriebliche Praxis anwenden
- Ausbildungsgespräche und Unterweisungen pädagogisch kompetent führen
- Prüfungsverfahren, Prüfungsausschüsse und das Bewertungssystem nach BBiG einordnen
- Lern- und Motivationsprobleme bei Auszubildenden erkennen und angemessen handeln
- Betriebliche Prozesse und Unternehmensorganisation grundlegend beschreiben
- Wirtschaftsplanungsprozesse und betriebliche Entscheidungslogiken verstehen
- Dokumente und Schulungsunterlagen professionell in Word erstellen und formatieren
- Präsentationen für Ausbildungsveranstaltungen mit PowerPoint strukturieren und gestalten
- Den Ausbildungsprozess von der Einstellung bis zur Prüfungsanmeldung vollständig begleiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die eine Ausbildereignung nach AEVO anstreben und neben dem Kernabschluss auch betriebswirtschaftliche und EDV-Kompetenzen in einem integrierten Lehrgang aufbauen wollen. Geeignet für Fachkräfte aus verschiedenen Branchen, die zukünftig Auszubildende betreuen sollen.
- Fachkräfte, die die Verantwortung als betrieblicher Ausbilder übernehmen sollen
- Personalverantwortliche, die die AEVO-Prüfung nachholen wollen
- Personen, die im Bildungsbereich oder in der Erwachsenenbildung tätig werden wollen
- Kaufmännische Fachkräfte, die ihre EDV- und pädagogischen Kompetenzen kombinieren wollen
- Quereinsteiger in die Ausbilderrolle, die umfassend auf die IHK-Prüfung vorbereitet werden möchten
Für die Teilnahme werden gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift vorausgesetzt. Eine abgeschlossene Berufsausbildung oder vergleichbare berufliche Erfahrung ist empfohlen, da die AEVO-Eignung für die praktische Ausbildertätigkeit voraussetzt, dass man Auszubildenden fachlich überlegenes Wissen vermitteln kann. Grundkenntnisse in der Arbeit mit Windows-Computern sind für die EDV-Module erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung verbindet angeleitete Unterrichtseinheiten mit praktischen Übungen und eigenständigen Ausarbeitungen. Im AEVO-Modul stehen Rollenspiele, Unterweisungssimulationen und Gruppen-Feedback im Vordergrund. Die BWL-Module arbeiten mit Fallstudien und Berechnungsaufgaben, die EDV-Module mit direkten Hands-on-Übungen am Computer. Die Struktur ermöglicht eine schrittweise Kompetenzentwicklung über alle drei inhaltlichen Säulen.
Die Gesamtdauer beträgt ca. 16 Wochen (AEVO-Kurs ca. 8 Wochen, BWL-Modul ca. 4 Wochen, EDV-Modul ca. 4 Wochen). Je nach Anbieter und Zeitmodell kann sich die Dauer unterscheiden. Vollzeit-Formate sind kompakter; berufsbegleitende Varianten dehnen sich entsprechend aus.
Der IHK-Abschluss AdA (Ausbilder für anerkannte Ausbildungsberufe) ist das zentrale Zertifikat dieses Kurses und wird nach erfolgreich bestandener Kammerprüfung ausgestellt. Daneben erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat über die absolvierte Gesamtweiterbildung einschließlich der BWL- und EDV-Module. Der AdA-Schein ist die gesetzlich geforderte Voraussetzung, um als verantwortlicher Ausbilder in einem anerkannten Ausbildungsberuf tätig zu sein.
Nutzen & Perspektiven
Die Ausbildereignung nach AEVO ist in Deutschland eine der stabilsten und beständig gefragten Qualifikationen im Bereich der beruflichen Bildung. Unternehmen aller Branchen sind auf qualifizierte Ausbilder angewiesen, und der IHK-Abschluss öffnet nicht nur den Weg zur betrieblichen Ausbildertätigkeit, sondern stärkt auch das eigene Profil als pädagogisch kompetente Fachkraft. Die Kombination aus AEVO, BWL und EDV in einer integrierten Weiterbildung ist besonders wertvoll, weil sie die drei Kompetenzdimensionen adressiert, die in der praktischen Ausbilderrolle zusammenwirken: pädagogisches Handwerk, betriebliches Kontextwissen und die technische Fähigkeit, professionelle Ausbildungsunterlagen zu erstellen. Wer alle drei Bereiche abgedeckt hat, kann vom ersten Tag an vollständig und eigenverantwortlich als Ausbilder agieren. Über die Ausbilderrolle hinaus ist die AEVO-Qualifikation auch für Personen relevant, die in der Erwachsenenbildung, im Personalentwicklungsbereich oder in der überbetrieblichen Ausbildung tätig werden wollen. Der IHK-Abschluss ist ein bundesweit anerkannter Nachweis pädagogischer Grundkompetenz und eröffnet damit ein breiteres Berufsfeld als die alleinige Ausbildertätigkeit im Betrieb.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der AdA-Schein und wer braucht ihn?
Der AdA-Schein (Ausbilder für anerkannte Ausbildungsberufe) ist der IHK-Abschluss nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO). Er ist in Deutschland die gesetzlich geforderte Voraussetzung, um als verantwortlicher Ausbilder in einem anerkannten Ausbildungsberuf tätig zu sein. Wer Auszubildende betreuen will, benötigt diesen Nachweis.
Wozu dienen die BWL- und EDV-Module in dieser Weiterbildung?
Die BWL-Module vermitteln betriebswirtschaftliche Grundlagen, die Ausbilder benötigen, um Auszubildende in Unternehmensabläufe einzuführen. Die EDV-Module in Word und PowerPoint stellen sicher, dass Ausbilder professionelle Unterweisungsunterlagen und Präsentationen selbst erstellen können. Beide Ergänzungen bereiten auf die Ausbilderrolle in der betrieblichen Praxis vor.
Wie läuft die IHK-Prüfung zum AdA-Schein ab?
Die Ausbildereignungsprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Im schriftlichen Teil werden Kenntnisse aus den vier Handlungsfeldern der AEVO abgeprüft. Im praktischen Teil führen Kandidaten eine Unterweisung durch. Der Kurs bereitet gezielt auf beide Prüfungsteile vor.
Brauche ich eine Berufsausbildung, um teilzunehmen?
Eine abgeschlossene Ausbildung ist nicht formal vorgeschrieben, aber empfohlen. Die AEVO-Eignung setzt voraus, dass Ausbilder über fachlich überlegenes Wissen gegenüber ihren Auszubildenden verfügen. In der Praxis wird eine abgeschlossene Berufsausbildung oder vergleichbare berufliche Erfahrung erwartet.
Ist die Weiterbildung auch berufsbegleitend möglich?
Ja. Viele Anbieter bieten diese Weiterbildung im berufsbegleitenden Format an. Die Gesamtdauer beträgt dann entsprechend länger als im Vollzeit-Format, aber der Kursumfang und die Prüfungsvoraussetzungen bleiben identisch.
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